Normierung von Berufen in GEDCOM?

In webtrees kann man jetzt Stammbäume darstellen, in denen nur die Berufe sichtbar sind und alles andere ausgeblendet wird (Modul GVExport).

So kann man sehen, welche Familien über Generationen hinweg Handwerker waren oder als Staatsdiener tätig waren. Mich interessieren die Dynastien von Orgelbauern besonders.

Aber wie erfasst man die Berufe richtig in GEDCOM? Na ja, ich hatte mich mal entschieden, Berufsbezeichnungen etwas zu normieren und den Beruf von der Qualifizierung zu trennen (etwa „Orgelbauer: Geselle“ oder „Orgelbauer: Meister“ statt „Orgelbaumeister“). Man könnte das noch weiterführen in der Hierarchie, etwa „Handwerker/Musikinstrumentenbauer/Orgelbauer: Meister“. Aber eigentlich sollte man den Beruf getreu so erfassen, wie er in der Quelle steht, und die Normierung und Klassifizierung getrennt davon erfassen – oder?

  • Wie sollte man Berufe erfassen? Wie die Tätigkeit und wie die erreichte Qualifikation?
  • Was macht man mit Angaben wie „Rentner“ (als Ereignis erfassen?) oder „Arztwitwe“ (als Beruf und als Todesereignis des Mannes?)?
  • Wo kommen die klassifizierten Informationen in GEDCOM hin? In den Typ OCCU:TYPE? In eine Notiz OCCU:NOTE? Oder direkt in OCCU, wie etwa „OCCU Orgelbauer → HISCO=94160“?
  • Gibt es ein Tool, das alle Berufsbezeichnungen aus einer GEDCOM-Datei rausholt, normiert und das Ergebnis wieder zurückschreibt?
  • Kann man eine getroffene Klassifikation (wie etwa in HISCO 9-41.60 für die Orgelbauer) irgendwie schön präsentieren? Etwa so wie im GND-Explorer:

Wie macht ihr das in euren Stammbäumen?

Hallo Hermann,

Sicherlich für den Betroffenen ein spannendes Thema, was man auch in ähnlicher Form immer wieder findet. Hier die Berufe, die in den nachfolgenden Generationen weitergeführt werden, so auch “Höfe”, “Gebäude” oder “Geschäftsbetriebe”, die an die nächsten Generationen gehen.

Aus meiner Sicht eine völlig falsche Frage. Keiner sollte seine Daten direkt in einer GEDCOM-Struktur eintragen, sondern eine Genealogie-Software und dessen Eingabefelder nutzen.

Ich würde die Daten immer so eingeben, wie ich das in Quellen dokumentiert finde (“Instrumentenbauer”, “Orgelbauer”, “Orgelbaugeselle”, …). Die Eingaben für eine bestimmte Ausgabeform in einer bestimmten Software zu optimieren sorgt immer dafür, dass andere Ausgabeformen, eventuell auch in anderer Software, unschön aussehen können.

“Rentner” würde ich als Ereignis “Rente” erfassen und “Arztwitwe” ergibt sich aus dem Zusammenhang (ist weder “Beruf” noch muss beim Todesereignis des Mannes hinterlegt werden, dass die Frau nun “Witwe” ist).

Mir stellt sich die Frage, was mit einer “Normierung” der Berufe erreicht werden soll. Die beiden gezeigten Ausgabebeispiele überzeugen mich nicht wirklich.

Ich finde es keineswegs tragisch, wenn man die optimale “Dynastie-Darstellung” nicht per Automatik aus der Software erzeugt bekommt und diese von Hand mit einem “Organigramm-Tool” erstellt. Wenn man ohnehin nur maximal 20 Personen darstellen will, bekommt man damit sicherlich schickere Ergebnisse.

Gerne lasse ich mir manuell erstellte interessante Visualisierungsbeispiele zeigen. Dann lässt sich immer noch überlegen, wie man die mittels Software automatisch erstellen kann, als gleich zu Beginn über eine Normierung von Beruf, Religion, Höfe, … nachzudenken, ohne eine konkrete Ausgabe als Ziel zu haben.

Gruß, Dirk

Akzeptiert! Und ja, so wie es in der Quelle steht, ist schon einmal eine gute Antwort.

