Poelmann oo v. Greving / Werl, Scheidingen

Hallo Listenteilnehmer,
wer kann mir weitere Angaben oder Hinweise zu folgenden Personen machen:
Poelmann, Otto Johannes
Dr. jur. utr., Bürgermeister in Werl

Hallo, Herr R�ther,
vielen Dank f�r Ihre Antwort.
Nach dem Werler B�rgerbuch von Heinrich Josef Deisting, dem Werler
Stadtarchivar, wurde Dr. iur utr. (Otto) Johann Poelmann aus Brakel bei
H�xter 1658 Werler Neub�rger (gibt 12 Rtlr. u. einen Brandeimer). 1662-1666
war er Richtmann des Bauleuteamtes (= der Ackerleute), von 1666-1677 oft
Beisitzer im Rat (= stellvertretender BM) und von 1680-1698 lange Jahre BM.
1. oo vor 08.05.1662 Catharina Fickermann (Archiv von Papen-Lohe, Urk I,
188)
2. oo vor 1675 Christina Elisabeth Greving(en) aus Scheidingen.
Weitere Daten gibt es wahrscheinlich nicht, denn sonst h�tte sie Herr
Deisting sicherlich erw�hnt. Die Werler Kb sind sehr, sehr l�ckenhaft.
Trotzdem k�nnen Sie sich an Herrn Deisting im Werler Stadtarchiv wenden, um
sicher zu gehen, ob er in der Zwischenzeit nicht noch neue Daten gefunden
hat.

Hier noch Ausz�ge aus meinem vorl�ufig letzten 3. Heft zu den Werler
Hexenprozessen [HANS STODT, �Al� die Zauberschen gerichtet� oder �Sehet da
Werl, so vieler Hexenj�ger Mutter!�, Hexenwahn und Zaubereiprozesse in Stadt
und Amt Werl im 17. Jh., in: Mitteilungen der Werler AG f�r
Familienforschung, Bd. 6 (2003) Heft 3], worin es auch um Dr. Poelmann geht:

"In den Jahren 1677 und 1679 hatte es noch weitere Br�nde in der Stadt Werl
gegeben. Wahrscheinlich hatten diese den Teufels- und Hexenwahn und die
Suche nach Hexen und Zauberern als S�ndenb�cken wieder verst�rkt und
zumindest die Gefahr neuer Hexenverfolgungen heraufbeschworen...
Kein Wunder also, dass sich um 1679-1682 die Atmosph�re in Werl wieder bis
zum Siedepunkt erhitzt.
Aus dem Jahr 1678 sind keine Br�chtenregister erhalten, was sicher mit den
Unruhen zu tun hat. Werler Scharfrichter zu dieser Zeit war immer noch
Meister Emanuel Wenner (ab 1664), der noch 1685 als �Manuel der
Scharffrichter� mit Frau, einem Sohn, einer Magd und einem Knecht, der als
Abdecker arbeitet, in der Steinerhove wohnt.

Dass von 1675 bis 1683 keine Neub�rgeraufnahmen nachzuweisen sind, k�nnte
abermals darauf hindeuten, dass es in dieser Zeit, also w�hrend der Amtszeit
des Pfarrers Friderici (1677-1691), als Folge der Stadtbr�nde wieder zu
Hexenverfolgungen mit einem H�hepunkt um 1679-1682 gekommen ist. Die
Br�chtenf�lle ab 1675 und vor allem die geh�uften Injurienklagen um 1682,
die vornehmlich von benachbarten Familien in der Barshove (Sturm, Karthaus,
Volmar) eingereicht wurden, erh�rten diese Vermutung. Die fehlenden
Neub�rgerverzeichnisse von 1675-1683 k�nnten jedoch auch ein Opfer der
Flammen einer erneuten Feuersbrunst im Jahre 1684 geworden sein. Im Jahr
1683 scheint sich die Lage in Werl wieder beruhigt zu haben.
Die H�ufigkeit der dokumentierten Verbalinjurien aus dem Zaubereizusammen-
hang in den Jahren 1679-1682 sieht wie folgt aus: 1679 (3), 1680 (4), 1681
(4), 1682 (4), 1683 (1). 1684 gab es, wahrscheinlich wegen des Stadtbrandes,
keinen Br�chtenanschlag.
1679 wird bei der Beleidigungsklage des Johann Rolan(d)t gegen die
Dalma(n)sche vom Ratsgericht im Protokoll empfohlen: �Zu diesen Zeiten
sollen die B�rger sich nicht in weitl�ufige Prozesse verwickeln.� Die
st�dtische Administration zog es in diesen unruhigen Zeiten offenbar vor,
mit Delinquenten mittels der eigenen Gerichtsbarkeit kurzen Prozess und
Kasse zu machen. Als 1685 Johann Pape zu Westrich zusammen mit Lic. Caspar
Kleinsorge zum B�rgermeister gew�hlt wird, nachdem er �vorher zum Saltzer
Obristen erwehlet� worden war, hei�t es in einer Anmerkung, dass �in
jetzigem disturbio [= lat. disturbatio/engl. disturbance = Tumult, Aufruhr,
St�rung, Unruhe, Beunruhigung, Aufregung] beide� zugleich zu versehen nit
sufficient [= ausreichend]� sei. War dies eine Anspielung auf durch
Feuersbr�nste und nachfolgende Hexenverfolgungen verursachte Unruhen in
Werl?
Aus den Jahren 1691-1702 sind keine protokollierten Beleidigungsklagen des
Ratsgerichts aus dem Zaubereikontext erhalten (Br�chtenregister fehlen von
1682-1702 ganz!), was eine Folge der anhaltend unruhigen Zeiten sein k�nnte.
Aus dem Jahr 1700 sind keine Neub�rgeraufnahmen festgehalten, in den Jahren
1702-1704 nur die Summen des eingenommenen B�rgergeldes. Wir wissen, dass in
anderen Orten des Herzogtums Westfalen �hnlich wie im Hochstift Paderborn,
wo der Werler Hexenkommissar und B�rgermeister Dr. Johann Poelmann um
1700-1702 in der Herrschaft F�rstenberg Hexenprozesse leitete, auch nach
1680 bis kurz nach der Jahrhundertwende zumindest noch vereinzelte Prozesse
und Hinrichtungen stattfanden, so in Geseke in den Jahren 1682, 1688, 1691
und 1708, in Brilon 1684 und 1686, in Olpe 1696/97, in Hallenberg 1698/99,
in Winterberg sogar noch 1728. Bezeichnenderweise war 1680/81 und 1686-1697
der Hexenkommissar Dr. Johann Poelmann Werler B�rgermeister. Um die
Jahrhundertwende, als er sich bei den Hexenprozessen in F�rstenberg im
Hochstift Paderborn austobte, wurde er vom ebenfalls verfolgungsw�tigen Lic.
iur. utr. Werner Binholt, der schon 1668 die Hexenprozesse in Werl wieder
aufleben lassen wollte, als B�rgermeister im Amt abgel�st. Beide wechseln
sich von 1689 bis 1704 mit dem Erbs�lzer Christoffer Brandis, dem Nachbarn
des Gerichtsschreibers Wilhelm Sturm in der Barshove, als erster und zweiter
B�rgermeister ab."
Mit freundlichen Gr��en
Hans Stodt