Mai
Folge 19 vom 07.05.1955
Seite 1 Vor dem Stadtgericht von Rastenburg. Hohe Zuchthausstrafen wegen Abwanderung
In den polnisch verwalteten deutschen Ostgebieten finden laufend Gerichtsverhandlungen gegen polnische Bauern statt, welche die ihnen zugewiesenen Gehöfte verlassen haben. Allein im März 1955 haben vor dem Woiwodschaftsgericht und den Kriegsgerichten einer einzigen Woiwodschaft, nämlich der Woiwordschaft Allenstein (südliches Ostpreußen), einem Bericht der jetzt in Allenstein erscheinenden polnischen Zeitung Glos Olsztynski zufolge insgesamt 45 Gerichtsverfahren gegen polnische Bauern stattgefunden, die beschuldigt wurden, ihre Siedlerstellen aufgegeben bzw. dazu Vorbereitungen getroffen zu haben. Das Blatt berichtet über eine Gerichtsverhandlung vor dem Stadtgericht von Rastenburg: Mit der Aufgabe wertvoller landwirtschaftlicher Nutzfläche haben wir uns des öfteren beschäftigen müssen, und auch diesmal stehen drei werktätige Einzelbauern vor den Schranken des Stadtgerichts von Rastenburg. Durch ihre verbrecherische Handlungsweise haben sie dem volkspolnischen Staat einen Schaden von 30 000 Zloty zugefügt. Sie ließen ihr Land plötzlich im Stich, nur weil es mit der Anfuhr von Saatgut haperte und die Düngemittel noch nicht eingetroffen waren. Was noch schlimmer ist, sie sehen ihre schändliche Handlungsweise nicht ein, sondern bestehen auf Freispruch. Das Gericht verurteilte sie zu je vier Jahren Zuchthaus. Der Gerichtsvorsitzende appellierte abschließend an die Landbevölkerung, jeden Versuch derartiger Schädlinge, die Landwirtschaft weiterhin durch heimliche Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzfläche zu schädigen, durch rechtzeitige Mitteilungen an die zuständigen Staatsorgane zu verhindern.
Zehn Jahre nach der Vertreibung der ostpreußischen Bevölkerung weisen die polnischen Verwaltung unterstellten deutschen Ostgebiete jenseits unterstellten deutschen Ostgebiete jenseits von Oder und Neiße immer noch riesige Brachlandflächen auf. Während im Vorjahre in amtlichen polnischen Verlautbarungen verkündet wurde, es seine nur noch rund 500 000 Hektar Brachland unter den Pflug zu nehmen, gibt nun das Planungs-Organ der volkspolnischen Regierung Gospodarka planowa bekannt, dass allein im Jahre 1955 weitere 243 000 Hektar Brachland bestellt werden sollen, womit aber die Brachlandflächen noch nicht beseitigt sein würden. Es würden noch einige weitere Jahre vergehen, bis diese Aufgabe gelöst sein werde. Allein auf die Woiwodschaft Bialystok der einige ostpreußische Landkreise angehören, entfällt ein Plan-Soll der Brachland-Liquidierung für 1955 in Höhe von 22 000 Hektar.
