Guten Abend Herr Bokelmann,
Naja, ganz so einfach, wie Sie es oben darstellen ist es mit der Familiennamensbedeutung dann doch nicht.
Zum Einen vergessen Sie völlig die Familiennamen, die aus Rufnamen entstanden sind (z.B. Lothar Matthäus, Jan Ullrich, Bertold Brecht), zum Anderen formulieren Sie eine wichtige Tatsache sehr missverständlich: Ein „Name“ konnte nur dann zum Familiennamen werden, wenn er von anderen Personen im gleichen Ort / der gleichen kleinräumigen Gegend UNTERSCHEIDBAR war. Denn das genau war ja der Grund, warum Familiennamen überhaupt entstanden sind: Es gab zu viele Johann, Josef, Martin etc. So dass es in der Vor-Familiennamenszeit immer die Frage hinterherzog: „Welchen Johann etc. Meinst Du denn?“ So kam es zuerst zu den sogenannten Beinamen „Johann der Metzger, Martin der Schuster, Paul der bei der Steinbrücke wohnt, Nikolaus der Kleine, Jan der Sohn des Ulrich“ etc etc etc. Aus diesen Beinamen wurden schließlich die vererbbaren Familiennamen: Johann Metzger, Martin Schuster, Paul Steinbrück, Nikolaus Klein, Jan Ulrich etc. Etc. Etc.
Ein Familienname setzt immer eine Unterscheidbarkeit von anderen Personen voraus. Daher können Sie nicht argumentieren, dass es in Norddeutschland so viele Bokelmann gibt, weil es dort so viele Buchenwälder gegeben hat. Im Gegenteil: Vorausgesetzt die Deutung mit den Buchenwäldern stimmt - was noch längstens nicht bewiesen ist - dann ist der Name genau dort entstanden, wo ein Buchenwald die große Ausnahme war, weil rings herum z.B. nur Kiefernwälder gewachsen sind. Sonst wäre die Bezeichnung „der der beim Buchenwald wohnt“ eben genau KEIN Unterscheidungsmerkmal.
Ich kann zwar - da im Urlaub befindlich und meine Spezialliteratur nicht greifbar habend - nicht aus dem Stegreif schütteln, wie ich „Bokelmann“ deuten würde, aber halte den Buchenwald eher für unwahrscheinlich. Denn woher sollte das mittige -l- kommen, welches ja in der Buche nicht vorhanden ist? Für mich ist der namensgebende Begriff Bokel und nicht Bok(e) (= Buche). Was bokel im Niederdeutschen bedeutet weiß ich nicht. Das deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm sagt gleich mehreres dazu: Bockel = Buckel, also ein Mensch, der einen Buckel hat (halte ich für sehr wahrscheinlich als Ursache; da der Buckel nie mehr weg geht)
Oder Bockel = Pocken/Windpocken, Blattern, Masern (halte ich für nicht besonders wahrscheinlich als Ursache). Bögel ist ein Vogelfanggerät (kann vielleicht für die Namensformen mit Bökel- gelten, aber nicht für die Namensformen Bokel-
Buchel ist die Frucht der Buche, wie die Eichel von der Eiche. Leider macht das für einen Familiennamen wenig Sinn.
Büchel ist ein Stachel (Mensch der Stacheln herstellt? Ich weiß nicht so recht…)
Buchelbaum für Buchbaum wie Eichelbaum für Eichbaum.
Kann nicht so recht für Ihre Deutung der Buche als Namensursache herhalten, da in beiden Varianten immer der „-baum“ mit drin hängt.
Da ist dann doch „buckeler“ als Ausgangsbegriff mit der Bedeutung „Buckel“ = Schild sehr viel aussagekräftiger: Demnach wäre es ein Beruf: Der -mann, der Buckel- (= Schild für Soldaten) herstellt.
Das macht in meinen Augen - neben dem Mensch der durch Osteoporose einen Buckel hat - am meisten Sinn: Somit ist der Bokelmann eine Sonderform des Schmiedes: Wenn man so will dier erste Rüstungsbetrieb.
Dann gibt es noch Bügel = Ring, Halbring (Steigbügel)
Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch Orte, die „Bokel“ oder ähnlich heißen, Dann wäre der Bokelmann einer, der von Bokel in einen anderen Ort (vornehmlich in der Nähe von Bokel) gezogen ist (z.B. durch Beruf oder Heirat)
Baukel ist eine Trommel (unser Wort „Pauke“ steckt darin), somit wäre ein Baukelmann ein Trommler. Ob Baukel- oft oder immer mit Bokel- gleichzusetzen, kann ich so nicht beurteilen.
Pokal ist ein großer Becher, somit könnte ein Pokal (= Bokel-)mann ein Becherhersteller sein.
Hingegen ist die Salzbrühe „Pökel“ wieder mit dem Umlaut, weniger wahrscheinlich als Ursache für Bokel-
Mit dieser Auflistung möchte ich Ihnen die Unwahrscheinlichkeit aufzeigen, dass Bokel- wirklich etwas mit dem Baum „Buche“ zu tun hat.
Womit Sie völlig Recht haben, ist jedoch Ihre Ausführung zum -c- vor einem -k- in der Wortmitte. Es ist ein alter Dehnungslaut, kein Kürzungslaut.
Allzeit viel Forschererfolg wünschtz nebst einem schönen Abend
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Peren