MyHeritage mit neuer KI-Anwendung „Scribe AI“

Originally published at: MyHeritage mit neuer KI-Anwendung „Scribe AI“ • Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen)

MyHeritage hat eine neue KI-Funktion vorgestellt: „Scribe AI“. Mit dieser Anwendung können alte Familiendokumente und Fotos transkribiert und auf neue Weise erschlossen werden. Dazu wird einfach eine Bilddatei hochgeladen. Das kann der Scan eines handgeschriebenen Briefes sein, ein altes Foto, das Bild eines Grabsteins oder ein Wappen. Fremdsprachige Texte werden in die eigene Sprache übersetzt. „Scribe AI“ ist eine erweiterte Form von Transkription und Interpretation, die zur Nutzung in der Familien- und Ahnenforschung hilfreich ist.

Wie funktioniert „Scribe AI“?

MyHeritage schreibt dazu: „SCRIBE steht für Scientific Record Indexing Base Engine. Scribe AI basiert auf Modellen der künstlichen Intelligenz. Diese wurden darauf trainiert, Handschriften und gedruckte Texte in vielen Sprachen zu lesen. Sie verstehen auch visuelle Muster und historische Hinweise, die in familienhistorischen Materialien häufig vorkommen. Die Funktion nutzt ein umfassendes historisches Wissen, um Ergebnisse zu liefern, die weit über eine einfache Transkription hinausgehen. Die KI klassifiziert das Bild und erfasst den Inhalt. Anschließend wendet sie für jede Art von Material ein spezielles Analyseverfahren an. Dokumente und Fotos werden unterschiedlich behandelt.“

Texte auf mehreren Seiten können als PDF-Datei hochgeladen und als Gesamtheit analysiert werden. Anhand von Fototechniken, Architektur, Kleidung oder Frisuren wird bei Fotos das Alter und der mögliche Aufnahmeort geschätzt und der Inhalt beschrieben. Wappen werden heraldisch beschrieben, deren Symbole erklärt und historisch eingeordnet. Am Ende erhält der Nutzer ein ausführliches Dossier über das Bild bzw. den Text.

Testbeispiel Grabstein

Wer kein MyHeritage-Konto hat, kann nach einer kostenlosen Anmeldung ein Bild hochladen bzw. per Drag & Drop auf die „Scribe AI“-Seite ziehen. Mein Test mit einem jüdischen Grabstein, der noch einigermaßen lesbar war, hat erstaunlich gute Ergebnisse gebracht. Allerdings hat die Analyse einige Zeit gedauert, Geduld war nötig.

Als erstes wurden die Inschriften analysiert und transkribiert, die hebräischen Texte wurden ins Deutsche übersetzt. Im zweiten Schritt wurde der Grabstein genau beschrieben und zeitlich (19. Jahrhundert) und örtlich (jüdischer Friedhof) eingeordnet. Selbst Forschungsvorschläge für weitere Untersuchungen werden gemacht. Schließlich wird der gesamte Text zeilengenau transkribiert und zusätzlich in deutscher Sprache wiedergegeben. Da ich kein Hebräisch kann, bin ich nicht sicher, ob die Zeichen auf dem Grabstein richtige gelesen wurden. Die Übersetzung erscheint mir aber sehr sinnvoll.

Noch gut zu wissen

Zulässige Dateiformate für „Scribe AI“ sind JPG-, PNG- und PDF-Dateien (mit etwa 15 Seiten). Auch Dokumente, die bei der Suche in der MyHeritage-Datenbank gefunden werden, können mit „Scribe AI“ analysiert werden. Dokumente in allen Sprachen, die auch auf der MyHeritage-Seite unterstützt werden, sind auswertbar. Die Übersetzungen werden in der Nutzersprache erstellt. Auf der eigenen Familienseite werden die Bilder und Ergebnisse gespeichert. MyHeritage verspricht, dass die hochgeladenen Dokumente und Bilder nicht anderweitig (z.B. zum KI-Training) genutzt werden. Andere Nutzer können sie nicht einsehen, solange sie nicht aktiv an Freunde weitergeleitet werden.

