Hallo Steffi,
Danke. Auf das heutige Aichtal bei Nürtingen wäre ich natürlich nie gekommen. Aber das müsste eigentlich passen. Wenn ich jetzt das unleserliche Wort mit Nürtenlingen vergleichen, dann ist die Übereinstimmung zu 99 Prozent. Die Namensverbreitungskarte von Comgen ist mir neu. Ich kenne zwar Gen-Wiki, aber leider schaue ich da zu wenig nach. Da steckt offensichtlich doch viel mehr drin, als man erwartet. Die Verbreitungskarte ist insofern sehr interessant, als das sie neben der Telefon-CD von 1996, die auch Stöppel verwendete (die Internetseite dazu auf Verwandt.de wurde ja schon 2011 abgeschaltet), die deutschen Verluslisten des 1.WK verwendet. Das ist insofern besonders bedeutsam, weil von dort, wo eine Familie um 1900 gelebt hat, der Namensursprung selten weiter als 80 bis 100 km Luftlinie entfernt liegt. Das habe schon von einigen Namensforschern gehört bzw. gelesen. Für die Riß-Sippe, wo ja in Süddeutschland nach meinem Kenntnisstand insgesamt fünf große Verbreitungsgebiete vorhanden sind: 1. in Baden/Elsaß zwischen Straßburg und Basel, 2. Landkreise Ravensburg/Biberach, 3. Lkrs. DLG, Augsburg, Donau-Ries, 4. Oberpfalz, Lkrs. Amberg-Sulzbach und 5. Tirol/Südtirol. Bei Berücksichtigung der 100 km Grenze könnten also die Verbreitungsgebiet Ravensburg/Biberach und Augsburg/Dillingen ihren gemeinsamen Ursprung in der Gegend an der fast 50 km langen Riß gehabt haben. Bei den anderen, wo es auch schon sehr frühe Namensnachweise gibt, gehe ich jeweils von einer anderen Ursprungsnamensbedeutung aus. Das mittelhochdeutsche Wort ris bedeutet Zweig, Gehölz (später wurde daraus auch das Reisig). Die Rise war im alpenländischen Raum aber auch eine Rutsche für das Holz oder wurde aus Stein gemacht. Die Steinrinne oder „Risy“. Auch das Bett eines Wildwassers konnte in Österreich als Risen bezeichnet werden.
Frühe Namensnachweise für Baden sind: 1239: Heinricus Rise (Fürstenbergisches Urkundenbuch, Bd. 1), 1247 tritt (vielleicht derselbe) als Heinricus, qui dicitur Riso auf (Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 28, S. 10). 1266 ein Cuonrad der Rise im Baseler Urkundenbuch, Bd. 1, S. 462. 1269 ist zu Neuffen (Württemberg) wieder ein Cuonradus dictus Riße erwähnt (Württemb. Urkundenbuch, Bd. 7, S. 9. 1290 wieder zu Basel ein Heinricus zem Risen, der auch als Heinricus dictus zem Risen begegnet. 1312 zu Villingen ein Heinrich der Rise (Südwestdeutsche Familiennamen S., 53.)
Frühe Namensnachweise in Württemberg: 1284 bei Weißenau einj Ruodolf Rise (Württemb. UB, Bd. 8, S. 312), 1289 zu Herrenberg ein Walprechtus (oder Malprechtus) dictus Rise (Württemb. UB 9, S. 274). 1345 ist zu Esslingen ein Zunftmeister Konrad der Ryse genannt. Er kommt 1355 als Konrad genannt Ryse vor. (Esslinger UB, Bd. 1, S. 408, 519). 1350 ist zu Waiblingen ein Zinsmann Chuontzelin der Rise. 1368 wieder in Esslingen ein Heinz der Ryse. Er begegnet 1383 als Heinz Rise. 1401 ist in Schwäbisch Hall ein Contz Ryß und 1404 wieder in Esslingen ein Rudolf Ryse, auch Rise geschrieben. 1423 wird zu Ravensburg ein Uli Ris als Bürger aufgenommen und 1425 ist Abelin Riese, Richter zu Sulzbach im Kreis Weinsberg (Heilbronner UB, Bd. 1, S. 236). So, das sollte mal reichen.
Es gibt natürlich auch frühe Namensvorkommen im Raum Augsburg, aber die sind für Euch nicht so interessant.
Schöne Grüße
Franz