Matthias Niegrau und Anna Catharina Meier

Moin in die Runde,

hat jemand Matthias Niegrau in seiner Namensliste? Er stammte lt. Trauungseintrag „aus dem Mecklenburgischen“. Er heiratete am 12. Oktober 1797 in Bardowick “Jfr. Anna Catharina [unleserlich] Meiern”. 1797 war die Adressangabe „Vrestorf“, ein Gut bei Bardowick. Dort wurde 1798 der erste Sohn Johannes Friedrich geboren, getauft in Bardowick. Der zweite Sohn Hartwig Wilhelm wurde 1801 in Lüneburg (getauft St Johannis) geboren, die Tochter Margarethe Marie 1804 ebenfalls in Lüneburg (getauft St. Johannis). Wo und wann ist er geboren, wo und wann gestorben? Die gleichen Fragen habe ich zu Anna Catharina Meier.

Die Angebote von Compgen, Gedbas, OFB, Adressbücher sowie Discourse habe ich gesichtet, auch im Stadtarchiv Lüneburg bin ich nicht weiter gekommen.

Freundliche Grüße aus Hamburg
Klaus

Sehr geehrter Herr Bengtsson,

Da Sie noch überhaupt keine Antwort bekommen haben, habe ich mal ins Archiv von discourse geschaut, welches ja über alle Kategorien und obendrein 25 Jahre zurückreicht.

Aber auch da findet sich kein einziger Treffer (außer Ihrem aktuellen Doppelposting in der Kategorie Mecklenburg und Hannover) zu dem Namen „Niegrau“.

Dann bin ich zum Stöpel, auch er findet nicht einen einzigen Treffer zu diesem Namen.

Dann habe ich Tante Google befragt. Selbst dort findet sich „Niegrau“ nicht (der einzige Treffer ist eine Verschreibung aus dem Namen Niesgrau, Angelforum Norwegen).

Das führt mich zu der Vermutung, dass es sich bei „Niegrau“ um einen Lesefehler handelt.

Daher: Könnten Sie bitte einen Printscreen von dem Dokument vom 12.10.1797 hier einstellen, damit wir mal schauen könnten, ob es nicht vielleicht doch was anderes heißt?

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Sehr geehrter Herr Peren,

vielen Dank für Ihr Hilfsangebot. Ausgerechnet in dem Heiratseintrag mit dem Mecklenburg-Bezug ist der Name falsch geschrieben, nämlich Negro. Weitere Schreibweisen: Niegran, Negram, Nigrau, aber Niegrau ist am häufigsten unter den 8 Belegen, die ich habe.

Ausgangspunkt war das „Formularblatt zur Ahnenreihe“, das die Tante meiner Ehefrau als Schülerin um 1940 aufgestellt hat.

Diese Vorfahrin Margarethe Marie Niegrau wird 1804 in Lüneburg St Johannis getauft.

Ihr älterer Bruder wird 1798 in besagten Vrestorf geboren und in Bardowick getauft.

In Bardowick haben die Eltern Matthias Niegrau (Negro) und Anne Catharina Meyer geheiratet. Ich weiß, Sie mögen diese kleinen Ausschnitte nicht, aber um den Namen zu lesen, sollte es reichen.

Der Name Niegrau ist eher selten, Negro findet sich im heutigen Polen. Während meiner Suche habe ich in Lüneburg St. Johannis den Sterbeeintrag eines Martin Negrau 28.2.1832 gefunden, der im Alter von 60 Jahren starb, ohne Angabe einer Herkunft oder Ehe. Aber kann man Matthias und Martin verwechseln?

Freundliche Grüße aus Hamburg
Klaus Bengtsson

Hallo Klaus,

offenbar kann man Matthias und Martin verwechseln. Ebenfalls in St. Johannis Lüneburg stirbt am 28.04.1833 die Anna Catharina Meyer, Witwe des Martin Niegrau.

Es gibt - ebenfalls in St. Johannis Lüneburg - eine Taufe Anna Catharina Meier Nr. 50/1758.

Bei der Heirat der Tochter Margaretha Marie 1840 in St. Michaelis Lüneburg steht dann wieder Matthias und er ist verstorben - würde also passen.

Ist dir die Taufe aus St. Johannis Lüneburg aus dem Jahr 1816 (Seite 255 rechts) aufgefallen?

