Noch ein Nachtrag: SBZ/ Sowjetische Besatzungszone

Hallo Herr Wagner,

danke noch einmal für Ihren interessanten Beitrag. (4.08. sachsen-anhalt-l)
Gestatten Sie mir als Nachtrag bitte noch einen Hinweis.

Die Bildung der SBZ mit dem fiktiven Datum 1.07.1945 zu kennzeichnen entspricht
nicht den historischen Abläufen.
Bereits mit der Berliner Erklärung v. 5.06.1945 übernahmen die vier Alliierten die
Regierungsgewalt in den von ihnen besetzten Gebieten, wohlgemerkt entgegen den in der Haager Landkriegsordnung festgeschriebenen Prinzipien (Artikel 42- 56).

In der Folgezeit begann die Zeit der alliierten Militärdiktaturen.
In der SBZ und in den von der Roten Armee besetzten Gebieten Ostdeutschlands
wurden 38 (achtunddreißig) Konzentrationslager (hier als "Speziallager"
bezeichnet), in den Westzonen 58 sog. "Internierungslager" errichtet (bzw.
oft frühere NS- Konzentraionslager umgewidmet und weiter genutzt).
In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass allein die Fahndungsliste
der US- amerik. Geheimdienste OSS (Office of Strategic Services) und des CIC
(Counter Intelligence Corps, sog. Spionageabwehrkorps) 1 Milllion Namen umfasste
(mir vorliegend).
Den sowjetischen Kampfeinheiten folgten in der zweiten Welle 49 (!) Divisionen des
NKWD, die sog. Inneren Truppen (insgesamt 500.000 Mann), die die Aufgabe hatten,
die besetzten Gebiete systematisch zu durchkämmen und die gesamte akademische Intelligenz,
alle Amtsperonen, alle Parteimitglieder (NSdAP), alle Angehörigen von Gliederungen der Partei
und ihrer Unter- und Teilorganisationen, insbesondere deren Amtsträger, alle Angehörigen der Deutschen Wehrmacht und ihrer Gliederungen, insbesondere die Offiziere (die in der SBZ grundsätzlich alle
inhaftiert un din die Speziallager eingewiesen wurden), alle Angehörigen der Schutz-, Ordnungs- und Sicherheitspolizei, alle Angehörigen paramilitärischer und quasi- milit. Verbände (Z.B. Organisation
Todt), alle ehem. Angehörigen der Allgemeinen SS sowie der Waffen- SS gefangen zu nehmen und
in Haftlager einzuweisen.
Darüber hinaus waren in den ebenfalls mehr als 1 Million Namen umfassenden sowj. Fahndungslisten,
die noch dazu kategorisiert waren, prinzipiell auch alle Richter, Staatsanwälte und Mitarbeiter
von Gerichten, Chefredakteure, Redakteure von Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunkstationen,
Journalisten, die ab 1933 bis 1945 durch nationalsozialistische und antisowjetisch geprägte
Publikationen, Bücher, Artikel, Beiträge und andere Veröff. bekannt wurden, automatisch zu
verhaften. Dies betraf ebenso Schauspieler, bekannte Autoren, Kommentatoren, Propagandisten
usw. Der automatischen Verhaftung unterlagen aber z.B. auch einfache Kriegsberichterstatter.

Heute hier im neudeutschen Staat BRD findet hinsichtlich dieser hist. Vorgänge tendenziell nicht
nur eine Nachrichtenunterdrückung statt sondern darüber hinaus auch eine Umdeutung der Geschichte,
die mit einer Leugnung dieser Periode des Terrors und der Massenverfolgung i.Z. steht und
die Opferzahlen verharmlost sowie das Ausmaß marginalisiert.

