Ostpreußenblatt Juni 1955, Folge 25, Teil 2

Seite 8 Die Hochleitners. Von Dienten, im Salzburgischen, nach Schreitlauken. Die Reise ins Land der Väter
Fritz-Wilhelm Hochleitner wandert mit nachdenklichem Gesicht um seine Lokomotive auf dem Bahnbetriebswerk Rotenburgsort, einem großen Verladebahnhof im Weichbild von Hamburg. Genau mustert er die Räder und die Pleuelstangen, prüft hier und da eine Schraube und klettert dann auf den Führerstand. Sein Dienst als Führer einer Rangierlokomotive beginnt. Nun, Salzburger, wie ist Dir die Jubiläumsfeier bekommen?, fragt der Lokomotivheizer. Hochleitner ist bei seinen Arbeitskollegen auf dem Verladebahnhof beliebt. Sie wissen, dass er 53jährige Ostpreuße, der seit 35 Jahren Bahnbeamter ist und dessen Vorfahren 1732 aus Salzburg nach Ostpreußen kamen, ein guter und zuverlässiger Fachmann und ein hilfsbereiter Kamerad ist. Alle Kollegen auf dem großen Bahnhof nahmen daher auch an dem seltenen Jubiläum Anteil, das Fritz-Wilhelm Hochleitner in diesen Tagen feierte, obgleich es ein Gedenktag war, der allein seine Familie betraf.
An diesem Tage hatten vier Generationen der Familie Hochleitner zusammen 125 Jahre im Dienste der Eisenbahn verbracht. Eine der ältesten Eisenbahnerfamilien Deutschlands feierte fern der ostpreußischen Heimat in Hamburg ein Jubiläum, das in seiner Art einmal ist. Urgroßvater, Großvater, Vater (das ist Fritz-Wilhelm Hochleitner) und Sohn haben sich nacheinander der Arbeit bei der Bahn verschrieben, und Lokomotivführer Fritz-Wilhelm Hochleitner hofft, dass auch seine Enkel diese Tradition fortführen werden, wie sein Sohn das jetzt schon tut.
Es begann damit, dass Urgroßvater Mathias Hochleitner vor hundert Jahren einer der ersten war, der sich in Ostpreußen zum Dienst bei dem neuen Verkehrsmittel meldete. Als frischgebackener Eisenbahner stand er mit seinen Arbeitskollegen während der Einweihungsfeierlichkeiten im Königsberger Hauptbahnhof im Jahre 1852 Spalier. Als dann der Schienenstrang bis zu seinem Heimatort Eydtkuhnen geführt wurde, ließ er sich dorthin versetzen. Er erlebte, dass aus dem verträumten Dörfchen an der Grenze ein wichtiger Bahnhof wurde. Eydtkuhnen war später die einzige Stadt in Deutschland, die in ihrem Stadtwappen das Flügelrad der Eisenbahn führte.
Auch der Sohn von Mathias, Franz-Joseph, der Vater des Lokomotivführers Fritz-Wilhelm Hochleitner, wurde Eisenbahner. Als Schaffner fuhr er während seiner 47 Dienstjahre von Insterburg aus durch ganz Ostpreußen, und er lernte auch weite Teile des Reichsgebietes kennen. Immer wieder erzählte er seinen Kindern von dem schweren Dienst in den Zügen und von seinen Fahrten. Für den Sohn Fritz-Wilhelm, der jetzt in Hamburg die Rangierlok führt, stand es daher von Jugend an fest, dass auch er zur Eisenbahn gehen würde. Als kleinen Jungen zog es ihn zum Insterburger Bahnhof, wo er die Arbeitskollegen seines Vaters nach allen technischen Einzelheiten ausfragte.
Der kleine Fritz-Wilhelm begann planmäßig auf sein Berufsziel loszusteuern. 1920 wurde er endlich als Hilfsheizer eingestellt. Jetzt fuhren zwei Mitglieder der Familie über die ostpreußischen Bahnstrecken. Oft geschah es, dass der Vater im gleichen Zug beschäftigt war, bei dem der Sohn für die Feuer der Maschine verantwortlich war. Das war eine schöne Zeit, sagt Fritz-Wilhelm Hochleitner heute. Vater sorgte für die Fahrgäste, und ich sorgte dafür, dass wir allesamt vom Fleck kamen.
1925 wurde der junge Mann, der mittlerweile zum Lokomotivführer aufgestiegen war, aus Ostpreußen nach Stettin versetzt. Schweren Herzens verließ er das Elternhaus.

