Folge 29 vom 16.07.1955
Seite 4 Ein deutsches Arztschicksal
Am 20. Juni 1955 begann für den 66 Jahre alten Dr. Martin Claus, Hautspezialist aus Berlin, ein neues Leben. Er stieg aus dem großen Überseeflugzeug und stand auf amerikanischem Boden, um gleich darauf seine nächsten Angehörigen in die Arme zu schließen. Die elfjährige Enkelin hatte er bis zu diesem Tage noch nie gesehen. Und Frau und Tochter waren ihm während der langen Trennung schon fast Unbekannte geworden. Zehn Jahre waren nämlich vergangen, seit ihn die sowjetischen Besatzungsstreitkräfte verhafteten und in das berüchtigte KZ Sachsenhausen einlieferten. Fünf Jahre hielten ihn die Sowjets dort fest. Da er als Lagerarzt eingesetzt wurde, konnte er aufschlussreiche Angaben über den Gesundheitszustand der Häftlinge machen, als er seine Freiheit wieder erlangte. Er berichtete, dass besonders Tuberkulose unter den 14 000 Lagerinsassen stark verbreitet sei, und zehn von elf Häftlingen, die an dieser Krankheit litten, starben.
Das Lager Sachsenhausen, führte er aus, sei in erster Linie mit Deutschen belegt, obwohl es jedoch auch etwa siebenhundert sowjetische Inhaftierte gäbe, die von den Besatzungsbehörden der Sowjetzone zu Strafen verurteilt seien. Die medizinische Behandlung entspreche in gar keiner Weise den modernen Errungenschaften auf diesem Gebiete und sei mit den Bestimmungen der Genfer Konvention über die Behandlung von Gefangenen nicht vereinbar.
1950 wurde Dr. Claus den kommunistischen Behörden des sowjetischen Sektors von Berlin übergeben, die ihn als Kriegsverbrecher und Teilnehmer am Sterilisierungsprogramm der Nazis anklagten. Dr. Claus verteidigte sich unwiderlegbar, in dem er bewies, dass er mit diesen Dingen nicht das Geringste zu tun gehabt habe. Der Staatsanwalt behauptete jedoch einfach, dass er Freunde gehabt haben müsse, die an diesem Programm beteiligt gewesen seien, und so verurteilte ihn das Gericht zu 25 Jahren Zuchthaus in Waldheim. Die ganze Verhandlung habe eine Viertelstunde gedauert, berichtete Dr. Claus. Eine Viertelstunde, die über das Leben eines unschuldigen Menschen entschied. Er hatte bei allem Unglück noch das Glück, während der im Jahre 1954 erfolgten Teilamnestie entlassen zu werden. Im Westsektor Berlins kurierte er sich aus und sieht heute wieder gesund aus. Über die gestohlenen Jahre seines Lebens spricht er ohne Hass, mit äußerster Sachlichkeit. Im Kreise seiner Familie, die inzwischen nach den Vereinigten Staaten ausgewandert ist und ihn nun auf dem Flugplatz Washington in die Arme schließen konnte, wird Dr. Claus einen neuen Lebensabschnitt beginnen, ein Leben in Freiheit weitab von den Segnungen des roten Regimes.
Seite 5 Drüben lag die Mandschurei. Landsmann Masuhr war im fernsten Asien. Arbeitssklaven, Tiger und Gold
Bild: Gerda Masuhr, die Schwester des Erzählenden mit anderen Schicksalsgefährtinnen bei der Arbeit in Sibirien. Die Frauen müssen schwere Holzarbeiten verrichten.
Dritte Fortsetzung
Johannes Masuhr aus Klausmühlen bei Memel, vor wenigen Wochen aus sowjetischer Gefangenschaft in Sibirien zurückgekehrt, wurde im April 1947 in Heydekrug im Memelland zu zehn Jahren Straflager verurteilt. Er sollte ein Partisan gewesen sein. Als Verbrecher wurde der Sechzehnjährige in den östlichen Teil Sibiriens, an die Grenze der Mandschurei gebracht. Dort arbeitete er als Holzfäller in den riesigen Urwäldern. Er lebte achteinhalb Jahre unter Angehörigen aller Völkerschaften Asiens. Seine Mutter und seine Schwester aber befinden sich immer noch in der Verbannung in Mittelsibirien. An den Ufern des Jennissei arbeiten sie in einem Sägewerk. Dies berichtet Johannes Masuhr:
Unruhige Nächte
In einer Woche sollte es soweit sein. Wir wollten fliehen. Munition und etwas Verpflegung hatten wir uns auf dunklen Wegen besorgt und im Walde bei unserer Arbeitsstelle versteckt. In den letzten Tagen war ich sehr nervös und hatte Angst vor den Folgen unseres Planes. Ich schlief keine Nacht mehr. Immer wieder schreckte ich auf und fühlte, wie mir der kalte Schweiß ausbrach. Was würde geschehen, wenn uns jemand bei unseren Unterhaltungen belauscht hätte oder wenn die MWD das Versteck im Walde zufällig finden würde? Dem Litauer ging es genau so wie mir. Nur Ushumato war gleichmütig wie immer und lächelte in sich hinein.
An dem Tage, an dem wir fliehen wollten, schien anfangs alles zu klappen. Ich trat mit den beiden Kameraden zusammen an und wurde mit ihnen an einen Arbeitsplatz gestellt. Wir wollten gegen Mittag, wenn die Arbeit für eine halbe Stunde ruhte, im Walde verschwinden. Doch kurz vor der Mittagszeit rief mich der Natschalnik und teilte mich einer anderen Gruppe als Holzfäller zu. Wieder schien alles quer zu gehen. Hatte man uns verraten?
