Wie ging das damals?

Lieber Wolfgang,

meine Vorfahren sind bereits 1889 aus Ostpreußen "abgehauen" und hatten sich
im braunschweiger Raum angesiedelt. Wie konnte man zum damaligen Zeitpunkt
eine derart lange Strecke überwinden? Gab es bereits zu diesem Zeitpunkt
eine durchgehende Eisenbahnstrecke?

Ja, es gab auch Schiffe (Ostsee) und Boote (Flüsse und Kanäle), selbst die, die
über Land fuhren. :wink: Dank eines holländischen Ingenieurs (Name habe ich vergessen)
fahren Boote heute immer noch über Land - auf Gleisen! :slight_smile: So gesehen in einer
MDR/NDR-Ostpreußen-Dokumentation vor ein paar Tagen. :slight_smile:

Liebe Grüße --- Gisela

PS: Puuuhhhh, welche Wegstrecke haben erst die Salzburger bis nach
Ostpreußen bewältigen müssen!? :frowning: Aber viele sind angekommen - auch ohne
Autos und Autobahnen, Intercity, Fähren, Zeppeline, etc. Und SMS'esses,
dass sie gut angekommen sind, konnten sie auch noch nicht senden... :wink:

Hallo Gisela,

Ich habe jetzt schon mehrere eMails auf meine Frage erhalten und ich mu�
mich
langsam mal von so einigen Vorurteilen frei machen. Obwohl mittlerweile
schon
etwas mehr als 100 Jahre ins Land gezogen sind, haben die damals wohl doch
nicht auf dem Mond gelebt. Ich denke aber auch an die Finanzierung. Mein
Ur-Ur-Gro�vater war mehr oder weniger ein, im heutigen Jargon,
Gelegenheitsarbeiter.
Damals war man auch etwas weniger umsichtig, wenn es um die Familienplanung
ging.
Ich konnte bisher bis ca. 1750 zur�ckgehen und keiner von meinen Leuten
hatte
weniger als 13 Kinder. Sicherlich, es sind auch viele Kinder fr�hzeitig
gestorben, aber
das mu�te doch alles finanziert werden. Wie kann ich mit einem Schiff oder
der Eisenbahn
mit einer so gro�en Familie und, wie ich annehme, kleinem Geldbeutel, eine
so gro�e
Reise finanzieren?
Ja, es ist schon unglaublich was die Leute so auf sich genommen haben. Wo
wir heute mit
dem Flugzeug in wenigen Stunden sind, sind die Leute fr�her Monate oder
Jahre unterwegs
gewesen. Unser Deutschland ist ja noch recht �berschaubar und die Orte sind
schnell
erreichbar. Ich war schon einige Male in China und da sieht es etwas anders
aus. Eine Reise
von Shanghai nach Chengdu mit dem Zug, also fast einmal quer durch, dauert
36 Stunden.
Furchtbar.
Findest Du es nicht auch toll, wie die Welt in den letzten Jahren
zusammenger�ckt ist? Ich
denke noch an meine Anfangsjahre meiner Ahnenforschung. Einen Brief
schreiben, zur Post
bringen und wenn's ins Ausland ging, mindestens 6 Wochen warten auf Antwort.
Heute
schreibt man eine eMail und bekommt die Antwort, wenn man Gl�ck hat, in
Minuten
zur�ck. Oder die M�glichkeiten des Internets . . . ich bin begeistert.

Tsch�� und auch Danke an Dich f�r Deine Mithilfe.

Wolfgang aus Braunschweig

Hallo Frau Sanders, Hallo in die Runde.
Zu diesem Thema kann ich auch etwas interessantes beitragen.

PS: Puuuhhhh, welche Wegstrecke haben erst die Salzburger bis
nach Ostpreu�en bew�ltigen m�ssen!? :frowning: Aber viele sind
angekommen - auch ohne Autos und Autobahnen, Intercity,
F�hren, Zeppeline, etc. Und SMS'esses, dass sie gut angekommen
sind, konnten sie auch noch nicht senden... :wink:

Mein 2x Urgro�vater Friedrich August Kludt ist 1834/35 von Bessarabien
(�ber Odessa, dort bekam er den Reisepa�) nach Herrnhut in Sachsen
und wieder zur�ck gewandert. Er war damals 23 Jahre alt und hat diese
Strecke (hin und zur�ck zusammen ca. 2400 km Luftlinie) in knapp
10 Monaten zur�ckgelegt. Die tats�chliche Wegstrecke (Umwege) war
allerdings noch um einiges l�nger. Ich vermute das die tats�chlich
zur�ckgelegte Strecke nahe bei 3000 km liegt. Bei Gelegenheit werde
ich die Strecken zu den einzelnen Stationen auf geeigneten Karten
genauer nachmessen. Die physische Leistung fasziniert mich und deshalb
werde ich diese Streckendokumentation machen.