Seine Heimat blieb Ostpreußen
Immer wieder zog es mich zurück in die Heimat. Auch als ich verheiratet war, fuhr ich mit meiner Frau, einer Stettinerin, jedes Jahr nach Insterburg, wo die Eltern lebten.
Im zweiten Weltkrieg fuhr Lokführer Hochleitner mit den vorrückenden Truppen nach Holland, Belgien und Frankreich, nach Dänemark und Griechenland. Im Juni 1941 war er der erste deutsche Lokomotivführer, der die russische Grenze unmittelbar hinter den vorwärts marschierenden deutschen Trupen überfuhr. Fast zwei Jahre lang führte er Lazarettzüge von der Front in die Heimat. Er erlebte Jaboangriffe und Tieffliegerbeschuss.
Der Krieg ging seinem Ende entgegen, und Fritz-Wilhelm Hochleitner war wieder seiner alten Direktion in Stettin unterstellt worden. Ende Februar 1945 erhielt er den Auftrag, einen Güterzug nach Lübeck zu führen. Hochleitner packte ein paar Habseligkeiten ein und nahm seine Frau und seine beiden Kinder nach Lübeck mit. Hier wartete er auf die Kapitulation und darauf, dass in Kürze wieder Züge durch Deutschland fahren würden.
Erst 1949 holte man den erfahrenen Eisenbahner wieder. Damals wurde ihm in Rotenburgsort, einem der großen Güterbahnhöfe Hamburgs, die Rangierlok übertragen, die er heute noch führt. Sein Sohn Hans-Joachim, 17 Jahre alt, arbeitet seit drei Jahren auf dem gleichen Bahnhof als Maschinenschlosser. Auch er will, getreu dem Vorbild seiner Vorfahren, Bahnbeamter werden. Franz-Joseph Hochleitner, der Oberzugführer im Ruhestand, der 47 Jahre lang der Bahn treu gedient hatte, lebte mit seiner Frau in der sowjetisch besetzten Zone kümmerlich von einer schmalen Rente. Er sollte das Jubiläum der Familie nicht mehr erleben. Zwei Tage vor dem Fest, auf das er sich gefreut hatte, ist er gestorben.
Ich verdanke meinem Vater alles, sagt Fritz-Wilhelm Hochleitner. Nicht nur, dass ich durch ihn zur Eisenbahn kam und einen Beruf fand, der mich ganz ausfüllt, mein Vater hielt auch die alte Salzburger Familientradition hoch.

Die große Wanderung
Immer wieder hatte Großvater Franz-Joseph Hochleitner seinen Kindern von dem Urahn Georg erzählt, der 1731 als einer der ersten mit seiner ganzen Familie und seinen „Rössern“ vor dem großen Wagen das Salzburger land verlassen musste, weil er den protestantischen Glauben nicht aufgeben wollte.
Am 29. April 1732 fand in Potsdam jene dankwürdige Begegnung zwischen dem Soldatenkönig und den Salzburger Emigranten statt.
Unter den Vertriebenen stand auch Georg Hochleitner vor dem neuen Landesherrn und hörte die herzlichen Worte des Königs. Ihr sollt’s gut haben, Kinder. Ihr sollt’s gut bei mir haben“
Am 5. Juli 1732 begann von Berlin aus der große Treck der Salzburger, die mit Pferd und Wagen ihre Heimat verlassen hatten. Schon vorher waren viele, die keine eigenen Furhwerke besaßen, mit Schiffen von Stettin aus nach Ostpreußen gelangt.
Über Hinterpommern und Danzig fuhren auch die Hochleitners im großen Treck der Gebirgsbauern durch das flache ostdeutsche Land. Am 6. August 1732 trafen sie in Königsberg ein. Von dort aus wurde die Familie dann bald in den neuen Heimatort Schreitlaugken im Kirchspiel Willkischken im Memelgebiet eingewiesen. Der Sohn aber, der ebenfalls Georg hieß, verließ nach dem Tode seines Vaters 1740 das väterliche Grundstück in Schreitlaugken und siedelte sich in Eydtkuhnen an.
Soweit waren wir mit unseren Forschungen gekommen, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, berichtete Fritz-Wilhelm Hochleitner. Der Superintendent von Insterburg, Leidreiter, der ebenfalls ein Salzburger ist, hat uns bei unseren Nachforschungen sehr geholfen. Er stellte auch fest, dass der Gasthof unseres Urahns Georg in Dienten am Hochkönig heute noch im Besitz der Familie Hochleitner ist. Ich hatte schon immer den Plan, einmal nach Österreich zu fahren und mir anzusehen, wo denn mein Vorfahr Georg Hochleitner gelebt hatte. Im Sommer 1952 konnte er diesen Plan verwirklichen; zusammen mit seinem Sohn fuhr er nach Dienten am Hochkönig.

