Ostpreußenblatt März 1954, Folge 12, Teil 1

Folge 12 vom 20.03.1954

Seite 2. Sie lesen heute
Seite 2: Ablauf der Antragsfrist
Seite 2: Auch Kinder unter den »Aussiedlern«
Seite 3: Die Mutter
Seite 4: Sowjet-»Wahlen« in Nord-Ostpreußen
Seite 5: Die Minne der Adler
Seite 9: Feierstunde mit Agnes Migel
Seite 10: Begegnung in Oxbüll

Seite 5. Briefe an das Ostpreußenblatt
Imkernachwuchs gesucht
»Jugendliche verlassen nun wieder die Schulbank, um in das Berufsleben einzutreten. Doch werden leider manche Eltern sich vergeblich um einen passenden Arbeitsplatz oder um eine Lehrstelle für ihren Sohn oder ihre Tochter bemüht haben. Allen Heimatvertriebenen, besonders aber denjenigen mit Vertriebenenausweis A, können wir einen wertvollen Hinweis geben. Es handelt sich um den schönen Beruf des »staatlich geprüften Imkers«. Dieser Beruf ist ein Mangelberuf und wird es nach menschlicher Voraussicht auch für die nächsten Jahre bleiben. Viele Mädchen und Jungen benutzen ihn als Übergang zu anderen artverwandten Berufen. Sei es nun, dass sie sich durch einen Kredit oder auch vielfach durch eine Heirat selbständig machen, oder sei es, dass sie sich verwandten Berufen wie z. B. der Landwirtschaft, der Gärtnerei, den holz bearbeitenden Berufen Tischler oder Zimmerer, der Bienen Gerätebauenden Industrie und deren Handel, oder dem Honigvertrieb oder der Wachsverarbeitung zuwenden. In allen diesen Fällen dient ihnen die Imkerei als Ausgangsbasis und Sprungbrett und wird meistens nebenberuflich bis ans Lebensende weiter betrieben, um zusätzliche Einnahmen zu schaffen. Wir sind in den letzten Jahren nicht in der Lage gewesen, die Nachfrage nach ausgebildeten Gehilfen zu befriedigen. Die Bezahlung ist, bei der verhältnismäßig leichten Arbeit, die sehr wohl auch von körperbehinderten Menschen ausgeführt werden kann, verhältnismäßig gut. Nach beendigter Ausbildung erhalten die Gehilfen im ersten Tätigkeitsjahre neben freier Station und Verpflegung durchschnittlich sechzig bis achtzig DM im Monat, oft noch mit Beteiligung am Reingewinn. Später steigt das Gehalt. Spitzenkräfte, die für Institute oder andere fachliche Spezialaufgaben geeignet sind, erhalten schon im ersten Gehilfenjahr bis zu dreihundert DM (ohne freie Station und Verpflegung). Die Ausbildung dauert zwei Sommer- und zwei Wintersemester. Doch können davon ein bis zwei Semester durch eine entsprechende Lehre bei einem anerkannten Imkerlehrmeister ersetzt werden. Geeignet ist jeder naturverbundene und natur liebende Mensch, der Lust und Liebe für die Bienen und deren hochinteressantes Leben mitbringt und körperlich für andere Berufe vorläufig zu schwach erscheint. Natürlich können auch kräftige Kinder jederzeit die Imkerei lernen. Eine abgeschlossene Volksschulbildung ist Voraussetzung. Aber auch Schüler mit der mittleren Reife und Abiturienten werden in unserer Lehranstalt ausgebildet. Die Kosten der Ausbildung werden zur Zeit bei Kindern von Heimatvertriebenen mit Vertriebenenausweis A durch stattliche Erziehungsbeihilfen, zu deren Erlangung die Lehranstalt mit Rat und Tat zur Seite steht, gedeckt. Der übliche Richtsatz beträgt zur Zeit, je nach Bedürftigkeit der Erziehungsberechtigten bis zu neunzig DM monatlich. Davon können Wohnung, Verpflegung, Kleidung, Ausstattung, Schulgeld usw. durchaus bestritten werden, zumal die meisten Schüler die Einrichtungen der Lehranstalt benutzen. Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigen erwachsen somit für die Ausbildung ihres Kindes kaum Unkosten. Das nächste Sommersemester beginnt am 1. April. Wer unter den Eltern Interesse haben sollte, seine Tochter oder seinen Sohn den Umgang mit Bienen erlernen zu lassen, der wende sich an die Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht (Schleswig-Holsteinische Imkerschule) Bad Segeberg.

