Unterschiedliche Namensschreibweise

Das Problem kennt jeder Genealoge: Familiennamen werden unterschiedlich geschrieben: Vögle, Fögle, Vöglin etc.

Welche Form gebe ich nun in mein Programm ein? Die aus der Quelle oder die heutige Form des Namens? Eine Standardisierung hat natürlich Vorteile bei Sortiervorgängen und dient dem schnelleren Auffinden, widerspricht aber der Urkunde, die dem Eintrag zugrunde liegt.

Wie ist der Brauch hier im Kreis?

Dank und beste Grüße

Uwe

Hallo Uwe,
   Das ist eine sehr interessante Frage die mich aber auch schon lange
   begleitet. Habe fA 1/4r mich und meine direkte Linie festgelegt das ich
   mit der aktuellen Schreibweise von heute arbeite und die Varianten
   entsprechend als Alias im Programm hinterlege.
   Viele GrA 1/4AYe
    Josef Thomalla
    Sended from my Cell Phone

   -------- UrsprA 1/4ngliche Nachricht --------

Hallo ihr Lieben,

ich nehme meist die heutige Schreibweise und

schreibe unter Notizen oder unter

*auch bekannt als* > wie die Leute sich

sonst auch noch genannt haben.

Liebe Grüße

Eva (Holtkamp)
E.Holtkamp@gmx.de

Liebe PAF'ler,

auch ich habe mich für einen einheitlichen Leitnamen entschieden, in der
Regel die heutige Schreibweise. "In der Regel" deshalb, weil ich nicht
alle Familien bis in die Gegenwart verfolge. Dann nehme ich die jüngste
mir bekannt Schreibweise.

Die anderen vorkommenden Schreibweisen tauchen automatisch in den
Notizen auf, denn dorthin schreibe ich den Originaltext.

Gleiches kann auch auf die Schreibweise der Vornamen zutreffen,
Catharina bei der Taufe, Kathi bei der Heirat und Katharina bei der
Beerdigung >>> Catharina.
Und aus dem Jonnes - ohne h - bei der Taufe wird in der Personenmaske
ein Johannes.

Auch bei den Ortsnamen verwende ich eine Vereinheitlichung.
Wenn die Mutter z. B. in Vohwinkel geboren ist, die Tochter aber schon
in Wuppertal-Vohwinkel, dann nehme ich beide unter Wuppertal-Vohwinkel.
Ich forsche überwiegend in Böhmen. Dort waren über Jahrhunderte die
Ortsname zweisprachig - und nach dem Krieg gibt es vielleicht beide
Namen nicht mehr. Also habe ich mich für einen Namen entschieden, wobei
mir bewusst ist, dass ich in einigen Fällen historisch falsch liege

Dass diese Vereinheitlichungen im Widerspruch zu einem streng
wissenschaftlichen Vorgehen stehen, ist mir bewusst. Damit kann ich leben.

Gruß aus Bochum

Herbert (Kuba)

Lieber Herbert,

bei den heutigen Patchwork-Familien

können wir auch nur so zurecht kommen.

Aber unser liebes PAF hilft uns auch da,

wenn wir genau aufschreiben, welches Kind

von wem abstammt.

Das wird bei den künftigen Nachkommen

immer schwieriger werden. ;-))

Liebe Grüße

Eva (Holtkamp)
E.Holtkamp@gmx.de

Hallo Mitforscher,

ich trage auch die zuletzt bekannte Schreibweise in das Namensfeld ein, eine weitere Variante unter "auch bekannt als" und alle weiteren Abweichungen in den Notizen mit genauer Quellenangabe.

Gruß
Klaus Wrede

Hallo Uwe und alle anderen an der Problematik "Namens-Scheibweise" Mitleidende.

Ich habe in dieser Liste lange geschwiegen, weil ich PAF seit vielen vielen Jahren nicht mehr nutze - totes Pferd halt. Nun, dafür nutze ich ein noch nicht ganz so lange totes Pfred: Ages! Auch dieses Programm ist mehr als tot, schade darum. Ich habe lange gesucht und keine wirkliche aktuelle Alternative zu Ages! gefunden - zumindest keine, die meinen Vorstellungen irgendwie entsprechen könnte.

