Hallo Hermann,
ich habs jetzt endlich auch geschafft mir das readme endlich mal genau durchzulesen. Vielen Dank das du etwas das ich nur beiläufig erwähnt habe direkt so umsetzt!

Wenn ich kann, helfe ich natürlich gerne mit meinen spärlichen Programmierkenntnissen, aber ich fürchte ich muss mir erst mal überhaupt den webtrees Code anschauen. Daher hab ich mir jetzt auch noch nicht euren bisherigen Programmcode genau angeschaut.
So ein Prozess- und Evidenzbasiertes Programm wäre meine absolute Traumsoftware!
Ich seh hier aber 2 voneinander unabhängige Projekte. Zum einen ein Modul das Transkriptionen verwalten kann und zum anderen eines das evidenzbasiertes Arbeiten ermöglicht. Letzteres sollte meiner Ansicht nach nicht an die Transkiption sondern an die Quelle selbst gebunden sein.
In der readme steht unter den offenen Punkten die Frage wie man die Positionsdaten für einzelne Zeilen im Bild speichert. Was ich dazu kenne sind PAGE XML und TEI XML (aber ich arbeite mich da auch gerade erste ein ins Thema), zumindest Transkribus macht das ja so. Das erscheint mir als Datenmodell als sinnvoll.
Rein für die Transkription würden theoretisch strukturierte Positionsdaten plus einen passende Viewer-( bzw Editor-)Komponente ja ausreichen.
Ich könnte mir das von der Struktur her aber eigentlich auch mit extrahierten/markierten Daten ganz gut als Schichtenmodell vorstellen:
- PAGE XML für Bild-/Zeilen-/Layoutpositionen
- TEI für semantische / editorische Anreicherung
- NOTE als lesbarer Export-/Arbeitsstand in webtrees, wie du schon in der readme stehen hast
- Modultabellen als interne, führende Struktur für Revisionen und Mapping von TEI-/PAGE-Strukturen auf webtrees-Objekte
Allerdings bräuchte man dafür irgendeine Viewer-/UI-Schicht.
Was ich auch sehr interessant finde sind die IIIF-Manuskripte die zB im TEI-Publisher version 9 jetzt Anwendung finden (den TEI-Publisher wollen wir uns mal als Option für die Weinkaufsbriefe anschauen, der kann nämlich genau das was Transkribus teuer anbietet als OpenSource).
Soweit ich es verstehe “kartografiert” das IIIF-Manuskript die unterschiedlichen Objekte wie Bild, Text, Kommentare oder Transkriptionen. Das könnte sich vllt aus ein saubere Verbindung zwischen Quelle - Daten - Events entpuppen.
Beim Thema Evidenzbasiertes Programm denke ich sofort an Evidentia. Damit kann man Quellen vorbildlichst evidenzbasiert bearbeiten, aber das hat keinen richtigen gedcom “Editor” und ist keine “normale” Genealogiesoftware wie man das so kennt.
Allerdings macht Evidentia genau diesen Übergang von Quelle zu gedcom-Datensatz:
- es wird eine Quelle angelegt
- aus der Quelle werden Daten als “Claims” extrahiert (zb. Geburtsdatum von ABC ist XY, etc)
- jedes “Claim” wird als eigenständiges Objekt behandelt und einem Ereignistyp im gedcom Format und einer Person im Stammbaum zugeordnet.
- Im nächsten Schritt kann man sich dann alle “Claims” (von unterschiedlichen Quellen) zu einem bestimmten Ereignis anzeigen lassen, kann zu jedem Claim eine “Analyse” schreiben
- aus mehreren ausgewählten Claims wird dann ein “Proof Argument” erstellt, welches als Bericht exportiert oder als ein gedcom tag seiner Wahl an die gedcom Datei angehängt werden kann.
Ich wollte versuchen einen ähnlichen Workflow in webtrees zu modellieren indem ich die “Claims” als Shared Note an eine Quelle und eine entsprechende Forschungsaufgabe verlinke. Die “Analyse” kommst solange die Fragestellung noch in Bearbeitung ist in die Forschungsaufgabe. Das “Proof Argument” hätte ich dann später als Shared Note an die Quellen + das Event angehängt, und die Forschungsaufgabe dann gelöscht. (Zumindest hatte ich mir das so provisorisch ausgedacht, mein Stammbaum ist noch nicht komplett von TNG zu webtrees umgezogen)
Wenn man aber aus webtrees ein richtiges evidenzbasiertes System machen will, müsste man meiner Ansicht die aus der Quelle extrahierten Daten sowie deren Bewertung (aka “Claim” und “Analyse”) irgendwie in einem eigenen Objekt unterbringen.
Im TEI-Text könnte man Personen, Orte, Datum, Begriffe markieren und das als quellensemantische Auszeichnung nutzen.
Das IIIF könnte dann die Brücke zwischen allem sein und alle Teile miteinander verorten.
Liebe Grüße
Jasmin