Auf den Spuren der Vorfahren
Als wir von Salzburg aus mit dem Zug in das Land hinein fuhren, in dem meine Vorfahren gelebt hatten, berichtet Fritz-Wilhelm, da ging über den Gipfeln der Salzburger Alpen gerade die Sonne auf. Mein junge und ich werden diesen Augenblick nie vergessen. Eben noch hatten die Berge mit dem ewigen Schnee darauf im tiefen Schatten gelegen, und auf einmal begannen die Bergspitzen richtig zu glühen. Damals sind uns die Tränen gekommen. Wir haben die Schönheit des Landes der Vorfahren stumm bewundert.
In Dienten aber suchten wir dann den Gasthof auf, der meinem Urahn Georg gehört hatte. Mein Junge und ich setzten uns still in eine Ecke. Wir haben überlegt, wie wir es wohl anfangen sollten, um dem Besitzer zu sagen, dass wir auch Hochleitners sind und dass unser Vorfahr dies Haus einmal besessen hat. Dass der Gasthof immer noch im Besitz der Hochleitners ist, hatten wir ja schon in Ostpreußen durch die Forschungsarbeit des Superintendenten Leidreiter erfahren. In Dienten hatten wir am Bahnhof einen Bauern nach dem Gasthof gefragt.
Fritz-Wilhelm Hochleitner und sein Sohn brauchten nicht lange zu überlegen, wie sie sich dem Besitzer des Gasthauses als Verwandte zu erkennen geben sollten. In der Gaststube saß ein katholischer Priester. Er kam zu uns an den Tisch und stellte sich vor. Sie sind wohl Sommergäste? Fragte er uns. Was sind Sie denn für ein Landsmann?
Ostpreuße, antwortete ich. Warum fragen Sie?
Sie sehen genau so aus wie unsere Bergbauern hier!
Das kann schon stimmen, sagte ich, meine Vorfahren kommen ja auch aus dieser Gegend.
Der Pfarrer fragte nach dem Namen. Ein Hochleitner sind Sie? Ja, dann sind Sie ja ein Salzburger! Hier gibt es viele Ihres Namens. Auch der Wirt ist ein Hochleitner.
Der Geistliche rief den Gastwirt.
Xaver, diese leit’ san ostpreißische Salzburger, sagte er. Hochleitner heißen’s aa und aus Dienten san’s aa! Dös muss a Verwandtschaft von die Dientener Hochleitners san.
In einem alten Kirchenbuch habe ich nämlich den Namen, eines Hochleitner gefunden, der Salzburg um 1730 herum verließ, weil er Protestant war. Das muss Ihr Vorfahr gewesen sein, sagte der Pfarrer auf Hochdeutsch zu uns.
Xaver Hochleitner, der Gastwirt schüttelte mir die Hand und sagte: Also, das ist a Freud. A preißische Hochleitner bist. Da schau Dir die alte Heimat gut an. Herzlich willkommen und nix für ungut, dass ich gleich, Du’ g’sagt hab. Bist doch halt a preißischer Vetter.
Am gleichen Tage noch musste Fritz-Wilhelm und sein Sohn die ganze Hochleitner-Sippe in Dienten besuchen. Überall sagte man gleich Du und Fritz und Hansi zu uns. Es war so als ob wir immer schon in Dienten gelebt hätten. Die Verwandten sind alle Bergbauern und sitzen auf ihren Höfen seit vielen hundert Jahren. Die jüngeren Söhne arbeiten auf den Höfen oder sind nach Werfen oder Salzburg gegangen. Viele sind auch Handwerker geworden und leben als Schmiede oder Wagenbauer in den benachbarten Gebirgsdörfern.
Auch die Töchter der Hochleitners, von denen zwei sehr gut verheiratet sind, mussten wir besuchen. Im Hause des Arztes Dr. Dahlmann, der eine Hochleitner zur Frau hat, wurden wir ganz besonders herzlich aufgenommen und als liebe Verwandte begrüßt.
In den nächsten Tagen kamen auch die Hochleitners aus den anderen Gebirgsdörfern um den Hochkönig nach Dienten, um die ostpreußische Verwandtschaft zu begrüßen. Die Gebirgler staunten den Mann an, der da so plötzlich mit seinem Sohn aus dem Norden aufgetaucht war. Sie konnten sich unter Ostpreußen kaum etwas vorstellen. Noch mehr aber staunte die Salzburger Verwandtschaft, dass Fritz-Wilhelm Hochleitner über die Geschichte so gut Bescheid wusste.
Auch das alte Kirchenbuch wurde ihm von dem Pfarrer von Dienten gezeigt. Er las die Urkunde der Ausweisung seines Urahns, die mit den Worten begann: Auf Befehl Seiner Eminenz, des hochwürdigen Herrn Erzbischof. Der Urahn Georg wurde in dieser Urkunde als unverbesserlicher Rebell und Ketzer bezeichnet.

Alljährlich ins Salzburgische!
Wir sind dann 1953 und 1954 wieder ins Salzburger Land gefahren, berichtet Fritz-Wilhelm Hochleitner. Die Berge begeistern mich und meinen Jungen immer wieder von neuem. Auch in diesem Jahr geht es im Sommer wieder nach Dienten, wo alle Verwandten schon auf uns warten. Das Land meiner Vorfahren ist sehr schön, aber unsere Heimat bleibt doch Ostpreußen. Ich wünsche mir nur, dass ich die Rückkehr dorthin noch erlebe.

Foto 1: Dorf Dienten im Salzburgischen
Foto 2: Das Dorf Mühlbach am Hochkönig. Die Landschaft, aus der die Hochleitners stammen und in die sie jetzt Jahr für Jahr fahren.
Foto 3. Gartenarbeit ist mein Steckenpferd, sagt Fritz-Wilhelm Hochleitner. Jede freie Minute verbringt er in seinem Gärtchen, das er vor vier Jahren in Hamburg-Billwerder pachtete.

Seite 11 Bewunderung für die Trakehner Rappen in München.
Polarfahrt, beste Warmblutstute der Schau/Von Dr. Schilke, Hamburg
Diesen Bericht bitte selber in dieser Ausgabe nachlesen.
Foto: Melanie, eine hochedle, fünfjährige Trakehner-Stute aus der Zucht des Fürsten zu Dohna-Schlobitten, gezogen von Hansakapitän u. d. Melisse, erhielt einen 1. Preis und fand bei den in- und ausländischen Fachkennern viel Anklang.
Foto: Dreijähriger Trakehner-Rapphengst Komet, von Goldregen u. d. Kokette von Cancara, aus dem Zuchtgestüt Schmoel wurde als sehr formvollendet und typischer Nachwuchshengst betrachtet und mit einem 1. Preis ausgezeichnet.
Foto: Acht Trakehner Rappen. Ein auf den 42 vorausgegangenen DLG-Ausstellungen noch nie gezeigtes Bild: Acht Rappen einer Zucht! Die Trakehner wurden viel bewundert und erhielten einen 1a-Sammlungspreis. Im Vordergrund die beste Stute der Schau, Polarfahrt, geb. 1940 von Bussard.

