Tipp bei Leseproblemen alter Handschriften

Hallo zusammen,

Gestern ist mir wieder ein Ratschlag eingefallen, den ich selbst vor ca. 40 Jahren von einem damals sehr erfahrenen Familienforscher erhalten hatte. Diesen möchte ich an alle weitergeben, da ich mit diesem Tipp sehr gute Erfahrungen gemacht habe, zuletzt gestern in der Kategorie Hessen, bei der Suche nach „Massengeil“.

Es ging in dem Fall um einen schier unleserlichen Ortsnamen. Der Schreiber hat eine gewöhnungsbedürftige Handschrift (so schreibet er beispielsweise ein großes M und ein großes W gleich, so dass es anhand des Buchstabens nicht zu unterscheiden ist).

Ich hatte an dem Ortsnamen ziemlich lange herumgeknobelt. Er taucht in Wiesbaden auf, einer Region in der ich obendrein ortsunkundig bin.
Zum Entzifferungs-Erfolg geführt hat letztlich der Tipp des alten Familienforschers:

Wenn Du was auch nach dem dritten Anlauf (= 3x weglegen und zwei Stunden oder zwei Tage später wieder hervorholen) nicht lesen kannst, dann fange von hinten an zu lesen und arbeite Dich Buchstabe für Buchstabe nach links. Dann klappt das in den allermeisten Fällen.

Den Grund hat er mir auch erklärt: Eigentlich sind es sogar zwei Gründe:

  1. Unser Gehirn ist gepolt darauf NACH HINTEN zu vervollständigen (ich glaube in der Computerei spricht man von „autofill“; Tippe ich „Vie“, dann ergänzt das Gehirn im entsprechenden Kontext automatisch zu „Viele Grüße“, selbst wenn hinter dem „Vie“ nichts mehr steht.) Dagegen kann unser Hirn nicht linksbündig ein Autofill vornehmen. Das heißt, das muss man sich Buchstabe für Buchstabe erarbeiten. Das heißt gleichzeitig: Durch die bewusste Beschäftigung mit den einzelnen Zeichen, die da auf dem Papier stehen, macht man automatisch weniger Lesefehler.

  2. Die allermeisten Lesefehler entstehen, weil unser Gehirn einen falschen ERSTEN Buchstaben sieht bzw. Annimmt. Ein bekanntes Beispiel ist die Ähnlichkeit der Großbuchstaben B und G in manchen Zeiten. Hat man aber einmal den falschen Anfangsbuchstaben, so hat man durch das „gehirnliche“ autofill fast keine Chance mehr, diesen Lesefehler zu korrigieren. Gestern war die Lösung „Usingen“, jedoch hat der Schreiber das U so begonnen, dass ich recht lange auf den Anfangsbuchstaben T- gepolt war. Wie gesagt; ich bin in Hessen ortsunkundig. Auflösen konnte ich es erst, als ich von hinten zu lesen begonnen hatte: -ingen war schnell klar, auch das „s“ davor war einigermaßen deutlich. Und so blieb die Frage, ob das davor ein oder zwei Buchstaben sind. Ti-singen oder ähnlich konnte ich im besagten Raum nicht finden, Plötzlich habe ich dann das U- gesehen…

Also: Wenn man was nicht lesen kann, fangt von hinten an und kämpft Euch Zeichen für Zeichen weiter nach links bis zum Wortbeginn.

Diese Methode hat mir schon so oft geholfen und ich empfehle sie jedem.

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

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… und natürlich die Binsenweisheit:

Buchstabenvergleich! Wo schreibt der Schreiber das gleiche Zeichen noch mal und kann ich es dort besser lesen (z.B. weil der Kontext ein anderer ist und somit die Deutung einfacher ist).

Aber damit trage ich Eulen nach Athen…

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Rest-Sonntag

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Hallo Herr Peren,

Danke für den Tipp.
Dazu ergänzend, wenn auch etwas ab von Ihrer Intention, habe ich mich an eine uralte „Jokemail“ erinnert, die mal in den 90er kursierte. Da ich diese nicht mehr habe, habe ich mich mal kurzer Hand ChatGPT bedient um diese zu rekonstruieren. Lesen sie selbst, es passt zur Ihrem „Autofill“:

Dsa mneschilche Gehrin ist eienr von den fszinaniierendtsen Orangen. Egal ob wir enein Text lesen, der konvetnioell geshrbcieen ist, oder ob die Bchushtaebn in der Mitee enies Wtroes druechinneadrr gmseicht snid – solnage der eertse und ltezte Bcuhsatbe an der rcihtgien Poistion steehen, knan das Gehrin das Wrot trzodtem lseen und vesrtehen.

Eine bnekanet Usthnuecrugn hat gezegit, dass es grteößentils eagl ist, in wlecehr Rehneoflge die Bchstabeun in der Mtiee enies Wrotes snid. Das Ghiren rkennet Wöretr als Gnaezhsiet, ncith als Rieehn von Eziblhcstuaten. Dehsalb köennn wir z. B. dseien Sazt rlatiev muehsols lseen, obwolh veleie Wöretr vöilg dcheiueannrrgbht snid.

Sgnoale also der Afnnag und das Ened enies Wrotes rcithig snid, wdir das Gehrin den Rset „herunafsidn“. Das ist ein bnierdckeuendes Bpeiles dfür, wie apansspägfslih und lahfnegr das mneschilche Gehrin ist.

Ziemlcih fnasiizrneed, oder?

Leider hat GPT ein paar Schreibfehler eingebaut trotzdem kann man es lesen. Ich weiß gar nicht ob es wirklich eine solche Untersuchung geben hat, denn schon damals wurde das genauso behauptet allerdings auch ohne Quelle.

Schöne Grüße
Christian (Schulze)