Namensgebung nach Judentaufe (Landeshut)

Guten Tag,

einer Chronik zufolge wird am 26. Dezember 1742 in der Gnadenkirche zu Landeshut der Jude Joachim Ben Abraham getauft.

Er trägt hinfort den Namen: Johann Gottlieb.

Interpretiere ich richtig, daß “Gottlieb” der neue Familienname ist, oder sind nur zwei neue Vornamen gemeint"?

Dank für Ideen und

beste Grüße

Uwe

Sehr geehrter Herr Kambach,

Weiß man, was mit den Kirchenbüchern der Gnadenkirche geschehen ist? Kriegsverlust? Oder sind die zugänglich?

Sollte letzteres der Fall sein, so wäre es doch naheliegend, mal im Kirchenbuch dje Angabe der Chronik zu überprüfen. Dort - denke ich, würde dann vermutlich auch schnell klar ob es sich um zwei Vornamen (was ich glaube) handelt oder um 1x VN + 1x NN.

Lokalhistoriker können sicher die Frage nach den Kibü beantworten.

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Hallo Uwe

ursprünglich trugen die Juden West- und Mitteleuropas keine festen Familiennamen. Vielmehr hatten sie einen Vornamen, dem der Zusatz ben und der Vorname des Vaters angehängt war.

Daher dürfte es sich um 2 Vornamen handeln. Aber die Taufe und ggf. weitere Einträge sollten sich in den Matriken finden lassen. Dann hat man eine sichere Aussage.

Beste Grüße

Armin (Bergmeister)

Guten Abend und besten Dank für die Beiträge!

Leider sind die Kirchenbücher für den fraglichen Zeitraum nicht überliefert.

Auf der Website des Kreises Landeshut finde ich eine weitere Judentaufe vermerkt: 21. Juli 1799

Fortsetzung:

Hier heißt der Jude Löbel Jablonski nach der Taufe Emanuel Traugott Böhm. Er ändert also nicht nur die Vornamen. Deswegen vermute ich auch beim von mir genannten Fall, daß “Gottlieb” der neue Familienname ist.

Beste Grüße

Uwe

Das muss man unterscheiden: Ja, bei den Juden waren lange keine Familiennamen üblich, sondern nur Vatersnamen.
Aber bei der Taufe erfolgte in der Regel auch namentlich die völlige Assimilation, d.h. die Übernahme von neuen Vor- UND Nachnamen, gerne angelehnt an den Herkunftsort oder an die Namen der Paten.
Bei mehreren hundert Judentaufen in Köln wird IMMER ein Familienname vergeben. Der Sinn der Taufe war ja auch das völlige Aufgehen in der Mehrheitsgesellschaft.

Viele Grüße

tobias_k