Literatur: Der Krieg, der viele Väter hatte

Gerd Schultze-Rhondorf war Generalmajor und Territorialer Befehlshaber der
Bundeswehr
f�r Niedersachsen und Bremen.

Aus dem Vorwort:

"Auf der Spurensuche stie� ich allerdings auf vieles, das mir so bis dato nicht
bekannt gewesen war. Das war vor allem der Kontext des damaligen Weltgeschehens.
Die �bliche deutsche Geschichtsschreibung, vom g�ngigen Schulgeschichtsbuch bis
zu den Standardwerken des Milit�rgeschichtlichen Forschungsamtes, blendet diesen
Kontext - aus welchen Gr�nden auch immer - fast zur G�nze aus. Die Geschichte
wird dort mit einem "Tunnelblick" betrachtet. So las ich auf der Spurensuche
erstmals in ausl�ndischer Literatur, in welchem Umfeld es zum Zweiten Weltkrieg
kam. Die Vorgeschichte dieses Krieges gleicht einem Kriminalroman; zu meiner
�berraschung einem mit einer ganzen T�tergruppe........
Das Problem, vor dem ich bei der Spurensuche stand, war, da� die meisten Quellen
eine Absicht transportieren. Da sind die Zeitzeugen, deren Berichte vor 1939
anderes melden als ihre Memoiren nach 1945. Da sind die offiziellen
Dokumentenb�nde, die "hei�e Ware" unterschlagen, zum Beispiel die "Akten zur
Deutschen Au�w�rtigen Politik" (ADAP), die ich zun�chsz f�r authentisch hielt,
weil sie in den 50er Jahren als die amtliche Dokumentation des Ausw�rtigen Amts
in Bonn ver�ffentlicht worden sind. Erst sp�ter fiel mir auf, da� diese
Nachkriegsausgabe der Akten des Deutschen Ausw�rtigen Amts von amerikanischen,
englischen und franz�sischen Wissenschaftlern und Archivaren herausgegeben
worden ist. Es darf nicht wundern, da� die Akten dabei zu Gunsten der Sieger
ausgew�hlt und auch "gewaschen" worden sind. So fehlt in diesem Nachdruck zum
Beispiel die erste offizielle Drohung, wegen Danzig Krieg zu f�hren. Sie wurde
im M�rz 1939 vom p o l n i s c h e n ///der Verfasser hat hier Dickdruck///
Botschafter in Berlin ausgesprochen, noch ehe Hitler der Wehrmacht den Befehl
gab, einen Krieg gegen Polen vorzubereiten. Es gibt jedoch die Ver�ffentlichung
der selben Dokumente aus dem Jahr 1939 (AA 1939), die diese Drohung noch
enth�lt. Aber auch diese Vorkriegsdokumentation ist nicht ohne Haken. Sie l��t,
genauso wie das "British War Bluebook" und die vergleichbaren Dokumentationen
anderer Nationen, viele Briefe und Protokolle unerw�hnt, wenn sie die
entsprechenden Regierungen belasten. So fand ich in den Memoiren und Dokumenten
Auslassungen, �berarbeitungen, F�lschungen und pro-domo Interpretationen."

MfG
Lutz Szemkus

Lutz Szemkus schrieb:
...

Die Vorgeschichte dieses Krieges gleicht einem Kriminalroman; zu meiner
�berraschung einem mit einer ganzen T�tergruppe........

...
So fangen abenteuerliche Verschw�rungstheorien auch immer an. Welches literari-
sche Genre soll denn da bedient werden ? Geschichtswissenschaft ist das Ding mit
den Fakten und der eigenst�ndigen Auseinandersetzung mit den Fakten. Nicht das,
was die anderen ... Hans Peter Albers