Grüße aus Niedersachsen, Thomas Engelhardt, Ilsede

Sehr geehrter Herr Engelhardt, sehr geehrter Herr Wagner,
Viele Genealogen beschäftigen sich heute mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Auswirkungen auf die jeweiligen Vorfahren. Da wir meist deutsche Vorfahren haben, müssen wir uns also auch mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinandersetzen. Leider lese ich in Ihren Beiträgen ausschließlich von Verbrechen von „alliierten Militärdiktaturen“. Kein Wort darüber, was 1945 zu den vier Besatzungszonen geführt hat, keine einleitende Bemerkung, dass die Ursache der unbestrittenen Vergehen sowjetischer wie auch amerikanischer Militärs ihren Ursprung in einem verbrecherischen Angriffskrieg der deutschen Wehrmacht hatten. Stattdessen schreiben Sie vom „Ehrfurcht“ gegenüber den Leistungen deutscher Soldaten vor Moskau. Mir fallen da eher Vokabeln wie Abscheu ein. Denn was die Wehrmacht in der besetzten Sowjetunion an Verbrechen begangen hat, kann keine Ehrfurcht erregen. Hier sollten wir, gerade als Genealogen, die historischen Fakten klar benennen und nicht nur einen Teil aus der Geschichte herauspicken.
Herr Engelhardt schreibt dazu noch, dass in der „neuen BRD“/„neudeutschen Staat BRD“ die Verbrechen der Alliierten nicht ausreichend benannt sind. Ich kann Ihnen nur mal einen Blick in eine Buchhandlung oder eine Bibliothek empfehlen. Es gibt massenhaft Literatur zu diesem Thema, dazu kommen Filme und Dokumentationen. Darin wird das Leid der deutschen Bevölkerung beim Vormarsch der Alliierten durchaus gewürdigt - allerdings unter der Prämisse, dass Deutschland den Krieg begonnen hatte. Gerade bzgl. der Verbrechen, die durch Soldaten der Roten Armee begangen wurden, gibt es Unmengen an wissenschaftlicher, aber auch belletristischer Literatur. Hier zu postulieren, dass sich das wiedervereinigte Deutschland dem nicht stellt, gar von Nachrichtenunterdrückung oder Leugnung zu sprechen, entbehrt jeder sachlichen Grundlage.

Ich war erst gestern auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Frankreich. Zwanzigtausend deutsche Gefallene aus dem südfranzösischen Raum sind dort bestattet. Wer dies sieht, stellt sich unweigerlich die Frage, welchen sinnlosen Tod die Soldaten gefunden haben. Unabhängig davon, ob sie treue Nationalsozialisten oder einfach nur Eingezogene waren. Sie trugen, direkt oder indirekt, die Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten. Wir dagegen tragen Verantwortung dafür, dass dies nie wieder geschieht. Deshalb sollten wir bei der Betrachtung der Zeit nach dem 8.5.1945 immer die Ursachen mit berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Matschke

Hallo,

wer eine über 300-seitige Dokumentation, 7 MB groß, "Alliierte Kriegsverbrechen im WW II, zusammengestellt und bezeugt im Jahre 1946 von Internierten des Lagers 91 Darmstadt", haben möchte, bitte mich direkt anmailen oder Download über https://archive.org/details/AlliierteKriegsverbrechen

Viele Grüße
Dietger (Braun)

mailto:diegter.braun@t-online.de

Guten Abend, Herr Engelhardt,

ich danke Ihnen vielmals für Ihre beiden, den echten Fakten entsprechenden Darstellungen zum Kriegsende und zu den millionenfachen Untaten der Sieger, der sog. "Befreier" aus Ost und West _nach Kriegsende_ an Deutschland, seiner Bevölkerung, seinem Vermögen und seiner Wirtschaft!

Im Anschluß wurde als Antwort darauf - umerziehungskonform - erwartungsgemäß auch gleich wieder aufgerechnet und abgewehrt:

    Zitat Th. Matschke:
    "Leider lese ich in Ihren Beiträgen ausschließlich von Verbrechen von „alliierten Militärdiktaturen“. Kein Wort darüber, was 1945 zu den vier Besatzungszonen geführt hat, keine einleitende Bemerkung, dass die Ursache der unbestrittenen Vergehen sowjetischer wie auch amerikanischer Militärs ihren Ursprung in einem verbrecherischen Angriffskrieg der deutschen Wehrmacht hatten."

Eine solche, fakten- und zeitabschnittsverbiegende Aufrechnung zur Abwehr von Fakten und der Benennung tatsächlicher Vorkommnisse ist jedoch historischer Unfug.

Tatsächliche oder erfundene Kriegsverbrechen von deutscher und alliierter Seite sind das eine (aber auch die muß man "fairerweise" gegenseitig durchaus benennen!), das ebenso völkerrechtswidrige und ihrem eigenen Anspruch als sog. "Befreier" völlig widersprechende, höchst kriminelle Verhalten im Nachkriegs-Deutschland das andere.

