Schiller Inquisition Oberkotzau und Lesehilfe

Hallo lieber Franken- Forscher!

Ich recherchiere derzeit in Oberkotzau und bin auf eine sehr interessante Geschichte gestoßen, da die bei Archion eingestellten KB 1761 eine INQUISITION wegen tatsächlicher oder vermuteter „Blutschande“ bei meinem Vorfahre beschreiben, welche letztenendes in einer Hinrichtung endet.

Beigefügt habe ich den KB- Auszug von 1718, welche den Eheeintrag des späteren Opfers enthält (Nummer 5 Erhard Schüler). Angegeben ist seine Stellung als Dienstknecht „in hiesigem …“ leider kann ich nicht entziffern wo Erhard Dienstknecht war!?

Falls ihr eine Idee zur Arbeitsstelle habt oder ebenfalls zu Schiller in Oberkotzau (bis ca 1790) und danach in Döhlau (bis ca 1840) und danach in Regnitzlosau forscht, meldet Euch gerne.

Danke und viele Grüße

Mike
Heirat Schiller Thomin 1718.pdf (363,3 KB)

Hallo,

es heißt: „in hiesigem herrschaftl. Halb-Gebeu“. Es handelt sich wohl um ein auf Halbbau ausgegebenes herrschaftliches Gut in Oberkotzau.

Thomas Pöhlmann

-------- Originalnachricht --------

Hallo Mike,
Es heißt „in hiesiger Herrschaft“.

Mit freundlichen Grüßen.

Peter Saalfelder
Am Steig 6
90596 Schwanstetten
Tel: 09170 1515
Mobil: 0170 20 21 250
Mail: peter.saalfelder@t-online.de

Hallo Thomas, Hallo Peter, liebe Frankrn- Gruppe

vielen Dank für die sehr hilfreichen Hinweise!

Das Wort herrschaftlich war meinem Mitforscher und mir auch schon in den Sinn gekommen und ein Gut wird es sehr wahrscheinlich auch sein. Ich gehe davon aus, dass es ein besonderes/ sehr bekanntes (herrschaftliches) Gut war, da nur bei den Beschäftigten dieses einen Gutes, der Verfasser des KB dies explizit niedergeschrieben hat.

Ich füge hier nochmal einen Ausschnitt aus einem anderen KB- Eintrag bei (rote Unterstreichung), da hier das herrschaftliche -mögliche- Gut erneut aufgeführt und anders benannt ist. Solltet ihr auch hier das Wort nach herrschaftlich entziffern können, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen!

Liebe Grüße

Mike

Hallo,

ich bräuchte doch schon etwas mehr Text. Vielleicht etwas wie Fuhrmann oder ähnlich.

Bitte den Permalink zum Eintrag mitschicken!

Viele Grüße
Thomas Pöhlmann

Taufen__Trauungen__Bestattungen_1709-1795_Bild31.pdf (398,4 KB)

Hallo Thomas,

Ich bin noch in der Übung der Appnutzung hier, entschuldige bitte!

Anbei der KB Auszug. Die Begrifflichkeit findet sich etwa in der Bildmitte als letzter Punkt, beim Geburtseintrag der Susanna Schiller. Nr 15 der Geburtseinträge… leider hatte der Verfasser eine „Sauklaue“

Hallo,

ich würde sagen es heißt Fohrwerg=Vorwerk

Viele Grüße aus Oberkotzau
Jochen Schöpf

Hallo,

dieser Johann Conrad Steinbach erscheint bei seiner Trauung 1726 als „dermahlen bey hiesiger Herrschafft in Diensten als Reith-Knecht“ und bei der Taufe eines Sohnes Nicolaus Matthäus 1727 als „Vorreuthers bey hiesig-gnädig. Herrschaft“. Die Vermutung, dass es sich um „Fohrwerg“ (= Vorwerk) handelt, ist wohl zutreffend, wenn auch der Buchstabe „g“ am Ende schon eine ungewöhnliche Form hat.

Viele Grüße
Thomas Pöhlmann

Hallo Jochen,

danke für deine Rückmeldung! Sehr schön etwas von jemanden aus dem Ort zu hören, um den sich meine Forschung gerade so intensiv dreht!