Seite 5. Ein Urberliner
Liebes Ostpreußenblatt! Zunächst, ich bin ein Urberliner! Trotzdem freue ich mich jedes Mal über Dein Erscheinen, denn ich bekomme Dich von einem bekannten heimatvertriebenen Ostpreußen. Leider kann ich Dich - als Student mit Familie - noch nicht selbst halten und Deine Jahrgänge sammeln, aber es muss doch einmal gesagt werden. Dein Niveau ist in jeder Hinsicht so, dass sich manche große Tageszeitung »eine Scheibe abschneiden« sollte! Ich möchte mir auch als Außenstehender die Freiheit zu einer kleinen Anregung nehmen. Warum nur Heimatvertriebene als Abonnenten werben? Der große Kreis der anderen sollte auch die Erinnerung an das zur Zeit Verlorene behalten. Wenn irgend möglich, müsste das Ostpreußenblatt in den Lesesälen sämtlicher deutscher Hoch- und Fachschulen vorhanden sein, gerade bei der akademischen Jugend muss die Erinnerung wachgehalten werden. G. M., cand. ing.

Weitere Leserbriefe können Sie auf Seite 5 lesen.

Seite 6. Auskunft wird gegeben
Über Wolfgang Reuter oder Reutter aus Memel liegt eine Nachricht vor. Wo sind Angehörige?

Seite 6. Auskunft wird erbeten
Der Spätheimkehrer Kurt Holz, geb. 16.04.1920 in Talskeim, Kreis Bartenstein, zuletzt in Perkau, sucht seine Angehörigen Hermann Holz, Paul und Erwin Holz, Heinrich Haack aus Woopen und Frieda Schipper oder Schüpper, geb. Holz, Wirtschafterin auf dem Hof in Perkau.
Die Ehefrau Erna Holz, geb. Haak, geb. etwa 1920, und Sohn Karl-Heinz, geb. Juni 1940, 1941 oder 1942, sollen in einem Lager in Ostpreußen an Typhus verstorben sein. Wer kann über das Schicksal der beiden Letztgenannten etwas mitteilen? Wer war mit Frau Holz und dem Sohn Karl-Heinz in dem Lager zusammen?

Wir suchen die Heimkehrerin Anneliese Wurm aus Neu-Argeningken, Kreis Tilsit, da wir ihr zu der Anschrift ihrer Mutter verhelfen können.

Der Heimkehrer Otto Domnick aus Eisenberg, Kreis Heiligenbeil, sucht seine Tochter Waltraut, geb. 21.05.1928, Mitte April 1945 zuletzt im Lager Graudenz gesehen.

Gesucht werden: Christoph Tenigkeit, geb. 16.03.1882, aus Tilsit, Bleichstraße 7 (Hof), tätig gewesen bei der Zellstofffabrik Waldhof als Arbeiter. Die letzte Nachricht datiert vom 14.04.1945 aus Hohenleipisch 1. Sachsen.

Angehörige des SS-Oberscharführers Robert Becker, geb. 05.05.1916, zuletzt wohnhaft gewesen in Königsberg, Weidendamm 20. Robert Becker wird seit dem 08.05.1945 vermisst.

Der Leiter der Heeresfachschule Elbing, Dr. Schreiber, und Studienrat Och.

Die Ehefrau des Maurers Hermann Bortz, Elise Bortz, etwa 40 Jahre alt, mit Tochter Ilse, aus Pr.-Eylau, Auklapperstraße.

Der seit dem 10.03.1945 vermisste Otto Ennulat, geb. 09.01.1898 zu Neulubönen (Memelwalde), Kreis Tilsit-Ragnit.

Studienrat (oder Mittelschullehrer) Laudien, 1942 Hauptmann und Ortskommandant, heute etwa 60 Jahre alt, beheimatet in Ortelsburg, Lyck oder Johannisburg.