Mein Ziel ist wohl nicht klar geworden: Ich habe als Berufe viele „Orgelbaumeister“, „Orgelbauer“, Orgel- und Harmoniumbauer", „Pfeifenmacher“, … Diese alle will ich in einem Diagramm in genau einer Farbe markieren und als GEDCOM-Datei exportieren. Nicht dabei haben will ich die „Orgelspieler“ oder „Organisten“. Etwas ähnliches gilt für „Bauer“, „Landwirt“, „Farmer“, etc. Die möchte ich auch gerne generationsübergreifend sichtbar machen. Also ist mein Ziel:

  • Berufe wie in der Originalquelle erfassen
  • zusätzlich Berufe normieren/klassifizieren und diese normierten Berufsklassen statistisch auswerten, präsentieren, austauschen.

Im Moment haben bei mir nur rund 1.200 von fast 13.000 Personen überhaupt einen hinterlegten Beruf. Also will ich zukünftig mehr Berufe erfassen. Und die Liste der Berufsbezeichnungen ist bei mir extrem heterogen.

  • Ich hätte gerne ein Tortendiagramm zu den Berufen, die in meiner Datenbank vorkommen, mit den Kategorien „Landwirtschaft/Ernährung“, „Handwerk“, „Kirche“, „Dienstleister“, …
  • Ich hätte gerne so eine schicke interaktive Netzgrafik wie im GND-Explorer: man kann durch die Hierarchie der Berufsklassen navigieren und bekommt alle Personen, alle Firmen, alle Orte und alle Zeitepochen angezeigt. Dann könnte ich Fragen beantworten wie „Welche Orgelbauunternehmen waren im 17. Jahrhundert aktiv und wer war dort beschäftigt?“ oder „Welche Instrumentenbauer waren in Süddeutschland tätig?“

Bei den Orten gibt es ja schon eine PLAC-Hierarchie „Ort, Landkreis, Bundesland, Land“ oder es gibt die Hierarchie in _LOC-Ortsdatensätzen. Vielleicht wäre also - ganz radikal gedacht - eine neue GEDCOM-Datensatzart sinnvoll: _BERUF (oder _OCC). Das sollte mit der Möglichkeit verbunden sein, solche BERUF-Datensätze hierarchisch zu strukturieren, einem Beruf verschiedene Bezeichnungen in verschiedenen Sprachen zuzuordnen (damit „Orgelbauer“ und „Organ Builder“ als identisch angesehen werden und international austauschbar sind), Notizen, Quellen und Medien zu hinterlegen. Aber vielleicht muss man das ja nicht in jedem Stammbaum jedes Mal neu erfinden, sondern nutzt eine externe Datenbank. So wie man bei _LOC auf die GOV-Datenbank zugreifen kann. Also eine offene Berufedatenbank. @Katrin_Moeller, wie sind da eure Überlegungen? Oder gleich Wikidata nutzen? Ich könnte mir ein kleines webtrees-Erweiterungsmodul vorstellen, das mit einer Berufsbezeichnung Wikidata abfragt. Zu organ builder - Wikidata finde ich dort die Berufsbezeichnung in verschiedenen Sprachen, die Oberkategorie und die GND-ID; könnte also auf den GND-Explorer verlinken.

Alles mit dem Ziel das Leben unserer Vorfahren lebendiger werden zu lassen und systematisch analysieren zu können.

Wir verwenden die Ontologie der historischen Amts- und Berufsbezeichnungen, in der momentan in FactGrid ca. 46.000 normierte Berufe geführt werden, die man dann über die Codierung auch auswerten kann. Wir können gerne Originalbezeichnungen matchen und mit der Ontologie normieren und damit auswertbar machen.

FactGrid:OhdAB-Datenbank - FactGrid

FactGrid ist ja auch eine Wikibase-Instanz, man kann die Berufe dort auch selbst abrufen oder über eine API matchen.

Hallo Hermann,

Doch, doch. Die Klassifizierung von Berufen.

Das hätte ich jetzt nicht zur Visualisierung der Orgelbauer-Dynastie erwartet. Am Ende ergibt sich, dass von den 13.000 Personen die meisten in der Landwirtschaft tätig waren.

Mag daran liegen, dass ich den „GND-Explorer“ nicht kenne: dieser liefert dann die notwendigen geografischen Firmendaten?
Für die Analyse der eigenen Daten mag das faszinierend sein - zur Präsentation für andere („Klick dich mal durch, da wirst du spannende Sachen finden.“) kann ich mir das aktuell so recht noch nicht vorstellen.