Mein derzeitiger Forschungsstand ist der Zeitraum 1690 bis 1790 in Oberkotzau, mit meiner direkten Familienlinie und ich habe gerade eher zufällig, die wahrscheinlich letzte Hinrichtung im Jahr 1761 in eurem Ort entdeckt.

Sehr interessant, dass meine Wurzeln bei Euch und in der Umgebung liegen, da ich selbst mal mehrere Jahre in Hof beruflich war.

Schöne Grüße

Mike

Ich danke Euch allen für die Übersetzungshilfen! Das ist wirklich sehr hilfreich!!!

Einen schönen Abend

Mike

Hallo liebe Mitforscher!

Zur Vorbereitung einer Recherche in Archiven welche die Markt Oberkotzau betreffen, habe ich einen einen - leider mit einer „Sauklaue“ niedergeschriebenen- Text in einem Sterbebuch übersetzt.

Da mein Interesse drei Sterbeeintragungen aus 1761, welche die „Inquisition“, also peinliche Befragung also Folter, von zwei möglichen Straftätern betrifft, ist jedes Wort im Kirchenbuchtext für mich wichtig, da mögliche Hinweise für den Straf- Prozess enthalten sind!

Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn Ihr das beigefügte PDF mit den Sterbeeinträgen aus Oberkotzau bezüglich der Nummern 17 (Andreas Schiller), 19 (Susanna Schiller) und 20 (Erhard Schiller), mit den von mir erstellten folgenden „Übersetzungen“ abgleichen könntet. Vielleicht habe ich ja das ein oder andere Wort falsch übersetzt/ verstanden und ich entstelle dadurch den Sinn der Niederschrift.
Bei einigen wenigen Stellen in den Texten, habe ich Wörter auch noch gar nicht entziffern können.

Hier meine übersetzten Texte:

Nummer17:
28.Juli 1761
Andreas, ein Bastard von Erh. (gemeint Erhard) Schillern, mit seiner leiblichen Tochter, jüngstes Söhnlein, starb gleich nach der jug. (gemeint Jünglings) Taufe und wurde auf hiesigem Gottesacker, nachts den 28. Juli in der Stille begraben

Nummer19
Susanna:
04. Sept. wurde Susanna Barbara Schillerin, des gleichfolgenden Vaters Johann Erhardt Schillers gewesenen Einwohners und Taglöhners allhier, älteste Tochter, nachdem sie mit ihrem leiblichen Vater Unzucht getrieben und danun unehelich schwanger wurden, nach _fray(?) ergangener ______ Inquisition und eingeholtem Urtheil und Recht von auswärtigen Rechtsgelehrten zum Schwerdt verdamet. dieses wurde an ihr angesetzet Tag von Philipp Christoph Fuchsen zu Bayreuth, __ dermaligen Nachrichters und wurde um 10 Uhr vormittags auf der, nahe am Rathe Haus liegenden B vollbracht. In der FrohnFeste wurde sie _______ _____ , wegen ________ Unwissenheit in __________ unterrichtet und ich hoffe zu Gott, nicht ohne allen Segen! Wie sie die mit großer Wehmuth ihre Sünden erkannt und Gnade und Vergebung derselben gesuchet hat. Sie war alt 38 Jahr und nicht völlige zway Monate

Nummer 20:
Erhard:
Am gleichen Tag, zur gleichen Stunde wurde, Johann Erhardt Schiller gewesener Einwohner und Tagelöhner allhier, wegen der, mit seiner Tochter Sussana Barbara Schillerin, begangenen Blut Schande, nach eingehohltem Urtheil und Recht von auswärtigen Rechtsgelehrten, von abgesandten Philipp Christoph Fuchsen, dermaligen Nachrichtern von Bayreuth, auf dem Ort und Stuhl seiner gewesenen Tochter, mit dem Schwerdt vom Leben zum Tod gebracht, dieser war ein Harder und alter Sünder, welcher viele Mühe und Arbeit daransetzet(?) endlich aber durch göttliche Barmherzigkeit ergriffen worde(n),
beide wurden auf _____ Saaldorf Gottesacker entfernet(?)


Vielen Dank km voraus für Eure Unterstützung!!!

