Der Rotarmist, der �ber herausgerissene B�cherseiten trampelt und sich
aus wertvollem Papier eine Zigarette dreht, ist die Horrorvision vom
Untergang der K�nigsberger Bibliotheken.
Was hier steht (Klaus Garber: Apokalypse durch Menschenhand, in:
Kulturgeschichte Ostpreu�ens in der Fr�hen Neuzeit, Niemeyer, 2001)
liest sich wie eine Sensation:
"Wir d�rfen den Abschlu� der Ermittlungen in nicht allzu ferner Zukunft
erwarten und werden dann nicht nur tausende K�nigsberger B�cher, sondern
mit Gewi�heit auch hunderte K�nigsberger Drucke dem wissenschaftlichen
Organismus wieder zuf�hren k�nnen.
Schon in der Universit�tsbibliothek Thorn begegnen uns B�cher aus der
Bibliothek Wallenrodt. Um ihrer in gro�em Umfang habhaft zu werden, mu�
man die politische Grenze �berschreiten und weiterziehen nach Litauen.
Das ist erkl�rlich: Die im Dom aufgestellten Dubletten, etwa 3500 B�nde,
sollen nach Auskunft Dieschs bereits im August 1944 verbrannt sein. Die
in der Staats- und Universit�tsbibliothek verwahrten B�nde kamen
merkw�rdigerweise nicht rechtzeitig zur Auslagerung. Sie waren verpackt,
konnten nicht mehr fortgeschafft werden, haben den Endkampf
offensichtlich �berstanden und fielen gleich nach Kriegsende K�nigsberg
systematisch absuchenden Forschungstrupp aus Litauen in die H�nde. Den
B�nden sieht man an, da� sie verpackt waren. Sie sind in durchweg
makellosem Zustand. Sie haben im Nachhinein wenigstens eine Sechsteilung
erfahren. Weniges, wie erw�hnt, blieb auf polnischem Boden. In Vilnius
teilten sich die Akademie- und Nationalbibliothek in die Sch�tze. Es
k�nnen derzeit verantwortlich immer noch keine Zahlenangaben gemacht
werden. Die Erkundungen unter Osnabr�cker Stabf�hrung im engsten
Zusammenwirken mit den bibliothekarischen Fachkr�ften vor Ort mit
Unterst�tzung der denkbar kooperativen Direktoren h�lt an."
An anderer Stelle schreibt Garber �ber die Bibliothek "vielleicht das
gr��te bibliothekarische Wunder auf altpreu�ischem Boden."
"Die Wallenrodtsche Bibliothek ist also in ihrem Kern und ihrem
wertvollsten, weil einfach unikatem Bestand eine gro�e und in dieser
Geschlossenheit zweifellos einzigartige landeskundliche Bibliothek des
alten Preu�en mit Schwerpunkt in dessen nord�stlichen Landesteilen. Sie
bildete ein gro�es Reservoir f�r gedruckte, v.a. aber auch f�r
handschriftliche Chroniken, St�ndeverhandlungen, Landtagsakten,
Verwaltungsvorg�nge, Dom�nenbewirtschaftung, �mterpflege usw., war also
allen das �ffentliche und administrative Leben der �stlichen Provinz
pr�genden Ereignissen gegen�ber gleicherma�en sammlerisch
aufgeschlossen. Dieser im weitesten Sinn historische Impetus aber traf
sich nun mit einem eminenten Interesse an der Personengeschichte im
gleichen Raum. Die Wallenrodtsche Bibliothek , die da schon zu Mitte des
18.Jahrhunderts mehr als 100 'Postillen' auswies, war de facto eine mit
Leichenpredigten gl�nzend best�ckte Anstalt, die hier deshalb
zusammenstr�mten, weil sie ein personenkundliches Interesse
befriedigten. Diesem Umstand aber ist es auch geschuldet, da� der mit
der Predigtliteratur alle anderenm Formen des personalen
gelegenheitsbezogenen Schrifttums hinzutraten, Hochzeitsgedichte,
Trauergedichte, Gratulationsschriften, akademische Einladungen,
Huldigungen usw., die nicht um ihrer selbst willen da waren, sondern
bezogen auf Anl�sse und Ereignisse, in denen sich das �ffentliche Leben
des Landes spiegelte. Es sind die Miscellanea, als Kleinschrifttum seit
der zweiten H�lfte des 18.Jahrhunderts unter absurden �sthetischen
Gesichtspunkkten disqualifiziert, die in zahllosen volumin�sen und also
allemal unikaten Sammelnb�nden ein Herzst�ck dieser alteurop�ischen
Adelsbibliothek ausmachten. Hinzu traten Briefe, Tageb�cher und sonstige
biographische Zeugnisse, Urkunden, Testamente und andersweitige
Verm�chtnisse, Verm�gensverf�gungen, Stamm- und Adelstafeln,
dynastischer Aufzeichnungen und Zeugnisse, also alles f�r den
Wirkungsradius von Standespersionen Be�langbvolle, das archiviert wurde,
weil es mit den Geschicken des Landes aufs engste verflochten war."
MfG
Lutz Szemkus