Seite 13 Kinder aus Ostpreußen, die ihre Angehörigen suchen.
Wir bitten unsere Leser, diese Suchmeldungen besonders zu beachten. Auch der kleinste Hinweis kann dazu führen, dass Kinder ihre Eltern oder Angehörigen wiederfinden oder dass Eltern Nachricht über den Verbleib ihrer Kinder erhalten.
1. Aus Bersken, Kreis Tilsit-Ragnit sucht Siegfried Balschun, geb. am 10.04.1937, seine Eltern Uschkireit Balschun, geb. 02.04.1917, und Emma Balschun, geb. am 03.04.1914, sowie seine Schwester Erni Balschun, geb. am 02.07.1933.
2. Aus Breitenstein, Kreis Tilsit-Ragnit, sucht Inge Lessing, geb. am 24.10.1938 in Kallwehlen, ihre Eltern Willi Lessing, geb. am 17.07.1899 und Emma Lessing, geb. Hübner, geb. am 25.10.1899. Außerdem werden die Geschwister Kurt Lessing, geb. am 29.03.1930 und Fritz Lessing, geb. am 01.05.1936 gesucht.
3. Aus Eichhorn, Kreis Treuburg, sucht Renate Kalinowski, geb. am 21.06.1938, ihren Vater Eduard Kalinowski, geb. am 27.07.1905.
4. Aus Grünheide, Kreis Treuburg, sucht Ullrich Dannowski, geb. am 25.04.1937, seinen Vater Otto Dannowski, geb. am 23.09.1898.
5. Aus Gumbinnen, Bismarckstraße 88, suchen Edith Quade, geb. am 28.04.1935 in Schloßberg und Waltraut Quade, geb. am 13.10.1940, ihre Mutter Liesbeth Quade, geb. Riegert, geb. am 02.10.1917
6. Aus Königsberg sucht Gerhard Bortz, geb. am 07.03.1937, seine Mutter Herta Helene Bortz.
7. Aus Königsberg, Friesestraße 23, sucht Elsa Bartel, geb. am 14.03.1935, ihren Vater Gustav Bartel, geb. am 29.09.1893
8. Aus Königsberg sucht Detlef Hartmann, geb. am 01.01.1942, seine Mutter Frieda Hartmann, geb. am 15.04.1915
9. Aus Königsberg-Ponarth, Park Friedrichsruh 10/12, suchen die Geschwister Doris Klang, geb. am 22.06.1934, Gerhard Klang, geb. am 19.09.1936, Gerda Klang, geb. am 02.02.1938 und Sigrid Klang, geb. am 05.01.1943, ihren Vater Otto Klang, geb. am 01.03.1908.
10. Aus Königsberg-Spandienen, sucht Elfriede Mitbrodt, geb. am 30.04.1939 in Tilsit, ihre Mutter Gertraud Mitbrodt, geb. etwa 1921.
11. Aus Königsberg suchen Ruth Neumann, geb. am 27.04.1936 und Peter Neumann, geb. am 20.01.1943, ihren Vater Erich Neumann, geb. am 19.05.1914.
12. Aus Königsberg, Ziegelstraße 14, sucht Ulrich Steinke, geb. am 22.07.1935 in Johannisburg, seinen Vater Ernst Steinke, geb. am 31.03.1909
13. Aus Königskirch, Kreis Tilsit-Ragnit, sucht Werner Königstein, geb. am 05.03.1933, seine Mutter Minna Königstein, geb. Sausmikat, geb. am 09.12. (Jahr unbekannt).
14. Aus Peitschendorf, Kreis Sensburg, sucht Oskar Kullick, geb. am 15.04.1933 in Kisenack, seine Mutter Ida Markowski, geb. Kullick, geb. am 30.10.1901
15. Aus Schönfeld, Kreis Sensburg, sucht Erich Retzneck, geb. am 06.12.1937, seine Eltern Emil und Martha Retzneck.
16. Aus Schwalg, Kreis Treuburg, sucht Adolf Burba, geb. am 10.01.1935, seine Mutter Martha Burba.
17. Aus Sensburg sucht Fritz Dreher, geb. am 29.05.1935, seinen Vater Ernst Dreher, geb. am 20.10.1898
18. Aus Sensburg, Aßwallstraße 11, sucht Herbert Nebel, geb. am 16.02.1933 in Sielund, seine Eltern Franz und Herta Nebel, seine Großmutter Berta Nebel und seine Geschwister Gertrud, Waltraut, Walter, Ruth, Horst, Christian und Erwin Nebel.
19. Aus Stadtheide bei Tilsit sucht Manfred Sackautzki, geb. am 24.09.1937 in Tilsit, seine Mutter Martha Sackautzki.
20. Aus Tannau, Kreis Treuburg, suchen Edelgard Augustin, geb. am 08.09.1937, und Adelheid Augustin, geb. am 28.10.1938, ihren Vater Fritz Augustin, geb. am 13.05.1910.
21. Aus Tilsit, Posener Platz 20, suchen Waltraut Peldszus, geb. am 15.04.1935 und Ruth Peldszus, geb. am 05.08.1936 in Tilsit, ihre Mutter Emilie Peldszus, geb. Schmadtke, geb. am 17.11.1906, und ihren Onkel Martin Stragies.
22. Aus Tilsit, Landwehrstraße 19, sucht Günther Rohmann, geb. am 24.06.1934 in Tilsit, seine Mutter Frieda Rohmann, geb. Seewaldt. Die Mutter war zuletzt in der Provinzial-Heilanstalt Tapiau.
23. Aus Tilsit, Langgasse 22, sucht Renate Schulz, geb. am 23.12.1939 in Tilsit, ihren Vater Emil Schulz, geb. am 25.01.1893.
24. Aus Torfelde, Kreis Tilsit-Ragnit, sucht Bruno Neubacher, geb. am 17.03.1936 in Tilsit, seine Mutter Charlotte Richter, geb. Neubacher, geb. im Februar 1910 oder 1911.
25. Aus Wahrendorf, Kreis Sensburg, sucht Christel Lippka, geb. am 18.12.1937 in Wahrendorf, ihre Eltern Franz und Emma Lippka, geb. Strelitz, geb. am 23.01.1907.
26. Aus Wiesenbrück, Kreis Schloßberg, sucht Heinz-Werner Petrat, geb. am 15.12.1939 in Feuchtwiese, seine Mutter Emma Petrat.