Lucie Baginski, wohnhaft gewesen in Rastenburg, Moltkestraße 62, heute etwa 50 Jahre alt. Vater war Stadtoberinspektor. Wer kennt den heutigen Aufenthaltsort oder das Schicksal von Fräulein Baginski?

Ferner: Minna Kempf, aus Gnieballen, Post Tennetal, Ehefrau des Uffz. Wilhelm Kempf, und Anna Beckmann, Mutter des O.-Gefr. Kurt Beckmann, aus Königsberg, Altroßgärter Predigerstraße 1b.

Frau Elisabeth Neumann, geb. Moritz, geb. 27.01.1915, aus Herandstal, Kreis Goldap, sowie Familie Gustav Moritz, aus Herandstal, Kreis Goldap.

Frau Eva Jakobs, geb. Schirrmacher, und ihre Tochter Erika Jakobs, aus Rauschen, Haus Endegut.

Chauffeur Otto Romanofski, etwa 40 Jahre alt, aus Ebenrode, Goldaper Straße 24, und seine Angehörigen.

Heimkehrer Helmut Schink sucht ehemalige Angehörige der Deutschen Lufthansa, Königsberg-Devau.

Ferner suchen wir: Fritz Krüger, und Frau Clara, mit Kindern Karl, Gertrud, Walter, Werner und Georg, Ende der zwanziger Jahre wohnhaft in Allenstein, Kopernikusplatz 4/1, später in Königsberg, Augustastraße 8 oder 18. Tochter Gertrud war beim Finanzamt in Allenstein tätig, der Sohn Walter verzog im Herbst 1926 nach Willenberg, wo er in der Oberförsterei eine Stellung als Buchhalter bekleidete.

Waltraut Koschminski, geb. 01.07.1927, und Erich Koschminski, geb. 17.06.1925, aus Braunsberg, Arendstraße 21.

Reinhold Rettkowski, geb. 06.09.1888, aus Germau, Kreis Fischhausen, und Frau Johanna mit Kindern Kurt und Asta.

Gustav Rettkowski, geb. 17.01.1870, aus Gilgenau, bei Hohenstein, Kreis Osterode, und Frau Hedwig.

Bezirksschornsteinfegermeister Walter Just, und Frau Amalie aus Heilsberg, Hindenburgstraße 3.

Seite 6. Für Todeserklärungen
Otto Naujokat, geb. 12.04.1881, aus Königsberg, Tharauer Straße 20, soll 1945 in Königsberg an Hungertyphus verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Paul Stüber, seine Ehefrau Ida Stüber, verw. Nowak, und Tochter Hildegard Stüber, aus Insterburg, Göringstraße, werden vermisst. Wer kann Auskunft geben über ihren Verbleib?

Johanna Thiel, geb. Schaak, geb. 10.08.1872, aus Königsberg, L'Estogstraße 20, wird seit 1945 vermisst. Wer kann Auskunft geben über ihren Verbleib?

Stephan Franz Kaiser, geb. 26.12.1908 in Hörde bei Dortmund, aus Königsberg, soll im April 1945 in Danzig gefallen sein. Es werden zeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Fleischermeister Fritz Albrecht aus Königsberg, Jerusalemer Straße 17, soll in einem Lager in Pr.-Eylau verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Landwirt August Ussat, geb. 27.08.1902 in Bilden, Kreis Schloßberg, wird seit 1945 vermisst. Wer kann Auskunft geben über seinen Verbleib?

Therese Fromm, geb. Hoffmann, geb. 01.03.1879 in Güntiden, Kreis Königsberg, und Emil Fromm, geb. 28.03.1876 in Königsberg, beide wohnhaft in Königsberg, Heidemannstraße 16, sollen im März 1945 beim Russeneinmarsch verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die ihren Tod bestätigen können.

Friedrich Mai, geb. 27.08.1884 in Bladiau und seine Ehefrau Amalie Mai, geb. Neumann, geb. in Selwethen bei Labiau, letzter Wohnsitz Königsberg, Yorckstraße 89, werden seit Januar 1945 vermisst. Vermutlich ist das Ehepaar in Königsberg geblieben. Wer kann über das Schicksal dieser Landsleute Auskunft erteilen?

