Oldenburgische Volkszeitung (OV)
Sonnabend, 18. Januar 1988
Ein Lohner als Pionier in Amerika
Zum 180. Geburtstag von Clemens Uptmoor
Von FRANZ-JOSEF TEGENKAMP
Am 19. Januar 1986 jährt sich zum 180. Mal der Geburtstag eines
Mannes, der in der "großen Geschichte" kaum Spuren hinterlassen hat,
obwohl er Leben und Schicksal vieler Menschen nicht weniger beeinflußt
hat als manche bedeutende Politiker und Regenten. Am 19. Januar des
Jahres 1806 wurde Clemens Uptmoor als Kind der Eheleute Johann
Heinrich Uptmoor (1771 bis 1836) und Anna Margaretha Nordlohne (1774 -
1856) in einem Heuerhaus des Bauern Bokern-Kersting in Bokern bei
Lohne im damaligen Herzogtum Oldenburg geboren. Die Eltern waren
durchschnittliche Heuerleute, weder besonders wohlhabend noch
besonders arm, die ihren Lebensunterhalt durch harte Arbeit
erwirtschaften mußten.
Die Kindheit des jungen Clemens endete bereits im Alter von zehn
Jahren, als er zum ersten Mal seinen Vater begleitete, der wie jedes
Jahr während der Sommermonate auf einem Fischerboot arbeitete, das wie
viele andere in der Nordsee auf Heringsfang ging.
Während des Winters besuchte Clemens Uptmoor die Bauerschaftsschule in
Bokern, wo er ein gewisses Maß an Grundbildung erhielt. Die Schule
fand nur während der Wintermonate statt, weil im Sommer alle Kinder
als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden und auch die
Lehrer in der Regel eine Heuerstelle als Nebenerwerb betrieben, die im
Sommer ihre ganze Zeit in Anspruch nahm. So konnte der Unterricht nur
Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln, zumal die
Lehrer selbst häufig nur unzureichend ausgebildet waren und die
Schulen nur aus einer Klasse bestanden; in Bokern mußte der einzige
Lehrer zum Beispiel im Jahre 1835 etwa 110 Kinder unterrichten.
So vergingen die nächsten Jahre, bis Clemens Uptmoor durch das damals
übliche Losverfahren zum Wehrdienst herangezogen wurde und fünf Jahre
als Soldat der oldenburgischen Infanterie verbringen mußte.
Bis zu diesem Zeitpunkt war sein Leben, wie das der Mehrzahl seiner
Mitmenschen, in geregelten Bahnen verlaufen, nach seiner Entlassung
jedoch verließ er den scheinbar vorgezeichneten Lebensweg und wanderte
im August 1834 in Begleitung seines Burders Hermann Heinrich und
einiger Nachbarn und Bekannten nach Amerika aus (u. a. Familie Hoying
aus Krimpenfort, später in Minster/Ohio). Von den insgesamt 149
Passagieren der Auswandererbrigg "Everhard", die von Bremen nach
Baltimore segelte, stammten 35 aus Lohne, weitere 82 kamen aus anderen
Gemeinden der nächsten Umgebung.
Am 16. 9. 1834 erreichte das Schiff seinen Zielhafen Baltimore, etwa
zwei Wochen später trafen die Brüder Uptmoor in Cincinnati, dem
vorläufigen Ziel ihrer Reise, ein. Hier arbeiteten sie während der
nächsten fünf Jahre hauptsächlich als Zimmerleute; Clemens Uptmoor
hatte in seiner Jugend den Beruf des Schiffszimmermanns erlernt, was
ihm jetzt gut zustatten kam.
Im Sommer des Jahres 1836 brach in Cincinnati die Cholera aus, deshalb
gingen die Brüder Uptmoor für einige Monate nach Missouri, um dort zu
arbeiten. Auf diesem Weg kamen sie erstmals durch die fruchtbaren,
damals fast noch menschenleeren Gebiete des amerikansichen Mittel
Westens, die nur auf die Besiedlung zu warten schienen. So verwundert
es nicht, daß sie damals den Plan faßten, hier eine Kolonie für
deutsche katholische Auswanderer zu gründen.
Nach ihrer Rückkehr nach Cincinnati gründeten sie deshalb zu Anfang
des Jahres 1837 mit einem weiteren Partner, Johann Ferdinand
Waschefort, der 1831 aus Addrup bei Essen ausgewandert war, die
"Deutsche Land-Compagnie" oder "An-siedlungsgesellschaft", der dank
des stetigen Auswandererstromes aus Deutschland in kurzer Zeit 141
Mitglieder beitraten, die regelmäßige Beiträge entrichteten, wo für
später eine größere Fläche Land erworben werden sollte.
Im April 1837 machte sich Clemens Uptmoor gemeinsam mit Johann
Ferdinand Waschefort und Gerhard Heinrich Bergfeld (aus Lastrup) auf
den Weg, um auf einer 15 Wochen dauernden Reise durch die Staaten
Indiana, Illinois und Missouri geeignetes Land auszusuchen. Sie
entschieden sich schließlich für ein Gebiet etwa 100 Meilen östlich
von St. Louis nahe Vandalia, der damaligen Hauptstadt von Illinois, wo
sich bereits einige Hannoveraner angesiedelt hatten. Nach einer
weiteren Besichtigungsreise durch andere Gesellschaftsmitglieder im
Jahre 1838 wurde das Land erworben (etwa 4000 ha) und im Herbst des
Jahres an die Gesellschaftsmitglieder verteilt. Auf Vorschlag des
Bischofs von Cincinnati erhielt die neue Kolonie den Namen Teutopolis.
Im Frühjahr 1839 machten sich die ersten Siedler auf zu ihrem Besitz.
