Letzte Züge aus Königsberg

Hallo Liste,
vor ca. 14. Tagen waren die Züge aus Königsberg Thema und ich versprach
meine Mutter nach ihren Erinnerungen zu fragen und hier zu berichten.
Mein Großvater (Lokführer in der Reichsbahndirektion Königsberg und dort
auch eingesetzt) Fritz BUCHHOLZ geriet im Januar 1945 bei Dirschau in
russische Gefangenschaft. Es wird erzählt, er konnte nicht zurückfahren, da die
Bahnbrücke gesprengt worden sei. Das passt zeitlich jedoch nicht ganz, da die
vollständige Sprengung für den 8.3.1945 im Netz zu finden ist. Vielleicht
handelte es sich um eine temporäre Unterbrechung.
Am 28.01.1945 stellten Mitarbeiter der Eisenbahn einen Zug im
Ausbesserungswerk Königsberg zusammen, mit dem Bahnangehörige usw. noch nach Pillau
gebracht werden sollten. Er verließ das Ausbesserungswerk im Ortsteil Ponarth
an der Buddestraße. 2005 lagen dort auch noch Gleise. Die Strecke war
mehrfach unterbrochen wegen zerstörter Gleise und die Strecke war immer wieder
von der russischen Armee blockiert. Am 30.01.1945, nach zwei Tagen,
erreichte dieser Zug Pillau, von wo meine Mutter mit meiner Großmutter und vier
Geschwistern am Abend den Hafen mit Schiffen verließen (auf die Gustloff kamen
sie nicht mehr drauf).
Am gleichen Tag (28.01.1945) ging vom Nordbahnhof ein zweiter Zug nach
Pillau. Er geriet zwischen die deutsch-russischen Fronten in Königsberg. Die
Eisenbahner sahen sich gezwungen den Zug zu trennen, da die Russen den
hinteren Teil erreicht hatten. Der vordere Zugteil kam durch. Eine heutige
Bekannte meiner Mutter befand sich im hinteren Zugteil....

Vielleicht sind diese Erinnerungen ja wem nützlich oder wenigstens
interessant. Vielleicht gibt es ja auch weitere Belege. Die Informationen zur
Reichsbahn in Königsberg während des Krieges sind ja nicht so umfangreich.

Mit freundlichen Grüßen

Botho (von Schrenk)

Hallo Botho,

die Informationen sind f�r mich sehr interessant, weil ich mich mit den letzten Fl�chtlingsz�gen aus Ostpreu�en besch�ftige.

Vielen Dank f�r die Hinweise. Ich melde mich noch direkt.

Sch�ne Gr��e

Heinz (Timmreck)

Kleiner Hinweis, Botho, auf die "Wilhelm Gustloff" konnte in Pillau niemand raufkommen, denn sie hatte vor dem Auslaufen als Wohnschiff in Gotenhafen gelegen. In Pillau lag das KdF-Schwesternschiff "Robert Ley". Die "Robert Ley" verlie� allerdings Pillau bereits am 25.01.45. Meine Mutter, Gro�mutter, eine Gro�tante und mein Bruder verlie�en mit mir Pillau an Bord des Frachters "K�te" aus Kiel am Morgen des 28.01.45 (sp�tere Anlandung in Kolberg), nachdem die Zugverbindung nach Pillau bereits vorher tempor�r unterbrochen war und wir uns deshalb am 27.01.45 zu Fu� �ber die Reichsstra�e nach Pillau aufgemacht hatten.

Gru�
Rolf-Peter