Was ist eine "Frey Parthie"

Schönen guten Tag liebe Listenmitglieder,

in diesem Eintrag einer Taufe sind die Wörter "Frey Parthie" erwähnt.
Was soll das bedeuten?

Taufe:
KB Lonnerstadt; Bd. 4; Bild 195; Seite 356; 18.03.1779; Eintrag Nr. 14

Mittwoch d[en] 17. Martii, zu nachts um 11
Uhr, kam eine unzüchtige Dirnen Nahmens
Maria Herzogin, des weiland ehrsamen
Friederich Herzog gewesenen hochfürst[lich] würz-
burg[ischen] Unterthans und Maurer Meisters
allhier nachgelassene ehe[liche] älteste Tochter, mit
einem in unehren erzeugten Knäblein
darnieder. Wobey sie zum Vatter desselben
angegeben hat den Conrad Sichelstiel den
ehrsamen Georg Sichelstiel, hochfürst[lich] Bay-
reuth[ischen] Unterthans und Schuhmachers zu
Ühlfeld, bey welchem sie als eine Magd
in Diensten gestanden ist, eheleib[licher] Sohn
welcher nach vollbrachter und öffentlich
ausgebrochener Schand That sich auf flüch-
tigen Fuß gesetzet, und wie es heißet

in kayserlich königliche Kriegsdienste und
zwar unter eine *Frey Parthie* sich begeben
hat. Das Kind wurde Donnerstag d[en] 18 die-
ses von folgenden 6 Gevattern theils Jung-
gesellen, theils Jungfrauen zu der hei[ligen]
Taufe getragen nemlich 1.) Johann Con-
rad Sucker, des ehrsamen Johann Conrad Su-
cker hochfürst[lich] würzburg[ischen] Unterthans und
Bauersmanns allhier ehe[licher] Sohn. 2) Johann
Friederich Starck, des wei[land] ehrsamen Johann
Starck, gewesenen hochfürst[lich] bamberg[ischen] Un-
terthans und Becken Meisters allhier nachge-
lassener ehe[licher] Sohn. 3.) Andreas Ochs, des,
ehrsamen Johann Friederich Ochs, hochfürst[lich]
bamberg[ischen] Unterthans und Wirth und Bier-
brauers allhier ehe[licher] altester Sohn, anderer Ehe.
4.) Margaretha Backin, des ehrsamen Mi-
chael Back, nürnberg[ischen] Land Allmoß[enamt] Unter-
thans und Amts Botens allhier ehe[liche] dritte
Tochter 5.) Margaretha Zwanzgerin, des
weiland ehrsamen Sebald Zwanzger, gewese-
nen hochfürst[lich] bamberg[ischen] Unterthans und
Bauersmanns allhier nachgelassene ehe[liche] Toch-
ter 6.) Anna Schleglin, des wei[land] ehrsamen
Johann Schlegel gewesenen hochfürst[lich] bam-
berg[ischen] Unterthans und Bauersmanns allhier
nachgelassene jüngste Tochter. Wobei das Kind
den Nahmen Johann Friederich Andreas be-
kommen hat.

Herzliche Grüße

Hallo,
   es handelt sich um ein Freikorps, in dem derjenige freiwillig diente
   (spaeter auch Freischar oder Freischaerler).
   Viele Gruesse
   Thomas Poehlmann

   -------- Originalnachricht --------

Lieber Herr Sichelstiel

Aus den von Google gefundene Textpassagen lässt sich schließen, dass eine
Frey-Parthie wohl eine Gruppe von Soldaten ist. Ob der Ausdruck Frey
bedeutet, dass sie keiner militärischen Einheit angehören, hat sich mir
nicht erschlossen. Ich bin auf weitere Aussagen gespannt.
Interessant fand ich die Zahl der Paten für das " in unehren erzeugten
Knäblein". Da hat wohl die Bedeutung der Mutter und ihrer Verwandtschaft
ein wenige über die Verachtung der Außerehelichkeit hinweg geholfen.

Einen schönen Rest-Sonntag wünscht aus dem sonnigen München

W. v. Restorff

Hallo Andreas,
auch ich teile die hier schon genannte Einschätzung, dass "Frey Parthie" mit den späteren Freikorps vergleichbar ist. Beide Wortteile weisen auf eine identische Bedeutung: "Frei"gänger oder "Partei"gänger (vergleiche "Partisan") waren Mitglieder von irregulären militärischen Verbänden. Da Werbe-Bezirke eifersüchtig reguliert waren, könnten Militärhistoriker vielleicht Hinweise auf die militärische Einheit geben. Die Geschichte klingt aber eher so, als wäre Conrad Sichelstiel durchgebrannt und hätte sich anderswo anwerben lassen.

