Lieber Rudolf, Alfred, Peter und Liste,
Ich habe im Prinzip das gleiche Problem bei der Suche meiner Namenslinie. Der Geburtsort des ältesten Ahn, GOTTLOB SCHWARZER [Ahnen-Nr. 32] (* um 1810), ist bisher unbekannt.
<RudolfAndermann@aol.com> schrieb:
ich habe etwa 10 mal den Film aus Frömsdorf, Altkreis Münsterberg jetzt Kreis
Frankenstein Nr. 1202120 Tauf-Trau- und Totenbuch 1746 - 1766 gelesen.
Mir ist aufgefallen, daß vor allen Dingen bei den Begräbnissen von
Kleinkindern die Musquetire als Väter angegeben sind. Nur bei 2 Taufen habe
ich entsprechende Eintragungen von Vätern als Militärangehörige. Wo die
anderen Taufen der verstorbenen Kinder eingetragen sind, konnte ich noch
nicht feststellen.
Bei der Durchsicht der Kirchenbücher von Neobschütz, Kr. Münsterberg wurde der einzige Nachweis für einen GOTTLOB SCHWARZER [ggf. Ahnen-Nr 64] im Heiratsbuch 1798-1843 S.9 Nr.8 gefunden:
"Den 13ten Nov [1804] ward nach 3maligem Aufgebot getraut, der Junggesell Joh. Gottlob SCHWARZER, Musq. unter Hohenloh und von der Compag. Cap. v. Zitzwitz, des Joh. Gottlieb SCHWARZERs Auszüglers in Stachau ehel. jüngster Sohn. Mit Jungfer Johanna Elisabeth Hoffmann Schließerin in Miskowitz, des Johann Hoffmanns Inwohners in Kurchschwitz ehel. alteste Tochter. Sponsu 26. Sponse 26 Jahr."
Da in den Kirchenbüchern von Neobschütz (Taufen 1798-1825) keine Geburt für GOTTLOB SCHWARZER [Ahnen-Nr. 32] (*um 1810) eingetragen waren, lag es nahe, dass der oben genannte JOHANN GOTTLOB SCHWARZER [ggf. Ahnen-Nr. 64] nach seiner Hochzeit 1804 einen Sohn GOTTLOB SCHWARZER [Ahnen-Nr. 32] in der Garnisonsstadt seines Bataillons bekam und dort taufte. Daher wurden die Kirchenbücher des Infanterie-Regiments IR 32 durchsucht. Fehlanzeige (!), nicht eine Spur von GOTTLOB SCHWARZER.
In "F.A.Zimmermann Beiträge zur Beschreibung Schlesien von 1785" heißt es im
Dritten Abschnitt "Vom Münsterbergschen Kreise" : § 10 Aeußerliche Verfassung
- Das Infantrieregiment von Rothkirch hat die Werbung. Für mich heißt das,
daß die einfachen Musquetire aus diesem Kreis geworben wurden. Irgendwoanders
habe ich auch gelesen:
Manschaftersatz aus dem Kreise Münsterberg.
Dieses Regiment 32 hatte seine Garnison von 1744 bis 1786 in Neiße.
Das Infanterie-Regiment 32 kam ursprünglich aus dem Fürstentum Minden nach Schlesien (1743) und erhielt als Ersatzbezirke (Cantons) die "Kreise" Münsterberg und Neisse. 1760/61 ging es mit dem Handstreich Laudons in der Festung Schweidnitz unter (Gefangenschaft), wurde aber aus dem sächsischen Regiment v. Horn (ehemals Prinz Friedrich August v. Sachsen) neu aufgefüllt. Ab 1786 lag es in Neisse. Das Regiment ging 1806 bei den Kapitulationen von Erfurt und Prenzlau bzw. Breslau (III. Btl.) unter. Die Reste kamen zum 1. Schlesischen Regiment (später Gren. Rgt. Nr. 10).
Aus den Militärkirchenbüchern Tote 1798 - 1813 hätte hervorgehen können, ob JOHANN GOTTLOB SCHWARZER [ggf. Ahnen-Nr.64] ggf. 1806 in Breslau, Jena oder Auerstedt starb. Fehlanzeige (!)