Seite 13 Namen von Kindern aus Ostpreußen, die von ihren Angehörigen gesucht werden
1. Aus Buchwalde, Kreis Osterode wird Helga Jenz, geb. im Juni 1938 in Buchwalde, gesucht von ihrer Tante Ella Raffel, geb. Rostek. Am 18. Januar 1945 flüchteten die Eltern Oskar Jenz, geb. 1916 in Ostpreußen sowie Elfriede Jenz, geb. Rostek, geb. am 26.11.1917 in Bochum, mit ihrer Tochter Helga. In Pr.-Holland wurde die Familie zuletzt gesehen. In Buchwalde hatten die Großeltern Rostek eine Landwirtschaft, Helga war oft bei Opa und Oma zu Besuch.
2. Aus Nassawen, Kreis Ebenrode, wird Karl-Fred Walter, geb. am 17.03.1943 in Nassawen, gesucht von seiner Mutter Frieda Walter, geb. Lange, geb. am 26.12.1909. Karl Fred Walter hat sich im Januar 1945 mit seiner Großmutter in Pillau befunden, war damals aber bereits darmkrank. Es ist möglich, dass er Pillau mit einem Schiff verließ. Der Knabe hat blaue Augen und hellblondes Haar. Er trug einen Strickanzug, einen grünen Lodenmantel und eine rote Mütze.

Seite 13 Auskunft wird gegeben.
Über nachstehend aufgeführte ehemalige Wehrmachtangehörige aus Ostpreußen liegen Nachrichten vor; die Angehörigen werden gesucht.
1. Frauenburg: Albert Liedtke, geb. etwa 1914/1916, Beruf: Musiker.
2. Kl.-Preußenwald bei Gumbinnen: Bruno Ludwig, Beruf: Steinsetzter, 1. Pi.-Kp., Inf.-Div. 203
3. Königsberg: Kurt Lemberg, geb. etwa 1917, Beruf: Elektrotechniker
4. Königsberg, Badeanstalt Palästra: Franz Laupichler, geb. etwa 1897, Beruf: Gastwirt
5. Aus der Gegend von Königsberg: Vorname unbekannt. Loosch, (weibl. Person), geb. etwa 1915
6. Königsberg: Vorname unbekannt. Matschuld, geb. etwa 1905/1907, Beruf: Dampfheizungs-Monteur.
7. Ostpreußen: Fritz Lehnert, geb. etwa 1913, SS-Ange.
8. Ostpreußen: Adolf Leider, geb. etwa 1919
9. Ostpreußen: Vermutlich Erwin, Loblin, geb. etwa 1924
10. Ostpreußen: Rudi Mackel, geb. etwa 1918, Beruf: Klempner
11. Ostpreußen: Rudi Matutat, geb. etwa 1922
12. Tilsit: Alfred Littmann, geb. etwa 1910/1912, Beruf: Ingenieur
13. Arys: Walter Unruh, geb. etwa 1915, Berufssoldat
14. Finken bei Landsberg: Gerhard Timm, geb. unbekannt
15. Klein-Marxhöfen, Kreis Ortelsburg: Wilhelm Osigus, geb. etwa 1898, Beruf: Landwirt.
16. Umgebung von Königsberg: Walter Osterloh, geb. etwa 1908
17. Königsberg-Ratshof, Gerlachstraße 436: Kurt Tockhorn, geb. unbekannt, war bei der AEG Bahnhof Königsberg-Nord beschäftigt.
18. Kruttinnen: Max Tomaschewski, geb. am 03.07.1909, Beruf: Sägewerkarbeiter
19. Sulimmen über Gehlenburg, Kreis Johannisburg: Paul Rafael, geb. unbekannt.
20. Ostpreußen: Max Wagner, geb. etwa 1898/1899, Beruf: Landwirt
21. Ostpreußen: Vorname unbekannt. Pieper, geb. unbekannt. Hofbesitzer in Ostpreußen, Fliegermajor und Ritterkreuzträger
22. Ostpreußen: Walter Ukshe, geb. etwa 1905/1907, Beruf: Apotheker, SS-Obersturmführer bei der 8. SS-Kavallerie-Division in Rumänien.
23. Ostpreußen-Masuren, Paul Vogt, geb. etwa 1895, Beruf: Landwirt
24. Ostpreußen: Vorname unbekannt. Pawelowski, geb. unbekannt, zuletzt bei der 10. Batterie des Artl.-Regiments der 336. Div.
25. Allenstein: Max Wallencick, geb. etwa 1906, Beruf: Maurer, verh.
26. Ebenrode: Lothar Pinski, geb. etwa 1915/1920
27. Groß-Schiemanen, Kreis Ortelsburg: Vorname vermutlich Gustav Przygodda, geb. etwa 1914.
28. Insterburg: Vorname unbekannt. Pakleppa, geb. etwa 1914, Offizier.
29. Insterburg: Hans Penzig, geb. etwa 1926
30. Vermutlich aus Königsberg: Vorname unbekannt. Unterbacher oder Unterberger, geb. etwa 1924, Leutnant der Waffen-SS.
31. Königsberg: Kurt Terpeck, geb. etwa 1919, Beruf: Bauschlosser.
32. Vermutlich aus Königsberg: Willi Petzold, geb. etwa 1912
33. Pillau: Vorname unbekannt. Petereit, Oberfeldwebel
34. Tannenberg, Fritz Pohl, Obergefreiter

