Nachtrag 1 zu von Kloedens Erdkunde 1875

Der Regierungsbezirk Breslau

mit 1.414584 Bewohnern, der mittlere Theil von den S�mpfen der
Bartsch im R.: die H�hen der Trebnitzer oder Katzenberge, das
breite Oderthal, die Vorh�hen des Gebirges nebst dem Zobten,
das Eulen-Gebirge und ganze Glatzer Gebirgsland, bis s�dlich
von der Nei�e Quelle; er ist gr��er als das Gro�herzogthum
Mecklenburg-Schwerin. - 157,5 O.=M. sind Frucht, 26,3 O.=M.
Gras, 51,8 O.=M. holz tragende, 9 O.=M. fast ertraglose Fl�che.-
515,1 Kilom. = 69,4 g. M. Eisenbahn (1872)

Unter dem Appellations-Gerichte zu Breslau stehen das Stadtgericht
ebenda und 23 Kreisgerichte. - Der Reg. - Bezirk ist in 24 Kreise
getheilt.- Haupt-Zoll�mter sind zu Landsberg, Liebau, Mittenwalde,
Mislowitz, Reustadt; Haupt-Steuer-�mter zu Breslau, Glogau, G�rlitz,
Liegnitz, Oels, Oppeln, Ratibor, Schweidnitz, Wohlau.

a ) F�rstenthum Breslau

1.) Breslau (polnisch Wroclaw) 207.997 Einwohner ( etwa 44.500
    Katholiken, 10.446 Juden, 4702 Soldaten), 117 m. �ber dem Meere,
    eine alte slawische Stadt, schon 954 vorhanden, von a. 1052 an
    Bischofsitz; thurmreich, n�chst Berlin die gr��te Stadt im
    Staate, aber eng und winklig, von der Oder durchflossen, an der
    M�ndung der Ohlau und Ohle gelegen. Es besteht aus der Altstadt,
    von einem doppelten Graben umgeben, 4 gr��eren Inseln und 5
    Vorst�dten. Die neuen Vorst�dte sind sch�n, der alte Theil
    bewahrt zum Theil alterth�mlich gebaute Giebelh�user. Das
    eigenth�mlichste Geb�ude ist das Rathhaus auf dem gro�en Ring,
    mit zahlreichen Erkern und bilderreichen Simsen (Schweidnitzer
    Keller). Auf demselben Platze, wo auch seit 1842 eine
    Reiterstatue Friedrichs des Gro�en von Ki� steht, findet man das
    lebhafteste Treiben. Mit diesem Platze verbunden ist der viel
    kleinere Bl�cher-Platz, fr�her Salz-Ring, mit einem ehernen
    Standbilde Bl�chers, von Rauch. S�dlicher, in der Schweidnitzer
    Vorstadt steht ein Denkmal Tauentziens auf dem danach benannten,
    mit Anlagen geziertem Platze. Der Neumarkt ist mit einem
    Springbrunnen versehen. Es gibt 37 benutzte und unbenutzte
    Kirchen und Kapellen; 12 katholische und 9 evangelische Kirchen.
    Die Domkirche zu St. Johann, 1170 nach dem Muster der zu Rouen
    gebaut, hat interessante Kapellen und Denkm�ler. Die Kreuzkirche
    ist 1288 gegr�ndet, die Sandkirche oder Liebfrauenkirche auf dem
    Sand in der Mitte des14. Jahrhunderts; St. Elisabeth, von 1257,
    hat einen 90,7 m. hohen Thurm und sehr gro�e Glocke und Orgel;
    weitere 42 m. sind a. 1529 eingest�rzt. Die Th�rme der Maria-
    Magdalenenkirche sind durch eine Bogenbr�cke verbunden.
    Bedeutende Geb�ude sind au�erdem, das Stadtgericht (von 1852)
    das Schlo�, das landst�ndische Geb�ude, die B�rse (von 1824)
    das General-Commando, das Schauspielhaus, Casernen, der
    f�rstbisch�fliche Palast. Die Universit�t, im ehemaligen
    Jesuiten-Collegium, ist 1811 von Frankfurt hierher verlegt; sie
    hat Sternwarte, botanischen Garten, Sammlungen u.s.w.,Bibliothek
    von 200.000 Bdn., 5 Gymnasten. Breslau hat Gaserleuchtung. -
    4 Waisenh�user, 17 Hospit�ler. -
    Die Gewerbth�tigkeit ist bedeutend; zahlreiche Fabriken,
    Bierbrauereien. Gro�e Maschinen- und Eisenbahnwagenfabriken, eine
    mit 820 Arbeitern und 9 Dampfmaschinen. Auch der Handelist noch
    immer bedeutend; Getreide, Metalle, Tuch, Holz sind Hauptartikel.
    Breslaus Wollm�rkte m�gen wohl die bedeutendsten in Deutschland
    sein.

    Fortsetzung folgt mit Landkreis Breslau