Seite 2 Ostpreußische Heimkehrer. Im April 1955 in Friedland eingetroffen
Im April sind nachstehend aufgeführte Landsleute als Einzelreisende aus sowjetischer Gefangenschaft im Grenzdurchgangslager Friedland eingetroffen:
Lotte Adebar, geb. 11.10.1929, aus Labagienen, Kreis Labiau (es wird immer der Wohnort von 1939 angegeben);
Erna Carstens, geb. 21.10.1916, aus Königsberg
Herta Conrad, geb. 20.02.1900, aus Könisberg
Maria Ehmer, geb. 22.07.1901, aus Kiefernberg, Kreis Schloßberg
Walter Fischer, geb. 04.10.1911, aus Neukuhren, Kreis Samland
Horst Gerwin, geb. 14.09.1930, aus Niblecken, Kreis Samland
Gertrud Gessat, geb. 29.12.1906, aus Wangenheim, Kreis Goldap
Franz Heinrich, geb. 25.01.1901, aus Stolzenau, Kreis Ebenrode
Anton Kobuschinski, geb. 21.03.1928, aus Bischofsburg
Anneliese Korinth, geb. 17.09.1927, aus Königsberg
Lina Kranke, geb. 18.07.1897, aus Bockeln, Kreis Samland
Emma Lentzko, geb. 11.06.1907, aus Luckau, Kreis Ortelsburg
Hermann Neumann, geb. 02.07.1900, aus Zimmerbude, Kreis Samland
Dorothea Ritter, geb. 13.08.1909, aus Königsberg
Frieda Rudat, geb. 07.04.1917, aus Buden, Kreis Schloßberg
Christa Seidler, geb. 19.09.1919, aus Pr.-Eylau
Luise Schadwinkel, geb. 01.03.1922, aus Münchenwalde, Kreis Labiau
Rudi Schmidtke, geb. 28.12.1931, aus Cranz
Ruth Schwarz, geb. 30.07.1926, aus Königsberg
Gustav Wink, geb. 13.07.1915, aus Keikeim, Kreis Labiau
Seite 6 Leserbrief: Im Zeichen der Elchschaufel. Das fünfzigjährige Jubiläum der Tannenberg-Schule
Ein Wandschmuck mit Elchschaufel und schwarz-weißem Ordenswappen ziert den Giebel der Tannenberg-Schule in Berlin-Lichterfelde. Das meterhohe Sgraffito, das der baltendeutsche, jetzt in Berlin lebende Graphiker Alexander Wiemer gestaltete, er erhielt seine Ausbildung in Königsberg, symbolisiert in freier, moderner Darstellung die Heimat und zugleich den Geist dieser Schule, die jetzt am 27. April 1955 ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern konnte. Das Messingschild am Haupteingang glänzt noch neu. Erst vor kurzem hat die Schule, entsprechend dem Wunsch der Eltern, der Lehrer und der Schüler den alten, verpflichtenden Namen wieder aufgenommen. Vor zwanzig Jahren führte ihn das ehemalige Realgymnasium Lankwitz, dessen Tradition die heutige oberschule, wissenschaftlicher Zweig, fortsetzt; sie wird übrigens auch von vielen Jungen und Mädchen der benachbarten Ostpreußensiedlung in Berlin-Steglitz besucht.
In der hellen, luftigen Aula, die erst am Vortage fertig geworden war, hatten sich Lehrer und Vertreter der Eltern sowie zahlreiche Ehrengäste zu einer Feierstunde versammelt. Ein von dem Berliner Kunstmaler Hans Kellner geschaffenes Wandgemälde nimmt die ganze Stirnseite der Aula ein. Eine riesige Erdkugel stützt sich auf eine gold schimmernde griechische Säule, gewissermaßen symbolisierend, dass unsere geistige Welt auch heute noch von der Antike getragen wird.
Oberstudienrat Dr. Lips, der für den erkrankten Schulleiter, Oberstudiendirektor Dr. Krohn, sprach, hob hervor, dass der Name Tannenberg hier nicht als Zeichen des Sieges und des Übermuts erscheine, sondern als Mahnung, auch in dunklen Tagen den Kopf oben zu behalten und sich nicht der Verzweiflung hinzugeben. Der Bezirksbürgermeister von Steglitz, Dr. Hansemann, in dessen Verwaltungsbezirk die Schule liegt, wies darauf hin, dass die Schüler hier nicht auf das Materielle, auf den Beruf, sondern auf ihre geistigen Aufgaben hin gebildet werden sollen. Daher sei der Name Tannenberg auch nicht im militärischen Sinne zu verstehen, er solle vielmehr an die geistigen und kulturellen Leistungen, die die Ordensritter geschaffen haben, erinnern. Nicht der Kampf, sondern die Tradition ist gemeint. Nicht aus den Schlachten, sondern aus der Pflege der Wissenschaften ist unsere Kraft erwachsen. Ein Volk ohne Tradition ist ein Volk ohne Kraft. Dass dem Niedergang ein geistiger und kultureller Frühling folgt, dazu soll auch die Tannenberg-Schule beitragen. Oberschulrat Dr. Neumann erinnerte die Schule an die besondere Verpflichtung, das Gedenken an die deutsche Heimat im Osten zu erhalten. Tannenberg steht hier nicht als Erinnerung, sondern als Vermächtnis, rief Stadtrat Grigoleit aus, dessen Eltern einst vor vielen Jahrzehnten aus der Gegend von Stallupönen nach Berlin kamen. Tannenberg steht für Königsberg und Marienburg, für Kant, Herder und Kopernikus.
Im weiteren Verlauf der Feier überreichte der Vertreter der Elternschaft die aus einer Sammlung stammende Summe von 504 DM, für die Ostpreußenbilder zur Ausschmückung der Schulräume gekauft werden sollen.