Plötzlich fielen Schüsse
In der Mittagspause hörten wir plötzlich Schüsse im Wald. Wir fuhren zusammen. Die MWD-Soldaten, die uns bewachten, liefen verstört hin und her. Alle Häftlinge wurden auf unserer Lichtung zusammengetrieben. Es wurde abgezählt. Ushumato und Vyskopaitis fehlten. Ein paar Soldaten schwärmten aus und suchten den Wald ab. Sie kamen schon nach ein paar Minuten zurück und schleppten zwei Tote mit sich. Es war ein Krimineller, der bei der MWD als zuverlässig galt und als Hilfsposten, mit einem Gewehr ausgerüstet, uns bewachte, und ein junger MWD-Soldat, der gerade ein Jahr diente.
Wir wurden mit großer Eile in das Lager zurückgetrieben. Die Posten wurden alarmiert und sprangen auf Lastwagen, die der Taiga zurasten. Tagelang haben die Soldaten und auch ein paar Trapper gesucht. Auch Hunde hatten sie dabei. Von Vyskopaitis und Ushumato fehlte jede Spur.
Spurlos im Urwald verschwunden
Die beiden hatten dem Häftling, der sie bewachte, den Schädel eingeschlagen und ihm das Gewehr abgenommen. Dann erschossen sie den Soldaten und nahmen ihm die Maschinenpistole fort. Alles war so schnell gegangen, dass die anderen Posten erst aufmerksam wurden, als die Schüsse knallten.
Die Suchkommandos streiften bis weit in die Taiga hinein. Sie stießen auf ein Blockhaus. Es lag in der Richtung, in der der Litauer und der Japaner geflohen waren. Vor der Tür der Hütte lag der Trapper. Er war erschossen. In der Hütte lagen die Frau und das sechsjährige Kind in ihrem Blut. Vyskopaitis und Ushumato hatten diese Menschen umgebracht, um keine Zeugen zu hinterlassen, die etwas über ihre Flucht aussagen konnten.
Die Suchkommandos haben die beiden nicht gefunden. Vielleicht ist ihnen die Flucht tatsächlich geglückt.
Mutter schreibt aus Sibirien
Bald nachdem dies geschehen war, wurde Johannes Masuhr mit einigen anderen Häftlingen einer Etappe zugeteilt. Wieder ging es auf die Reise in den Viehwaggons, in denen die Gefangenen, bis zu sechzig Mann zusammengepfercht, tagelang leben mussten. Über Buchtewanina ging die Fahrt diesmal nach Westen. 12 Tage war die Etappe unterwegs, bis man die Gefangenen in Krasnojarsk, einer Stadt in Mittelsibirien, auslud. Johannes Masuhr wurde nach Reschote, einer kleinen Stadt zwischen Krasnojarsk und Irkutsk transportiert. Dort war seine Reise vorläufig zu Ende. Ein neues Lager nahm ihn auf.
Dieses Lager mit der Nummer 235/11/1 war nicht so groß, wie das Chabarowsker. Auch hier arbeitete ich im Walde, nur dass wir hier Motorsägen zum Fällen der Bäume gestellt bekamen. Auch die Verpflegung war besser als in Buchtewanina und Chabarowsk. Ich war im Sommer 1951 nach Reschote gekommen. Schon nach vier Monaten erhielt ich wieder einen Brief von meiner Mutter. Diesmal kam er aus der Gegend von Irkutsk am Baikalsee in Sibirien. Ich glaubte meinen Augen nicht trauen zu können.
Hier müssen wir sterben
Das stand in dem Brief:
Wir wurden Ende 1948 von Petrellen abtransportiert. Ein paar Tage davor haben wir deine Großmutter begraben müssen. Bei der Miliz sagte man uns, wir kämen fort, weil du ein Verbrecher bist. Jetzt leben wir schon drei Jahre in Sibirien. Bei mir ist deine Tante U. und deine Schwester. Wir leben in keinem Lager, sondern sind Verbannte und sind in einem Dorf nicht verlassen. Deine Schwester und Tante U. müssen im Walde Männerarbeit machen. Ich brauche seit einem Monat nicht mehr zu arbeiten, sondern führe den Haushalt. Wir haben alle drei ein Zimmer. Als wir noch vier waren, war es sehr eng. Jetzt aber, nachdem deine Kusine H. gestorben ist, ist mehr Platz.
Ich sehne mich so nach der Heimat und muss immer an die Zeit denken, wo wir alle noch auf unserm Hof in Klausmühlen lebten. Damals war es doch so schön. Wir haben es nur nicht gewusst, wie gut es uns ging. Damals war auch noch dein Vater bei uns. Wo mag er heute sein? Ich habe seit seinem letzten Brief kurz vor Kriegsende nichts mehr von ihm gehört. Ob er noch am Leben ist?
Mein lieber Sohn, ich bete jeden Abend für dich. Verzage nicht! Auch für dich wird einmal die Stunde der Freiheit schlagen. Ich weiß nicht, ob wir uns noch einmal wiedersehen werden. Unser Natschalnik hat mir gesagt, wir müssen hier bleiben bis wir gestorben sind.
Jetzt durfte ich auch an meine Mutter schreiben, denn sie war ja in der UdSSR. Bis zu meiner Entlassung bekam ich regelmäßig Post von der Mutter oder von meiner Schwester. So weiß ich ganz genau, wie die beiden dort am Baikalsee leben.