Seite 13 Auskunft wird erbeten
Über Karl Kemsies, geb. am 03.01.1903 in Angerburg, Berufssoldat, Waffenmeister beim Reiter-Regt. 2, Angerburg

Über den Verbleib oder das Schicksal des Horst Krause, geb. am 01.10.1927 aus Schönwalde über Zinten, Kreis Heiligenbeil.

Über Franz Klang, geb. am 04.10.1929, aus Lichtenhagen bei Königsberg. War 1947 als Zivilinternierter auf der Kolchose Nemmersdorf, Kreis Gumbinnen und soll dort verurteilt worden sein. Wer kann über sein weiteres Schicksal Auskunft erteilen?

Über Frau Minna Gutzeit aus Zinten, Memellandstraße 2.

Über Kurt Kreuzer, geb. 1898, aus Königsberg, Stägemannstraße 38

Über Witwe Helene Schenkewitz, geb. Gnaß, geb. am 11.01.1895, aus Königsberg, Richardtstraße 3a

Über Schwester Edith Marzian aus Tilsit.

Über Erich Georg Briese, geb. am 26.11.1910 in Löwenstein, Ostpreußen, letzte Nachricht Dezember 1944 aus dem Kreis Schloßberg, Feldpostnummer unbekannt.

Über Frau Auguste Fechter, geb. am 05.10.1896, Heimatanschrift: Bärenwinkel

Über Lina Grigorjeff oder Gregorjeff, geb. Nowak, aus Hallenfelde, Kreis Goldap.

Über Obergefreiten Gustav Hahn, geb. am 25.04.1904, Heimatanschrift: Altstadt, Kreis Mohrungen, letzte Feldpostnr. 56 385, und dessen Sohn, Matrosen-Obergefr. Emil Hahn, geb. am 20.01.1924, letzte Feldpostnr. 43 640

Über Unteroffizier Fritz Lippow, geb. am 15.10.1917 in Königsberg, letzte Feldpostnr. 01 354 B, vermisst seit 16.07.1944 bei Laza.

Über Landwirt Ludwig Radtke, geb. am 04.07.1888 aus Sentken, Kreis Lyck, wurde im Oktober 1944 zum Volkssturm gezogen, letzte Nachricht vom 13.01.1945, zuletzt gesehen in Heiligenbeil.

Über Feldwebel Walter Radtke aus Sentken, Kreis Lyck, Feldpostnr. 44 392 B. Letzte Nachricht vom 13.01.1945, aus dem Mittelabschnitt der Ostfront.

Über Schwester Marie Schimmelpfennig, jetzt etwa 70 Jahre alt, und 1916 im Johanniter-Krankenhaus in Neidenburg gewesen.

Über Frau Anna Simon aus Hussehnen, Kreis Pr.-Eylau

Über Frau Emma Skodda aus Warweiden, Kreis Osterode

Über Schuhmachergeselle Erich Springer aus Tilsit, Yorckstraße.

Gesucht wird Erna Hildegard Fischer, geb. 27.11.1927 (?), aus Groß-Illmen, Kreis Angerapp. Sie wurde am 22.01.1945 auf der Flucht bei Bartenstein von ihren Eltern getrennt.

Gesucht wird Feldwebel Adolf Georg Riehl, geb. 10.05.1907 in Arklitten, Kreis Gerdauen, später wohnhaft gewesen in Heilsberg, Hindenburgstraße 16. Die letzte Nachricht stammt aus Galatz (Rumänien).

Gesucht wird August Wischkowski, geb. etwa 05.01.1907, Melker aus Lichtenhagen, Kreis Samland. Wischkowski wurde am 01.03.1945 verschleppt.

