Unsere Totenlisten

Guten Tag, liebe Mitleser,

ich beschäftige mich intensiv mit den Totenlisten, die in den letzten Wochen so fleißig veröffentlicht wurden.

Da haben sich im Laufe der Zeit bei mir einige Fragen gesammelt, die ich aufgrund unterschiedlichster Thematik vorziehe, einzeln nacheinander in die Liste zu geben.
Vielleicht kommen wir dann einigen offenen Fragen näher.

In den Listen kann immer wieder gelesen werden über Verstorbene oder Angehörige, die in der ehemaligen "sowjetisch besetzten Zone" beigesetzt wurden oder dort beheimatet sind.

Für einen Ahnenforscher ist das stets eine schlechte Nachricht.
Wo in der Zone sind sie verstorben oder beheimatet? Für später Nachforschende eine verlorenen Quelle.

Nun vermute ich, daß eine GENAUE Angabe eines Ortes wohl durch regierungsamtliche Verbote geregelt wurde.
Das jedoch ist lediglich eine Annahme von mir.

Gibt es jemanden, der eine exakte Antwort zu dieser Frage geben kann?

Mit Gruß und Dank im voraus aus Flensburg
Hans-Walter Hansen.

Lieber Herr Hansen,

In den Listen kann immer wieder gelesen werden über Verstorbene oder Angehörige, die in der ehemaligen "sowjetisch besetzten Zone" beigesetzt wurden oder dort beheimatet sind.

diese Frage ist und bleibt schwierig und kann sicherlich nur teilweise von Familienangehörigen - falls sie denn noch leben sollten - beantwortet werden, da ich annehme, dass Sterbeorte ihnen vielleicht (?) manchmal doch mitgeteilt wurden. Bei der Angabe "sowjetisch besetzte Zone" kann es sich nur um das Gebiet dieser gehandelt haben - ohne Angabe eines Ortes oder eines Lagers, geschweige denn eines Krankenhauses.
So habe ich in der Goldaper Totenchronik manchmal nur die Bekanntgabe "in Thüringen" verstorben, oder genauso unklare Angaben wie : "an der Westfront verstorben" - oder "auf der Flucht", "im Ural", oder "in Westpreußen", "in Ostpreußen", sogar "auf der GUSTLOFF" u.a. Schiffen. Wie kann man dort einen genauen Sterbeort ausmachen ? Dazu kommen Angaben wie "in Rußland", oder "im Lazarett", "bei Gotenhafen" oder "im Kreis Sowieso". Noch um einiges schwieriger wird es, wenn da steht "für tot erklärt" oder schlicht und einfach ein "?" angegeben ist.

Wo in der Zone sind sie verstorben oder beheimatet? Für später Nachforschende eine verlorenen Quelle.

Genauso ist es !

Nun vermute ich, daß eine GENAUE Angabe eines Ortes wohl durch regierungsamtliche Verbote geregelt wurde.

Das jedoch ist lediglich eine Annahme von mir.

Die Annahme möge teilweise richtig sein - und gilt für ganz Europa u.a. Länder. Selbst für Regierungsstellen und Hilfsorganisationen war es unmöglich *alle* in allen Kriegen Vermissten und Verschollenen, Getöteten und Verschleppten ausfindig zu machen - der Verein der Deutschen Kriegsgräberfürsorge versucht ja bis heute, "alle" zu finden, was unmöglich ist.
Es könnte aber sein, dass in der ehemaligen "sowjetisch besetzten Zone" und der folgenden ehemaligen DDR (beide sind zu unterscheiden !) noch Unterlagen vorhanden sind, sofern sie von der STASI u.o. Mithelfern nicht vernichtet wurden.

Gibt es jemanden, der eine exakte Antwort zu dieser Frage geben kann?

Nein. Und damit müssen sich alle Familienforscher "anfreunden". Es gibt Menschen, die selbst heute nicht (mehr) zu finden sind, und auch solche, die nicht gefunden werden wollen. Der Beispiele gibt es viele. Allerdings gibt es einige, die nach Jahrzehnten noch gefunden werden (können). - Die Hoffnung stirbt zuletzt - ...

Herzlichst --- Gisela

Hans-Walter, die einfachste Möglichkeit ist immer die, wenn Du Dich an die
für den früheren Geburts- oder Wohnort zuständige Kreisgemeinschaft wendest.
Über die Kreiskartei kann man Dir wohl meist helfen, andererseits sammeln
manche Kreisgemeinschaften auch heute noch solche Informationen.
Hinweis: In der Kreiskartei des ostpreußischen Grenzkreises Schloßberg
fehlen nach wie vor rund 20 Prozent der ehemaligen Kreisbewohner. Die
Ursache dafür kann man sich denken, von der Gustloff bis zur
Gedankenlosigkeit ist alles möglich.
Übrigens, kraft Gesetz von 1986 wurden die bis dahin erstellten
Gemeindeseelenlisten und mehr in Bayreuth archiviert, siehe
http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/meldungen/02908/index.html
.de und Folgelink. Dort fehlt im Augenblick zwar mein Heimatkreis
Schloßberg, aber man ist dabei, das zu reparieren.
Gruß zum Wochenende –
Martin