Seite 6 Leserbrief. Der Elternabend einer Oberschule in Berlin-Wedding
Wenige hundert Meter vom Eisernen Vorhang entfernt zeigten Lehrer, Eltern und Schüler einer Oberschule des praktischen Zweiges in Berlin-Wedding auf einem Elternabend, wie der deutschen Heimat im Osten in schöner und wirkungsvoller Weise gedacht werden kann. Es wurden Chorlieder gesungen und Volkstänze dargeboten, das Schulorchester spielte, Werke unserer Heimatdichter wurden vorgetragen, und alles das wurde durch die Liebe und durch das Können, die dahinter standen, zu einem Erlebnis. Ich habe in meiner jahrelangen Tätigkeit in der Landsmannschaft ein so tiefes Wiedererleben der Heimat durch eine Veranstaltung noch nie gewonnen. Worte vermögen hier wenig zu sagen; ich kann nur danken, sagte zum Schluss eine Vertreterin des Hauses der ostdeutschen Heimat. Der Abend soll im Juni 1955 in einer großen Aula wiederholt werden: Ort und genaue Zeit werden noch bekannt gegeben werden. In der Fluren und Treppenaufgängen dieser Schule hängen, auch das ist schön, illustrierte Wandkarten und Bilder aus der ostdeutschen Heimat.
Seite 7 Leserbrief. Noch einmal: Die Redlichkeit
Im Ostpreußenblatt veröffentlichen wir unter der Überschrift Hier ruht die Redlichkeit begraben! Eine Volkssage, die sich um einen Grabstein in Zweilinden (Stannaitschen) rankt. Landsmann E. Siegfried (Bad Ems, Lahnstraße 44, Haus Weilhelma, Heim der Inn. Mission) schreibt uns dazu.
Der Kirchhof in Stannaitschen lag nahe der Kirche und wurde, als ich Ende der zwanziger Jahre dort war, auch noch benutzt. Das Grab der „Redichkeit“ war erhalten. Eine Sandsteinplatte deckte das Grab. Ich entzifferte die Inschrift und gebe sie im Wortlaut und in der Verteilung auf der Platte wieder:
Hier liegt die Redlichkeit begraben
Herr David Niederstetter
Koenigl. Preußischer Amtsrat in Stanaitschen.
Er ward geboren den 29. März 1718. Beamter in
Stanaitschen im Jahre 1745. Verheiratet
d. 22. Febr. 1747 mit Louise Schimmelfennig
u. Starb d. 6. Mai 1789. Von Kindern,
Enkeln, Verwandten, Freunden und allen
Redlichen beweint.
Selig sind die reines Herzens sind.
In meiner Familie wird erzählt:
David Niederstetter war im Begriff zu heiraten; der Polterabend hatte begonnen; er saß neben seiner Braut. Plötzlich sah er, dass unter ihren schönen schwarzen Haaren, an der Schläfe, eine feuerrote Locke hervorkam. Dass sie ihm verheimlicht hatte, dass sie eine Perücke trug und rote Haare hatte, empörte ihn derart, dass er schweigend aufstand, sein Pferd satteln ließ und auf Nimmerwiedersehen davon ritt.
Später heiratete er Louise Dorothea Schimmelfennig, und das erste kind aus dieser Ehe hatte rote Haare, die seitdem in der Familie immer wieder vorkommen. Er hatte zehn Kinder, die alle heirateten, und so wurde seine Nachkommenschaft recht zahlreich. Ich entsinne mich, als Kind bei Gesprächen über Verwandtschaft sehr oft gehört zu haben: „Wir treffen uns in der Redlichkeit.“ Ein Bild der Redlichkeit hing in Kirschnehnen, später in Jäglack, ein zweites bei Herrn von Schön-Blumberg. Das Blumberger Bild war 1812, beim Durchzug der großen Armee, von den Franzosen stark beschädigt worden. Das Jäglacker Bild wurde 1914, als die Russen in Jäglack waren, gerettet; es war mit anderen Wertsachen im Keller vermauert. Jetzt sind natürlich alle Bilder vernichtet.
