Hallo Steffi,
mach ich gerne, ich habe gesehen, dass Du bei Family Search auch schon mit dem Andreas Seiz befasst warst. Aber vorab eine Warnung: es ist ein bißchen grauslig. Und ich verstehe nicht, warum der Pfarrer das nicht in einem Sterbeeintrag geschrieben hat (den es wohl nicht gibt). Er passt nicht zu einem glücklichen Hochzeitstag. Manchmal bin ich fassungslos, was die Pfarrer so alles “geteilt” haben.
Ich stelle nur die sinngemäße, gut lesbare Version ein (ich habe auch noch eine wortwörtliche bekommen) samt Anmerkungen:
## Sinngemäße, gut lesbare Übersetzung
**Im Jahr 1739, am 22. Januar**
Erneut handelt es sich um dieselbe Person, über die bereits auf der linken Seite des vorhergehenden Blattes geschrieben wurde. Der Leser möge dies wohl beachten.
Andreas Seiz aus Sontheim, verheiratet mit Anna Maria Lorinser, war zuvor mit Francisca Braunger aus Ingerkingen verheiratet. Diese erste Ehe wurde durch eine unter den Gemeindemitgliedern beispiellose Gewalttat gegen sich selbst aufgelöst: Durch Selbstmord mit einem Messer schnitt sie sich am 1. November des unmittelbar vorhergehenden Jahres auf grausame Weise die Kehle durch.
Über die Ursachen dieses ungeheuerlichen Selbstmordes kursierten im Volk viele und unterschiedliche Gerüchte; ob sie wahr sind, weiß niemand außer dem, der alles weiß – Gott, dem gerechtesten Richter und Erforscher der Herzen.
Der Verstorbenen sei Gottes Barmherzigkeit anbefohlen, und dem neuen Ehestand sei Segen gewünscht.
Der Ehevertrag wurde öffentlich vor der Kirche geschlossen. Als Zeugen traten neben Theodor Weegscheider auch Michael Mayer und Georg Egle auf, Bürger von Sontheim.
## Anmerkungen zum Text
* **„suicidali cultro“** = „mit einem Selbstmordmesser“, sehr direkte, ungewöhnlich drastische Formulierung.
* **„crudelis coniux“** bezieht sich grammatisch auf die verstorbene Ehefrau, nicht auf Andreas Seiz.
* Die Schreibweise ist stark **nicht-klassisch** (typisch für Pfarrlatein des 18. Jh.), z. B. *apuae suicates*, *horrenclum*, *neo: sponsalis*.
* Der Eintrag ist bemerkenswert wertend, aber bemüht sich am Ende um eine theologisch „korrekte“ Zurückhaltung („nur Gott kennt die Wahrheit“).
Euch allen einen schönen dritten Adventssonntag
Beate