In dem Verbanntendorf, in dem die Schneidemühle steht, in der meine Schwester und die Tante seit 1953 arbeiten, leben viele verbannte Deutsche, die bei Kriegsende nicht mehr ins Reich flüchten konnten. Meist sind es Frauen. Sie können sich an ihrem Wohnort frei bewegen und erhalten für ihre Arbeit auch eine Bezahlung.
Mutter schickte Bilder
In einem dieser Briefe lagen auch Aufnahmen bei, die einer der russischen Vorarbeiter von meinen Familienangehörigen gemacht hatte. Ich bekam sie anstandslos ausgehändigt und es gelang mir auch, sie durch alle Filzungen bis nach Deutschland durchzubringen. Meine Mutter und die Tante habe ich auf diesen Bildern kaum erkennen können. Sie sahen so ganz anders aus, als ich sie in der Erinnerung hatte. Sie hatten schon einen sibirischen Zug im Gesicht. Das muss wohl an der Umgebung und an der Kleidung liegen, denn auch im Lager konnte man kaum noch Deutsche von Russen unterscheiden.
1953 endlich bekam ich auch einen Brief aus Deutschland. Er war von meinem Vater. Er schrieb mir, dass er nach Kriegsende in englischer Gefangenschaft gewesen sei und in Eckernförde an der Ostsee in Schleswig-Holstein lebe. In seinem Beruf als Landwirt hat mein Vater keine Arbeit gefunden. Er schlug sich mit Hilfsarbeiten durch und war oft arbeitslos. Er schrieb sehr erstaunt darüber, dass ich in Gefangenschaft war und konnte sich das nicht erklären, da er wusste, dass ich nicht Soldat geworden war. Ich konnte ihm aber nicht mitteilen, aus welchem Grunde ich im sibirischen Lager saß.
Diesen Brief meines Vaters habe ich dann gleich an meine Mutter weitergeschickt. Sie hat auch an ihn geschrieben. Aber es kam nie eine Antwort. Heute weiß ich, dass dieser Brief der Mutter meinen Vater niemals erreicht hat. Meine Mutter aber schrieb mir, dass sie jetzt jede Kopeke sparen, um das Reisegeld nach Deutschland zusammenzubekommen. Sie müssen die Fahrt selbst bezahlen und hoffen, dass sie bald zurückkehren können.
Bis 1952 waren wir im Lager Reschote mit Kriminellen zusammen. Die meisten von diesen Kerlen waren Jugendliche vom 16. Lebensjahr ab. Manche hatten zehn Jahre bekommen, die meisten aber waren zu Strafen von fünfzehn bis zu fünfundzwanzig Jahren verurteilt. Diese Verbrecher übten eine Schreckensherrschaft aus. Sie waren Vertrauensleute der MWD und dünkten sich Menschen höherer Klasse, als die Politischen, zu denen auch ich gehörte.
Das kam daher, weil all diese Kriminellen Jungkommunisten gewesen waren und zu der Kategorie derer gehörten, die man nach leninistischer Lehre für besserungsfähig hält, während Politische nach Ansicht der Bolschewisten kaum zu bessern sind.
Berufsverbrecher
Unter den Urki und Produrki, wie man sie nennt, gab es viele Mörder. Diese Menschen hatten oft schon als Kinder gemordet. Sie gehörten zu dem Heer der Millionen von Besprisornikis. Das sind Kinder, die keine Eltern mehr haben und aus den Heimen, in denen sie vom Staat erzogen werden, ausbrachen. Sogar der Sibirien-Expreß wird hin und wieder von einer nach Hunderten von Kindern zahlenden Schar bewaffneter Besprisorniki angehalten und die Reisenden ausgeraubt. Wer sich widersetzt, wird von den Kindern erschossen. Die Besorisorniki sind noch heute in Russland eine Landplage und erhalten dauernd Zuzug aus den staatlichen Erziehungsanstalten.
Im Lager erkannte, man einen Urka daran, dass er sich vor jeder körperlichen Arbeit drückte, sehr selbstbewusst auftrat und einen starken Tee trank, wann immer er konnte. Dieser Tee, er heiß in der Lagersprache, Tschifir, war so stark, dass man davon betrunken wurde. Die Urki hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Jeder Neuzugang aus dem Lager für kriminelle Jugendliche war schon tagelang vorher in den Kreisen der Banditen bekannt.
Sie spielten um einen Kopf
Ein Mensch ist weniger wert als ein Hund, sagte eines Tages einer dieser Kerle zu mir. Du bist noch weniger als ein Mensch, du Politischer, deshalb machst du meine Arbeit mit. Tust du es nicht, bis du morgen kalt.
Ich war gewarnt worden und wagte nicht, diesem schmächtigen Bürschchen von sechzehn Jahren zu widersprechen. Hätte ich es getan, wären in der Nacht die Urki über mich hergefallen. Ich wäre nicht am Leben geblieben. So schuftete ich für den Jungen mit.
Die Urki, es waren mehrere in meiner Brigade, saßen, während wir arbeiteten, am Waldrand und spielten Karten. Das war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Gegen Mittag hatte der Junge, der mich anpöbelte, sein ganzes Geld verspielt. Wir machten eine Pause und saßen in der Nähe der jugendlichen Verbrecher.
Die Urki stritten sich.
Kein Geld mehr? Fragte der Anführer der Banditen. Kleinigkeit, Mischa. Spielen wir eben um ein Köpfchen.
Gute Idee, meinte der Sechszehnjährige. Verliere ich, muss ich ein Köpfchen abschneiden, gewinne ich, musst du es tun!
Der Sechzehnjährige verlor das Spiel. Er stand auf und kam auf mich zu.
