CompGen sollte seine genealogischen Datenbanken (GEDBAS, Online-OFB, GOV) stärker mit Geoinformationssystemen verknüpfen, um Haus-, Hof- und Regionalforschung zu fördern. Durch die Ergänzung von Geo-Koordinaten, Karten-Layern und Schnittstellen könnten historische Flur- und Hofnamen und Besitzerfolgen direkt auf interaktiven Karten sichtbar gemacht werden. Jeder Ort, jedes Gebäude oder Anwesen ließe sich so mit genealogischen Daten, Quellen, Fotos und historischen Karten verbinden. Crowdsourcing und Bürgerwissenschaft könnten zusätzliche Inhalte wie Gebäude-Biografien, Archivmaterial und regionale Geschichten beisteuern. Das Ziel wäre, CompGen als die zentrale „GeoGenealogie“-Plattform und als interaktives Geschichts- und Forschungstool für Wissenschaftler, Heimatvereine und interessierte Bürger zu etablieren.
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CompGen hat sich auf die Fahnen geschrieben, „Wissenschaft und Forschung in genealogischer und familienkundlicher Hinsicht“ zu fördern und seine Mitglieder „bei ihren familiengeschichtlichen Forschungen durch Schaffung und Nutzbarmachung EDV-gestützter Kommunikations- und Veröffentlichungsmedien“ zu unterstützen (Zitate aus der Vereinssatzung). Etwas weniger vereinsrechtlich und dafür in modischem Denglisch: CompGen versteht sich als Enabler für Citizen Science, d.h. als helfende Hand und Unterstützer für Normalsterbliche, welche Daten und sonstige Informationen teilen oder gemeinsam erarbeiten und so die genealogische Forschung weiterbringen wollen. Insbesondere der IT-Fokus, der im Vereinsnamen zum Ausdruck kommt, unterscheidet CompGen von all den anderen Genealogie-Vereinen und schafft ein unverwechselbares Profil für den Verein. Zu diesem Zweck bietet CompGen Plattformen wie GEDBAS und die Online-OFB an, auf denen Daten veröffentlicht werden können. GOV, GenWiki und all die anderen Angebote unterstützen die Funktion als Enabler, bei denen aber die Veröffentlichung von Daten nicht unbedingt im Vordergrund steht. Nur veröffentlichte Daten können Fortschritt für die Allgemeinheit kreieren – wer auf seinen Daten und Erkenntnissen sitzen bleibt, wird selbstverständlich für sich selbst Fortschritt schaffen, aber die Allgemeinheit wird davon leider nichts mitbekommen.
Warum erzähle ich das alles? M. E. hat die Verleihung des DAGV Nachwuchspreises 2025 an Wolfgang Zehetner für „Haus & Hof“ (https://huh.oefr.at) aufgezeigt, dass im Angebot von CompGen eine, wie ich finde, schmerzliche Lücke klafft. GEDBAS und die Online-OFB adressieren primär den klassischen genealogischen Datensatz, d.h. Namen, Orte, die zentralen Lebensereignisse Geburt, Heirat und Tod, sowie die dazugehörigen Referenzen. Es fehlt das Angebot, das diese genealogischen Daten mit geografischen Daten zusammenführt, also Geolokalisierung unterstützt, und GEDBAS bzw. GOV auf eine höhere geografische Auflösung, eben genau auf die Ebene von Wolfgang Zehetners „Haus & Hof“ bringt. Genealogen, die mit regionalgeschichtlicher Ausrichtung arbeiten, finden bei CompGen derzeit keine Plattform, die sie zur Publikation ihrer Daten nutzen können. Die Online-OFB gehen zwar zaghaft in diese Richtung, können aber aufgrund ihrer Bindung an den GEDCOM-Standard nur unzureichend unterstützen.
Im Internet sind einige Beispiele verfügbar, welche Komponenten eine solche Lösung enthalten könnte. Wolfgang Zehetners „Haus & Hof“ konzentriert sich derzeit auf die in den diversen österreichischen Katastern vorhandenen Informationen bezüglich der Besitzer und Grundherrschaften auf der Zeitachse. Einen weitgehend identischen Ansatz verfolgt der Layer „Hofnamen und Häusergeschichte“ des „Digitalen Oberösterreichischen Raum-Informations-System (DORIS)“ des Bundeslandes Oberösterreich. Wesentlich weiter in Richtung auf die Integration genealogischer Daten geht die Mühlendatenbank ROSI, allerdings mit einer speziellen Ausrichtung auf Mühlen in Bayern. Am Beispiel der Schrottenbaummühle (BayernAtlas bzw in ROSI) lässt sich erkennen, welches Potenzial diese Verschmelzung von Genealogie und Geografie hat. Ich selbst biete in der CompGen Community auf Zenodo einen Datensatz an (Haus- und Hofforschung im Landgericht Griesbach), mit dem sich genealogische Daten aus dem früheren südostbayerischen Landgericht Griesbach in den BayernAtlas (oder jede andere Anwendung, die mit KML-Dateien umgehen kann wie z.B. Google Earth) integrieren lassen. Diese Integration in den BayernAtlas (*) kann unter diesem oder diesem Link in Aktion begutachtet werden.
Ich denke, CompGen sollte dieses Thema aufgreifen und für die Regional- und Hausforschung, das als Teilgebiet der Genealogie bisher wenig unterstützt wird, nutzbar machen. Was die CompGen-Mitglieder (oder andere Benutzer, die zu CompGen-Mitgliedern werden sollen) einer solchen Plattform davon hätten, ist hoffentlich aus dem Obigen klar geworden. CompGen selbst würde sich damit auf dem „Marktplatz der genealogischen Vereine“ wieder einmal als der Top-Anbieter einer IT-basierten Lösung profilieren und auch die kommerziellen Anbieter deutlich distanzieren.
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(*) Der BayernAtlas hat derzeit lästige Performance-Probleme, die das korrekte Laden des Overlays verhindern können. Erfahrungsgemäß treten diese zu den üblichen Arbeitszeitspitzen (z.B. späterer Vormittag) vermehrt auf. Kurzfristig gibt es leider keine andere Lösung, als diese Zeiten zu vermeiden oder das Laden mehrere Male zu versuchen.