Ich bin mal gespannt, was daraus wird.

Gruß, Dirk

Oh, da hatte ich wohl keinen Link hinterlegt: GND-Explorer

Ich auch. Ich werde ab und zu berichten.

Hallo Hermann,

uiuiuiuiui, da hast du aber ein gewaltiges Fass aufgemacht.

[Hermann_Hartenthaler]
11. Januar

Aber wie erfasst man die Berufe richtig in GEDCOM? Na ja, ich hatte mich

Nun ja, eigentlich müsste es heißen: „Wie erfasst man Berufe richtig in
der Genealogie?“. GEDCOM, also „wie transportiert man die
Berufsinformationen am besten in GEDOM?“ ist nachrangig.

Und noch eigentlicher sind das eigentlich gleich 3 Themen:

  • wie erfasst man
  • wie transportiert man
  • wie visualisiert man

mal entschieden, Berufsbezeichnungen etwas zu normieren und den Beruf
von der Qualifizierung zu trennen (etwa „Orgelbauer: Geselle“ oder
„Orgelbauer: Meister“ statt „Orgelbaumeister“). Man könnte das noch
weiterführen in der Hierarchie, etwa „Handwerker/Musikinstrumentenbauer/
Orgelbauer: Meister“.

Ein interessantes Konzept. Erinnert mich an die Ortshierarchien (PLAC).
Da muss man auch alles in ein Feld quetschen. Da es für Berufe in der
Regel auch nur ein Feld in der Software gibt, könnte man es tatsächlich
so machen. Ggf. mehrere Einträge mit Zeitbezug, wenn’s das Programm
hergibt. Wenn es so etwas wie eine Berufe-Verwaltung gäbe, könnte man
das dann auch in z.B. _OCCU transportieren, analog zu den _LOC
Datensätzen. Also OCCU für die Bezeichung, wie sie in der Quelle steht,
_OCCU als hierarchischen Satz.

Aber eigentlich sollte man den Beruf getreu so
erfassen, wie er in der Quelle steht, und die Normierung und
Klassifizierung getrennt davon erfassen – oder?

Das wäre optimal. Aber ich kenne kein Programm, wo man das erfassen
kann. Ups, falsch, ich glaube, GF-Ahnen hat so eine
Berufe-Normierungstabelle, wo man Orgelbauer, Orgelbauergeselle,
Orgelbauermeister, Orgelbau-Meister, organopoeus dann als Orgelbauer
normieren kann. Berufshierarchien a la „Handwerker /
Musikinstrumentenbauer / Orgelbauer“ kennt es aber nicht, glaube ich.
(Müsstest du vielleicht mal nachschauen. Auch, wie das transportiert
wird. Wäre das nicht ein Thema für die Programmvergleiche?)

  • Wie sollte man Berufe erfassen? Wie die Tätigkeit und wie die
    erreichte Qualifikation?
  • Was macht man mit Angaben wie „Rentner“ (als Ereignis erfassen?)
    oder „Arztwitwe“ (als Beruf und als Todesereignis des Mannes?)?
  • Wo kommen die klassifizierten Informationen in GEDCOM hin? In eine
    Notiz NOTE? oder eben doch in OCCU?

Wie macht ihr das in euren Stammbäumen?

Nun, ja. Kommt wohl darauf an, was das genutzte Programm anbietet. Und
auch, was man sich für Forschungsschwerpunkte gesetzt hat. Wobei die
sich ja im Lauf der Zeit auch ändern können.

Ich erfasse „Berufe“ as is, wie sie in der Quelle stehen (derzeit), und
definitiv unter Beruf. Da landet z.B. die „Arztwitwe“ dann bei der Frau
im Beruf, der „Arzt“ beim verstorbenen Mann nur dann, wenn
widersprüchliche oder keine anderweitigen Informationen zu seinem Beruf
vorliegen. Bei der Erfassung unter Beruf hat man wenigstens die
Möglichkeit, auch später noch danach zu filtern (sofern das Programm das
bietet) und ggf. nachträglich zu verfeinern. Wenn man alles in Notizen
packt, wird das so unstrukturiert und es lässt sich später nur sehr
mühsam wieder auseinanderklauben.

Gruß
Martina (Klein)

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