Gib mir die Axt, forderte er. Ich zögerte. Die Axt, du politisches Schwein. Jetzt sollst du mal sehen, wie Urki arbeiten.
Er bekam die Axt. Bis zum Abend arbeitete der Kerl mit mir im Walde. Er schlug den gefällten Bäumen die Äste ab. Geschafft hat er kaum etwas. Er war eben ein Urka und hatte zwei linke Hände.
Am anderen Morgen herrschte im Lager große Aufregung. Vor einer Baracke lag ein Mann. Er war tot. Der Kopf fehlte. Es war einer der Rabotiages, wie man die noch leistungsfähigen Zwangsarbeiter im Lager bezeichnete. Wir rückten an diesem Tage nicht zur Arbeit aus. Alle Brigadiere wurden vom Kommandanten verhört. Niemand sagte, was wir am Tage vorher von den Urki gehört hatten. Auch die Brigadiere fürchteten die Rache der Verbrecher. Uns allen aber war klar, dass der Sechzehnjährige in der Nacht gemordet hatte, weil er einen Kopf beim Kartenspiel verlor. Der Mann, den er erschlug, galt in seiner Baracke und auch unter den anderen Häftlingen als ein Gegner der Urkiherrschaft im Lager.
Schließlich aber kam die Wahrheit doch heraus. Der sechszehnjährige Mörder wurde zum Kommandanten geschleppt. Vor dem MWD-Offizier rühmte er sich höhnisch lachend seines scheußlichen Verbrechens. Er bekam dann zehn Jahre dazu und wurde in ein anderes Lager gebracht. Von seinen Verbrecherkameraden aber wurde er gefeiert wie ein Held. Man sprach noch lange in Urkikreisen von seiner kühnen Tat.
Wolgadeutsche Tragödie
In Reschote traf ich auch einen Wolgadeutschen. Er hieß Alexander Drippel und war in der Nähe von Samara geboren. Von ihm erfuhr ich einiges über die Leidensgeschichte der Wolgadeutschen, die mit der bolschewistischen Revolution im Jahre 1918 begann.
An beiden Ufern der unteren Wolga zwischen Saratow und Kuibyschew, dem früheren Samara, gab es im Jahre 1941 eine starke Kolonie von Deutschen meist schwäbischer Herkunft. In der Regierungszeit der Zarin Katharina II. wurden in den Jahren 1764 bis 1773 etwa 400 000 Deutsche in diesem Gebiet angesiedelt. Sie waren Besitzer größerer Bauernhöfe und machten durch ihre Tüchtigkeit aus dem brachliegenden Land zu beiden Seiten der Wolga ein fruchtbares Gebiet, das oft als der Garten Russlands bezeichnet wurde.
Im Jahre 1914 betrug die Zahl dieser von den Zaren mit besonderen Rechten ausgestatteten Kolonisten etwa 600 000. Die Revolution vom Jahre 1917 und die sich daran anschließenden Kämpfe zwischen Weiß und Rot, die auch über das Land der Wolgadeutschen hinweggingen, verminderten die Anzahl der Ansiedler beträchtlich. 1936 lebten in dem Gebiet zwischen Saratow und Kuibyschew noch etwa 400 000 Menschen in der von den Bolschewisten gegründeten Wogadeutschen Sowjetrepublik. Als im Jahre 1941 die deutschen Armeen bis zur Wolga vorstießen wurde das Gebiet der Wolgadeutschen Republik auf Anordnung der Moskauer Regierung geräumt.
Auch Alexander Drippel wurde mit seinen Eltern und allen Nachbarn 1941 aus dem Land, in dem ihre Familien seit zweihundert Jahren gelebt und gearbeitet hatten, vertrieben. Er erzählte mir, dass die Familien damals auseinandergerissen wurden, dass man alle jungen Männer zur großen Arbeitsarmee (Trud-Armia) eingezogen und sie an vielen Orten Russlands und Sibiriens zur Arbeit eingesetzt hätte.
Die nicht zur Arbeitsarmee gepressten Leute wurden abtransportiert, viele von ihnen wurden in der Gegend der Stadt Krasnojarsk am Jenisseistrom in Mittelsibirien angesiedelt. Wie schon ihre Vorfahren vor 200 Jahren mussten sie in der Wildnis ihre Ansiedlung selbst aufbauen und das Land urbar machen. Drippel berichtete auch, dass seine Angehörigen wie alle anderen Wolgadeutschen den Ort, an dem man sie angesiedelt hatte, nicht verlassen durften. Wöchentliche Kontrollen ihrer Anwesenheit werden durch die Miliz durchgeführt.
Die jungen Leute aber, mit denen Alexander Drippel die Wolgadeutsche Republik verlassen musste, waren zum großen Teil noch nicht zu ihren Angehörigen zurückgekehrt. Er sagte mir, dass von 60 000 Wolgadeutschen, die zur Arbeit bei der Arbeitsarmee gepresst wurden, heute nur noch knapp siebentausend leben sollen.
Obwohl Alexander Drippel, wie alle Wolgadeutschen, die ich in der Gegend von Krasnojarsk kennenlernte, das Russische nur gebrochen und mit stark deutschem Akzent sprach, waren diese Leute bei den Russen sehr geachtet. Viele junge Wolgadeutsche waren im Gebiet von Krasnojarsk gesuchte Arbeitskräfte. Russen erzählten mir, dass es den Wolgadeutschen an ihren Verbannungsorten viel besser geht als den russischen Verbannten. Sie führten das auf die außerordentliche Tüchtigkeit der Wolgadeutschen zurück. Fortsetzung folgt.
Seite 5 Warum Sabotage?