Otto Skalweit, geb. 18.02.1885, aus Hindenburg, Kreis Labiau, soll in Jägertal bei Postnicken, verstorben sein. Seine Ehefrau, Lina Skalweit, geb. Daudert, geb. 21.12.1883, ist auf der Flucht in der Nähe von Königsberg einem Schlaganfall erlegen. Es werden Augenzeugen gesucht, die den Tod des Ehepaares bestätigen können.

Otto Krause, geb. 21.04.1871, wohnhaft gewesen in Königsberg, Sackheim 90, und seine Ehefrau Lina Krause, geb. Neumann, verw. Holstein, geb. 25.11.1873, werden seit Februar 1945 vermisst. Sie wohnten zuletzt in Taplacken bei Puschdorf. Krause wurde später noch in einem Lager bei Tapiau gesehen und soll angeblich nach Thüringen abtransportiert worden sein. Wer kann Auskunft über das Schicksal der Verschollenen geben?

August Falk, geb. 14.01.1877, Hausbesitzer aus Königsberg-Juditten, Juditter Allee 42, soll im Jahre 1945 dort verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Christian Lipka, geb. 15.07.1866, aus Schützendorf, Kreis Ortelsburg, soll dort im Herbst 1945 verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die diese Angaben bestätigen können.

Hermann Kollin, geb. 19.09.1892, aus Elbing, Fleischerstraße 17, wird seit 1945 vermisst. Wer kann Auskunft geben über seinen Verbleib?

Gefreiter Werner Krause, geb. 24.07.1926, aus Memel, Joh.-Schirrmann-Straße 8 (Sturm-Komp., Fallschirm-Panzer-Korps. Hermann Göring L 60 724 D), wird seit dem 26.11.1944 vermisst.

Ernst Johann Hennemann, Feldpostnr. 12 976, wird seit dem 27.01.1944 in Russland vermisst. Wer kann Auskunft geben über seinen Verbleib?

Karl Neufang, geb. 28.06.1893 in Adl. Legitten, soll im Oktober 1947 in einem Lager in Labiau verstorben sein. Es werden Augenzeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Georg Krakat, geb. 26.03.1888, früher Lehrer in Moorweide, Kreis Heydekrug, soll Anfang 1945 in Frankwitz, Kreis Samland, verstorben sein. Gesucht wird die Familie Struppeck oder andere Augenzeugen, die seinen Tod bestätigen können.

Lina Schröder, geb. Philipp, geb. 14.09.1877, aus Althof bei Pr.-Eylau, ist am 03.09-1945 dort verstorben; Johanne Rohrer, geb. Philipp, geb. 06.03.1881, aus Pr.-Eylau, ist am 13.07.1945 in Althof verstorben; Elise Philipp, geb. 07.06.1884 aus Pr.-Eylau, ist ebenfalls in Althof verstorben. Gertrud Philipp, verw. Zäh, geb. 10.01.1888, aus Berlin SW 29, Heimstraße 16, ist am 09.07.1945 in Althof verstorben; Therese Kelm, geb. Philipp, geb. 19.11.1885, aus Königsberg, Börsenstraße 2 - 3, ist vermutlich im Frühjahr 1946 in Königsberg verstorben. Es werden Augenzeugen gesucht, welche die obigen Angaben bestätigen können.

Pauline Johanna Heinrichs, geb. Hausen, geb. 28.05.1870, aus Gotenhafen, Adolf-Hitler-Straße 122, soll im Januar 1945 beim Untergang der »Wilhelm Gustlof« ums Leben gekommen sein. Es werden Zeugen gesucht, die diese Angabe bestätigen können.

Oskar Thiergart, geb. 26.11.1885, Elektromeister aus Königsberg, Sternwartstraße 39, wird seit Anfang Februar 1945 in Pillau vermisst. Wer kann über seinen Verbleib Auskunft geben?

Gastwirt Johann Faltin, geb. 13.12.1878, aus Königsberg, Tuchmacherstraße 9, ist vermutlich am 30. August 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Es werden Zeugen gesucht, die seinen Tod bestätigen können.