LG

Mike

Schiller Inquisition .pdf (352,7 KB)

Korrekturen und Ergänzungen wie folgt:

Nummer 17: „…starb gleich nach der Jagd Taufe [Nottaufe]…“

Nummer 19:
„… gewesenen Innwohners und … Unzucht getrieben und davon endl. [endlich] schwanger worden, nach vorhergegangener weitläufiger Inquisition und eingehohlter Urtheil und Recht von auswärtigen Rechtsgelehrten zum Schwerdt verdammet. Dieses wurde an Ihr angesetzter Tag von Philipp Xstoph [Christoph] Fuchsen zu Bayreuth, als dermaligen Nachrichter, ungefehr um 10 Uhr vormittags auf der nahe am Korn Haus liegenden Bäunthen [Peunten] vollbracht. In der Frohnveste wurde sie drey Wochen lang wegen gefundener Unwissenheit in Christenthum unterrichtet, und ich hoffe zu Gott, nicht ohne allen Segen! Wie sie dann mit groser Wehmuth ihre Sünden erkannt …“

Nummer 20:
„… gewesener Innwohner und Taglöhner allhier … Sussanna … nach eingehohlter Urtheil und Recht … von obgedachten … dieser war ein harter und alter Sünder, welcher viele Mühe und Arbeit verursachet, endl. [endlich] aber hoffentl. [hoffentlich] durch göttl. [göttliche] Barmherzigkeit ergriffen worden. Sein Alter war 67 Jahre.
Beyde wurden auf der … … [2 Worte nicht lesbar] Gottes Acker verscharret.“

Viele Grüße
Thomas Pöhlmann

Die fehlenden zwei Worte am Schluss von Nummer 20 sind „auf der armen Sündern Gottes Acker verscharret“.

Thomas Pöhlmann

Thomas ich danke Dir ganz herzlich für Deine Unterstützung!!!

Das hilft mir sehr weiter

LG

Mike

Hallo Mike,

bei Johann Erhard Schiller handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Bruder eines Vorfahren von mir. Sein Taufeintrag dürfte der folgende sein:

KB Schwarzenbach/Saale * 1695/S.145a/Nr.65:
Erhard, Filius, Hanß Schillers zu Fattigau u. seines Weibes Dorotheae einer Müllerin von dar, ist gebohren den 10. Xbris nach Mittag gegen 9 Uhren u. den 11. ejusdem getauffet worden. T. Erhardt, Nicol Wegners daselbst dritter Sohn.
<http://www.archion.de/p/9fd35ca73c/>

Wenn Dich der damalige rechtliche Hintergrund interessiert, ist dieser zu finden im:
Corpus Constitutionum Brandenburgico-Culmbacensium, Oder Vollständige Sammlung Der Vornehmsten so wohl allgemeinen als besondern in dem Marggrafthume Brandenburg-Culmbach in Ecclesiasticis und Politicis Theils einzeln gedruckten, Theils noch nicht gedruckten Landes-Ordnungen und Gesetze: Welche auf Hochfürstlichen gnädigsten Special-Befehl aus den Archiven und Registraturen colligirt, und dem Publico mitgetheilet werden sollen, Band 2, Teil 2, 1748, S. 254
<https://books.google.com.om/books?id=Oh_KxM_ADC0C&hl=de&pg=PA254#v=onepage&q&f=false>

und im Teil 1 auf S. 302 und 314:
<https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10509291?page=368>

Das Thema eignet sich m. E. für eine Veröffentlichung z.B. in den Blättern für fränkische Familienkunde (BFFK) <https://www.gf-franken.de/de/blaetter-fuer-fraenkische-familienkunde.html>.

Wenn da bei euch Interesse besteht, stehe ich gerne mit Rat und Unterstützung zur Verfügung.
Gerne auch bilateral. thomas.schoerner@t-online.de.

VG
Thomas Schörner

Hallo Thomas,

danke für deine Nachträge bezüglich der Rechtsgrundlagen! Sehr spannend im Zusammenhang mit dem Fall! Ich les mich da mal die Tage rein…

Interessant ist auch die mögliche Verknüpfung zu deinem Hanß Schiller. Das würde die ganze Sache natürlich perfekt abrunden!

Ich melde mich die Tage per Mail!

LG

Mike

In der Hofer Altstadtchronik steht dazu nur ein einziger Satz (S. 240, fol. 164R):
Den 14. Augusti 1761 ist in oberkotza Vatter und Toch[t]er mit dem Schwärdt Hingerichtet worden, welche unzugt mit einander getrieben.