Er war aber keinesfalls dauernd unterwegs sondern er hat mehrere
Verwandte (Kludt und Will) in Polen besucht und die am Weg liegenden
Herrnhuter Br�dergemeinden besucht und sich dort immer einige Tage
aufgehalten. Er hat in seinem Tagebuch diese Reise ausf�hrlich
beschrieben. Mit dem Rechner abgeschrieben (nur die Reiseschilderung)
sind es 22 DIN A4 Seiten. (Schriftart Arial, Punkt 10)

�brigens die Reise ist durch das Archiv der Herrnhuter Br�dergemeine
in Herrnhut best�tigt worden und mein Bericht dar�ber (die Herrenhuter
betreffend) wird dort im Archiv als Zeitdokument archiviert.

MfG
J�rg Brauer

Hallo Herr Brauer,

w�re es m�glich die Reiseschiderung Ihres 2xUrgro�vaters per eMail zu
bekommen?
Das w�re h�chst interessant f�r mich.

Sch�nes Wochenende

Wolfgang Buchhorn

Hallo Herr Buchhorn,
Darf ich zun�chst fragen welches Interesse sie an dieser
Reiseschilderung haben.

Bevor ich diese Abschrift weitergebe mu� dazu erst die Geschwister
meiner Mutter befragen und mir die Erlabnis einholen, diesen Abschnitt
aus dem Tagebuch von F.A. Kludt an Au�enstehend (nicht
Familienmitglieder) weiterzugeben. Ich habe den pfleglichen Umgang mit
diesen Familiendokumenten versprochen. F�r die "Herrenhuter" hatte ich
diese Erlaubnis.

Diese Vorsicht soll eine nicht autorisierte Ver�ffentlichung
(Vermarktung) von dritter Seite unterbinden.

MfG.
J�rg Brauer

Hallo Herr Buchhorn,
Darf ich zun�chst fragen welches Interesse sie an dieser
Reiseschilderung haben.

Hallo Herr Brauer,

nat�rlich verstehe ich Ihre Bedenken gegen�ber einer "wahllosen" Verteilung
dieserReiseschilderung.
Ich habe nicht vor irgendwelchen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen oder
eine Verteilung in alle Himmelsrichtungen vorzunehmen.
Es gibt nur rein pers�nliche Interessen. Wie Sie ja aus meiner fr�heren
eMail erfahren konnten, sind meine Ahnen kurz vor der Jahrhundertwende
von Ostpreu�en ins Braunschweiger Land gezogen.
Dies, finde ich, war schon abenteuerlich, aber eine Reise �ber ungef�hr 3000
km zu Fu�, unglaublich f�r unsere heutige Zeit. Ich wei� leider gar nichts
�ber
die Wanderung meiner "Leute" und so m�chte gern mehr �ber die Erlebnisse
Ihres Ahnen erfahren. Was hat er erlebt, wie war der Kontakt zu all den
Menschen,
die er auf seiner Reise getroffen hatte, wie ist er aufgenommen worden (Ich
denke
mal, jeden Tag in ein Gasthof oder Pension zu gehen, d�rfte auch f�r ihn
nicht m�glich
gewesen sein und so blieb vielleicht doch nur der Heuboden bei irgendeinem
Bauern)?
Welche Eindr�cke konnte er zu dieser Zeit sammeln (Die Welt und nicht
zuletzt die
Menschen haben sich ja doch im Laufe der Jahre sehr ver�ndert.)?
Diese Reiseschilderung kommt von einem Menschen wie "Du und ich" und mal
nicht von einem Herrn Goethe oder irgendeinem anderen prominenten
"Herumreisenden",
was diese Schilderung doppelt so interessant macht.
Ich m�chte nochmals versichern, nichts vorzuhaben, was auch nur im Kleinsten
nicht Ihrem Willen oder Wunsch entsprechen w�rde.

Ich w�nsche Ihnen ein sch�nes Wochenende und w�rde mich freuen wieder von
Ihnen zu h�ren.

Wolfgang Buchhorn

betr.
Diese Vorsicht soll eine nicht autorisierte Vervffentlichung
(Vermarktung) von dritter Seite unterbinden.

Adalbert Goertz responds >>>>>>>>>>>>

Ich bin immer wieder erstaunt u:ber die Angst der "Vermarktung".
Man sollte froh sein, wenn jemand das vero:ffentlicht.
Was nu:tzt das ganze, wenn es in der Schublade stirbt.
Diese "Vermarktung" hat noch niemand reich gemacht.