Liebe Mitglieder der Niederschlesien-Liste,
Hier mal eine Weiterleitung einer Anfrage aus der Sachsen-Liste.
Die Anfrage stammt zwar vom 17.102010 und es kann auch sein, das diese schonmal über die Liste gegangen ist.
Bitte Weiterleiten in eventuelle Listen und direkt melden bei Mobendorf-Striegistal@web.de
Vielen Dank im Vorfeld
Mit freundlichen Grüßen
Mike (Eichner)
Heute eine ungewöhnliche Bitte: aus verständlichen Gründen suche ich Hilfe bei folgendem Sachverhalt, dabei unbedingt Weiterleitung in polnische Ahnenrunden !!!
"Menschlichkeit
und Mut das Jahr 1945 als Zeit der kleinen Helden
Es kann
im Jahre 1998, vielleicht auch 2000, gewesen sein, wir wissen es leider nicht
genau. Ein gut gekleideter Mann in den besten Jahren, er mag so um die 50 sein,
steht auf dem Hof des Pappendorfer
Erbgerichtes. Er kommt aus Warschau, der polnischen Hauptstadt. Viel hat
ihm seine Mutter über diesen Hof und seine damaligen Bewohner erzählt, er
versucht, sich zu erinnern.
1945. Die Rote Armee steht an der Oder, der Krieg kommt
immer näher. Die sowjetischen Truppen rüsten sich für den Sturm auf Berlin.
Sophie und Joseph, zwei junge Menschen aus Polen, Zwangsarbeiter auf dem Erbgericht,
erwarten ihr erstes Kind. Als der kleine Henryk, so nennen sie den Jungen,
wenige Wochen alt ist, wird er von seinen Eltern getrennt und in ein Kinderheim
für Ausländerkinder gebracht. Alles
Bitten der jungen Eltern hilft nichts, die Entscheidung ist unwiderruflich.
Doch sie hören nicht auf, zu bitten, ja, zu flehen. Da bekommen sie ein Angebot:
Wenn ihr eine deutsche Familie findet, die ihn aufnimmt, bekommt ihr den
Jungen wieder. Wer soll dieses Risiko
auf sich nehmen? Wer soll, da noch rigoros gegen alle, die freundlich zu den
Zwangsarbeitern sind, vorgegangen wird,
so etwas wagen? Die jungen Eltern sind ratlos. Doch ein Funke Hoffnung glimmt
noch in ihnen. Sie kennen durch ihre Arbeit auf den Feldern des Gutshofes eine Frau, die mit ihren Töchtern in einer
kleinen Wirtschaft auf dem Goldenen Rand wohnt, der Mann ist im Krieg. Sie
redet mit ihnen, sie behandelt sie menschlich und beweist damit, dass sie Mut
hat. Die beiden Polen fassen sich ein Herz, sie tragen, zunächst zaghaft, dann
inständig bittend, Charlotte Pfeil ihr An - liegen vor. Die zögert lange,
schließlich hat sie selbst Kinder, trägt für sie Verantwortung. Doch dann gibt sie nach, ihre schlichte Menschlichkeit
ist stärker, als ihre Angst. Bald darauf zieht der kleine Henryk bei ihr ein.
Seine Eltern können ihn nun jeden Tag sehen, sie sind überglücklich. Aus einem
Häufchen Elend wird bald ein gesunder und fröhlicher Junge, Charlotte Pfeil
pflegt und umsorgt ihn, als wäre es ihr eigenes Kind.
Mai 1945. Der Krieg ist aus. Auf dem Reichstag in Berlin
weht die rote Fahne mit Hammer und Sichel. Alle Zwangsarbeiter sind frei, der
Weg nach Hause ist offen. Mit einem Kinderwagen, den ihr jemand geschenkt hat,
den kleinen Sohn und ihre wenigen Habseligkeiten darin verstaut, macht sich
Sophie auf den Weg in ihre polnische Heimat, auf den Weg in eine ungewisse
Zukunft. Joseph ahnt, dass die siegreichen sowjetischen Truppen nicht
zimperlich sein werden. Er bleibt noch ein paar Tage, um die Menschen, die ihm
und seiner Familie geholfen haben, vor dem Ärgsten zu bewahren. Dann bricht
auch er auf. Ob er Frau und Kind jemals wiedersehen wird?
Jahre vergehen. Manchmal erinnert sich in Pappendorf Charlotte Pfeil, inzwischen Charlotte Kowalewski,
noch an Sophie, Joseph und ihr kleines Pflegekind Henryk . Ob sie wohl überlebt
haben? Sie wird es nie erfahren.
Das Erbgericht um das Jahr 1939
1998 / 2000 . Auf dem Hof des Erbgerichtes in Pappendorf
erwacht der gut aussehende Mann aus Warschau aus seinen Träumen. Er, der mit
seiner Mutter im aufregenden Mai des
1945er Jahres tatsächlich die Heimat
erreichte, später studierte, ist eigentlich nach Pappendorf gekommen, um der
Frau, die ihm einst das Leben rettete, zu danken. Leider zucken die Bewohner
des Erbgerichtes auf seine Frage nach einer Frau Pfeil nur mit den Schultern,
sie kennen sie nicht. Er wiederum kann nicht wissen, dass diese nach dem Tode
ihres Mannes noch einmal geheiratet
hatte, den Namen Kowaleski trug und nun bereits verstorben ist.
So fährt er zurück nach Polen, vielleicht mit ein wenig
Traurigkeit, aber auch mit Dankbarkeit für eine mutige Frau, die er nie kennen
lernen konnte, die er aber nicht vergessen wird. Jahre danach erfährt diese
Geschichte die Tochter von Charlotte Kowalewski, Inge Thomas, doch es ist zu
spät.
Es gibt keine Spur, die zum in Pappendorf geborenen Polen Henryk führen könnte. Aus ihrem Erzählen und den Erinnerungen ihrer älteren Schwester Margot konnte diese Geschichte hier niedergeschrieben werden. "
mit freundlicher Genehmigung von
Franz Schubert, Pappendorf
für Olaf
Born, Mobendorf zur
Recherchen
zur möglichen Person / Familie freigegeben