Vorfahren / Nachfahren

Hallo liebe "Listies",

mit Interesse habe ich die Diskussion �ber Vorfahren / Nachfahren verfolgt.
Ich habe die aufgeworfenen Fragen an Herrn Tischner weitergeleitet. Herr Tischner verfasst in unserer Zeitung eine regelm��ige Kolumne �ber "Sprachprobleme".
Ich finde seine Antwort sehr interessant und m�chte sie niemanden vorenthalten:

Sehr geehrter Herr Erfurth,

folgende gleichbedeutende W�rter sind bei uns in Gebrauch:

- Ahn, Ahnherr, Ahnfrau, Vorfahr, Stammvater, Vorv�ter, die Altvorderen, die Alten

- Nachfahr, Nachkomme, Nachwuchs, Abk�mmling, die Nachwelt

Beim Gegenteil von "Nachkommen" ist zu bedenken, dass die Vorfahren ja nicht kommen, sondern gegangen sind (wie bei Vergangenheit / Zukunft). Daher entsprechen sich:

- Nachkomme / Vorg�nger, Vorl�ufer

Da "Vorfahr" eindeutig genealogisch zu verstehen ist, bietet sich Gegenwort "Nachfahr" geradezu an, ohne dass man damit der Sprache Gewalt antun muss. Das Wort "-fahr" hat nat�rlich nichts mit dem Auto zu tun, sondern hat noch die alte Bedeutung 'einer, der sich bewegt'. Mit diesem Wort sparen wir uns die Unterscheidung von kommen und gehen. Der Vorfahr ist der, der vor uns "dahingefahren" ist, der Nachfahr, der nach uns "f�hrt".

Zu "Ahn" f�llt mir die Blut-und-Boden-Ideologie ein. Das Wort ist in meinen Ohren vorbelastet. Es hat au�erdem den Nachteil, dass es in seinem urspr�nglichen Sinn nur die noch lebenden �ltesten Familienmitglieder bezeichnete, also Menschen, die bekannt sind, und nicht solche, nach denen Sie als Familienforscher suchen. Das dazugeh�rige Gegenwort ist noch enger begrenzt: "Enkel" ("�hnkel"), eine Verkleinerungsform wie H�nkel zu Huhn.

Meine Empfehlung also: Sagen Sie "Vorfahr, Nachfahr". Beachten Sie bitte, dass das Wort in der Einzahl kein ?e hat.

Mit freundlichen Gr��en

Heinrich Tischner
  
Soweit die Ausf�hrungen von Herrn Tischner.
Ich w�nsche allen ein erfolgreiches Jahr 2008

Peter Erfurth