Seite 7 Leserbrief. Peterswalde
In dem in Folge 16 vom 16. April 1955 veröffentlichten Beitrag „Auf Ostpreußens Brachlandflächen“ ist der ort Piotrowiec mit der Bemerkung angegeben, dass der deutsche Name nicht zu ermitteln sei. Es handelt sich bei Piotrowiec um Peterswalde im Kreis Braunsberg. Den in dem Beitrag erwähnten Namen Dzieszki gibt es nicht. Es ist wohl anzunehmen, dass es sich hier um einen Schreibfehler handelt. Es könnte sich um den Ort „Dzierszki“ handeln. In diesem Falle wäre dies der Ort Althöfen, Kreis Neidenburg, der früher Dziersken hieß und 1938 umgetauft wurde. Er gehört zur Gemeinde Neuhöfen. V. Spaeth-Meyken
Seite 7 Leserbrief. Kömmst noa Schalle
Mit großer Freude habe ich in der Nummer 22. April das Verschen „Kömmst noa Schalle“ gelesen. Es erinnerte mich lebhaft an ein ähnliches Postillions-Verschen, das mein Vater uns immer gelegentlich sagte (zur Zeit unserer Großväter gab es ja wirklich scheußliche Lehmwege!) Es lautete:
„Un kömmst de dann noa Schalle,
Dann fang’t all an to knalle,
Un kömmst de noa Leissiene,
Da fangst de an to griene.
Un kömmst de erscht noa Rockelkeem,
Da breckst de di gliek Hals un Been.“
Gustav Kuehn, Major a. D., alter Tilsiter Dragoner
Seite 7 Liebe Mutter, tausend Meilen . . . von Heinrich Zillich
Liebe Mutter, tausend Meilen trennen mich von dir.
Selig würdest du sie gehen, ließ man dich zu mir.
Glücklich wollt ich dich empfangen, wär die Straße frei.
Mauern ohne Tor und Riegel schneiden sie entzwei.
Keine Furt ist uns geöffnet. Dreizehn Jahre schon
Ruft vergebens deine Liebe fernher nach dem Sohn.
Dreizehn Jahre sind verdämmert, seit wir uns gesehn.
Und ich schau dich immer noch am Gartenzaune stehn
Abschiedsstumm, nur Vater winkte; komm bald wieder her!
Ach, ich wollte kommen, Mutter, doch ich konnt’s nicht mehr.
Als du ihm die Augen schlossest, war ich nicht dein Stab.
Russischer Soldatenmarschlärm schwang ums offne Grab.
Hast nicht Garten, hast nicht Haus mehr, nur ein fremdes Dach.
Irgendwo am Dorfrand schöpfst du Wasser aus dem Bach,
schleppst, und bist so alt und krank, vom Wald noch Holz zum Herd
Hilft dir jemand, Gott belohn ihn, mir ist es verwehrt.
Bis den Weltgebietern Mitleid nützlich wird im Spiel,
Gehen die Jahre, Mutter, Jahre hast du nicht mehr viel.
Deine jüngsten Enkelbuben, oh du kennst sie nicht,
nicht des ersten Enkelurkinds rosenweich Gesicht.
Warme Stuben, rings der Garten, nimms, es ist auch dein.
Nimm die Kindergoldne Krone. Du bist nicht allein.
Weltenfern – dein Auge lächelt stolz und müd und blau,
abschiedsschwer herüber, Mutter, arme, arme Frau!
Seite 8 Königsberg-Land. Wilhelm Nohr-Schönwalde, gestorben
Der Vertreter des Kirchspiels Schönwalde, Bauer Wilhelm Nohr, ist am 24. April 1955 unerwartet verstorben.
Mit ihm ist ein Bauer von echtem Schrot und Korn dahingegangen. In der Heimat bereits Vorbild für viele seiner Berufsgenossen, ließ er auch nicht nach der Vertreibung die Hand vom Pfluge; in Krögersdorf bei Bad Segeberg schuf er sich bald eine neue Existenz als erfolgreicher Tabakbauer.
Seiner angestammten Heimat hat er jedoch stets die Treue gehalten. Als die Landsmannschaft Ostpreußen gegründet wurde, stellte er sich sofort zur Mitarbeit zur Verfügung und er wurde durch das Vertrauen seiner Landsleute Vertreter seines heimatlichen Kirchspiels. Die damit verbundene Arbeit hat er im Interesse seiner Landsleute gern auf sich genommen. Freudigen Herzens kam er immer zu den erreichbaren Kreistreffen, um wieder einmal unter seinen Heimatfreunden weilen zu können.
Durch seine Mitarbeit hat Wilhelm Nohr wesentlichen Anteil am Aufbau der Kreisgemeinschaft unseres Heimatkreises. Seine vorbildliche Heimattreue und sein stets hilfsbereiter Einsatz für die Belange seines heimatlichen Kirchspiels verpflichten und zu Dank und Nachahmung.