Aber das Thema lautet: "Unterschiedliche Namensschreibweise"

Eine EINFACHE Lösung für das Problem wird es nicht geben, denn:
Nimmt man die aktuelle, vor allem "gesuchte", Schreibweise des Namens, kann es sein, dass man Birnen und Äpfel vergleicht: So könnte es durchaus sein, dass mit historischem Hintergrund aus dieser Vorgehensweise aus den Namen "Apfel" und "Birne" durchaus auch "Bapfel" und "Irne" werden können - sehr bildlich gesprochen.

Ich will sagen, dass mit unüberlegter, unerforschter historischer Schreibweise, durchaus zwei völlig verschiedene Linien durch forscherischen Übereifer und Euphorie urplötzlich verkehrt zusammengefügt werden könnten... Die Folgen: Fatal für die eigene und darauf aufbauende Forschung...

Mein spezieller Fall, warum ich nach Jahren mal wieder hier antworte, hat nix mit PAF zu tun:
Der aktuelle Name ist STOCKBAUER, meiner, und hat im Unteren Bayerwald, also hin zu Österreich, seine deutliche Kulmination bezogen auf Deutschland, Ballungsräume mit "Auswanderern" mal ausgeschlossen. Im angrenzenden Oberösterreich hab ich keine Stockbauer gesehen | kulturelle Grenze?. Bei Recherchen im angrenzenden Böhmen, also in den Pfarreien "hinter der Grenze", damals K&K-Monarchie, woher viele Vorfahren nicht nur für mich abstammen, habe ich keinen einzigen STOCKBAUER gefunden, dafür aber jede Menge STÖGBAUER, wie eben auch in Oberösterreich - eine erst mal "komische" Konstellation, da die Grenze zum hin-und-her Heiraten immer offen war und in Richtung Bayern auch intensiv genutzt wurde...

Gelegentlich finden sich hier im BayWa auch STÖGBAUER, STÖCKBAUER, STEGBAUER, STECKBAUER etc., schon klar. Aber soll man aus diesen Namen dann einfach STOCKBAUER machen, nur weil man eigentlich diese sucht? Für mich ist das eine gefährliche Verallgemeinerung...

Eindeutiges Beispiel bei mir: 1821 wird eine Maria STOCKBAUER im Ort Nendlnach, nur ein paar km von meinem Heimatort entfernt, geboren - diese Maria, direkte Linie, suchte ich schon lange und es könnte alles passen. Nur ist als Vater eben angegeben und in den Matrikeln zweifelsfrei nachlesbar: Ein "Lorenz STOCKBAUER, Bauernknecht aus Böhmen", leider wortwörtlich und ohne weitere Angabe. Undsoweiter haben natürlich weder Lorenz noch die Mutter, Anna-Maria Atzinger, jemals geheiratet, denn bei der Hochzeit der Maria Stockbauer, damals selbst schon knapp 50 Jahre alt, wurden als Eltern jeweils Lorenz Stockbauer als auch Anna-Maria Atzinger angegeben, beide noch am Leben. Weitere Daten zu den Beiden habe ich bisher nicht gefunden - ein typischer "Toter Punkt" halt. OK, mein Problem, was solls.

Aber mit der Grenze vom Königreich Bayern hin zur K&K-Monarchie, die nur wenige Kilometer von hier verlief, kommt auch eine sprachliche Grenze hinzu, nämlich "bairische" und "österreichische" Dialekte. Dazu gibt es einen uralten Witz, der im Raum Hauzenberg bekannt ist, einer Ecke im Unteren Bayerwald, in der der Dialekt auch heute stark vom nahen Oberösterreich geprägt ist. Diesen Witz bitte ohne jeglichen Seitenhieb auf die aktuelle Situation der Migrationsbewegungen und ohne jeglichen "nationalen Seitenhieb" verstehen: "Warum essen Araber kein Brot? Eh klar, weil's ka'Möh ham!" - also weil sie "kein Mehl haben" > anders quasi aber auch gleichwertig zu verstehen als "ka'Möh ham" > "Kamel haben". Also ein "Witz" mit viel Lautmalerei und ziemlich um die Ecke gedacht, der dialektische Unterschiede deutlich aufzeigt. Und eben auch, dass Ö und E ziemlich gleichwerig in den Dialekten verwendet wurden. Aber O?