Hallo,

kennt sich jemand aus mit ostpreussischen Dialekten, oder interessiert sich jedenfalls dafür? Ich habe eine Hypothese und würde gern wissen, ob ich da richtig liege. Als ich neulich eine ältere Fernsehaufnahme sah, wo jemand einen ostpreussischen Dialekt sprach, fiel mir auf, dass der Mann durchgehend im Imperfekt redete. Und dass meine Oma das auch
immer tat. Sie sagte z.B. "der Blumentopf fiel runter". Was ich etwas ungewohnt fand, die meisten Leute sagen doch "...ist runtergefallen". Man redet eher im Perfekt, z.B.: "er ist gekommen" oder "sie hat gesagt". Aber der Ostpreusse in der Fernsehsendung, genau wie meine Oma, redete durchgehend im Imperfekt: "und dann hielt er..... und er sagte...." usw.

Hat jemand mal so was gehört? Dass es zur ostpreussischen Mundart gehört im Imperfekt zu reden?

/Andrea

Hallo Andrea,

es geht aus der Anfrage (s. a. Betreff) nicht eindeutig hervor, ob dies bekannt ist: Einen *ostpreu�ischen Dialekt* gab es nicht. Das Masurische (volkst�mlich: Polnische) und das Litauische einmal ausgeschlossen, gliederte sich die Mundartenlandschaft Ostpreu�ens in ein Gebiet mitteldeutscher Dialekte (Ermland, Oberland) und ein gr��eres Gebiet niederdeutscher Dialekte. Die Fachbegriffe f�r die mitteldeutschen Mundarten lauten 'Hochpreu�isch' und f�r die niederdeutschen Mundarten 'Niederpreu�isch'. Wegen der Unterschiedlichkeit der Dialekte k�nnen keine einheitlichen Aussagen gemacht werden.

Die meisten Dialektbeschreibungen gehen in allen Einzelheiten auf die Lautlehre (Aussprache von Vokalen und Konsonanten) ein, dazu noch auf die Formenlehre der Wortarten. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Bildung der Zeiten eingegangen, aber kaum auf ihren Gebrauch.

F�r das moderne [!] Niederdeutsch findet sich in einer neueren Publikation der Hinweis, dass das Perfekt in m�ndlicher Erz�hlung benutzt werde, das Imperfekt (heute meist Pr�teritum genannt) jedoch in schriftlicher Erz�hlung. Es wird wohl eher so sein, dass das Perfekt zum Zuge kommt, wenn es um Aktivit�ten geht, die noch nicht allzu lange zur�ck liegen (siehe auch u. a. den Gebrauch des englischen 'present perfect' f�r Handlungen in der j�ngeren Vergangenheit, die sich noch auf die Gegenwart auswirken) und das Imperfekt/Pr�teritum dient der Wiedergabe von abgeschlossenen Handlungen, die schon l�nger zur�ck liegen (eindeutige Vergangenheitssituation). Das w�re dann aber nichts typisch Ostpreu�isches.

Rolf-Peter

Japp.... ich bin selbst Sprachlehrerin, vergesse aber fast mein Deutsch
inzwischen, weil ich seit über 20 Jahren im Ausland lebe. Das nur als
Erklärung warum mein Deutsch inzwischen etwas .... unbeholfener geworden
ist.

Was du sagst, ist ja das "Allgemeine": Das Perfekt wird mehr mündlich,
in der Umgangssprache angewendet. Und eventuell auch wenn die Handlungen
noch nicht lange zurückliegen. Obwohl ich das eigentlich im Deutschen noch nicht
so festgestellt habe. Im Englischen ist es so, im Schwedischen ist es auch so.
Aber Imperfekt (oder Präteritum) durchgehend in der Umgangssprache ist
ja eigentlich im Deutschen nicht üblich und ich hatte es für eine Marotte meiner Oma
gehalten. Oder für ihr Bedürfnis einen besonders kultivierten Eindruck zu machen.

Aber dann hörte ich noch jemanden, der so sprach. Meine Erfahrung ist auch, dass
grammatikalische Besonderheiten oft ihre Ursachen in anderen Sprachen haben - bei
zweisprachigen Menschen. Z.B. Iren haben ein paar Aspekte gälische Grammatik in
ihrem Englisch. Kann es aus der polnischen Grammatik kommen? Weiss jemand, ob
man im Polnischen im Imperfekt redet?

/Andrea

Andrea,

dem liegt wohl die Vorstellung zugrunde, das Ostpreu�en durchweg zweisprachig gewesen ist. Dies war aber nicht der Fall.

Masurisch (bei den Masurisch-Sprechern 'Polnisch' genannt) war noch zur Kaiserzeit im ostpreu�ischen Landesteil Masuren verbreitet, ausgehend von den dortigen Landst�dten und gest�tzt durch den Schulunterricht, setzte sich aber danach immer mehr das Deutsche durch. Die Eltern meines Gro�vaters m�tterlicherseits, die aus Masuren stammten, sprachen au�er Deutsch noch Masurisch. Ihr Sohn, mein Gro�vater, verstand es noch. Litauisch wurde in der nord�stlichen Ecke Ostpreu�ens (besonders auf dem Lande) noch gesprochen, neben Niederdeutsch als Umgangssprache. Hochdeutsch lernten alle in der Schule. Im gro�en "Rest" Ostpreu�ens sprach man nur Deutsch. Insofern kann eine Zweitsprache auch nicht die Strukturen deutscher Dialekte oder der deutschen Hochsprache beeinflusst haben.