Bäckermeister Carl Ulrich, geb. 02.04.1874, und seine Ehefrau Martha Ulrich, geb. Wagner, geb. 22.09.1876, aus Königsberg, Tuchmacherstraße 10/11, zuletzt wohnhaft Marienstraße 9, wird seit 1945 vermisst. Wer kann Auskunft geben über ihren Verbleib?

Leutnant Kurt Ulrich, geb. 05.11.1907, zuletzt wohnhaft in Allenstein, Wardanger Straße, wird seit 1944 in Russland vermisst.

Seite 6. Tote unserer Heimat
Pfarrer Wilhelm Willigmann
Am 4. März 1954 schloss Pfarrer Wilhelm Willigmann von der Sackheimer Kirche in Königsberg, der Bruder des Dompfarrers Hermann Willigmann aus Königsberg, in Heilbronn am Neckar seine Augen. Noch am 10. Januar 1954 konnte er seinen 79. Geburtstag im Kreis der Seinen begehen. Unmittelbar darauf legte er sich auf sein letztes Lager. Seine ältere Tochter, Pfarrersfrau und Ärztin, versuchte vergeblich das entfliehende Leben aufzuhalten. Seit Wochen war das Gebet des Sterbenden: «Herr, hole mich heim. Ich halte es vor Atemnot nicht aus.« Pfarrer Willigmann war ein tief gläubiger Christ. Seine Hauptwirkungsstätten waren die Kreuzkirche in Lissa in Posen und die Sackheimer Kirche in Königsberg. Unerschrocken war er ein Kämpfer im besten Sinne des Wortes. Nie verleugnete er nach 1918 in Lissa die deutsche Sprache und Art. Als die Polen mit Gewalt die Aufschrift auf dem kirchlichen Eigentum: »Herberge zur Heimat« in polnische Aufschrift veränderten, verklagte er den polnischen Staat beim Völkerbund. Die deutsche Anschrift musste wieder hergestellt werden. Dauernde Zuchthausstrafen waren die Folge. Schließlich sollte es ihm ans Leben gehen. Da fand er in abenteuerlicher Flucht Unterkunft in Königsberg bei seinem Bruder und in der Folge zwanzigjährige gesegnete Wirksamkeit an der Sackheimer Gemeinde, bis im August 1944 Gemeinde, Haus und Kirche ein Trümmerhaufen wurden. Auch in Königsberg wurde er mehrfach wegen seiner aufrechten Haltung in Haft genommen. Das letzte Mal setzte sein juristischer Bruder die Befreiung in geradezu dramatischer Weise durch. An Pfarrer Willigmann ist das alte Bibelwort wahr geworden: »Wir müssen durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen.« Sein jüngster Sohn fiel im letzten Krieg an der Spitze seiner Kompanie vor Leningrad. Der älteste stürzte als Oberstleutnant und Führer einer Jagdstaffel ab. Der zweite Sohn, arg verstümmelt aus dem Kriege heimgekommen, wurde bei dem Versuch, als Leiter der Apotheke im Krankenhaus Münden am Deister eine Laborantin aus einem äthergefüllten Raum zu retten, zur lodernden Fackel. Der Mann seiner jüngeren Tochter, deren Mann Pfarrer in Aweyden in Masuren, noch November 1944 als Soldat eingezogen wurde, gab Januar 1945 die letzte Nachricht. Bei ihr, die ihre Studienratstätigkeit wieder aufgenommen hat und mit ihrem neunjährigen Sohn in Heilbronn wohnt, hat Pfarrer Willigmann die letzten Jahre seines Lebens verbracht.

