Re: Alte Berufe

>ich muss hier Zbigniew rechtgeben. Unter Komornik
>ist der Gerichtsvollzieher gemeint.

Das ist die heutige Bedeutung des Wortes...
1725 liefen aber noch nicht soviele Gerichtsvollzieher rum (wenn es
überhaupt schon welche gab). Der Verweis auf den Landarbeiter ist natürlich
richtig.

Hallo Gerd,

im Buch des zitierten Werner Zurek steht auf Seite 82 noch folgendes:
"Der Komornik besaß nicht einmal eine eigene kleine Hütte. Er lebte in einem Zimmer oder in einer Kammer, die jemanden Anderen gehörte. So wurden Eltern, die den Kindern Haus und Grund überlassen hatten, Komornik genannt. Das Wort komorniki ist vom Terminus komora abgeleitet, was das wichtigste Zimmer im Haus, nämlich das Wohnzimmer bedeutet. .... Die ärmste Kategorie war der katnik, der nicht einmal ein eigenes Zimmer besaß. Er wohnte in einer Ecke des Zimmers....".

Richtig ist, das im Langenscheidt Wörterbuch Polnisch/Deutsch heute das Wort komornik für Gerichtsvollzieher gebraucht wird.

Gruß
Werner

Komornik, ale jemand, der eine Kammer mietet widerspricht nicht meinem
Sprachempfinden. Ich melde mich, falls ich mehr erfahre, aber bis dahin kann
man annehmen, da� ich im Irrtum war.
viele Gr��e
  zbyszek

Liebe Sprachforscher !

Zu "komornik" ein Beitrag aus meiner genealogischen Erfahrung:
In der Pfarre Velka Polom (ebenso in den umliegenden Pfarren), das liegt
zwischen Troppau und Mährisch Ostrau in Österr.Schlesien, war die
Kirchenbuchsprache bis 1867 deutsch, obwohl dort ausschließlich
tschechischsprachige Bevölkerung lebte. 1867 wurde - gleichzeitig mit der
tschechischen Orthographiereform - die Kirchenbuchsprache auf Tschechisch
umgestellt.
Alle jene Familien, die bis 1866 noch als Inwohner oder auch als Einlieger
bezeichnet wurden, wurden ab 1867, dem Stichdatum der Sprachumstellung, als
"komornik" bezeichnet.

Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass in dieser Gegend zumindest
den älteren Leuten der Ausdruck "komornik" im Sinne von Einlieger noch
geläufig ist. Allerdings ist im modernen Tschechisch dieses Wort zumindest
ebenso veraltet, wie das deutsche Inwohner, weshalb es auch in vielen
modernen Wörterbüchern nicht mehr vorkommt.

Herzliche Grüße
Christoph (Fitzek)