Schönen guten Nachmittag,
eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht äußern - obwohl ich damit seit Jahren immer wieder befasst bin bzw. manchmal auch damit konfrontiert werde.
Ich lebe seit ein paar Jahren in der Heimat meiner Eltern (und Groß-, Urgroß-, Urur... usw.) die auch immer meine Heimat war und ist. Ich zog ins Danziger Werder, und weil es mittlerweile so unproblematisch ist, nahm ich meine seinerzeit 81-jährige Mutter gleich mit 
Mir sind hier die Namen aller Dörfer bekannt, sowohl deutsch als auch polnisch. Wenn ich deutsch spreche, dann verwende ich die deutschen Namen -auch in Gesprächen mit polnischen Gesprächspartnern und Freunden- und bei diesen ist es genauso. Im Polnischen sind es praktisch immer die polnischen Bezeichnungen, im Englischen meist die polnischen Namen, manchmal aber auch die deutschen.
Früher hatte ich es nie verstanden wenn Franzosen problemlos "Danzig" (nicht erst seit "mourir pour Danzig") und Italiener "Danzica" sagen durften, es Heimatvertriebenen aus Danzig aber verwehrt wurde, ihren Geburtsort Danzig zu nennen.
Aber die Zeiten ändern sich. Hier in Polen stößt man mittlerweile kaum mehr auf Widerstand beim Verwenden deutscher Namen. Im Gegenteil, besteht doch so die Chance, vom Gesprächspartner etwas mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Das Geschichtsinteresse ist ungeheuer groß, auch wenn es manchmal noch durch früher indoktriniertes Geschichtswissen mit Vorurteilen behaftet ist.
Wer mit offenen Augen durch Danzig und seine Vororte geht, wird offizielle Straßen- und Hinweisschilder sehen, auf denen in deutscher Sprache z.B. "Langfuhr" (heute polnisch: Wrzeszcz) oder "Glettkau" (heute polnisch: Jelitkowo) steht. Informationsbroschüren und -prospekte weisen immer häufiger deutsche Orts- und Straßennamen auf - was manchmal durchaus irritiert wenn nicht auch die polnischen Bezeichnungen genannt werden.
Was mich aber manchmal auf die Palme bringen kann sind Fanatiker. Diejenigen die in Polen auf Biegen und Brechen darauf bestehen, dass ausschließlich polnische Ortsbezeichnungen -auch für frühere Zeiten- verwendet werden. Und auch Jene auf deutscher Seite, die sich entrüsten wenn man es wagen sollte, einen heute polnischen Ort mit dessen historischem deutschem Namen zu benennen.
Dass aber auch in Polen vielleicht noch nicht immer ganz ressentimentfrei gedacht wird, zeigt sich in zwei Promotionsfilmen über den durch Polen führenden internationalen Wasserweg E70, wo der deutschsprachige Sprecher sowohl deutsche als auch polnische Ortsnamen verwendete, wobei dann die deutschen Bezeichnungen aber sehr geschickt -und für den Zuschauer unbemerkt- herausgeschnitten wurden: MDW E70 DE - YouTube / MDW E70 DE skrot - YouTube
Viele Grüße aus dem Danziger Werder (Prinzlaff/Przemysław)
Wolfgang (Naujocks)