Wer aus dem Kreis der Ost- wie West-Alliierten sich als "Befreier" aufspielt und auch heute noch als solcher bezeichnet werden möchte, muß sich sehr wohl auch seine millionenfachen Untaten in allen Stufen der Grausamkeit zurechnen lassen! Nicht nur die Sowjets, auch Amerikaner, Engländer und Franzosen haben hier als Sieger, nicht wie echte Befreier, nur allzu oft wie die "Wilden" gehaust und gewütet.

Das wurde ja bereits lange vor Kriegsende vorbereitet, als sich die Westalliierten (Stalin war das sowieso grundsätzlich völlig gleichgültig, er "tarnte" sich da gar nicht erst) darauf einigten, deutsche Kriegsgefangene als sog. "Entwaffnete Feindkräfte", etc., "umzudeklarieren", um ihnen nur ja nicht den tatsächlichen Schutz der Genfer Konventionen, der Haager Kriegsordnung und des Völkerrechts gewähren zu müssen und um sie nach Belieben wie Dreck und alliierte Sklaven behandeln zu können! Auch die Amerikaner haben Hunderttausende deutscher Gefangener auf ihrem Gewissen, die sie nach Kriegsende (!) bspw. in den Rheinwiesenlagern in allen Spielarten der Grausamkeit elend haben verrecken lassen. In zahllosen geheimen, eiligst zugeschobenen Massengräbern ruhen deren Gebeine, die alle zum riesigen, nicht mehr aufklärbaren Kreis der noch etwa 1,5 Millionen deutschen Vermißten zählen wie an den Fronten während des Krieges. Jede Bundesregierung hat von Anfang an Nachforschungen und Klärungen zu Schicksal und Verbleib deutscher Soldaten im mißbräuchlichen Gewahrsam der Alliierten zielstrebig im Sande verlaufen oder untersagen lassen. Auch das spricht Bände, was deutsche "Souveränität" betrifft! Überlebende wurden zudem von den Amerikanern völlig völkerrechtswidrig wie Ware in gewaltigen Lkw- und Bahnladungen zu den anderen Mit-Siegern als rechtlose Arbeitskräfte verschoben, wo sie oft umkamen. Und, und, und ...

All das ist sorgfältig von neutraler Hand dokumentiert worden, wird jedoch von deutscher offizieller Seite seit damals tunlichst möglichst versteckt gehalten und unerwähnt gelassen.

Nochmals danke für Ihre - immer wieder überfällige - Darstellung der tatsächlichen Geschehnisse und die Erinnerung daran.

Mit freundlichen Grüßen,
A. Klinghoff

Guten Morgen, Herr Braun,

auch Ihnen vielen Dank für den Hinweis auf diese mit Entsetzen lesenswerte Dokumentation!

Ich kenne sie seit Erscheinen, aber bei wiederholtem Lesen entdeckt man immer neue schreckliche Details.

Der sog. Nobelpreisträger und weltweit gefeierte Schriftsteller E. Hemingway war nach eigenen Darstellungen auch einer dieser amerikanischen Kriegsverbrecherstrolche, die wehrlose deutsche Gefangene mit Spaß am Töten quälten und erschossen, und er beschrieb das auch noch genüßlich haarklein in Briefen (die ekelhaften Details möchte ich hier nicht erwähnen) - und das alles, obwohl er als Nicht-Armeeangehöriger, sondern ziviler Kriegsberichterstatter (Journalist einer US-Zeitung) bei seinen Einsätzen nicht einmal eine Waffe hätte tragen geschweige denn benutzen dürfen! Kein US-Army-Angehöriger hatte ihn an seinen Morden gehindert, niemand ihn entwaffnet, kein US-Gericht hatte ihn je wegen seiner Morde an Deutschen angeklagt!

Mit freundlichen Grüßen,
A. Klinghoff

Hallo,

ich habe lange überlegt ob ich zu der Diskussion etwas sagen möchte. Gedrängt hat es mich, und dieser Beitrag von Herrn Braun hat den letzten Ausschlag gegeben.

Uns allen ist sicher mehr oder weniger klar, das auf beiden Seiten des Krieges und der Nachkriegszeit nicht nur "die Guten" saßen. Überall gab es welche die blind Befehlen gehorchten, willentlich und bewußt Befehlen folgten, ihr eigenes Ding durchzogen, aus mutmaßlichen Rachegefühlen Rache für irgend ein früheres Vorkommnis nahmen, einfach nur Jungspunde waren die sich in manchen Situationen hinreißen ließen, die sich einheizen ließen. Beide Großväter von mir waren im Krieg, einer verhungerte in sowjetischer Gefangenschaft, der andere hat nach seiner Rückkehr nie wieder über das gesprochen was er erlebt hat, so schrecklich war das. Meine Stiefmutter ist eine Vertriebene, die nicht unbedingt erzählenswerte Dinge erlebt hat.

