Für alle, die sich fragen, ob es sich lohnt, das eine oder andere
antiquarische Buch zu erwerben, hier wieder mal eine Buchzusammenfassung
inkl. meiner Bewertung dazu:
Buchzusammenfassung
Hans Künkel: Auf den kargen Hügeln der Neumark. Zur Geschichte eines
Schäfer- und Bauerngeschlechts im Warthebruch, Aus der Reihe: Ostdeutsche
Beiträge aus dem Göttinger Arbeitskreis, Holzner Verlag Würzburg, 1962.
Beschrieben wird die Familiengeschichte eines Schäfer- und Bauerngeschlechts
von den Anfängen des Gutsbesitzes 1778 in Gennin bis zum Jahr 1875. Diese
werden mit der allgemeinen politischen Entwicklung in Zusammenhang gestellt.
Über den Autor: Hans Künkel, geb. 07.05.1896 in der Domäne
Wormsfelde-Stolzenberg in der Nähe von Landsberg (Warthe) als jüngstes von
acht Geschwistern. Dr. rer. Pol., 1925 bis 1945 als Studienrat in Hamburg
und Frankfurt (Oder) tätig. 1946 zum Pfarrer in Wolfenbüttel ordiniert.
Verstorben 17.11.1956 in Wolfenbüttel.
Der Schäfer Daniel SPREMBERG (1753-1852) erwarb das Gut Gennin, an der
Landstraße zwischen Landsberg und Küstrin mit 380 Morgen Land 1778 als
Erbpachtbesitz. Es war das Grundstück der Königlichen Schäferei gewesen, das
er als Ortsfremder und Zugewanderter mit noch nicht 30 Jahren erwarb. König
Friedrich der Große war in der Zeit gerade in Geldnöten, weil er
Kriegsvorbereitungen für den Bayerischen Erbfolgekrieg treffen musste, zu
dem es dann ja nicht kam. Jedenfalls gab er die Order, 400 Vorwerke, die von
den Domänensitzen etwas weiter entfernt waren, zu verkaufen, weil sie
schlecht zu bewirtschaften waren. In die Zeit fiel auch die politische
Besiedlung des Ödlandes durch Herrn von BRENCKENHOFF, Geheimer Oberfinanzrat
im Generaldirektorium. Er hatte die Aufgabe, den Netze- und Warthebruch zu
entwässern und zu kolonisieren. Sein Schwerpunkt lag in der Roggenzucht. Er
wohnte auf Gut Lichtenow im Kreis Friedeberg. Weil Brenckenhoff ein großer
Amerika-Fan war, hießen viele Dörfer im Warthebruch dann auch Maryland,
Louisa, Philadelphia, Quebec, Charlestone und Havanna.
Ein Sohn des Schäfers Sprembergs ist nach Amerika ausgewandert und nach
einigen Jahren mäßigen Erfolgs in sein Dorf zurückgekehrt. Vater und Sohn
haben sich nie ausgesöhnt.
Daniel Spremberg hatte noch eine Tochter namens Hanne-Charlotte (geboren in
Gennin). Sie war bereits mit 20 Jahren geschieden. Sie heiratete (in zweiter
Ehe) August Wilhelm KÜNKEL, der auf dem Gut den Roggenanbau intensivierte.
Er war als Knecht in den Dienst Daniel Sprembergs getreten. Daniel Spremberg
hatte für den Ackerbau nichts übrig und wollte diesen von einem Knecht
erledigen lassen. Künkel entstammte einer Fischerfamilie aus dem Oderbruch
(Alt-Mädewitz), deren Fischereirechte nach den Entwässerungsarbeiten mit
Land entschädigt worden waren. In der Zeit der französischen Besetzung
wurden alle Tiere im Dorf beschlagnahmt. Weil man im Hause Spremberg/Künkel
einen Ochsen nicht abgeliefert hatte, wurde 1806 das Haus in Flammen
gesteckt und brannte vollständig nieder. Durch einen starken Ostwind mündete
es darin, dass das ganze Dorf nieder brannte. 1808 heiratete August Wilhelm
Hanne Charlotte. Im selben Jahr wurde ihr einziger Sohn geboren, August
Wilhelm Eduard. Als Hanne Charlotte starb, zog August Wilhelm in eine kleine
Bauernwirtschaft in Ludwigsthal. Der Autor mutmaßt, dass er sich mit seinem
Schwiegervater nicht gut verstanden habe und deshalb nicht weiter dort leben
wollte. Er starb dort 1849.
August Wilhelm Eduard heiratete Caroline Henriette MIELENTZ (Gettchen
genannt), Tochter eines Hofbesitzers, 1836, da war sie gerade 16 Jahre alt.
Fünf Jahre später wurde Hermann KÜNKEL, der Vater des Autors geboren (*
12.04.1842). Seine Schwester hieß Minna. Gettchen starb früh mit 34 Jahren.
Hermann ging im weit entfernten Niesky auf die Höhere Schule der
Bruderunität zur Schule, schloss sie mit der Mittleren Reife ab und
absolvierte eine Gesellenprüfung als Müller in der Windmühle von Loppow.
Sein Vater August Wilhelm Eduard hatte sich nach dem Tode seiner ersten Frau
mit Ernestine ELLWANGER verheiratet. Sie stammte vermutlich aus dem
Oderbruch und war die Schwester eines Mannes, der schon nach wenigen Jahren
Regierungspräsident in Schleswig-Holstein war. Nach der Ausbildung zum
Müller ging Hermann in den Militärdienst. Dann betätigte er sich (noch in
Militärdiensten stehend) als Hammelkäufer, wo er auf dem Rittergut Lindow
im West-Sternberger Kreis die 20jährige Tochter des Gutsbesitzers, Bertha
ZIMMERMANN (genannt Toni) traf. Sie hatte keine Geschwister und war so die
einzige Erbin des 2000 Morgen großen Gutes. Allerdings war das Land recht
karg und nur für die Schafzucht wirklich geeignet. Doch Schafe brachten in
der Zeit kaum noch was ein. 1875 wurde geheiratet. Die Söhne: Hans und Fritz
(Fritz über sechs Jahre älter als sein Bruder).
Kommentar:
Über Schäfer und Schafzucht erfährt der Leser nicht viel. Er kann aber viel
über die Urbarmachung des Warthebruchs unter Friedrich dem Großen erfahren.
Inhaltlich ist das Buch nicht sehr kompakt. Immer wieder ergötzt sich z.B.
der Autor über die Frömmigkeit des Urgroßvaters oder erzählt
Allgemeinplätze, wie schwer es doch dieser oder jener gehabt habe. Außer den
in der Zusammenfassung genannten Personen wird niemand genannt.