Im Regimentskirchenbuch, welches ich im Staatsarchiv in Leipzig eingesehen
habe, waren nur die Familenereignisse von Offizieren und Unteroffizieren
verzeichnet.
Für mich deutet nun vieles darauf hin, daß die Taufen, Trauungen und
Begräbnisse der einfachen Soldaten in den jeweiligen Heimatkirchenbüchern
festgehalten wurden.
Die alten Kirchenbücher haben ja extra die Spalte für Militärische Personen.
Mir fehlen aber immer noch die Eintragungen von Geburten, wie gesagt, die
Begräbnisse sind im normalen KB erfaßt.
Das wäre eine Erklärung und gleichzeitige Lösung, aber die Kirchenbücher der Toten existieren nicht mehr für Neobschütz, Kr. Münsterberg. Hier steckt man eben fest.
In den KB der Militärgemeinde sind nach meiner bisherigen Einschätzung und
Erfahrung nur Eintragungen der führenden Leute des Regiments.
Kannst Du hier einen Rang feststellen oder anders, wozu zählt Deiner Erfahrung nach ein Musquetier ?
Zum Infanterie-Regiment IR 32 kann ich folgende gesammelte Informationen weitergeben:
Der oben genannte Hohenloh war der Generalmajor, ab 1798 General der Niederschlesischen Inspection der Infanterie Friedrich Ludwig Erbprinz zu Hohenlohe-Ingelfingen (1746-15.2.1818). Er führte ab 1. März 1803 das Regiment (zu Fuß) Fürst v. Hohenlohe (No. 32). Hohenloh nahm mit der Reichsarmee an den letzten Feldzügen des 7-jährigen Krieges teil, ging 1768 in preußische Dienste und wurde 1778 Oberst. Im Krieg gegen die Franzosen befehligte er 1792 die Vorhut und zeichnete sich 1773 an der Spitze einer Division bei Pirmasens und bei der Erstürmung der Weißenburger Linien aus. 1794 errang er einen glänzenden Sieg bei Kaiserslautern; nach dem Frieden von Basel erhielt er den Oberbefehl des Neutralitätskordons an der Ems, 1796 Fürst von Hohenlohe-Ingelfingen. 1798 Gen.d.Inf., 1804 Statthalter der fränk. Fürstentümer. Durch das Aussterben der Linie Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen erbte er 1805 deren Besitzungen, 1805 befehligte er ein preußisches Korps zwischen der Saale und dem Thüringer Wald und 1806 die Armee des rechten Flügels in Sachsen. Seine Vorhut unter dem Prinzen Louis Ferdinand v. Preußen wurde bei Saalfeld 10.10.1806 geschlagen, er selbst 14.10.1806 bei Jena. Nach der tödlichen Verwundung des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig bei Auerstedt erhielt Hohenlohe den Oberbefehl und führte die Trümmer der preußischen Armee der Oder zu. Bei Prenzlau kapitulierte der Fürst 28.10.1806 mit seinem durch Märsche und Mangel ermatteten Heer, nahm aber bald darauf seine Entlassung und zog sich, da er schon im August 1806 die Regierung seines inzwischen mediatisierten Fürstentums seinem Sohne August übergeben hatte, auf seine Güter nach Schlesien zurück, später musste er seinen Aufenthalt in Frankreich nehmen. Hohenlohe kehrte 1808 nach Deutschland zurück und lebte wieder auf seinem Gute Slawentitz in Schlesien
Am 31.03.1793 wurde an einen DIETRICH SIGISMUND von ZITZEWITZ, Kapitain im Regiment Erbprinz Fürst von Hohenlohe der Orden Pour le Merit verliehen291. Bei diesem dürfte es sich um den im oben angegebenen Heiratseintrag von 1804 genannte Cap. v. Zitzwitz handeln, der aber in der Rangliste der Königlich Preußischen Armee für das Jahr 1806290 im Inf. Reg. 32 nicht mehr geführt wurde.
Weitere Informationen zum ZITZEWITZ immer gerne gesehen.
Mit herzlichen Grüßen
Christian Schwarzer