Re: Gutsherrschaften in der Parochie Neumittelwalde

Lieber Thomas,

Du hattest geschrieben, der Einfluss der Gutsherrschaft Ossen habe sich auch
auf die Orte Wegersdorf und Bukowine erstreckt. Dar�ber bin ich erstaunt,
weil Bukowine eine eigenst�ndige Gutsherrschaft bildete, zu der auch
Annental, K�nigswille und Wegersdorf geh�rten. Da ich aber bei den
historischen �ffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Beziehungen
zwischen den einzelnen Gebietsk�rperschaften und Grundherrschaften nicht so
ganz durchblicke, antworte ich mal �ber die Liste, damit die Problematik
gekl�rt werden kann.

Nach der mir vorliegenden Literatur geh�rten zur Parochie Neumittelwalde:
1. die ehemals f�rstlich oelsnische Herrschaft Neumittelwalde, und zwar
a) die Fideikommi�herrschaft Neumittelwalde
b) die Gutsherrschaft Ossen
2. weitere, nicht zur Herrschaft Neumittelwalde, sondern zur Freien
Standesherrschaft Gro� Wartenberg geh�rige Gutsherrschaften, und zwar
a) die Gutsherrschaft Bukowine
b) die Gutsherrschaft Gaffron/Kraschen
c) die G�ter Rippin, Sch�n-Steine, Klein Ulbersdorf.

Dabei ist in der Literatur mit der Herrschaft Medzibor/Neumittelwalde nicht
die Gutsherrschaft Neumittelwalde, sondern der
historisch gewachsene, zum F�rstentum Oels geh�renden Jurisdiktionsbezirk
Medzibor, das ehemalige Suschener Vogteiland, gemeint.
Es scheinen aber innerhalb dieses Jurisdiktionsbezirks alle G�ter mit
Ausnahme von Ossen immer denselben Besitzer gehabt zu haben und alle au�er
Ossen scheinen zur Fideikommi�herrschaft Neumittelwalde geh�rt zu haben.
Auch Ossen war 1609 noch Eigentum des Herzogs von Oels, ging dann aber in
den Besitz des Johann Dietfeldt von Dietmannsdorf �ber, der es 1635 mit
Heinrich von Schreibersdorf gegen Honig tauschte. (Honig war dem Heinrich
von Schreibersdorf vom Herzog �berlassen worden, nach dem Tausch kam Honig
sp�ter wieder in herzoglichen Besitz). Die Erben verkauften das Gut Ossen
1689 an Hans Kaspar von Prittwitz. Nach weiteren Verk�ufen 1693, 1707, 1716,
1718 ist der Besitzer von Ossen Karl Wilhelm von Koschembar, dessen Erben
bis 1780 Besitzer sind.

Der zum F�rstentum Oels geh�rende Jurisdiktionsbezirk Medzibor
und der dem Domkapitel ad St. Johannem zu Breslau geh�rige Kirchenhalt
Tscheschen geh�rten nach den Verwaltungsreformen Friedrichs des Gro�en zum
Kreis Oels und wurden erst am 1. Januar 1818 dem Kreis Gro� Wartenberg
einverleibt. Zu diesem Zeitpunkt (1818) umfasste die
Herrschaft Medzibor die l�ndlichen Ortschaften Benjaminstal, Charlottenfeld,
Erdmannsberg, Friedrikenau, Honig, Jeschune, Kalkowski, Kenchen,
Kenchenhammer, Klenowe, Kottowski, Kotzine, Mariendorf, Medzibor-Dominium,
Medzibor-Glash�tte, Neurode, F�rstlich Niefken, Ossen, Pawelau, Sielonke,
Sobke, Suschen und Wielgy. Zum Kirchenhalt Tscheschen geh�rten Conradau,
Johannisdorf, Tscheschen, Tscheschen-Glash�tte und Tscheschenhammer.

Die Ortschaften Annental, Bukowine, K�nigswille und Wegersdorf sowie auch
Gaffron, Gaffron-Dombrowe, Eichvorwerk und Kraschen, au�erdem Rippin,
Sch�n-Steine und Klein Ulbersdorf, geh�rten zwar zur Parochie Medzibor, aber
nicht zur Herrschaft Medzibor.

Zu den weiteren Parochien im (sp�teren) Kreis Gro� Wartenberg kann ich
folgendes sagen:

Die Parochie Festenberg, seit 1538 evangelisch, umfasste zun�chst nur
Festenberg, Olschofke, Neuvorwerk, Eisenhammer, Brustawe, Neudorf, Sackrau,
Althammer, Linsen und Muschlitz. Sp�ter schlossen sich die bisher zu (den
gegenreformierten Parochien) Wartenberg oder Militsch geh�renden Gemeinden
Brodowze, Klein Graben, Klein Sch�nwald, Gro� Sch�nwald, Sechskiefern,
Sch�neiche, Sandrasch�tz, Dombrowe und Gr�neiche an.

Polnisch Wartenberg hat nach der Gegenreformation erst 1736 die Erlaubnis
zur Wiedererrichtung einer evangelischen Gemeinde erhalten. Nach Polnisch
Wartenberg eingepfarrt wurden die Ortschaften Baldowitz, Bischdorf, Bralin,
Cammerau, Klein Cosel, Gro� Cosel, Distelwitz, Dyhrnfeld, Fruschof, Gohle,
Himmeltal, Langendorf, Mangsch�tz, M�rzdorf, Mechau, Neuhof, Ottendorf,
Paulsch�tz, Perschau, Radine, Rudelsdorf, Schlaupe, Schleise,
Schreibersdorf, Ober Stradam, Wioske, Klein Woitsdorf, Gro� Woitsdorf.

Die Parochie Gosch�tz wurde 1741 errichtet, zu ihr geh�rten Gosch�tz,
Gosch�tzhammer, Gosch�tz-Neudorf, Domaslawitz, Drungawe, Bunkai, Dobrzetz,
Charlottental, Amaliental, Lassisken, Wedelsdorf, Sakrau, Gro� Gahle, Klein
Gahle sowie die vorher zu Festenberg geh�renden Orte Muschlitz und
Althammer.

Zu der 1749 gegr�ndeten reformierten Parochie Gro�-Friedrichstabor geh�rten
die Orte Gro�- und Klein-Friedrichstabor und Tschermin.
1875 wurde das bisher zu Gro� Wartenberg geh�rende Vikariat Bralin in eine
selbst�ndige Kirchengemeinde umgewandelt.
1900 wurde die Pfarrgemeinde Schreibersdorf errichtet, ihr wurden die bisher
zu Gro� Wartenberg geh�renden Orte Baldowitz, Mangsch�tz, M�rzdorf und
Schreibersdorf zugewiesen.
1901 wurde Suschen als selbst�ndige Parochie von Neumittelwalde abgetrennt.

Viele Gr��e von Peter Ebenfeld