Kürzlich traf in Mettingen Frau Christel Kahnert, geb. Müller, ein, die elf Jahre lang eine grausame Leidenszeit in russischer Gefangenschaft durchstehen musste. Sie war 32 Jahre alt, als die Russen sie aus ihrem Heim in Friedland 1945 verschleppten. Mehrere Lager lernte sie kennen; 1948 wurde sie in den hohen kalten Norden des Riesenreichs gebracht. Zwei Jahre später musste sie Zwangsarbeit im nördlichen Teil Sibiriens verrichten; sie war durch ein Kriegsgericht verurteilt worden. In einem Lager kreiste ein Gedicht, das die Tyrannei der Sowjets anprangerte. Alle, die in den Verdacht kamen, dies Gedicht zu kennen, erhielten Zwangsarbeit wegen Sabotage. Im gleichen Lager befand sich die Schwester von Frau Kahnert, der aber das Glück widerfuhr, entlassen zu werden. Frau Kahnert musste noch nach Beendigung der völlig willkürlich verhängten Strafe ein Jahr in Sibirien verbringen, bis endlich die Reisepapiere aus Moskau einliefen. Sie lebt heute bei ihrer Schwester in Mettingen in der Sunderstraße.
Seite 6 Gumbinnen
Die Kreisgemeinschaft beklagt den plötzlichen Tod von zwei treuen Landsleuten:
Gärtnereibesitzer Hans Buchholz, geb. 19.12.1883, gestorben 15.05.1955 in Berlin; Lehrer Emil Muess, geb. 16.04.1892, gestorben 25.06.1955 in Reichenbach/Fils. Die Kreisgemeinschaft wird ihnen ein ehrendes Andenken bewahren.
Seite 6 Suchanzeigen
Für die Schadensfeststellung werden noch weitere frühere Miteinwohner folgender früherer Königsberger Grundstücke gesucht: 1. Königsberg Pr., Kalthöfsche Straße 13; 2. Königsberg Pr., Neue Dammgasse 28a, Eingänge A und B. Nachricht erb. Hans Werner, Rickling, Holstein, Kreis Segeberg, Haus Lindenhof 8
Deutsche Lufthansa Werkstätten Königsberg Pr.! Suche ehemalige Angehörige der DLH Verw. Paul Jurgeleit, Essen-Steele, Lohmühlental 34
Wer kann Auskunft geben über Frau Auguste Bärwald, geb. Päetsch, aus Albehnen bei Brandenburg, Kreis Heiligenbeil? Nachricht erb. Anton Schröter, Stockach, Baden, Hauptstraße 30, früher Plaßwig, Kreis Braunsberg, Ostpreußen.
Gesucht wird Johann Bilitza, geb. 1901, letzte Nachricht vom August 1944, aus Rumänien. Feldpostnr. 09 969. Nachricht erb. Bilitza, Mainz-Gonsenheim, Möldersstraße 5, früher: Angerburg, Ostpreußen
Suche meinen Bruder, Paul Dzink, geb. 05.07.1931 in Labiau, Ostpreußen, Dammstraße 18, war zuletzt in Grulich, Glaserichstraße oder ähnlich, in einem Gaujugendheim. Wo befindet sich dieses Heim? Oder kann jemand Auskunft geben über meinen Bruder? Nachricht erb. Ruth Dzink, Berlin-Schöneberg, Klixstraße 5 III, bei Hug
Wer kann Auskunft geben über Herbert Guntau, Divisions-Pfarrer bei d. 384. Inf-Div., Feldpostnr. 31 766? Letzte Nachricht vom 20.08.1944, Rumänien. Letzter Wohnort Sommerau bei Dt.-Eylau. Nachricht erb. Frau Fr. Appel, früher Insterburg, Ostpreußen, jetzt zurzeit Böhmenkirch, Württ., Blumenstraße 16, bei Fr. Ketzmann
Mit Foto. Rußlandheimkehrer! Wer ist mit meinem Sohn, Ernst Freudenreich, geb. 27.04.1922, letzter Wohnort, Wermten bei Heiligenbeil, Ostpreußen, kam am 11.06.1944 von Horb nach Russland (Bobruisk) und am 29.06.1944 als vermisst gemeldet? Wer weiß etwas über ihn? Ferner suche ich meinen Mann, Heinrich Freudenreich, geb. 25.12.1892, letzter Wohnort, Wermten bei Heiligenbeil, Ostpreußen, wurde am 07.03.1945 in Danzig eingezogen. Er soll an den Beinen verwundet gewesen sein und soll zwischen Zoppot und Gotenhafen gewesen sein. Wer kann Auskunft geben? Unkosten werden erstattet. Nachricht erb. Anna Freudenreich (16) Nieder-Beerbach am Wingertsberg über Darmstadt
Suche Elektromeister Ernst Gawehn, Elektromeister Koslowski, Elektriker Fritz Stockmann, für den Beschäftigungsnachweis bei der Firma Elektrowisbar in Kreuzingen, Ostpreußen. Ferner Elektromeister Drunk vom Elektrizitätswerk Pillau und die Elektriker Otto Sieber, Otto Tepper, Kurt Hoffmann, für den Beschäftigungsnachweis bei dem Elektrizitätswerk in Pillau, Ostpreußen. Bruno Seidler, Hamburg-Lohbrügge, Lohbrügger Markt 20
Gesucht werden Ingrid Janke, geb. 19.11.1936 und Günter Janke, geb. 04.06.1938, aus Königsberg Pr., Tapiauer Straße 50, sind 1946 auf dem Bahnhof Königsberg gesehen worden. Sie wollten nach Litauen aber sind nicht mehr zurückgekehrt. Wer kann Auskunft geben über den letzten Aufenthalt der Kinder? Nachricht erbittet Ernst Janke, Oberursel/Taunus, Schulstraße 24
Gesucht wird Frau Auguste Klandat, aus Königsberg Pr., Hammerweg, geb. 06.09.1879 in Janellen, Kreis Angerburg, Ostpreußen. Nachricht erb. Fr. I. Frank, Bad Zwischenahn, Brummerforth 5
Suche Frau Berta Wiedenhus, geb. Gusek, aus Wartendorf, Kreis Johannisburg. Wer kann mir die Anschrift mitteilen? Unkosten werden erstattet. Frau Anna Solnerzik, geb. Kaminski, Wadersloh, Westf., Kreis Beckum, Bornefeld 85
Rußlandheimkehrer! Wer kann Auskunft geben über meinen Mann, Reichsbahnbeamter Erwin Kaehler, aus Tiefensee, Kreis Heiligenbeil, Ostpreußen, geb. 22.04.1913 in Cavern, Kreis Preußisch-Eylau? Er wurde auf der Flucht am 16.03.1945 von den Russen bei Neustadt (Westpreußen) verschleppt. Soll im Lager Graudenz gewesen sein und von dort im Mai/Juni 1945 entlassen sein. Leider fehlt jedes Lebenszeichen von ihm. Wer war mit ihm zusammen und weiß etwas über sein Schicksal? Nachricht erb. Frau Martha Kaehler, geb. Henke, Bad Godesberg, Weißenburgstraße 17
Heimkehrer! Wer kann Auskunft geben über Obergefr. Willi Noch, geb. 31.01.1923 in Weinsdorf, Kreis Mohrungen, letzte Nachricht vom Juli 1944 aus Rumänien. Nachricht erb. seine Schwester Margarete Hinz, geb. Noch, Dinkelhausen 56, Kreis Northeim
Achtung! Suche Frau Marie Sturmann, Heilsberg, Neuhof Nr. 8. Sie lag 1945 in Braunsberg im Lazarett. Nachricht erb. Frau Charlotte Pallat, Rübenach bei Koblenz, Siedlung
Achtung Bartensteiner! Wer kann mir Auskunft geben über meinen Sohn Siegfried Utsch, geb. 28.05.1931 in Bartenstein, der im Febr. 1945 von Russen verschleppt wurde? Wem ist er in der Gefangenschaft begegnet? Nachricht erb. Frau Elsa Utsch, Villingen, Schwarzwald, Tannenhöhe II
Gesucht wird Anton Zaremba, geboren 05.05.1926, Jonkendorf, Kreis Allenstein, Ostpreußen, seit August 1944 in Rumänien vermisst. Nachricht erb. Franz Zaremba, Lübeck, bei der Lohmühle, Bar. 1 c
Seite 7 Wir gratulieren
Zum 94. Geburtstag
Am 10. Juli 1955, Frau Caroline Bohl, geb. Scharfschwerdt, aus Eisenberg, Kreis Heiligenbeil, jetzt bei ihrer Nichte Betty Plewka in Reutlingen, Württ., Königsberger Straße 53
Zum 93. Geburtstag
Am 15. Juli 1955, Frau Clara Heeder, aus Königsberg, Scharnhorststraße 20, jetzt in Bremen, Schwachhauser Heerstraße 264
Zum 90. Geburtstag
Am 10. Juli 1955, dem Schuhmachermeister August Godau, aus Kumehnen, Kreis Samland, jetzt bei seiner Tochter, Anna Rimarzik in Wahlstedt, Holstein, Ostpreußenweg 2
Am 16. Juli 1955, der Kirchschullehrerwitwe Clara Schoenwald, geb. Knuth, aus Rossitten, Kurische Nehrung. Frau Schoenwald verwaltete in der Heimat zwanzig Jahre die Postagentur. Von den noch lebenden Landsleuten aus Rossitten ist sie die älteste und auch die älteste Einwohnerin in (16) Elberg über Fritzlar, wo sie bei der Familie ihres Sohnes lebt.
Zum 89. Geburtstag
Am 1. Juli 1955, der Schuhmachermeisterwitwe Auguste Behrend, aus Friedland, jetzt bei ihrem ältesten Sohn Karl in Buxtehude, Hauptstraße 36
Am 16. Juli 1955, Fräulein Minna Hoepfner, aus Cranz, jetzt in Stadthagen, Schaumburg-Lippe, Am Stadtpark 6
Zum 87. Geburtstag
Landsmann Gottlieb Guseck, aus Gilgenburg, Kreis Osterode, jetzt Berlin N 65, Schulstraße 91/97, Altersheim
Zum 86. Geburtstag
Am 1. Juli 1955, Landsmann Bernhard Kurdelski, aus Osterode, jetzt in Berlin-Zehlendorf, Sundgaustraße 100.
Zum 85. Geburtstag
Am 23. Juli 1955, Frau Maria Dann, geb. Rose, aus Königsberg, Horst-Wessel-Straße, jetzt Traunstein, Obb., Siegsdorfer Straße 8a II.
Zum 84. Geburtstag
Am 12. Juli 1955, dem Landwirt Adam Pelka aus Schuttschen, Kreis Neidenburg, jetzt in Zarpen über Lübeck
Zum 83. Geburtstag
Am 17. Juli 1955, Fräulein Martha Frick, aus Tilsit, Garnisionstraße 21, jetzt mit ihrer Schwester in Billerbeck, Westf., Bockelsdorf 10
Zum 82. Geburtstag
Am 11. Juli 1955, dem Stellmachermeister Hermann Witt, aus Charlottenberg, bei Kraftshagen, Kreis Bartenstein, jetzt bei seiner Tochter, Frau Hopp, Kirchhellen, Wenkendick 19
Zum 80. Geburtstag
Am 1. Juli 1955, Frau Ida Hein, geb. Vogelsang, aus Kiuten, Kreis Heydekrug, später Königsberg, Hochmeisterstraße 3/4, jetzt in Wahlbach, Kreis Siegen
Am 5. Juli 1955, Frau Ida Krüger, geb. Bendrath, aus Kreuzburg, jetzt Berlin W 30, Bayreuther Straße 26.
Am 6. Juli 1955, Frau Johanna Sprenger, geb. Koy, aus Königsberg, Rathkestraße 9, jetzt in Hameln a. d. Weser, Kaiserstraße 38, in der Nähe ihres Schwiegersohnes Dr. med. Karl von Petzinger.
Am 8. Juli 1955, Frau Marie Zimmermann, aus Wuchsnig, Kreis Mohrungen, jetzt bei ihrer Tochter Frieda Gaud in Remminghausen bei Detmold, Meiersfelder Staße 12
Am 8. Juli 1955, dem Gutsbesitzer Otto Becker, aus Inglau, Kreis Schloßberg, jetzt mit seinen Kindern und Enkelkindern in Straßberg, Kreis Sigmaringen, Hohenzollern.
Am 12. Juli 1955, Landsmann Gustav Haase aus Gumbinnen, Roonstraße 5, jetzt bei seiner jüngsten Tochter Anni Saucke in Hohenzethen, Kreis Uelzen.
Am 18. Juli 1955, dem Bauern Ferdinand Knetsch aus Funken, Kreis Lötzen, jetzt mit der jüngsten Tochter in Lübeck, Schenkendorfstraße 8
Am 19. Juli 1955, dem Bäckermeister Bernhard Samland, aus Braunsberg, jetzt Grasdorf bei Hannover, Rethener Kirchweg 4
Zum 75. Geburtstag
Am 7. Juli 1955, dem Spediteur August Marchlowitz aus Ortelsburg, Markt 5, jetzt in Reichenbach – Fils, Neuwiesenstraße 7, wo er als Vertrauensmann der Landsmannschaft für die Schadensfeststellung tätig ist. Der Jubilar, der in Ortelsburg einen guten Namen hatte, besaß ein Speditions- und Möbeltransportgeschäft mit Kohlenhandlung. Ihm wurden mehrere Ehrenämter übertragen, so war er u. a. im Vorstand der Kreis- und Stadtsparkasse und im Vorstand des Kyffhäuserbundes und des evangelischen Gemeindekirchenrates.
Am 11. Juli 1955, Frau Maria Jakubaßa, aus Königsberg, Philosophendamm 1 b, jetzt in Gleschendof bei Pönitz, Ostholstein.
Am 12. Juli 1955, Frau Auguste Ramonat, geb. Reddig, aus Redicken, Kreis Goldap, jetzt bei ihrer Tochter in der sowjetisch besetzten Zone. Sie ist durch Frau Emma Jentges, Anrath, Rhld., Zu den Tannen 13 zu erreichen.
Am 12. Juli 1955, Leopold Kirstein, aus Königsberg, langjähriger etatsmäßiger Wachtmeister beim Train-Batl. 1, jetzt (13b) Augsburg, Blumenstraße 16.
Am 14. Juli 1955, Frau Martha Schaguhn, aus Seckenburg, Kreis Elchniederung, jetzt bei ihrer ältesten Tochter in Arolsen/Waldeck, Große Allee 12
Am 16. Juli 1955, Landsmann Franz Kaleck aus Fischhausen, Schmiedestraße 10, jetzt in Lübeck-Siems, Flender II B 8
Am 18. Juli 1955, dem Eisenbahnbeamten a. D. Gustav Hübner, aus Königsberg (Eisenbahn-Betriebswerk), jetzt mit seiner Ehefrau bei seiner Tochter Hildegard Eckhoff, Tornesch, Holstein, Eisinger Straße 2.
Am 19. Juli 1955, dem Telegrapheninspektor i. R. Oskar Manko, aus Königsberg (Telegraphenamt Gesekusplatz), Am Landgraben 14. Er wohnt in (22a) Rheydt, Lehwaldstraße 37.
Am 20. Juli 1955, der Witwe Minna Deffke, geb. Hanau, aus Königsberg-Ponarth, Brandenburger Straße 42, jetzt bei ihrer Tochter Margarete Wisbar in Brüggen, Han., Hohle Straße 32
Am 21. Juli 1955, dem Reichsbahnbeamten i. R. Franz Klebon, zuletzt in Allenstein. Er wohnt bei seinen beiden Töchtern in Glückstadt, Elbe, Schenckstraße 7
Am 21. Juli 1955, dem Landwirt Friedrich Trinkert aus Gudden, Kreis Tilsit, jetzt in Wulfsen über Winsen a. d. Luhe, Kreis Harburg.
Am 21. Juli 1955, der Reichsbahnsekretärwitwe Johanna Leidnecker, aus Ebenrode, jetzt bei ihrer Tochter Käthe Spielmann in Gräfenberg, Oberfranken (13a), Rasberger Straße 226
Am 23. Juli 1955, Frau Johanna Moerke, aus Königsberg, Tragheimer Pulverstraße 6, jetzt in Herrhausen Nr. 67 über Seesen, Harz
Am 24. Juli 1955, Karl Possekel, aus Pillau II, tätig gewesen bei der Marine-Ausrüstung Pillau, jetzt in Schiphorst über Bad Oldesloe. Seine Ehefrau begeht am 17. August ihren 74. Geburtstag.
