Projektidee Hausgeschichte

Hallo zusammen,

ich bin mir nicht sicher, ob das die richtige Kategorie ist, da es kein existierendes Projekt sondern eine Idee für eine neues ist.

Hintergund: ich interessiere mich aktuell sehr für Hausgeschichte. Wie ja manche wissen, bin ich Maintainer der Open-Source-Genealogiesoftware Gramps Web und habe dort auch das Kartenmodul und die Integration von OpenHistoricalMap (OHM) implementiert. Damit kann ich

  • Orte für jedes Haus, in dem Vorfahren gelebt haben, anlegen
  • Mediendateien damit verknüpfen
  • Notizen und Quellen hinzufügen
  • Nicht mehr bestehende Gebäude in OHM hinzufügen und auf der Karte anzeigen lassen
  • Historische Gewässerverläufe und grenzen dank OHM anzeigen lassen
  • Historische Stadtpläne als Bild-Schicht in der Gramps-Web-Karte anzeigen lassen
  • usw.

Was mir aber total fehlt ist ein offenes Repositorium für die Hausgeschichte, in dem ich Daten über Baujahre, Besitzer oder Bewohner, die ich in meinen Archivrecherchen herausfinde, hinterlegen kann.

Im GenWiki gibt es ja schon ein paar Seiten zu Häuserchroniken, aber ohne direkte Verknüpfung zu einer Karte.

Was ich toll finde – viele kennen es wahrscheinlich – ist das Portal Haus und Hof, das für Österreich Häusergeschichte auf einer Karte anzeigt. Was ich gerne hätte ist etwas, das von der Funktionalität her ähnlich ist, aber

  • nicht auf Österreich beschränkt ist
  • mit quelloffener Software läuft
  • mit öffentlich zugänglichen Datenquellen arbeitet
  • von anderen Genealog:innen bearbeitet werden kann.

Nachdem ich lange mit dem Gedanken gespielt habe, so ein Projekt “vielleicht irgendwann mal” anzustoßen, hatte ich vor ein paar Wochen einen “Heureka”-Moment, weil ich realisiert habe, dass Wikidata alle Daten, für die ich mich interessiere, darstellen kann:

  • Gebäude mit Geokoordinaten
  • Baujahr
  • Eigentümer
  • Bewohner
  • Quellen
  • usw.

Dank KI habe ich auf die Schnelle eine kleine statische Web-App geschrieben, die visualisiert, welche Gebäude man heute schon in Wikidata findet. Das sind wohl hauptsächlich Denkmäler aus den Denkmaldatenbanken der Bundesländer. Ihr findet die Karte hier – schaut mal in eurem Heimatort!

Als nächstes habe ich realisiert, dass man mit einer reinen Frontend-App – das heißt, mit einer statischen Webseite, die keinerlei Serverkomponente benötigt – sich sowohl bei Wikidata als auch bei OHM per OAuth anmelden kann und per API Änderungen im Namen das angemeldeten Benutzers wieder zurückschreiben kann.

Das bedeutet: mit sehr überschaubarem Programmieraufwand und mit Null laufenden Hostingkosten (Github Pages – kostenlos) kann ich eine App bauen, mit der man

  • Gebäude auf einer Karte darstellen kann (erledigt)
  • Historische Karten als Ebene verwenden kann (einfach, wie in Gramps Web)
  • Neue Gebäude erstellen kann (via Wikidata & OHM API, aber in einer viel einfacheren Oberfläche)
  • Gebäude mit historischen Daten und den entsprechenden Quellen versehen kann (via Wikidata API, aber ebenfalls mit einer einfacheren und auf Hausgeschichte spezialisierten Oberfläche).

Alles, was real existiert oder einmal existiert hat und was durch Quellen (online oder offline) nachweisbar ist, ist in Wikidata akzeptiert. Man kann daraus also eine Häusergeschichte der ganzen Welt bauen, wenn man will!

Ich bin wild entschlossen, das so umzusetzen, daher komme ich jetzt zu dem Punkt, warum ich hier poste: als nächsten Schritt brauche ich

  1. einen Projektnamen und
  2. eine URL, die sich möglichst nicht mehr ändert.

Namensidee: Domicilium. Wie findet ihr das?