Seite 12. Elchniederung
Such-Rundfrage Nr. 1/1954
Die nachstehend genannten Elchniederunger werden gesucht:
Bauer August Borm und Ehefrau aus Lakendorf.
Franz Albrecht aus Breitenhof.
Daniel Makies und Frau Minna, geb. Müller, nebst Sohn Fritz, aus Klein-Skaisgirren.
Maschinenbaumeister Otto Bewer aus Kreuzingen, Siedlung Ost, zuletzt von Februar 1945 bis 09.04.1945 in Königsberg als technischer Leiter für Bunkerbau eingesetzt, seitdem vermisst. Angehörige eines Otto Matzick, geb. 1883 in Heinrichswalde, der damals Bäcker lernte und später auswanderte (Erbschaftssache).
Farn. Buchholz und Bartels (oder Bartel) aus Kreuzingen.
Helene Born, geb. 11.06.1902, ledig, aus Köllm. Schnecken.
Friedrich Buchholz aus Kuckerneese, Domänenstraße 13.
Berta Butzkies, geb. 04.11.1877, ledig, aus Gowarten.
Käser Fritz Hamm, aus Budeweg, oder Angehörige.
Wilhelm Feige aus Lyscheiten, geb. 12.05.1902, und Ernst Feige aus Kuckerneese, geb. 05.07.1912.
Frau Frieda Tolksdorff aus Rauterskirch, Leiterin der Nebenstelle der Kreissparkasse Elchniederung.
Rosa Gerlach und Sohn August Gerlach, aus Jagsten Abbau.
Frau Wilehlmine Guszahn und Sohn Daniel Guszahn, beide aus Alt-Sellen. Schlosser Emil Guszahn und Frau Auguste aus klocken. Landarbeiter Herm. Guszahn und Frau Grete aus Skulbetwarren. Friedr. Guszahn und Frau Emilie aus Klein-Friedrichsgraben.
Paul Wolff, geb. 08.07.1913, aus Wolfsberg.
Frau Minna Veit, geb. Bendig, und Söhne Horst, Walter und Halmar, sowie Rudolf Bendig, alle aus Perkuhnen.

Heinrich Rehberg, geb. 05.10.1929, aus Reweilen.
Heinz Kadereit, geb. 01.02.1916, aus Grünbaum.
Heinrich Ambraß, geb. 13.11.1922, und Frau Grete Rutha, geb. Ambraß, geb, 25,/5,1877, alle aus Kuckerneese.
Ferner: Michael Lorenscheit und Berta, geb. Gyszas, aus Skirwiet.
EmmaKalweit, geb. 06.11.1894, ledig, aus Wartenhöfen.
Alfred Gurklies, aus Sköpen.
Angehörige des Ernst Krebstakies, geb. 07.08.1906 in Heinrichswalde, Heimatgemeinde unbekannt, wahrscheinlich Heinrichswalde. Wer kennt die Genannten oder seine Angehörigen?
Max Kröhnert aus Tawellenbruch.
Wer über den letzten Aufenthalt oder das Schicksal der vorstehend aufgeführten Landsleute machen?

Seite 12. Bartenstein
Suchnachricht: Das Rote Kreuz sucht den früheren Oberzahlmeister Schneider (nicht wie in Folge 10 versehentlich gesagt wurde, Neumann), der in Bartenstein, Memeler Straße, gewohnt haben soll. Schneider soll 1946 in Hamburg-Bergedorf gewohnt haben, was aber nicht zu ermitteln ist.

Seite 12. Sensburg
Wer weiß etwas über Verbleib von Hedi (Hedwig) Rausch, etwa 38 Jahre alt, und Hertha Wunsch (Berliner Evakuierte), beide beim Feldlazarett Sensburg; Lehrer Emil Braun, Weißenburg, bis zur Fluct in Weißenburg; Ewald Armgardt, Feldpostnummer 14 278, vermisst Januar 1943 bei Stalingrad?

Seite 12. Tilsiter werden gesucht
Allen Tilsitern in heimattreuer Verbundenheit herzliche Grüße von ihrem Kreisvertreter Ernst Stadie, Wesselburen (Holstein), Postfach.

