Prus(s)en und das Prus(s)ische

Beate,

ich stimme mit Dir darüber überein, dass (wie das von Dir herangezogene Zitat es auch meint), natürlich im ehemaligen Siedelgebiet der Prus(s)en/Altpreußen auch immer an eine mögliche prus(s)ische Herkunft von FN gedacht werden und ein Name daraufhin untersucht werden muss. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass jeder Name, der auch nur entfernt an prus(s)ische Begriffe erinnert, auch tatsächlich von jenem sprachlichen Boden stammt. Dazu hat es in dem uns interessierenden Raum zu viele verschiedene "Völkerschaften" gegeben, die dort siedelten. Familien slawischer und germanischer, sowie im geringeren Maße auch romanischer Herkunft haben im "preußischen Kulturraum" ebenso ihre Spuren hinterlassen wie solcher baltischer Herkunft. Es ist von daher anzunehmen - und lässt sich auch in vielen Fällen eindeutig nachweisen - dass viele FN in Ost- und Westpreußen eben nicht baltischen (prus[s]ischen, lithauischen, kurischen...) Ursprungs sind. Ich betone aber, dass es trotzdem den Versuch wert ist, auch jeweils auf diese Herkunft hin zu untersuchen.

Was ich meine, wird deutlich, wenn man einen Blick auf die folgende Homepage tut, die von der Rekonstruktion der prus(s)ischen Sprache (dem 'Altpreußischen, wie wir im Deutschen sagen) handelt:

http://poshka.bizland.com/prussian/reconstruction.htm (Text in Englisch; Wörterbuchteil mehrsprachig).

Ich halte das für eine ausgezeichnete sprachwissenschaftliche Arbeit. Leider muss über den "geschichtlichen" Teil das entgegengesetzte Urteil gefällt werdenn: Er ist wissenschaftlich unhaltbar - schlicht albern. Der leider unbekannt gebliebene Verfasser hat der pru(s)ischen Sache damit keinen guten Dienst erwiesen!

Gruß
Rolf-Peter

Hallo Rolf-Peter,
dann sind wir ja einer Meinung.
Der Link funktioniert bei mir nicht. Ich hab seine Seite ohnehin gespeichert und kenne den Herrn. Von litauischer Seite wird viel Mist geschrieben. Aber immerhin behauptet er nicht wie die sogenannten Kleinlitauer, dass West- und Ostpreu�en bis an die Weichsel urlitauisches Gebiet war und dass die pru�ische Sprache ein litauischer Dialekt war. Er m�chte im Kaliningrad Oblast eine pru�ische Region gr�nden und sucht noch Mitstreiter, die pru�isch sprechen und leben wollen. Ich frage mich, warum ausgerechnet da und nicht im polnischen Teil oder (was f�r ihn r�umnlich aber vermutlich nicht politisch g�nstiger w�re) in Litauen.
Beate

Hallo in die Liste,

nur mal eine unwissende Frage:

zu welcher Sprachgruppe gehoerte die alte "prußische Sprache" eigentlich?

Das wuerde mich jetzt interessieren ...

Schoene Gruesse aus Pforzheim

Fritz Schulz

Hallo Fritz,
die pru�ische und die kurische Sprache sind westbaltisch, leider ausgestorben bis auf je eine handvoll Menschen, die sie noch sprechen k�nnen. Litauisch und lettisch sind ostbaltisch. Estnisch ist nicht baltisch sondern finno-ugrisch.

Es sind indoeurop�ische Sprachen und haben gro�e �hnlichkeit mit Latein, teilweise auch mit griechisch.

Hier Literatur:
  - Eckert, Rainer, Bukeviciute, Elvire-Julia, Hinze, Friedhelm: Die baltischen Sprachen, eine Einf�hrung, Langenscheidt 1994, 5. Auflage 1998

- Peteraitis, Vilius: Mazoji Lietuva ir Tvanksta (Lithuania Minor and Tvanksta) Vilnius 1992

- Brauer, Wilhelm Reinhold: Baltisch-Prussische Siedlungen westlich der Weichsel, Nicolaus-Copernicus-Verlag, M�nster 1988

- Schmid, Wolfgang, Hrsg.: Hydronymia Europaea, Ortsnamen baltischer Herkunft im s�dlichen Teil Ostpreu�ens, Franz Steiner Verlag Stuttgart 1993

Die Reihe Hydronymia Europaea ist sehr empfehlenswert, weil Gew�ssernamen die �ltesten �berhaupt sind und sich meist auch nicht ge�ndert haben, wenn neue Siedler anderer Ethnien kamen. Z.B.

- Przybytek, Rozalia, Hydronymia Europaea, Ortsnamen baltischer Herkunft im s�dlichen Teil Ostpreu�ens, Stuttgart 1993

- Biolik, Maria: Hydronymia Europaea, Die Namen der stehenden Gew�sser im Zuflu�gebiet des Pregel und im Einzugsbereich der Zufl�sse zur Ostsee zwischen Pregel und Memel, Stuttgart 1993

- Biolik, Maria: Hydronymia Europaea, Die Namen der flie�enden Gew�sser im Flu�gebiet des Pregel, Stuttgart 1996

- Biolik, Maria: Hydronymia Europaea, Zufl�sse zur Ostsee zwischen unterer Weichsel und Pregel, Stuttgart 1989

- Blaziene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag Stuttgart 2000

Beate

Hallo, lieber Rolf-Peter,
bin gerade von einer Reise nach Frankreichf/Schweiz wieder zuhause angekommen.
und wollte den von Dir angegebenen Link aufblättern. Es ist auch beim 3. Mail
"Page not found". Könntest Du prüfen, ob evtl. ein Fehlerchen drin sein
könnte.
Ich würde es zu gerne einmal anschauen, wenn es funktioniert.
Danke für die Mühe und das Verständnis.
Herzlichst
Elfa

Erbarmung, Elfa, tats�chlich, 'doa w�r e kleenet Fehlerke ben': Die haben in
ihrem Link die 'Rekonstruktion' in den Plural gesetzt. Was so ein fehlendes
kleines 's' so alles anrichten kann! Ich bitte um Entschuldigung. Hier also
"in verbesserter Ausf�hrung":

Gru�
Rolf-Peter