Es gibt eine ganze Reihe von Ver�ffentlichungen zu den deutschen Mundarten Ostpreu�ens. Wenn Du Dich daf�r in Einzelfragen interessierst, solltest Du sie vielleicht einmal einsehen.

Rolf-Peter

Hallo Rolf-Peter,

nein, die Vorstellung hatte ich nie. Meine Mutter und ihre Familie waren
jedenfalls auch nicht zweisprachig. Das ist aber auch eigentlich nicht
notwendig, dass ein grosser Anteil der Bevölkerung zweisprachig ist. Wenn
man z.B. mit Irland vergleicht - da spricht nur ein ganz kleiner Anteil der
Bevölkerung Gälisch, und trotzdem ist die gälische Grammatik im Englisch
der Iren. Ich will euch jetzt nicht mit Beispielen langweilen, aber so ist es.

Natürlich waren die Leute ursprünglich, irgendwann mal, zweisprachig.
Bzw. es gab einen langsammen Wechsel der Sprache, eine Umstellung.
Oft scheint es so zu sein, dass die Menschen gerade nicht mehr zwei-
sprachig sind, wenn ihre Sprache Merkmale der anderen Sprache dabei hat.
Aber auch, wenn zwei Sprachgruppen nebeneinander her leben, können
sie einander beeinflussen.

Hallo Andrea,

die sprachliche Situation in Irland ist uns beiden bekannt. Sie ist mit der in Ostpreu�en auch nicht ansatzweise vergleichbar, selbst dann nicht, wenn man das Altpreu�ische (die ausgestorbene Sprache der Pru�en) mit einkalkuliert. Es gibt hinreichend viele Dialektliteraturbelege aus verschiedenen ostpreu�ischen Gegenden. Die k�nntest Du Dir besorgen und untersuchen. Mit Vermutungen kommt man im Bereich der Sprachen nicht weiter.

Zun�chst einmal solltest Du in dem Gebiet anfangen, aus dem Deine Oma stammt. Du hast uns dar�ber noch nichts verraten, so dass wir Au�enstehende sowieso nur 'im Nebel stochern' k�nnen.

Rolf-Peter

Hallo,

meine Oma stammt aus Heilsberg. Sicher, ich kann mir Literatur dazu besorgen.
Aber das dauert ja etwas, das ist eine längre Aktion dann. Aber wie meinst du,
dass die Situation nicht zu vergleichen ist?

Aha, nun k�nnen wir zumindest feststellen, dass Deine Oma aus dem katholischen Ermland stammt. Heilsberg geh�rte zu dem Bereich des Breslauschen. Dort wurde also eine hochpreu�ische/mitteldeutsche Mundart gesprochen, kein Niederdeutsch/Niederpreu�isch. Ich wei� nicht, ob Dir diese Zuordnung deutscher Dialekte (grob: in S�ddeutschland Oberdeutsch, in einem Mittelstreifen Mitteldeutsch und n�rdlich der sogenannten maken/machen-Linie Niederdeutsch <auch Plattdeutsch genannt>) irgend etwas sagt.

In alten Zeiten wurde in einem gr��eren Teil des sp�teren Ostpreu�en das Pru�ische (auch Altpreu�isch genannt) gesprochen, eine ausgestorbene baltische Sprache. Das hei�t also, anders als in Irland, gab es Gebiete, in denen die urspr�ngliche Sprache nicht gesprochen wurde. Ostpreu�en wurde dann in der Zeit des Deutschen Ordens zun�chst durch Siedler aus dem Westen des heutigen Deutschland punktuell besiedelt (wir sprechen von Siedlungshorsten). Diese Siedler brachten ihre jeweiligen Mundarten in die neue Heimat mit. Ausgehend von den Siedlungshorsten wurde dann das Land dazwischen besiedelt. Es trafen sp�ter auch Siedler ein, die unterwegs schon eine l�ngere Zwischenstation eingelegt hatten.

Wegen der unterschiedlichen Herkunft kam es dann zu Gebieten, in denen unterschiedliche Mundarten gesprochen wurden. Bisweilen nahmen Siedler auch den Dialekt ihrer Nachbarn an.

Auch unterschiedliche territoriale und religi�se Zugeh�rigkeiten spielten in Ostpreu�en eine Rolle. So gab es beispielsweise eine scharfe Dialekttrennung zwischen dem katholischen Ermland (hochpreu�isch) und dem protestantischen Natangen und Barten (niederpreu�isch).

Wie man sieht, ist es also nicht so einfach wie in Irland, wo das Englische (als die Sprache der erobernden Herren) auf dem Substrat des Irischen (der Sprache der dort ans�ssigen Bev�lkerung) existierte.

--Rolf-Peter

Danke, das ist ja soweit ganz interessant. Andererseits fand ich es erstmal
vor allem interessant, ob es so ein Phänomen überhaupt gibt (also die
relativ häufige Anwendung des Imperfekts). Was es genau für ein Dialekt
ist, das ist dann eine spätere Frage. Und es müsste doch schwer sein, das
überhaupt abzugrenzen, wenn es da so viele verschiedene gibt.