„ist auf dem Rückweg vom Biberacher Wochenmarkt, wo er Korn verkaufte, von einem Straßenräuber bei dem Schlegelbergle nächst Birkenhart auf des dortigen Schultheißen Acker (in) mörderischer Weise angefallen und mit einem Schuß ermordet, und ausgeplündert worden. Nach gerichtlich ? ? ? wurde der Leichnam den 31. b.M. beerdigt“.
das Lesehilfe-Rätsel scheint ja gelöst. Franz Ruetz ist in solchen Fällen höchst kompetent.
Mein „Senf“ nachträglich noch zu diesem Ereignis:
Ich kenne den Schlegelberg, Ortsausgang Birkenhard, Richtung Aßmannshardt (Waldrand) sehr gut.
In Aßmannshardt gab und gibt es heute noch verschiedene WINTER. Kenne ich die meisten, allerdings waren dies die inzwischen schon verstorbenen Eltern der heutigen Nachfahren.
Weißt Du zufällig auch wo ich noch etwas über den Mordfall finden könnte, außer den Kirchenregistern? Das muß schon ein einprägsames Erlebnis für alle gewesen sein, der Pfarrer hat auch im Familienregister und im Sterberegister der Ehefrau (die gar nicht in Aßmannshardt verstorben ist) längere Eintragungen dazu gemacht.
Ich habe 2 Winter-Familien im Stammbaum: eine aus Altheim und eine aus Aßmannshardt. Wie sich herausgestellt hat stammen aber auch die Aßmannshardter aus Altheim, vermutlich kommen beide Zweige aus derselben Familie.
Visum et Repertum ist eine lateinische juristische Formulierung, die sich auf die Analyse eines Tatorts und die Untersuchung einer Leiche bezieht. Metonymisch bezeichnet dieser Begriff auch eine Art forensischen Bericht, dersich aus diesem Verfahren ergibt.
Tatortanalyse
Untersuchung eines Körpers
Forensischer Bericht
visum repertum = (lat., Fundschein), der auf amtliche Veranlassung verfaßte Bericht eines Arztes über die Ergebnisse einer medizinischen Untersuchung, namentlich einer Totenschau
Protokolle des Unsichtbaren: „Visa reperta“ in der gerichtsmedizinischen Praxis des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre Rolle als Promotoren pathologischanatomischen Wissens
dieser Mordfall geschah am 29.10.1806. Zu diesem Zeitpunkt war das Königreich Württemberg noch sehr jung – Oberämter noch gar nicht verwaltungsmäßig gebildet. Ähnlich verhält es sich mit den Gemeinden. Erfahrungsgemäß sind Archivalien in den Gemeindearchiven aus dieser Zeit äußerst dürftig. Eigentlich hast Du Glück, dass wenigstens der Pfarrer im Sterberegister zur Tat bzw. zu diesem Mordfall etwas schildert.
In der heimatgeschichtlichen Ortsliteratur von Aßmannshardt und Birkenhard findet sich leider nichts dazu. Gerichtsakten, vor allem aus dieser Zeit sind sehr schwierig. Landesarchiv? Kirchenkonvent Diözesanarchiv Rottenburg: Diese Diözese entstand ja erst 1821 – das Vorgängerbistum Konstanz hingegen lag zu diesem Zeitpunkt in den letzten Zügen! Also auch Fehlanzeige.
Auch Zeitungsarchive dürften schwierig sein, weil die Zeitungen in Oberschwaben auch erst später erschienen: Die Riedlinger Zeitung war die erste 1824 und ab 1825 erschien ein Amtsblatt für den Amtsbezirk Biberach. Tut mir leid.
ich habe es schon befürchtet, dass darüber nichts zu finden sein wird. Was würden wir nur ohne die Pfarrer machen, die es auf sich genommen haben außergewöhnliche Ereignisse für die Nachwelt in den Kirchenregistern festzuhalten: Mord, Selbstmord, Unglücksfälle, Krankengeschichten, Gefängnisstrafen, Auswanderungen, Pleiten…