Clemens Uptmoor heiratete am 24. 9. 1839 in Cincinnati Maria Elisabeth
Niehaus, geb. am 23. 8. 1819 in Laer bei Osnabrück. Diese Hochzeit
fand zwischen einer seiner Reisen zwischen der neuen Kolonie und
Cincinnati statt, die er des öfteren unternahm. Einmal ging er den
ganzen Weg (ca. 400 km) zu Fuß, ein andernmal ließ er sein Pferd, das
unterwegs krank wurde, einfach zurück und legte den Rest des Weges zu
Fuß zurück.
Einige Wochen nach der Hochzeit machte sich Clemens Uptmoor mit seinem
Bruder Hermann Heinrich und seinem Schwager Clemens Vahling, dem Mann
seiner Schwester Maria Anna, und deren Familien auf den Weg nach
Teutopolis (Clemens Uptmoors Geschwister und seine Mutter waren ihm
1837 nach Amerika gefolgt). Die kleine Gruppe erreichte ihr Ziel am
21.12.1839. Da schon viel Schnee gefallen war und sich kein anderer
Unterschlupf fand, trieben sie einige Schafe aus einem Stall, auf den
sie zufällig stießen, und wohnten hier für die ersten Tage. Am Tage
nach der Ankunft begannen sie mit dem Bau eines Blockhauses für
Clemens Vahling, in dem die drei Familien gemeinsam wohnten, bis jede
ein eigenes Heim besaß.
Im nächsten Jahr eröffnete Clemens Uptmoor mit Waren im Wert von etwa
1000 Dollar einen kleinen Laden, gleichzeitig begann er mit der
Bewirtschaftung einer großen Farm und arbeitete als Zimmermann für 25
Cents pro Tag, was den Leuten damals noch zu hoch erschien. 1842
begann er mit seinem Bruder, eine Windmühle zu errichten, die 1845 in
Betrieb genommen werden konnte. Da sie jedoch recht schwerfällig
arbeitete, war ein kräftiger Wind nötig, um sie in Betrieb zu setzen,
so daß sie nur unregelmäßig arbeitete und 1860 ihren Betrieb
einstellte. Trotzdem bot diese Mühle in jenen Tagen ein
aufsehenserregendes Schauspiel, das die Siedler von nah und fern
anlockte, um dieses Bauwerk zu bestaunen.
1882 errichteter Clemens Uptmoor mit seinem Schwiegersohn Joseph
Siemer eine dampfgetriebene Mühle, die in der Folge weiter ausgebaut
wurde und als "Siemer Milling Company" heute eines der größten
derartigen Unternehmen im südlichen Illinois darstellt.
Bei der Errichtung der neuen Kirche in Teutopolis, der 1851 begonnen
wurde und seinerzeit der bedeutendste Kirchenbau in weitem Umkreis
war, und beim Aufbau des ersten Franziskanerklosters der Vereinigten
Staaten durch einige Mönche aus Warendorf, der seit 1858 in Teutopolis
begann, spielte Clemens Uptmoor ebenfalls ein wesentliche Rolle.
1865 errichtete er in Teutopolis ein imposantes Wohnhaus und ein
Geschäftshaus, die im Gegensatz zu den übrigen Gebäuden des Ortes
nicht aus Holz, sondern aus Ziegeln erbaut wurden. Im gleichen Jahr
baute er ein Schlachthaus auf, in dem bereits im ersten Jahr über 1800
Schweine verarbeitet worden.
Von 1842 bis 1869 war Clemens Uptmoor als erster Postmeister in
Teutopolis tätig und war in dieser Zeit neben der Posthalterei für den
Postkutschenbetrieb verantwortlich, ohne daß einmal Klagen oder
Beschwerden gegen ihn erhoben wurden. 1868 gründete er mit einigen
anderen die erste Feuerversicherungsgesellschaft des Ortes, und noch
1883 gab er den Anstoß zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.
Wie man sieht, war Clemens Uptmoor auf vielen Gebieten tätig; seine
Unternehmungen entwickelten sich gut, so daß er 1889, als er mit
seiner Frau die goldene Hochzeit feiern konnte, auf eine aufblühende
kleine Ortschaft blicken konnte, auf florierende Unternehmen und
Geschäfte und fruchtbares ertrag-schließung und Besiedlung der Wildnis
durch deutsche Siedler war zu einem nicht unwesentlichen Teil auf
seine Initiative, Planung und harte Arbeit zurückzuführen, so daß man
ihn ohne weiteres als einen der Wegbereiter deutscher Kolonisation des
amerikanischen Kontinents bezeichnen kann, dem sich neben vielen
anderen zum Beispiel Franz Joseph Stallo aus Damme als Gründer des
Ortes Minster in Ohio oder Johann Heinrich Ronnebaum aus Damme und
Johann Heinrich Plaspohl aus Sevelten als Gründer des Ortes Oldenburg
in Indiana zugesellen.
Als Clemens Uptmoor am 2. 8, 1893, drei Jahre nach dem Tod seiner
Frau, als einer der wohlhabendsten und am meisten respektierten Bürger
in Teutopolis starb, hinterließ er neben seinem beträchtlichen
Vermögen eine nicht geringe Nachkommenschaft, die heute fast über die
gesamte USA verbreitet lebt, obwohl von seinen 14 Kindern fünf bereits
in jungen Jahren starben und zwei Töchter Ordensschwestern wurden; die
übrigen heirateten fast alle Auswanderer, die ebenfalls aus dem Kreis
Vechta stammten (Südkamp, Thöle, Hoedebeck, Lamping, Siemer,
Wöhrmann), und sorgten für eine zahlreiche Nachkommenschaft.
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