Liebe Listenmitglieder,
Guten Abend Waltraud (Turski),
ursprünglich wurde der Beruf nur durch zusehen und lernen meist von der Mutter erlernt. Oft waren bei Geburten mehrere Frauen aus der Nachbarschaft dabei. Auch so konnte man in die Tätigkeit hineinwachsen.
1890 war das schon anders. Es gab Entbindungskliniken, in denen innerhalb von vier bis fünf Monaten auch Hebammen ausgebildet wurden. Sehr beliebt waren diese Kliniken nicht. Die hygienischen Verhältnisse waren oft schlecht und sie wurden meist von unehelichen Müttern aufgesucht.
Ein Beispiel aus dieser Zeit ist in diesem Buch zu finden:
http://gnadenwerk.de/buecher/40jahre_storchentante/40jahre_storchentante.pdf
Ganz am Anfang wird geschildert, wie die Autorin dazu kam, Hebamme zu werden.
Ein großer Vorteil beim Beruf der Hebamme war, dass man ihn auch als verheiratete Frau noch ausüben konnte und eine besondere Schulbildung war nicht so wichtig. Alternative Ausbildungen für Frauen gab es nicht viele (Lehrerin, Näherin, Stickerin), erforderten eine längere Ausbildungszeit und waren nicht so krisensicher. Kinder wurden aber immer geboren.
Wo genau die Entbindungskliniken waren, kann ich leider nicht sagen. In Breslau gab es bestimmt mindestens eine und um 1925 herum könnte es auch eine in Frankenstein gegeben haben. Meine Oma war dort auf dem Lyzeum, die Schülerinnen wurden in Hauswirtschaft und Kinderpflege unterrichtet. Sie bekamen zum "Üben" Babys vermutlich aus solch einem Entbindungheim geliehen, die gebadet und gewickelt werden mussten.
Liebe Grüße
Astrid (Kreuz)