Kommentar zur KI-Übersetzung des Grabsteins

Die Transkription des Grabsteines ist leider teilweise falsch, soweit das auf dem Photo zu erkennen ist. So steht in der dritten Zeile “bjom ‘beth’” (zweiter Tag) und nicht “bjom ‘jud’” (zehnter Tag), in der vierten Zeile nicht “niftar” (verschied), sondern “lamed-pe-kuf” (nach kleiner Zählung) und die nächste Zeile heißt nicht “bechag Schmini Azereth” (am Fest Schmini Azereth) sondern “met blel schmini chag ha’azereth” (starb am Vortag des Festes Schmini Azereth) (besonders in dieser Zeile habe ich Probleme mit der Leserlichkeit).

Das ist das blöde an KI. Selbst wenn sich das Ergebnis irgendwie sinnvoll anhört, weiß man nicht, ob es richtig ist, außer man hat so viel Ahnung von der Materie, daß man die KI nicht gebraucht hätte. Quelle: Roehling in Discourse

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Heute wurde mir bei MyHeritage die Anwendung “ScribeAI” zugeschaltet.

Ich habe sie ausprobiert mit 15 Feldpostbriefen und 4 Briefen meiner Mutter in Sütterlin, von denen ein Teil vor 20 Jahren überstzt wurden und ich bin erstmals total zufrieden mit dem Ergebnis. Bisher hat kein Programm und auch keine Transkription so gute Leistung erstellt.Ich habe mir vor 15 Jahren Sütterlin angenommen, weil ich Geld sparen wollte und bin also jetzt erstmals zufrieden.

Uwe im dreiundachzigsten Jahr.

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Ich kann das bestätigen.

Sehr überzeugend ist vor allem die Dialogmaske und dort die rechte Spalte, in der nicht nur das (hervorragende) Transkript eines (auch für eine “echte” Person sehr unleserlichen) handschriftlichen Briefes enthalten ist, sondern auch eine begleitende Begutachtung des “Transkript-Auftrags”, die eine selbst aus heutiger, verwöhnter Technologiesicht enorme KI-Qualität aufweist.
Für mich bietet diese begleitende Analyse prinzipiell genauso viel Mehrwert wie der bloße Transkript an sich.

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Vielen Dank für diesen Hinweis.

Ich habe es auch gleich ausprobiert:

  • Eine für mich nur in Bruchstücken lesbare Kirchenbuchseite aus 1846.
  • Die Transkription, die ich mit Transkribus davon erstellen konnte.
  • Das Ergebnis aus “Scribe AI”.
    –> Beeindruckend! Das ist das, was man heute von KI erwarten kann!

Auch die Hinweise und Zusammenfassungen jenseits der reinen Transkription sind sehr hilfreich.
Ich möchte fast von einer “Revolution” des genealogischen Arbeitens und seiner Effizienz sprechen.

Ich möchte annehmen, dass für zahlende Kunden, die identifizierten Personen gleich indexiert und verlinkt werden, denn das fällt danach quasi nebenbei ab.

Hallo Klaus und andere,

man darf nicht vergessen:

KI will gefallen - ist immer diensteifrig und liefert immer perfekte Texte.
KI „denkt“, aber nicht immer richtig.
KI biegt auch mal was zurecht, damit es gut aussieht.

Ich habe das auch ausprobiert und hier

meine Erfahrungen geschildert, auch im Vergleich zu Transkribus; die
Schlussfolgerungen im Vergleich kommen am Ende.