URL: Hier kommt CompGen ins Spiel. Obwohl die Software Open Source sein wird und keine laufenden Kosten entstehen (verrückt aber wahr), fände ich es als CompGen-Mitglied cool, wenn das Projekt unter CompGen laufen würde. Erstens, weil die Kompetenz von euch allen sicher sehr hilfreich sein wird, dieses Projekt durch Feedback in einen nutzbaren/nützlichen Zustand zu bringen. Zweitens weil es meiner Meinung nach eine super Ergänzung zu GOV und den historischen Adressbüchern ist (Verlinkungen inklusive). Drittens, weil es dem Projekt natürlich auch Glaubwürdigkeit verleihen würde (bei CompGen weiß man, dass es gemeinnützige und seriöse Projekte sind - bei X-beliebigen Webseiten nicht).

Daher mein Vorschlag: domicilium.genealogy.net weitergeleitet auf eine Github-Pages-Seite.

Was meint ihr dazu?

Ich freue mich natürlich auch, wenn sich jemand softwareseitig oder mit historischem Fachwissen an dem Projekt beteiligen will!

Ich bin gespannt auf euer Feedback.

David

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Hallo David,

das ist eine hervorragende Idee.

Ich arbeite gerade an der Geschichte unserer Vorkriegs-Siedlung. Da hätte ich die Daten alle in einem DokuWiki mit einer Seite pro Haus aufgelistet.

In vielen Bundesländern liegen ja auch Grundbücher schon in Archiven - ich kenne allerdings keine, wo es welche online einzusehen gibt (zumindest nicht ab 1900).

Ich würde bei der Sache gerne auf dem laufenden bleiben.

Viele Grüße

André

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Die Idee ist richtig gut. Sowohl bei uns als auch an anderen Stellen liegen schon viele Informationen bereit, die man verbinden kann.

Am dichtesten dran an deinem Vorschlag dürfte die Datenbank Historischer Adressbücher sein. Dort haben wir schon jetzt eindeutige Kennungen für (Vorkommen von) Personen. Mittelfristig werden wir dort auch eindeutige Kennungen für Straßen und Häuser bzw. Grundstücke haben.

Eindeutige Kennung für Personen könnten wir auch bei den Grabsteinen, TADES (Traueranzeigen), Online-OFB und GEDBAS anbieten. Es fehlt eigentlich nur noch ein zentrale Dienst, an den diese Kennungen gemeldet werden und der ein Routing zum jeweiligen Projekt übernimmt.

Früher hätte ich dir eine Domain und ein Verzeichnis für statische Webseiten innerhalb weniger Minuten anlegen können. Heute bin ich da raus, da kann @robertpaessler weiterhelfen.

Den Code können wir in unserem GitLab ablegen, falls du den nicht eh schon bei Codeberg o.ä. liegen hast.

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Den Gedanken finde ich super. Zwei Anmerkungen habe ich dazu:

  1. Gebäude wechseln im Laufe der Zeit oftmals die Adresse. Straßen werden umbenannt, die Hausnummern werden anders nummeriert, aus Hofnummern in einem Dorf werden Straßen und Hausnummern. All das sind regelmäßige Stolpersteine in der Familienforschung. Es wäre toll, wenn die verschiedenen Adressen im Laufe der Zeit dabei wären.
  2. Domicilium finde ich als Name zu lang und zu kompliziert. Wie wäre es mit Domus oder einfach Haus?

Schönen Gruß

Hallo DavidStraub,

ich bin zwar weit entfernt von Programmieren, ich sah Ihre Nachricht per Zufall.
Aber ich finde diese Idee genial!
Die Möglichkeit, dass Nutzer “korrigieren” können wird wohl unvermeidlich sein.

Wenn ein Nutzer-in korrigiert sollte dies belegt sein und diese Belege müssten kontrolliert werden.

Da sehe ich eine Schwierigkeit. Aber insgesamt eine Super-Idee, die ich gerne Unterstütze.
LG Christina_L

Wenn ein Nutzer-in korrigiert sollte dies belegt sein und diese Belege müssten kontrolliert werden.

@Christina_L da hast du recht, allerdings wären die Bearbeitungen ja direkt Bearbeitungen von WikiData im Namen des Wikimedia-Accounts der Bearbeitenden. Insofern würden bei auffälligen Änderungen oder sogar Vandalismus die gleichen Mechanismen greifen wie bei direkter Bearbeitung via Wikidata.org.

Hallo David,

ich finde, dass das eine richtig gute Idee ist. Ich nutze Gramps und finde die Anbindung an die Ortsdatenbank wirklich gut und habe dies über das Tool GetGov auch für die Orte in meiner genealogischen Sammlung umgesetzt. Für fehlende Orte, Wohnplätze etc. habe ich dann selbst meine Ortsdatenbank mit den entsprechenden vermuteten oder validen Koordinaten ergänzt.

Rupert