Lieber Peter,
danke für die ausführliche Darstellung, die mich persönlich auch sehr interessiert. Für eine Linie HILLER suche ich eine Zuwanderung aus Württemberg nach Schlesien vor 1740, und um 1740 - 1750 von Schlesien in die Nähe von Miloslaw bei Posen.
Während die Städte auch im östlichen Niederschlesien alle schon von der
mittelalterlichen Kolonisation erfasst worden waren, wurden die Dörfer
östlich von Oels vielfach erst später deutsch besiedelt. In der uns
interessierenden Region Neumittelwalde setzte der entscheidende
Siedlungsschub erst im achtzehnten Jahrhundert ein. Für diese Region muss
man Deine Frage so beantworten, dass eine verstärkte Ansiedlung von Sachsen,
Hessen, Württembergern und Tschechen durch Friedrich den Großen schon ab
1742 erfolgte.
Das Herzogtum Oels kam bereits 1648 an die Württembergerer, daher kann man davon ausgehen, dass Zuwanderungen aus Württemberg prinzipiell ab 1648 erfolgen konnte. Hierzu ist aber die veröffentlichte Auswandererforschungen von Hacker interessant.
Eine erste Auswanderungswelle aus Württemberg in den Südosten Europas setzte 1688 ein nach der Befreiung Wiens (1683), der Wiederbefreiung Ofens (1686) und der Schlacht von Mohacs (1687)029;S.21.
Für das Auswanderungsziel scheint nach Hacker029;S.31 die Konfession eine gewisse Bedeutung gehabt zu haben. Erst am 17. September 1781 wurde die religiöse Toleranz für Galizien und am 13. Oktober 1781 für alle österreichischen Länder verkündet. Damit stand auch nicht katholischen Einwanderern der Südosten offen; sie hatten bisher, wenn sie nicht konvertieren wollten, außer nach Übersee, Dänemark oder Westpreussen im Südosten nur nach Siebenbürgen oder in eine calvinistische Herrschaft Ungarns ziehen können."
Von 1692 bis 1733 regierte evangelische Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (*1667,+1733), der 1733 ohne Nachkommen starb. Sein Nachfolger wurde der katholische Herzog Carl Alexander von Württemberg von 1734-1737, unter dem Württemberg wieder katholisch wurde und unter dessen Nachfolger Carl Eugen von Württemberg 1737-1793 auch blieb. Die Einführung der Katholizismus in Württemberg 1733 könnte ein geeigneter Grund für eine Auswanderung gewesen sein und trifft sich zeitlich mit der Besiedelung der Kreise Schrimm bzw. Schroda und Wreschen in Posen um 1740.
"Gleichzeitig mit den schwäbischen Kolonisten in Neumittelwalde entstanden
in seiner weiteren Umgebung durch die Initiative der Gutsherren und
gefördert durch staatliche Beihilfe zahlreiche Kolonien, wie Charlottenfeld,
Wegersdorf, Königswille u.a. Sie alle waren schon an ihrer Namensgebung,
aber auch in ihrer Anlage als Gründungen des 18. Jahrhunderts zu erkennen."
(aus dem Heftchen: Aus der Entwicklung von Neumittelwalde von Herbert
Schlenger, S. 24)
Kennst Du andere Quellen zur frühen Württemberger Auswanderung nach Schlesien ? Insbesondere bin ich an einer vollständigen Zusammenstellung "schwäbischer" Ortsgründungen in Schlesien interessiert.
Friedrich der Große hat sich bemüht, niemals Menschen anzusiedeln, die aus
anderen preussischen Gebieten kamen, z.B. aus Brandenburg oder Pommern, da
es sein Ziel war, überall gleichermaßen die Bevölkerungsentwicklung zu
fördern. Deshalb kamen außer Zuwanderern aus Mittel- und Westdeutschland,
die Eisenhütten- und Glashüttenarbeiter- sowie Holzfällersiedlungen
anlegten, vor allem Protestanten aus Österreichisch-Schlesien und aus
Böhmen. Diese Siedlungen wurden bereits in den 40er Jahren angelegt.Ganz anders ist es mit der Siedlung im angrenzenden Posen in den Kreisen
Adelnau und Ostrowo, die so richtig erst um 1770 einsetzt.
