Sütterlin

Hallo

   ich bin 1951 eingeschult worden und hatte Suetterlin irgendwann fuer
   ein halbes Jahr als Schulfach. Meine Kenntnisse in Suetterlin sind
   deshalb nur rudimentaer, kann die Schrift zur Not lesen. Fraktur habe
   ich mir durch das Lesen von alten Buecher selbst beigebracht. Ich lese
   heute Fraktur so schnell wie Latein. Ich verstehe deshalb nicht,
   weshalb junge Leute Fraktur nicht lesen koennen. Die Schrift ist doch
   ziemlich aehnlich wie Latein.

   Gruss Bernd

Da kann man nur zustimmen: Es ist ja nun wirklich keine Kunst, Fraktur zu lesen, denn jeder normal Begabte wird die wenigen von der lateinischen Schrift abweichenden Buchstaben aus dem Zusammenhang deuten k�nnen.

Etwas anders verh�lt es sich mit der deutschen Schreibschrift (ob in der Form S�tterlin oder nicht). Das war die Schrift, die die Generation meiner Gro�eltern (geboren im letzten Viertel des 19. Jhdts.) in der Schule lernte. Man muss bewundern, welche Sicherheit im Rechtschreiben diese Generation ein Leben lang ihr eigen nannte, obwohl die �berwiegende Mehrheit der Bev�lkerung damals (und noch bis Anfang der F�nfzigerjahre des 20. Jhdts.) nur acht Jahre zur Schule ging. Man vergleiche das mal mit den Rechtschreibleistungen heutiger Sch�ler und sogar Studenten.

Gru�
Rolf-Peter

Hallo Rolf-Peter,

Da kann man nur zustimmen: Es ist ja nun wirklich keine Kunst, Fraktur

zu lesen, denn jeder normal Begabte wird die wenigen von der
lateinischen Schrift abweichenden Buchstaben aus dem Zusammenhang deuten
können.<

Entschuldigung im Voraus - aber jetzt muss ich doch kichern.
Es gibt offensichtlich Nachholbedarf bei einigen Familienforschern,
die diesen "Nachholbedarf" auf jüngere Generationen verfrachten.
Das kann es ja nicht sein ! Erklären Sie (u.a.) mal einem Kind in der
Grundschule und weiterführenden Schulen, warum jetzt Sütterlin und
Fraktur-Schrift gelesen werden sollte !?
Studenten an Hochschulen kann diese verschiedenen Schriften auch nur
dann interessieren, wenn Sie sie als Quellen benutzen können.
Das Jahr 2013 ist bereits in vollem Gange...

Man muss bewundern, welche Sicherheit im Rechtschreiben

diese Generation ein Leben lang ihr eigen nannte, obwohl die
überwiegende Mehrheit der Bevölkerung damals (und noch bis Anfang der
Fünfzigerjahre des 20. Jhdts.) nur acht Jahre zur Schule ging.

Wissen Sie, was Sie hier sagen ? Verstehen Sie die verschiedenen Handschriften,
die es heute immer noch als "eigene Handschrift" gibt ?

Man vergleiche das mal mit den Rechtschreibleistungen heutiger Schüler und

sogar Studenten.

Woher wissen Sie das ? Wenn Sie nach der "PIZZA-Studie" gehen, würden so
einige Familienforscher, Sie und ich "durchfallen" - und zwar mit fliegenden Fahnen !
Und Herr Sütterlin hat ganz bestimmt nichts damit zu tun.
Na ja, es gibt Rechtschreibprogramme, die korrigieren können (aber nicht vollkommen
sind) - und dann schickt man die E-Mail eben los...

Liebe Grüße --- Gisela

Hallo Gisela,

wieso sollte ein Schulkind Frakturschrift lernen oder S�tterlin? Davon ist nirgends die Rede. Es war die Rede davon, dass Frakturschrift (gemeint ist ganz genau Frakturdruck) einem Normalbegabten (und das schlie�t auch Kinder ein) keine Leseschwierigkeiten bereiten sollte. Wieso haben wir das schon als Kinder lesen k�nnen? Wir haben deshalb auch keinen Kurs absolvieren m�ssen.

Es ist weiter davon die Rede gewesen, dass die Rechtschreibkenntnisse der jetzigen jungen Generation gegen�ber denen der fr�heren Volkssch�ler enorm abgefallen sind und dass sich das selbst noch unter Student(inn)en bemerkbar macht. Und zwar, wenn sie lateinische Schrift schreiben. Selbstverst�ndlich wei� ich, was ich da feststelle, denn ich habe fast jeden Tag die "Freude" die Normverst��e entziffern zu m�ssen.

Es mag ja sein, dass Sie bei der Pisa-Studie durchfallen w�rden, aber das stand hier nicht zur Debatte.

Mit freundlichen Gr��en
Rolf-Peter

Liebe Liste,

nun ich wurde 57 eingeschult.
Als "Schönschrift" musste die "deutsche Schrift" geübt werden.
Das Brause-Übungsheft (Übungsheft für die deutsche Schrift) aus dieser Zeit habe ich noch.

Das Heft gibt es übrigens noch zu kaufen. Neuer Umschlag, aber der Inhalt ist derselbe, habe ich noch zuletzt im Schreibwarenhandel gesehen.

Grüße
Jürgen

Ich bin im Herbst 1941 in Gunzenhausen, Franken eingeschult worden
und habe dort noch die S�tterlinschrift gelernt.