Man darf sich nicht vormachen, dass man das Lesen von
Kirchenbucheinträgen oder anderen historischen Texten jetzt der KI
überlassen kann. Man muss schon noch selber mitdenken. Was aber
schwierig wird, wenn die KI scheinbar (!) perfekte Ergebnisse liefert.
Wenn da also ein Beruf und ein Name und ein Ort stehen, weil das im Text
so ist - aber der falsche Beruf, Name oder Ort. Statt einem falsch
geschriebenen Beruf, der für Menschen leicht korrigierbar ist: In meinem
Fall Schäfen statt Schäfer bei Transkribus - aber nicht Schuhmacher, wie
in der KI! Und nicht der Ort, der später im Text vorkommt, obwohl am
Anfang ein anderer steht (zumal Falkenhagen und Schwalenberg wirklich zu
unterscheiden sein sollten).

Bei Transkribus ist besser erkennbar, wo die Mustererkennung (mehr ist
es dort nicht) nicht funktioniert hat und man selber mitdenken und
korrigieren muss, siehe oben. Und bei Transkribus sollte man immer
verschiedene Modelle ausprobieren. Sie liefern evtl. unterschiedlich
gute Ergebnisse.

Wenn sich jetzt, weil das so gut aussieht, viele Leute mit einer toll
klingenden KI-Transkription zufrieden geben, kommen neue Fehler in die
Familienforschung, die dann auch wieder weiterkopiert werden, wie schon
die Fehler in Stammbäumen.

Und was die historische Einordnung betrifft: Diese KIs sind
Sprachmodelle, auch hier ist größte Vorsicht geboten, und eigenes
Nachrecherchieren. Wieder: Was gut klingt, muss nicht stimmen, siehe
mein oben verlinktes Beispiel.

Schöne Grüße
Renate

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Die Transkription des Grabsteines ist leider teilweise falsch, soweit das auf dem Photo zu erkennen ist. So steht in der dritten Zeile “bjom ‘beth’” (zweiter Tag) und nicht “bjom ‘jud’” (zehnter Tag), in der vierten Zeile nicht “niftar” (verschied), sondern “lamed-pe-kuf” (nach kleiner Zählung) und die nächste Zeile heißt nicht “bechag Schmini Azereth” (am Fest Schmini Azereth) sondern “met blel schmini chag ha’azereth” (starb am Vortag des Festes Schmini Azereth) (besonders in dieser Zeile habe ich Probleme mit der Leserlichkeit).

Das ist das blöde an KI. Selbst wenn sich das Ergebnis irgendwie sinnvoll anhört, weiß man nicht, ob es richtig ist, außer man hat so viel Ahnung von der Materie, daß man die KI nicht gebraucht hätte.

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Danke sehr für diesen Absatz! :+1: :clap:

Könnte man den vielleicht irgendwo anpinnen? :smirking_face:

Schöne Grüße
Dieter

Andere Perspektive: Ich für meinen Teil rätsel und grübel gerne an den Dokumenten und freue mich umso mehr, wenn ich selber…(zur Not auch mit anderen Forscherkollegen)….die Schriften entziffert habe. Da jubelt das körpereigene Belohnungssystem. Ich stimme der hier genannten Kritik bzgl. der Qualität der aktuellen KI zu. Sollte diese sich irgendwann als fehlerfrei erweisen -ich hoffe das werde ich nicht mehr erleben - dann haben wir Ahnenforscher vermutlich (noch viel) mehr Daten….inflationär mehr. Und Inflation macht selten glücklicher dafür oft unselbständiger.

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Eva aus Hamburg: Danke für die Erfahrungsnachrichten. So genau sehe ich es auch. Diese große Urkunde von 1569 (ein Testament) ist gespickt mit Namen, Orten und Zahlen, das macht es natürlich sehr schwer. Da ich eine Übertragung “geerbt” habe, konnte ich es sehr gut vergleichen, denn die Übertragung wurde in den 40er Jahren vom Original in Chemnitz gemacht. Als PDF-Datei ist die mir zugesandte Originalurkunde eine sehr gute Basis, aber die zu geringe Auflösung verhindert eine Vergrößerung der Schrift auf Details. Man muss also jedes Wort genau verfolgen in der Übertragung - die Sache ist bei so komplizierten Texten aussichtslos. Das wollte ich eigentlich nur bestätigt wissen. Danke Euch allen und - nicht aufgeben! Gruß von Eva