Thulke / Feldpostnummern

Hallo Listies,

ich bin für eine Bekannte auf der Suche nach weiteren Informationen zu folgendem Namen:

Thulke, Heinz Erich Horst Abgar, geboren am 19. April 1912 in Königsberg.

Gesucht werden nun natürlich die "ueblichen" Informationen, wie Eltern, Militaerzeit etc.
Der Betreffende selbst ist bereits verstorben und kann daher auch nicht befragt werden.

Wo (und wie) kommt man nun an diese Informationen heran? Fuer Informationen ueber den Militaerdienst habe ich ihr geraten, bei der WASt anzufragen. Aber wie kommt man an die Eltern? Es gibt auch Eintragsnummern über die Geburt und die spaetere Hochzeit (angeblich im Koenigsberger Dom).
Kann jemand Tipps geben?

Als zweites Anliegen:

Hat jemand Informationen ueber Feldpostnummern und kann mir sagen, wozu die FP-Nummer 66638 gehoerte?

Hat jemand Erfahrungen mit den WASt-Angaben, in wie weit sich dort Fehler einschleichen koennen? Mein Grossvater soll zwar 1939 einberufen worden sein, danach aber in Richtung Heimat entlassen. Die naechste Erwaehnung findet sich dann bei der Wiedereinberufung im Januar 42. Meine Grossmutter sagt aber, dass er von Anfang an im Krieg war. Wie kann das sein, wer hat recht? Und wieso kommt es zu solchen Ungereimtheiten?

Vielen Dank fuer Eure Hilfe und - hoffentlich - Antworten.

Es gruesst ganz herzlich aus Hamburg,

Christian

Christian:

Also: WASt ist ein ganzer heisser Tipp, zumal die nicht nur die Feldpostnummer angeben sondern such den Namen der Einheit als Abkuerzung ("Alles klar, aber was heisst DAS denn nun").

Ansonsten muss man halt mal eine groessere Buecherei finden, die
"Kannapin, Norbert, Die deutsche Feldpostuebersicht 1939 - 1945; vollst.
Verz. d. Feldpostnummern in numer. Folge u. d. Aufschluesselung. Bearb.
nach d. im Bundesarchiv-Militaerarchiv verwahrten Unterlagen d.
Heeresfeldpostmeisters."
hat....
Leider bin ich gegenwaertig erst dabei das Telephonbuch von New York auswendig zu lernen und bin daher bei dem Projekt "Feldpostnummern"
noch leicht im Rueckstand, ich habe aber glaub ich bis zum uebernaechsten Moderator von "Wetten das" noch etwas Zeit.

Auf den Unterlagen der WASt ist in vielen Faellen auch eine Angabe ueber "naechste Angehoerige" (einfach nachfragen), es kommt halt darauf an in welchem von etlichen Verzeichnissen der Name gefunden wird...

Fehler in den Angaben der WASt ? Nie..... nur Computer koennen irren, in Papier kann hoechstens mal Lochfraß sein, oder der urspruengliche Bearbeiter hat
Schoenschrift in einer Freistunde bei meinem Urgroßvater, <na ja kann auch Ur-Urgroßvater gewesen sein> gelernt oder er hat auf die Frage: "Wie heissen Sie?"
Geantwortet: "Tschisczszowitzkanski" und auf die Zusatzfrage: "Wie schreibt man das? " nur lapidar geantwortet "Wie man's spricht ! Am Ende mit I ". Worauf der Herr Schreibstubenunteroffizier "Doch lieber gleich den Zivilberuf: "Mueller" eingetragen hat. Aber Fehler gibt es bei den Unterlagen der WASt natuerlich nie !!!

Jetzt zum Einberufungsdatum: 1939/1942

Der Sommer 1939 gilt allgemein als sehr schoen trocken, im Fernsehen lief gerade das allseits beliebte Programm: "Sendestoerung" und im oertlichen Kino
in seit 3 Jahren ununterbrochener Folge der Klassiker: "Quax der Bruchpilot", die Badestelle am Pregel war immer ueberfuellt und die "Marjellchens", steckten staendig die Koeppe zusammen und kicherten. Es wurde Zeit mal etwas zu unternehmen und um die Haeuser zu ziehen. Schliesslich war man seit April "27" und hatte immer noch nicht gedient...

Da kamen die Sommermanoever gerade richtig, ueberall liefen jetzt Soldatens rum, rum und die Marjellchens schauten Zivilisten gar nicht mehr an. Boese Falle.
und dann kam das erloesende Wort: Mobilmachung und man war wieder ..... nicht dabei. Aber man wohnte ja in Ostpreussen und hatte da ueber die Jahrhunderte
reichlich Erfahrung mit "Einmaerschen" und deshalb erhielt man doch noch seine Chance: Da wurde doch neben die "richtigen Soldaten" noch der "Grenzschutz"
gestellt, war so was wie die Landwehr, bei der Opa 14/18 gewesen war und der Urgroßvater 1813 beinahe den Napoleon gefangen genommen hatte.....

Die waren da nicht so waehlerisch und fragten auch nicht lange nach "Ausbildung" und "Vordienstzeiten", da hiess es nur: Spaten geschultert und ab zum Strassenbau und dann immer schoen die neue Kreuzung bewachen, damit der boese Feind die ueber Nacht nicht einrollte und bei Warschau wieder neu ausrollte und zwischendurch gab es dann noch ein wenig militaerische Ausbildung. Leider entschloß sich die Wehrmacht aber dann doch zu einem schnellen Vormarsch
uns als man nach 21 Tagen den Unterschied zwischen einem Leutnant und einem Oberleutnant begriffen hatte, da hatten die Polen schon kapituliert. Aber es gab ja noch die Franzosen, dafuer kam man zwar nicht in Frage, ehe man nicht den Unterschied zwischen einem Offizierspferd und einem Dienstpferd durch praktisches putzen erlernt hatte, aber zumindest war man schon mal ueber die Grenze geschoben worden und bewachte als "Besatzungsarmee" in Polen jetzt Straßenkreuzungen.... Und dann war auch der "Westfeldzug" ueberraschend schnell beendet und die Reichsregierung entschloß sich zur Verkleinerung der Armee (es wurden etliche Reservedivisionen in "Urlaub" geschickt, in Koenigsberg hatte das Schwarz-fahren auf den Strassenbahnen bedrohliche Ausmasse angenommen, da ueberall die Schaffner fehlten und auch die Bauern klagten ueber erhebliche Ernteausfaelle mangels genuegend Erntehelfern). Also traf einen
die Abruestung mit voller Wucht und die arme Strassenkreuzung wurde ihrem Schicksal ueberlassen und man fuhr wieder Strassenbahn !

Natuerlich kann ich gegenwaertig nicht sagen in welcher Schicht er fuhr, die Grenzschutzeinheiten sind ein wenig erforschtes Gebiet, aber vielleicht hilft dieses
Projekt: "So koennte es gewesen sein" doch etwas weiter

Ernst