Was mich besonders an diesem Taufeintrag freut, dass mein 6x Urgroßvater Johann Conrad Sucker hier als erster Gevatter auftritt. Die Lonnerstädter Kirchenbücher stehen etwas weiter hinten auf meiner Todo-Liste, aber vielleicht ziehe ich die jetzt mal vor, um zu sehen, ob es verwandtschaftliche Beziehungen zu der verlassenen Mutter gab.

Beste Grüße und noch einen schönen Sonntag!
Holger (Gruber)

-----Ursprüngliche Mitteilung-----

Schönen guten Tag Herr v. Restorff, Herr Gruber,

recht Herzlichen Dank für Ihre Meldungen!
Besonders freut mich Herr Gruber, dass Sie hier einen Vorfahren von
Ihnen gefunden haben.
Da ich es in diesem Zusammenhang als nicht wichtig erachtet habe, habe
ich eine Information weg gelassen, die bei jetziger Betrachtung wichtig ist.

Dieser Konrad Sichelstiel, der seiner Liaison ein Kind angehängt hat,
hat sich dann im folgenden Januar von den Herzoglich Braunschweigischen
Truppen anwerben lassen. Ziemlich genau zu dem Zeitpunkt als die Maria
Herzog in den Wehen lag wurde er nach Amerika eingeschifft, als Gemeiner
im Dragoner Regiment des Obristen Specht.
In der Stammrolle die ich in dem Landesarchiv in Wolfenbüttel gefunden
habe sind Personen aus dem ganzen Reich verzeichnet.
Interessant wäre jetzt, ob die Subsidientruppen für Amerika (auch die
fränkischen), als Freikorps zu sehen sind. Das wird wohl eine recht
spitzfindige Frage sein, die vermutlich hier in der Liste nicht geklärt
werden kann.
Dort in Kanada ist er 1822 dann auch gestorben.

Der Name Herzog kommt in den Büchern recht häufig vor, aber diese Maria
und ihr Kind konnte ich nach dieser Taufe nicht mehr finden. Vermutlich
hat die Mutter die Pfarrei verlassen.

Herzlich,
Andreas Sichelstiel

Hallo,
als Ergänzung hier noch der Blick in verschiedene Lexika:

Grimm, Deutsches Wörterbuch, Bd. 4, Sp. 119:
freipartei, f. cohors voluntariorum, besser freischar.
<Wörterbuchnetz;

Oeconomische Encyclopädie von Johann Georg Krünitz:
Parteygänger <DDC-Icon> , im Kriegswesen, Soldaten, welche vornähmlich
bestimmt sind, auf Partey auszugehen, d. i. dem Feinde durch Beutemachen zu
schaden, wozu jetzt vorzüglich die leichten Truppen und besonders die
Freybeuter oder Freypartien gebraucht werden. Auch der Anführer eines
solchen Haufens, derselbe sey nun eine Compagnie oder ein Bataillon, führet
den Nahmen eines Parteygängers, auch wohl eines Partisans.
Die Parteygänger oder Parteyen werden übrigens in erlaubte und unerlaubte
eingetheilt. Die erlaubten sind diejenigen, welche von einem commandirenden
Generale, Gouverneure, Commandanten etc. dazu Erlaubniß und einen Paß
haben. Die unerlaubten hingegen sind diejenigen, welche, ohne einen Paß zu
haben, auf Plünderung ausgehen. Ein mehreres sehe man <107, 657> in Koch' s
europäischem Land= und Seekriegsrechte.
<http://www.kruenitz1.uni-trier.de/&gt;

Johann Gottlieb Friedrich Koch, Allgemeines europäisches Land- und
See-Kriegsrecht, S. 164ff
https://books.google.de/books?id=3I5CAAAAcAAJ&hl=de&pg=PA165#v=onepage&q=Partygänger&f=false
<Allgemeines europäisches Land- und See-Kriegsrecht - Johann Gottlieb Friedrich Koch - Google Books;

Beste Grüße
Thomas Schörner

-----Original-Nachricht-----

Grüße Sie Herr Schörner,

herzlichen Dank!
Auf die Geb. Grimm ist halt Verlass.

Grüße
Andreas Sichelstiel