Wilhelm Nohr wird uns unvergesslich bleiben! Im Namen des Kreisausschusses Königsberg-Land. Fritz Teichert, Kreisvertreter (20b) Helmstedt, Gartenfreiheit 17
Seite 8 Bartenstein. Suchnachricht: Kreisvertreter verreist.
Der erst 1954 aus russischer Internierung gekommene Kaufmann Ernst Gerlach aus Bartenstein (nicht Domnau, wie versehentlich in Folge 17 angegeben) sucht Frau Fuhr, geborene Reimann (Stadtverwaltung, und Frau Gertrud Voit, geborene Tiedtke, die früher bei ihm beschäftigt war, und Frau Wutke, Königsberger Straße 79/80, wo auch Gerlach in Bartenstein wohnte. Jetzt wohnt er (21) Hagen-Haspe, Drosselweg 9. Von Mitte Mai bis anfangs Juni bin ich verreist, worauf ich bei Anfragen an mich Rücksicht zu nehmen bitte. Zeiß, Kreisvertreter (20a) Celle, Hannoversche Straße 2
Seite 8 Johannisburg
Gesucht wird eine Familie, Name ist unbekannt, vielleicht Grabowski, die Abbau Gehlenburg gewohnt und zehn Kinder gehabt haben soll. Die Kinder waren alle in Westfalen. Der Mann starb auf dem Treck in der Gegend Breitenstein, Tilsit-Ragnit, die Ehefrau, die eine Familie Murza aufgenommen hatte, starb im April 1945. Frau Murza ist bereit, den Angehörigen nähere Auskunft zu geben.
Seite 8 Pr.-Holland
Gesucht werden:
Familie Karl Striemer, Schönborn
Johanne Kohlmann, geb. Gutt, Heiligenwalde
Frau Anna Richter, geb. Eichler, und deren Kinder Fritz und Else, Richter-Grossainen
Fritz Raffel und Ehefrau Erna, geb. Richter, Grossainen
Schäfermeister Ernst Wölk und Frau, Podangen
Heinz Kroll, Mühlhausen
Hermann Krause, Pr.-Holland
Julianne Teschner, Pr.-Holland, Reiterstraße
Heta Teschner und deren Kinder Hans und Gretel, Pr.-Holland
Fräulein Frida Restetzki, Pr.-Holland, Steintorstraße 2
Familie Willy Barth, Pr.-Holland, Bahnhofstraße 7 oder 9
Friseurmeister Emil Kongehl; Familie Paul Kluth und Familie Drossel, sämtlich aus Mühlhausen
Eheleute Ernst und Lisbeth (geb. Hinz), Mühlhausen
Tischlermeister Brachvogel, Elbing, Hochstraße 23
Familie Brachvogel, Pr.-Holland
Willi Dewinski, Mühlhausen
August Boll, Pergusen
Wilhelm Mehler (auf der Halbinsel der Krim gewesen)
Otto Wengel und Söhne Heinz und Helmut Wengel, Sommerfeld
Margarete Hopp (geb. 1921), Grünhagen
Fritz Bischoff, Sommerfeld
Alfred Sczesny und Frau Ida, geb. Kaiser, Döbern
Otto Steinau, Erich Ehlert (Maurer) Mühlhausen
Herr Adolf Schulz, Göttchendorf, geboren am 21.11.1879 in Kahlau, Kreis Mohrungen, ist am 17.03.1946 verstorben. In der Versorgungssache der Witwe des Vorgenannten werden Zeugen gesucht, die nachstehendes bestätigen können. Im Dezember 1945 wurde Herr Schulz von den Polen schwer misshandelt. Anfang 1946 wurde die Familie ausgewiesen und nach zehntägiger Fahrt mit dreißig Personen in einem ungeheizten Viehwagen im Umsiederlager in Angermünde untergebracht. Nach etwa vier Wochen, Anfang März 1946, fand die Umsiedlung ins Umsiedlerlager Bernau statt, in dem Herr Schulz, von den Polenmisshandlungen und der Flucht stark geschwächt, am 17.03.1946 verstarb. Für jeden Hinweis, der über die Ursache des Todes Aufschluss geben könnte, um den Versorgungsfall zum Abschluss zu bringen, wäre ich sehr dankbar.
Wer kann Auskunft geben über den Musiker Fritz Riff, Mühlhausen, geboren am 17.08.1898, Riff ist 1945 bei der Feindbesetzung verschleppt worden.