Der Kindsvater wird wohl der Pate aus der Taufe 1798 Bardowick sein. Das wird wohl ein Bruder des Matthias Niegrau gewesen sein - in Anbetracht der Seltenheit des Namens.

Mal so als Forschungsansatz…

Viel Spaß,

Regina (Hintze)

Hallo Regina,

vielen Dank für die Hinweise, sehr hilfreich. Ja, Martin und Matthias sind offenbar identisch.

Die Taufe 1816, Seite 255 hatte ich schon mal gesehen und nicht besonders beachtet. Da wusste ich noch nicht, dass der Erstgeborene des Ehepaars Niegrau-Meyer Johann Friedrich heißt. Er ist 27.05.1798 in Vrestorf (Kirchspiel Bardowick) geboren. Ob er mit 17 Jahren schon Vater wird oder ob es doch der Pate ist, der Vater wird? Dazu müsste ich mich mit der Mutter und dem Paten von 1798 näher befassen. Mal sehen. Auch selten: Gemäß Altersangaben war Anna Catharina Meier deutlich älter als Matthias Niegrau, ~16 Jahre.

Für diese Familie fehlt jetzt nur noch die Auflösung der Herkunftsangabe für Matthias Niegrau „aus dem Mecklenburgischen“. In St. Johannis ist er nicht getauft.

Freundliche Grüße aus Hamburg
Klaus (Bengtsson)

Sehr geehrter Herr Bengtsson,

Zuerst mal vielen Dank für das Einstellen einiger Original-Ausschnitten.

Sind Sie denn schon dem Hinweis auf Oschatz nachgegangen? Wenn ja, was ist dabei herausgekommen?

Dann habe ich mir mal die historischen Karten von Mecklenburg angeschaut: Die Ausdehnung hat sich nur wenig über die Jahrhunderte geändert. Und von Vrestorf sind es ja nur ca. 20 km Luftlinie bis auf mecklenburgisches Gebiet. Klar, das hilft jetzt noch nicht, woher der Matthias Negro kommt.

Allerdings kommt bei mir der Verdacht auf, dass der dritte und vierte Ausschnitt (grau mit schwarzer Tinte) nur von einer Sekundärquelle stammen (z.B. ein handschriftliches Ortsfamilienbuch, oder von irgendwelchen Verkartungen), nicht jedoch aus Original-Kibü oder von Gerichtsbüchern. Kann das sein?

Dann fällt mir auf, dass in einem Ahnentafel-Heft aus dem Dritten Reich (erste Ausschnitt) ein Heiratsdatum genannt wird, Sie davon aber keinen Original-Eintrag vom Standesamt oder vom Kirchenbuch hier einstellen. Vielleicht ergeben sich ja aus diesen Originalen schon zusätzliche Ansatzpunkte für die weitere Forschung.

Schließlich noch ein Hinweis aus der Ecke der Onomastik:
Ni(e)grau(o) bietet vielfältige Möglichkeiten, wie der Familienname „richtig“ (ich weiß, bei Familiennamen gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, deshalb habe ich es ja auch in Anführungszeichen gesetzt) heißen könnte. Vielleicht sollte ich formulieren: nach welchen möglichen Namensvarianten es sich lohnen könnte zeitgleich „Ausschau“ zu halten.

Ni(e)- ist die niederdeutsche Form von „Neu“
Ein -u- ist in alter Zeit gleichbedeutend mit einem -v-, welches wiederum regional das Gleiche meint wie ein -f-. Damit wären wir bei einer verhochdeutschten Form beim „-graf“, und der gesamte Name könnte „Neugraf“ sein.

Das von Ihnen erwähnte polnische Vorkommen Nirgrov ist natürlich nicht wegzudiskutieren und stellt eine ebenso legitime Möglichkeit dar wie der Neugraf.

In wieweit man in der Region Hannover das Lateinische in Betracht ziehen sollte, bin ich mir unsicher. Ich denke eher, dass man diesen Ansatz mit Vorsicht geniesen sollte. Bekanntlich ist „negro“ das lateinische Wort für Schwarz, und der Familienname „Schwarz“ ist in Deutschland durchaus nicht unüblich.

Wieder zurück zu den Quellen: Ohne die Originalquellen mit Zeugen und Paten (und ihren jeweiligen Wohnorten) werden Sie wohl nicht weiter kommen. Daher meine dringende Empfehlung: Besorgen Sie sich als allererstes einen Scan von der Heirat Schenk-Niegrau. Keine Abschrift, sondern eine Kopie/Scan. Denn auch Kleinigkeiten könnten für die weitere Suche hilfreich sein.