Auswanderungen aus Württemberg auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Bereich von Oder und Warthe sind durchaus bekannt. Wolfgang Hippel beschreibt in dem Buch Auswanderungen aus Südwestdeutschland"037 auch die Ziele der frühen Auswanderung aus Württemberg. Die Auswanderung zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in Generalreskripten von 1709, 1712 und 1717 belegt und war für Württemberg bescheiden im Vergleich zur Kurpfalz. Das Generalreskript Herzog Karl Eugens vom 5.5.1750 forderte genaue Aufstellung darüber an wie viel uns Unsern Untertanen seit einigen Jahren teils nacher Americam, teils nach Preussisch Pommern, ingleichen nach Ungarn gezogen seind". Hippel berichtet hierzu: Als während der letzten Jahre ausgewandert erfasst wurden immerhin gut 4000 Personen, ein knappes Prozent der Gesamtbevölkerung; da jedoch trotz wiederholter Erinnerung ein gutes Viertel der Ämter die geforderte Information nicht rasch genug lieferte, ist davon auszugehen, dass die Gesamtzahl kaum unter 4500-5000 Menschen gelegen hat. Nur wenig mehr als 1 % der Emmigranten waren nach Ungarn gezogen, dagegen über ein Drittel nach Preussisch Pommen", wohl vorwiegend als Siedler des trockengelegten Oderbruchs, und gut 60 % nach Amerika."037;S.42 Verglichen mit anderen Regionen war der Umfang der Auswanderung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gering. Die Lage änderte sich, als Friedrich der Große die Gelegenheit ergriff, für die Kultivierung von Westpreußen und dem Netzegau - denjenigen Landstrichen, die im Zuge der ersten polnischen Teilung annektiert worden waren - schwäbische Siedler zu gewinnen. Zwischen 1781 und 1784 mögen etwa 5000 Menschen aus dem Herzogtum in die genannten Gebiete emigriert sein - in jedem Fall weniger als in den frühen 1750er Jahrenund verglichen mit den weit über 10.000 Personen, die 1800/1804 ihre Heimat vor allem in Richtung Preußisch Polen" und Russland (Russisch Polen und Podolien) verließen, eine recht bescheidene Zahl."037;S.44-45
029Werner Hacker. Auswanderungen aus dem südöstlichen Schwarzwald zwischen Hochrhein, Baar und Kinzig insbesondere nach Südosteuropa im 17. und 18. Jahrhundert. R. Oldenbourg Verlag München 1975 (Nachweis Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover)
037Wolfgang Hipperl. Auswanderung aus Südwestdeutschland. Studien zur württembergischen Auswanderung und Auswanderungspolitik im 18. und 19. Jahrhundert. Clett-Cotta, Stuttgart 1984
Mit herzlichen Grüßen aus Hameln
Christian Schwarzer
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Searching in Silesia for
SCHWARZER in Neobschütz/Kr. Münsterberg und
Polnisch Leipe, Hilbersdorf und Weissdorf/Kr.Falkenberg sowie
in Oberjohnsdorf/Kr. Nimptsch und Stachau/Kr. Nimptsch
FISCH in Münsterberg
FRINSDORF in Münsterberg und Umgebung
HESS in Breslau und Fraustadt/Posen und Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
HILLER/HYLLER/HÜLLER/HUELLER in Wendisch-Ossig bei Görlitz sowie in Posen und Polen
HOFFMANN in Korschwitz/Kr. Münsterberg
HUEBNER in Neualtmannsdorf/Kr. Münsterberg
JACHMANN in Reichau/Kr. Nimptsch
JONAS in Schlesien, Thüringen und Sachsen
KLAMT in Groß Wilkau/Kr. Nimptsch
KLEINERT in Beckern/Kr. Ohlau
LIEBNER in Eisdorf/Kr. Namslau
LOBE in Beckern, Gross Jeltsch, Gross Duppine/Kr. Ohlau
MENTZEL in Münsterberg und Umgebung
PUFF in Münsterberg und Polnisch Leipe bei Löwen/Kr. Falkenberg
SÄGNER in Leipe/Kr. Breslau
SCHIMMEL in Tschechnitz/Kr. Breslau
SPERLING in Beckern und Gross Duppine/Kr. Ohlau
sowie in ganz Schlesien, Thüringen und Sachsen
DZIALAS in Beckern und Gross Duppine/Kr. Ohlau
WOLLNY/WOLLNI in Beckern und Gross Duppine/Kr. Ohlau
Searching in the "Neumark" for:
ARNHOLZ in Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
GUDIAN in Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
HESS in Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
KRUEGER in Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
SCHLIPFEN in Reetz/Kr. Arnswalde/Neumark
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx