Mitte März hat die US-Behörde National Archives die Mitgliederkartei der NSDAP online gestellt. Seither haben mehr als eine Million Menschen auf der Plattform recherchiert, ob ihre Vorfahren in Hitlers Partei waren. Was macht man mit dem Ergebnis?
https://www.br.de/nachrichten/kultur/opa-und-die-nsdap-endlich-fragt-mal-wer-nach,VIevgH2
Hallo, Renate,
ich habe zunächst mehrfach versucht über das Nationalarchiv in die Datei zu gelangen. Das war unmöglich, Überlastung oder was auch immer.
Um meine Familienchronik (Gebrochenes Schweigen, Selbstverlag) ordentlich abzuschließen, hatte ich zunächst das Bundesarchiv um Auskunft gebeten, das hat funktioniert. Doch 9,5 Mio. Einträge…die Versuchung war zu groß. Die ZEIT hat einen Datensatz gesichert, auf den bekam ich Zugriff über ein Probeabo für 1 €, für 4 Wochen. Dort ist es ganz leicht an die Personen mit ihren Daten zu kommen und tatsächlich brachte es Bestätigung und zwei neue Einträge.
Was macht man mit dem Ergebnis? Ich habe Ende des Monats ein Gespräch in Wiesbaden mit Prof. Falter vereinbart der die Studie der ZEIT begleitet hat und ein Fachmann auf dem Gebiet der Mitgliedschaften und Gründen für den Beitritt ist. Fazit: nicht jeder der eingetreten ist, war politisch überzeugt, vor allem die, die 1933 und 1937 bis 1942 beigetreten sind. Die Beitritte vor 1933, das waren seiner Meinung die politisch motivierten Beitritte.
Was macht man damit, eine gute Frage, die ich mir auch noch stelle. Nichts, ist mein bisheriges Fazit. Es ändert nichts mehr, jeder aus meiner Familie hatte eigene Gründe. Mein Großonkel wollte bei der Polizei Karriere machen, trat sogar 1940 in die SS ein um Major (und damit Sturmbannführer) zu werden, meine Oma trat ein weil sie in der Frauenschaft Karriere gemacht hat, ihre Kinder weil sie an das System geglaubt haben ……… belassen wir es dabei.
Aber liebe Renate, es hilft Fragen zu beantworten. Doch dafür musst Du tiefer forschen.
Liebe Grüße Ulf
Hallo Ulf,
so ist es. Wie unser Autor im nächsten Heft der CG ungefähr schreibt: Ob
jemand Mitglied war oder nicht sagt nicht unbedingt etwas über seine
Nähe zur NS-Ideologie aus.
Oder: Auch Nichtmitglieder konnten Synagogen anzünden oder ähnlich
schlimmes, Mitglieder waren nicht automatisch dabei.
Interessanterweise geben die Texte in Traueranzeigen für Gefallene oft
Aufschluss über ihre Nähe oder Distanz zur Ideologie. In NRW findet man
sie über die Zeitungsdatenbank Zeitpunkt.
Schöne Grüße
Renate
Jeder der eingetreten ist, liebe Renate, egal aus welchem Grund, hat das System mitgetragen sagt Prof. Falter dazu. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Mein Großonkel (Sturmbannführer und Polizeimajor) hat in seinen Entnazifizierungsunterlagen Stein auf Bein behauptet er hätte eintreten müssen, die Partei war im egal. Doch wenn man die Bilder von der Beerdigung seines Sohnes (Leibstandarte AH) sieht der mit 19 starb, den Auftritt seiner SS Genossen und dann auch noch die germanischen Runen für Geburt und Tod auf der Todesanzeige sieht, sagt das alles……
Niemand ist gezwungen worden, jeder musste unterschreiben. Eigenhändig. Ich habe jedenfalls meine Antworten und meine Ruhe.
Liebe Grüße sagt Ulf