Ich hoffe, meine Anregungen mögen ein wenig helfen.

Allzeit viel Forschererfolg wünscht nebst einem schönen Abend

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Peren

Sehr geehrter Herr Peren,

vielen Dank für Ihre Überlegungen und Fragen.

Mecklenburg-Schwerin liegt tatsächlich quasi in Fußentfernung, wo waren dort im 18. Jahrhundert Furten oder Fähren? Daran habe ich noch nicht gedacht, um den Suchbereich einzugrenzen. Bei Boizenburg? Bei Bleckede? Ich habe einige Namenslisten der Kirchengemeinden dort unter „N“ geprüft, noch ohne Fund.

„P. Oschatz“ ist einer der taufenden Prediger/Pastoren in Lüneburg St. Lamberti und Lüneburg St. Johannis. Er hat die drei mir bekannten Kinder des Paars Niegrau-Meier getauft und auch eine weitere Vorfahrin, Wilhelmina Dorothea Ge(h)rke. Ich bin nicht auf die Idee gekommen, dass der Name des Pastors mir irgendwelche Hinweise auf Matthias Niegrau geben könnte. Was könnte das sein?

Zu Ihrem Verdacht (trifft nicht zu): Der dritte und vierte Ausschnitt stammen aus: Kirchenbuch Bardowick. Archion.de. Taufen 1787-1834. Blatt 61. 1798 Nr. 33. Permalink: Viewer: Kirchenbücher online mit ARCHION
Und: Kirchenbuch Bardowick. Archion.de. Kirchenbuch 1752-1813. Seite 201. Getraute 1797 Nr. 11. Permalink: Viewer: Kirchenbücher online mit ARCHION
Archion.de sagt im „Steckbrief zum Kirchenbuch“ jeweils nichts von einer Abschrift oder Kopie.

Der Heiratseintrag, der im „Formularblatt zur Ahnenreihe“ genannt wird, liegt mir vor, hier ein Ausschnitt: Permalink: https://www.archion.de/p/f8b66ff7f0/

Am 29.04.1804 tauft P. Oschatz die Vorfahrin Margarethe Marie Niegrau (*25.04.) in Lüneburg St. Johannis. Gevatter: Maria Margaretha Meyern. Diese habe ich in St. Johannis zwar im Namensregister (*Juli 1762) gefunden, aber keinen Taufeintrag im Buch. Auch nicht in den Nachbargemeinden.

Zu den Zeugen und Paten:
1798 wird „Gev. Joh. Friedr. Nigrau“ genannt. Ein Enkel oder Neffe Johann Heinrich Caspar Niegrau (*24.03.) wird 30.03.1816 getauft. Vater Joh. Friedrich, entweder der Pate 1798 oder der Sohn geb. 1798, Mutter Dorothea Maria geb. Brandt. Als Gevattern sind hier genannt: 1. Johann Warnke in Ülzen, 2. Johann Caspar Willge in Ülzen, 3. Heinrich Herrmann in Ülzen, 4. Caspar von Lengecke in Hamburg. Diesen Hinweisen bin ich nicht nachgegangen. Aber der Sohn, geb. 1798 stirbt 07.11.1847 „unverheiratet“ und das Kind war ehelich, somit ist sehr wahrscheinlich der Pate der Vater. Der Pate Johann Friedrich Negrau stirbt Juli 1832 St. Johannis mit 54 Jahren, *1778. Viewer: Kirchenbücher online mit ARCHION . Dieser Zusammenhang erschließt sich mir nun, da ich Ihre Frage beantworte.

Johann Friedrichs Beruf ist Schiffsknecht. zeno.org: "Der Schiffknêcht, des -es, plur. die -e, Personen niedern Standes, welche auf Schiffen die geringste und schwerste Arbeit[1456] verrichten, und welche man im gemeinen Leben Matrosen und Bothsknechte zu nennen pflegt. Ezech. 27, 29. Schiffsknecht beziehet sich auf ein bestimmtes Schiff. Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1456-1457.

Lüneburg und die Wasserstraßen, bestimmt ein interessantes Kapitel…

Freundliche Grüße aus Hamburg

Klaus (Bengtsson)

Nachtrag Caspar von Lengerke: Deutsche Biographie - Lengerke, Caspar von