Das sollten wir hier etwas sachlicher diskutieren. Auf beiden Seiten gab es Gute und Böse. In allen Schichten der Befehlskette. In manchen Armeen wurde ideologischer gemordet als in anderen. Das war so. Und muß uns allen klar auch sein. Das darf selbstverständlich nicht vergessen werden. Weil das zu unserer Vergangenheit gehört, und weil wir aus der Erinnerung heraus alles tun müssen das so etwas nie wieder passiert. Nicht in irgend einem Krieg, nicht in sonst einer größeren oder kleineren Auseinandersetzung, nicht in unserem Umfeld.

Das darf nicht zu einer Diskussion führen wie sie hier gerade geführt wird. Diskutieren und hinweisen - ja. Aber dieses Hauen und Stechen ist dem Thema nicht angemessen.

Allerdings regt sich in mir auch ein gewisser Widerwille gegen die unten zitierte Literatur. Zum Einen weil das eine Aneinanderreihung von Aussagen sind, die mangels nachprüfbarer Quellen wahr sein können oder auch nicht. Als Familienforschern sollte uns allen eine korrekte Quellenforschung ins Blut übergegangen sein - hier ist das nicht möglich. Und mir mißfällt der Herausgeber dieses Werkes. Ein Verlag, der bekanntermaßen weit rechts und geschichtsrevisionistisch ist. Das Buch ansich mag da noch so wichtig und eventuell sogar richtig sein - der Verlag verleiht dem in meinen Augen mehr als nur ein ein wenig Geschmäckle.

Jan Escholt

Sehr geehrte Frau Klinghoff,
Leider kann ich Ihre Aussagen so nicht stehen, geschweige denn unkommentiert lassen. Was Sie hier darstellen, ist zu Teil eine Täter-Opfer-Umkehr, gepaart mit einigen Lügen, Wahrheiten und Halbwahrheiten. Das ist eines Genealogen nicht würdig.

1. Es ist völliger Unsinn und entbehrt jeder sachlichen Grundlage, dass in Deutschland die Vergehen der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg „von offizieller Seite […] tunlichst möglichst versteckt gehalten und unerwähnt“ gelassen werden. Sie unterstützen damit das Narrativ einiger Rechtspopulisten, nachdem „man in Deutschland ja nicht mehr alles sagen darf“. Das Gegenbeispiel wird täglich gesagt/geschrieben, für Beispiele schauen Sie einfach auf die einschlägigen Facebook-Seiten und deren Kommentare.

2. Man kann es sehen wie man will, aber der 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung Deutschlands. Dies hat Bundespräsident Weizsäcker 1985 in seiner Rede mehr als klar zum Ausdruck gebracht. Die Deutschen waren zwischen 1933 und 1945 nicht in der Lage, sich von der Nazi-Diktatur selbst zu trennen - deshalb mussten es die Alliierten tun. Und da wir heute mehr denn je wissen, um was für ein verbrecherisches Regime es sich handelte, sprechen in Deutschland eben auch vom Tag der Befreiung.

3. Ich bin bei Ihnen, wenn Sie darüber schreiben, dass eine Aufrechnung von Verbrechen gegeneinander keinen Sinn ergibt. Jedoch muss man immer, und dies machen Sie leider nicht, den gesamten historischen Kontext betrachten. Wenn wir heute über die Vergehen und Verbrechen der Alliierten diskutieren, müssen wir eben berücksichtigen, wer a) den Krieg angefangen hat und b) was die Soldaten auf ihrem Weg bis nach Deutschland sehen mussten.

4. Ich denke, niemand in dieser Liste hat etwas dagegen, wenn Sie auch über die Verbrechen der alliierten Soldaten diskutieren. Die gab es und darüber gibt es ja auch Literatur sowie Dokumentationen. Wenn Sie aber einzelne Punkte aus dem historischen Kontext reißen und dann noch falsch interpretieren, müssen Sie immer mit Widerspruch rechnen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Matschke

Danke Thomas Matschke, damit meine ich, ist Alles gesagt, was hier noch gesagt werden musste!
Wilhelm (Thiele)

Jan, 3 Daumen hoch für deine Worte.

Eckhard (Hensel)