Frau Käthe Tautor, geb. Fredies, geb. 30.04.1898
Frau Maria Trutnau, Clausiusstraße 39.
Willi Fischer, geb. 03.08.1899, Rosenstraße 29, Kapellmeister, als Feldwebel Ende 1944 nach Görnau bei Litzmannstadt kommandiert, Rückzug bis Posen, von hier letzte Nachricht im Januar 1945. Wer kennt sein Schicksal?
Gustav Schmidt und Frau Ida, Langgasse 11.
Fritz Hoyer, Tilsit, Ragniter Straße 53, als Uffz. seit 28.12.1942 bei der Feldpostnummer 15 786 vermisst.
Familie Bertram, Lützowstraße 10
Martin Laukant, Bauunternehmer, Niederunger Straße 156, seit 1946 in Königsberg vermisst.
Christoph Neumann, geb. 24.10.1884 und Frau Maria, geb. Barsties, geb. 10.02.1886, und deren erwachsene Kinder, Stolbecker Straße 15.
Franz Pustlauk und Familie, Stolbecker Straße 120 (?).
Witwe Martha Römer, Gartenstraße Ecke Langgasse.
Fräulein Paula Donke, Wasserstraße, Magistratsangestellte in der Lohnberechnungsstelle.
Rudolf Schorat, Goldschmiedestraße 54, als Uffz. vermisst.
Kurt Frohwerk, Handelsschullehrer, Landwehrstraße.
Otto Slogsnat, geb. 05.09.1883, Gärtnereibesitzer, Ragniter Straße 90 und seine Ehefrau Berta, geb. Woitke, geb. 08.04.1895, sowie deren Sohn Werner, Obergefr., geb. 30.08.1920 zu Tilsit
Otto Kloss, Maler und Frau Lina, Philosophenweg-Ecke Inselstraße.
Frau Kadelowski mit dem Pflegekind Inge Surmin, geb. im September 1939 in Tilsit,
Emil Willumelis, geb. 16.06.1907, Kalkapper Straße 53, vermisst als Gefreiter bei der Feldpostnr. 16 915 E.
Paul Kubbos, geb. 28.12.1907, Pol.-Beamter, zuletzt Schröttersburg.
Gustav Ostwald, geb. 07.02.1899, Kasseanangest. Der Stadthauptkasse Tilsit, Clausiusstraße 2, verschollen als Soldat seit Januar 1945.
Frau Herta Sedat, geb. Röse, Deutsche Straße.
Willi Rissmann und Frau Gertrud, geb. Loiese, mit den Zwillingen Helma und Selma, geb. 17.04.1941 zu Tilsit. Diese Familie soll in einer Straße, die nach Memel führte, Nr. 57a, wohnhaft gewesen sein. Wer kann sagen, in welcher Straße mit der Nr. 57a die Familie wohnhaft war und wo sich Frau Rissmann mit den Kindern heute befindet?
Frau Alice Jodtka, Übermemel.
Aus Tilsit-Übermemel werden dringend die heutigen Anschriften von folgenden Fleischermeistern gesucht: Fritz Brüning; Erich Konrad; Oskar Büttner; Otto Wallner; Fritz Naujoks; Willi Hühnert; Franz Woischwill;
Paul Matschke, geb. 25.05.1900/1902, Inspektor des W.B.K., und Frau Herta mit zwei Söhnen, Hindenburgstraße 22 (?).
Schaf, Direktor der Berufsschule Heinrichswalde.
Heinz Pusch, geb. etwa 1920, Drogist, Stolbecker Straße 14
Otto Scherenberg, zuletzt bei der Polizei gewesen.
Paul Romeike, Bahnhofstraße 11, Inhaber des Hotels »Prinz Albrecht«
Elfriede oder Frieda Errulat, Landwehrstraße 45/46, Ehefrau des Zollbeamten Errulat.
Bruno Sedat, geb. 17.09.1895, Schirrmann-Straße 1, als Uffz. d. R. im Dezember 1944 zur 3. Komp. Ers.- u. Aufl.-Abt 1 nach Osterode eingezogen, seitdem vermisst. Wer war mit Sedat dort zusammen und kann über sein Schicksal Auskunft geben?
Frau Martha Hübner, geb. Ruddies, Am Rennplatz 2, soll sich zur Zeit in einer Lungeneilstätte befinden. Wer kennt ihre Anschrift und weiß, wo ihre Kinder Erika, Brigitte und Reinhard sind?
Franz Graudszus, geb. 06.09-1900/1901, Tilsit, am 27.01.1945 in Königsberg zum letzten Male gesehen und gesprochen, seitdem vermisst.
Konrad, Frau Hann, Lubert, Frau Gertrud, Winter, Frau Auguste, alle Memelstraße 22.
Fräulein Auguste Dehn, Garnisonstraße
Fräulein Edith Kestnus, Fräulein Käthe Domnick, beide Schlageterstraße.
Fräulein Eva Knüstler, Deutsche Straße
Martin Lappat, geb. 25.04.1907, Alfred Lappat, beide Fabrikstraße 95
Heinrich Subat und Frau Anna, geb. Killat, Ragniter Straße 7, kurz vor Weihnachten 1944 beide ins Samland geflüchtet, von dort ab fehlt jede Spur.
Hans Korallus, Maler, und seine Ehefrau und Sohn Bruno, Flottwellstraße 1
Kurt Timsrin und Frau Anna Berta, geb. Melulis, Goldschmiedestraße.
Frau Lotte Lindenau, geb. Timsries, und Tochter Bärbel
Otto Pauliks, geb. 04.04.1909, Stellmacher, Metzstraße 54, als Uffz. bei der Feldpostnr. 31 700 A in Ostpreußen vermisst, letztes Lebenszeichen vom 09.01.1945. Wer kann den alleinstehenden Kindern Adelheid (14) und Ursula (11) über das Schicksal ihres Vaters Auskunft geben?
Frau Luise Ruddies, geb. Tummoscheit.
Frau Gertrud Kleinke, geb. Raudszus, Ballgarden 1 (Schützenhaus).
Familie Kaspareit, Falkenau 6
Frau Ida Beutler, geb. Deutschmann, mit Sohn Wolfgang, und Frau Odau, geb. Grützmacher, die zusammen 1945 aus Tilsit flüchteten.
Gustav Schieweck und Frau Anna, Kossinnastraße 3
Richard Haupt, geb. 16.12.1880, Postbetriebsassistent, Grünwalder Straße 6, seit 07.05.1945 verschollen.
Hermann Wedlat, geb. 25.05.1898, Schneider, Sommerstraße 1, als Angehöriger der Militär-Schneiderstube Tilsit verschollen.
Fräulein Dora Preugschat, geb. etwa 1913, Lehrerin und deren ältere Schwester Hedwig, ebenfalls Lehrerin. Überm Teich, bei den Eltern wohnhaft gewesen.
Frau Erna Schneidereit, geb. Helwig, Teichorter Berg. Frau Maria Potschka, geb. Schmidt, Teichorter Berg.