Direktor Paul Saßnick 80 Jahre
Am 23. Juli 1955, feiert der frühere Direktor der Bank der ostpreußischen Landschaft, Paul Saßnick, in Hannover, Bäckerstraße 2, seinen 80. Geburtstag. Nach seiner kaufmännischen Lehre kam der Jubilar 1898 zur Bank der ostpreußischen Landschaft, gründete 1905 die erste Nebenstelle in Allenstein, baute von dort aus das Filialsystem der Bank in Südostpreußen im Ersten Weltkriege in den besetzten Gebieten aus und wurde 1927 in den Hauptvorstand nach Königsberg berufen. Es wird kaum einen Landwirt geben, der sich seiner nicht erinnert und dem er in den Krisenjahren nicht auf irgendeine Weise hat helfen können. Viele ostpreußische Waidgenossen, mit denen er zusammen manchen, Krummen, oder auch edleres Wild gelegt hat, werden sich seiner erinnern. Auch haben ihn die Allensteiner als Mitglied der deutschen Abstimmungsleitung 1921 nicht vergessen, ebenso die Mitglieder der Palästra Albertina in Königsberg, deren Schatzmeister er jahrelang war. Nach achtjährigem Aufenthalt in der Sowjetzone wohnt er mit seiner Gattin seit eineinhalb Jahren in Hannover bei seinem Sohn, Ratsherr Siegfried Saßnick. Beide erfreuen sich bester Gesundheit und Frische.
Seite 7 Goldene Hochzeiten
Am 20. Juli 1955, begeht der Brenner Albert Sauter aus Pellen, Kreis Heiligenbeil, jetzt in Gellinghausen, Post Etteln, Kreis Büren, mit seiner Ehefrau das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar bekleidete in der Heimat Jahrzehnte hindurch mehrere öffentliche Ämter. Die Kreisgruppe Heiligenbeil gratuliert herzlichst.
Der Siedler Ferdinand Hohnwald und seine Ehefrau Elise, geb. Eckert, aus Großgauden, Kreis Gumbinnen, feierten am 2. Juli 1955 das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Ehepaar wohnt in Rautheim 47, Kreis Braunschweig.
Seite 7 Ein Passenheimer zum Pfarrer in Bonn berufen
Die Evangelische Kirchengemeinde Bonn-West hat den ostpreußischen Pfarrer Burdach zu ihrem Seelsorger berufen. Pfarrer Burdach studierte in Königsberg und Tübingen Teologie. Das hierfür erforderliche Geld verdiente er in den Ferien durch Landarbeit, in der Industrie und als Hauslehrer.
Seine erste Pfarrstelle hatte Pfarrer Burdach, der in Passenheim geboren wurde, in einem Dorf in den Wäldern Masurens inne. Später übernahm er als Studieninspektor das ostpreußische Predigerseminar in Klein-Neuhof. Diese Stelle verlor er 1934, da er sich der Bekennenden Kirche anschloss. Von 1937 bis 1945 war er Pfarrer in Geierswalde. Nach der Vertreibung aus der Heimat tat Pfarrer Burdach vorübergehend in der schleswig-holsteinischen Kirche Dienst, wechselte dann zur westfälischen Kirche über und war neun Jahre lang Pfarrer in Cappenberg und Lünen in Westfalen, bis ihn in diesem Jahr der Ruf der Bonner Gemeinde erreichte.
Bei den Landesmodellfliegermeisterschaften in den Borkenbergen errang unser junger Landsmann Kendelbacher aus Klein-Schlüfken, Kreis Neidenburg, jetzt in Münster, in der Klasse N.R. den ersten Preis und wurde damit Landesmeister. Die Landsmannschaft gratuliert herzlich.
Seite 7 Jubiläen und Prüfungen
Die Hausgehilfin Eliese Bomke aus Sperlack, Kreis Pr.-Eylau, konnte am 15. Juli 1955 im Hause des Dr. med. Alfred Schultz aus Bartenstein, jetzt in (24a) Schenefeld über Hamburg-Blankenese, ihr 25jähriges Jubiläum begehen.
Hans Schwirblat, Sohn des Landsmanns Richard Schwirblat aus Bögen bei Tharau, jetzt in Ahrensburg, Rantzaustraße 66, hat die Prüfung als Assessor der Rechtswissenschaft bestanden.
Günter Pultke aus Kahlholz, Kreis Heiligenbeil, jetzt in Kneitlingen, Post Schöningen, hat die wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen mit Auszeichnung bestanden. Er besitzt damit die Lehrfähigkeit für alle Klassen in den Fächern Physik und Mathematik.
Bundesbahnobersekretär Oskar Alt aus Insterburg, dann Neuhäuser und Allenburg, jetzt in Oldenburg i. O., Liegnitzer Straße 24, konnte am 4. Juli 1955 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum bei der Deutschen Bundesbahn begehen. Landsmann Alt begann seine Laufbahn in Insterburg; viele Jahre war er Dienststellenleiter beim Bahnhof Ostseebad Neuhäuser und Allenburg. Zahlreiche Ehrungen aus dem großen Kreise seiner Mitarbeiter wurden ihm zuteil. Vom Abteilungspräsidenten Fahrenholz/Hannover wurde ihm die Ehrenurkunde überreicht.
Fräulein Christa Weigt, Schülerin der Königin-Luise-Schule in Königsberg, jetzt Bad Godesberg, Ubierstraße 3, bestand ihre Prüfung zur Gewerbeinspektorin mit gut.