Polonisierungen nach dem I. Weltkrieg

Lieber Thomas,
Du fragtest, was aus den damaligen Standes�mtern und den evangelischen
Kirchen in den neuen nun polnischen Gebieten nach dem ersten Weltkrieg
wurde. Au�erdem fragtest Du nach Vertreibungen in diesem Gebiet.
Das Standesamt Suschen und die 1901 gegr�ndete Parochie Suschen bestanden
weiter fort. Zus�tzlich wurde 1927 aus den vorher zu Neumittelwalde
geh�renden Gebieten die Parochie Honig gebildet. Weiterhin gab es im S�den
des Kreises auch Tabor, Schreibersdorf, Bralin, Droschkau und Reichtal.
In dem Heftchen: "Aus der Entwicklung von Neumittelwalde" von Herbert
Schlenger, Schw�bisch Gm�nd 1961, findet sich noch folgendes:
"Doch jetzt wurde auch dem Fernerstehenden offenbar, dass die Bev�lkerung
des alten Neumittelwalder Herrschaftsbereiches, die zudem im Gegensatz zu
den katholischen Gro�polen noch evangelisch war, nicht ein F�nkchen polnisch
f�hlte, sondern lediglich aufgrund einer fehlerhaften und falsch gedeuteten
Sprachenz�hlung, in der Sprache und Nationalit�t absichtlich miteinander
vertauscht worden waren, von Polen beansprucht wurde. [...]
Protestkundgebungen an vielen Orten, so auch auf dem Ring in Neumittelwalde,
bekundeten das unersch�tterte deutsche Bewusstsein der Grenzbev�lkerung.
[...] Da den abgetretenen Gebieten kein Minderheitenstatus gew�hrt wurde,
sie damit auch kein eigenes deutsches Schulwesen besa�en, war die durch
wirtschaftlichen Druck gef�rderte Polonisierung vielleicht nur noch eine
Frage von wenigen Generationen. [...] Die wirtschaftliche Verselbst�ndigung
der abgetrennten Herrschaftsteile war inzwischen weit vorgeschritten. Die
bis zur Abtretung nach Neumittelwalde eingepfarrte Parochie Honig hatte ein
eigenes Gotteshaus erhalten, und das Dorf war im Begriff, sich zu einem mehr
oder weniger selbst�ndigen wirtschaftlichen Mittelpunkt zu entwickeln."

Hinsichtlich der Vertreibungen nach dem ersten Weltkrieg kann ich nur aus
privaten Erz�hlungen sagen, dass die meisten Verwandten in dieser Zeit in
den deutschen Teil des Kreises oder in den Kreis Oels umgezogen sind. So
zogen z.B. die Dubielzig-Verwandten nach Zessel bei Oels um. Es sind aber
auch Dubielzigs in Kalkowski geblieben, die dann wieder Dubielczyk hie�en.

Viele Gr��e von Peter Ebenfeld