Zurück: Wie aber kam der Lorenz aus Böhmen, wo ich bisher keinen einzigen mit diesem Namen gefunden hab, dann 1821 zum Namen STOCKBAUER? Vielleicht weil der Pfarrer mit STÖGBAUER nichts anzufangen wusste aber den Namen STOCKBAUER hier im Unterern Bayerwald sehr wohl kannte und ihn eben so niedergeschrieben hat? Möglich, aber eben Spekulation, nix als Spekulation...

Viele Forscherkollegen hier in der Gegend haben Vorfahren aus dem benachbarten nahen Böhmen - die umgekehrte Richtung, dass aus dem Königreich Bayern ins benachbarte deutsprachige Randgebiet von K&K-Böhmen geheiratet worden wäre, ist mir und Mitforschern bisher nicht aufgefallen. Vielleicht müsste man dazu aber auch Familien aus der Sprachgrenze deutsch-tschechisch, 20-50 km hinter der eigentlichen Grenze erforschen, um mit solchen Konstellationen überhaupt konfrontiert zu werden...

Fazit all dieses Geschreibsels:
Man sollte gut drüber nachdenken und Hintergründe verschiedener Schreibweisen von quasi "gleichen" Familiennamen erforschen, bevor man zwei Familiennamen als gleich betrachtet. Natürlich sollte man bei PAUR und BAUER kein Erbsenzähler sein, denn diese Namen, auch mit Präfixen versehen wie STOCKPAUR und STOCKBAUER, sind wohl ziemlich sicher identisch. Weichen sie aber deutlicher ab, wie in meinem Fall, sollte man die "Gleichheit" schon deutlich hinterfragen und eben Skepsis vor forscherische Euphorie stellen - wie es in jeder Wissenschaft Usus sein sollte.

Wer gesunde Zweifel an der Übereinstimmung von Namen hat, sollte sich vielleicht auch mal mit seriösen(!) Namensforschern und Historikern, am besten noch mit genalogischer Erfahrung, zusammensetzen und die Problematik zu klären versuchen.

Meine zwei Cent zum Thema "Unterschiedliche Namensschreibweise"...

Liebe Grüße aus dem baierischen Wald, und Leut, bleibts xund,
Herbert STOCKBAUER

Hallo Herbert,

ich habe bei mir leider nur wenige Stockbauer-Daten gefunden:

2. Stockbauer, Sophia, aus Pfarrei Kellberg,
Taufbuch 6, Seite 74, * Kelchham/Kellberg 21.05.1772

Ich danke allen, die zu dem Thema geantwortet haben.

Die Lösungen ähneln sich, bleiben aber überall ein Behelf. Ich neige auch zu der Lösung, die heutige Namensschreibung zu verwenden. Damit tut man aber bei einer etwaigen online-Veröffentlichung all' denen keinen Gefallen, die nach der urkundlichen Schreibweise suchen und die heutige Namensform vielleicht garnicht kennen.

Eine Lösung wäre, in der Software ein zweites Namensfeld zu führen (z. B. "Leitname"). Je nach Verwendung der Daten kann man durch einen Auswahlbutton sich für den einen oder anderen Namen entscheiden. Heredis bietet zum Beispiel ein Feld "Weitere Namen" an, das man sogar noch qualifizieren kann mit "Künstlername" oder "Leitname" oder was auch immer. Da ich nur eine Testversion eingesehen habe, konnte ich die weitere Verwendung dieser Daten nicht verfolgen.

LG

Uwe (Kambach)