Durch lange Krankheit konnte ich erst im Sommer 1942 in
Nieder�sterreich wieder eine Schule besuchen und wurde mit der
Lateinschrift konfrontiert. Die Folge ich mu�te das erste Schuljahr
wiederholen. Unsere Familie ist Anfang 1942 nach Nieder�sterreich
evakuiert worden, ich kam wegen meine Erkrankung erst sp�ter nach.

Trotzdem kann ich noch immer ganz leidlich die altdeutsche
Schreibschrift (S�tterlin) entziffern, habe aber gelegentlich doch
Schwierigkeiten damit.

Ich bin aber nicht sicher ob in den �sterreichischen Schulen die S�tterlinschrift �berhaupt in der Schule gelehrt wurde.

Wei� jemand aus der Runde etwas dar�ber?

Gru�
J�rg Brauer, Berlin

Es ist sch�n, dass so viele sich an diesem Diskussionspunkt beteiligen.

Aber wir sollten nicht pers�nlich werden in der Bewertung der Aussagen anderer TeilnehmerInnen.
Jeder hat seine Meinung und solange es der Netiquette entspricht, ist dagegen nichts zu sagen.

Es ist f�r die eigene Forschung unerl�sslich sich mit den alten Schriften auseinanderzusetzen.
Und es wurde auch angemerkt, dass es m�glich ist, diese Schriften zumindest Lesend zu erlernen.
Ich w�rde dabei jedoch nicht auf Intelligenz abzielen, sondern eher auf die Bereitschaft intensiv zu �ben.

Die verschiedenen altdeutschen Schriften �hneln sich, so dass das Erlernen der S�tterlinschrift einem sehr hilft, auch die �lteren Kurrentschriften zu entziffern. Aber es braucht bei jeder Schrift der �bung.

Auch die Frakturschrift ist zun�chst f�r viele nicht einfach lesbar, da sie es nie gelernt haben. Aber im Portal Ostpreu�en gibt es viele, die sehr schnell Erfahrung im richtigen Lesen der Frakturschrift gesammelt haben. Man mu� nur den ersten Schritt wagen.

Es ist tats�chlich so, dass einem viel Literatur verborgen bleibt, wenn man die Schriften nicht lesen kann. Selbst die Texterkennungssoftware (f�r gedruckte Werke) scheitert an der Frakturschrift in vielen Belangen. Dies liegt nat�rlich auch an der Qualit�t der Drucke.

Und die S�tterlin-Schulschrift ist nat�rlich kein Vorbild, die Schrift lesen zu k�nnen, da es eine Sch�nschrift ohne pers�nliche Nuancen ist. Das wirkliche Leben zeigt, welche Variationen es in der Schrift gibt.

Wer Interesse an handschriftlichen Proben der S�tterlin-Schrift hat, kann sich gerne das Feldpost-Projekt im Portal Ostpreu�en anschauen:
http://www.portal-ostpreussen.de/news/70-jahre-danach-ein-feldpost-liebesdrama

Herzliche Gr��e,

     Fritz (Loseries)

I apologise for writing in English, but hope this information might be new
to some of you, and helpful.
If you look here you will see that it is possible to have some of these
scripts transformed into modern typeface:
HathiTrust Digital Library | Millions of books online
http://www.hathitrust.org/
As an example, take a look at the first result for Christmann,
Fr.<http://catalog.hathitrust.org/Search/Home?lookfor="Christmann,%20Fr."&type=author&inst=>
Once into this book published in 1870 see what happens when a word such as
'Australien' is searched :slight_smile:
I don't know the German term for OCR, but to me it is nothing short of a
modern miracle!
http://en.wikipedia.org/wiki/Optical_character_recognition
It is of course not wholly accurate, but this is a way of making some of
these texts much more easily accessible. I am most pleased a friend
thought to share this site, even though she had not discovered this feature.
Bronwyn.

Liebe Liste,

um mal eine Lanze für die Jüngeren unter uns zu brechen, ich wurde 1986 eingeschult und habe auch noch Sütterlin gelernt. Es waren nur ein paar Wochen, und die meisten meiner Klassenkameraden werden es nur noch bruchstückhaft lesen können, aber ich kann es nach wie vor lesen und auch recht flüssig schreiben. Für die Ahnenforschung tatsächlich sehr praktisch. Dafür kann ich kein Latein.... aber das ist ein anderes Problem.

Welche Auswirkungungen mangelnde Handschriftkenntnisse haben kann, konnte ich vor einigen Jahren bei einem High School-Aufenthalt in den USA erleben. Die meisten der Schüler waren nicht in der Lage die amerikanische Schreibschrift zu lesen oder zu schreiben, Druckschrift hatte sich durchgesetzt. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wunderbar geschwungen und vorallem schwer leserlich diese Schrift bei ungeübtem Auge sein kann, frag ich mich, wie schriftlich zwischen den Generationen kommuniziert werden kann.

Und dann gibt es noch die Geschichte meines Großvaters, dessen Bruder um 1900 als Schreiber in die USA auswanderte, sich dort schriftmäßig anpaßte und dessen Briefe mein Großvater samt und sonders für Fälschungen hielt... So hat Friedrich nicht geschrieben, er hatte eine so schöne Schrift. So kann es dann auch gehen.

Viele Grüße aus Bremen,
Katrin (Mühlenbruch)