Seite 13. Pr.-Eylau
Wir sucen aus Abschwangen: Gustav Grube
Gr.-Sausgarten: Densdorf, Stabe, Gärtner Rekönd (?).
Hanshagen: Familie Ferd. Frank. Familie Herrmann (bei Reimann). Familie Gustav Krause. Frau Berta Politt, geb. Zimmermann. Erna Scheffler und Angehörige. Familie Serade.
Kreuzburg: Hildegard Karlbowski, geb. Eckhoff. Anna Kraker, geb. Geneit.
Mühlhausen: Gertrud Reske, geb. Groß
Stablack: Julius Kreß. Reinhold Lorenz. Ernst Neumann, alle Orschener Straße.
Uderwangen: Frau Berta Hoffmann, geb. 1895.

Seite 13. Angerapp (Darkehmen)
Gesucht werden aus Angerapp-Stadt: Franz Syman, Gudwaller Straße; Walter Naujoks, Gartenstraße, geb. 05.12.1918.
Angerapp-Land: Kurt Kerrut. Albert Kerrut. Hella Dzingel, alle Trempen; Fritz Kristan, Warnheide; Otto Dittschies, Adamsheide; Karl ?illwick, Warnheide; Fritz Karsties, Konradshof; Familie Willi Bartel, Sillenfelde; Frau Burnus, ?hristiansfelde; Familie Emil August, Elken; Herr Beyer, Herr Bories, Otto Sperling, alle Gutsverwaltung Ernsthof; Hans Rogalla, Ernsthof; Karl Krämer, Tatarren; Albert Tiedemann, Rogalwalde; Lothar Trostmann, Kermen; Fritz Denkmann, Karl ?ittihn, beide Friedeck; Kurt Salomon, Gr.-Illmen; Familie August Ulrich, Auerfluß; Frau Gertrud Rautenberg, Karlshof. (? = Buchstabe fehlt auf der Kopie)
Gesucht werden ferner eine Familie Eggert, die bis Anfang des Krieges in Weißenburg, Kreis Sensburg, wohnte und dann im Kreise Angerapp sich umsiedelte.