Jüdische Familiennamen

Hallo Karla,

"Karla Postrach-Rast" <kapora@web.de> schrieb:

Weiß jemand ob der Name Fuchs wirklich ein jüdischer Name ist?-

ich behaupte, dass der Name "FUCHS" kein typisch jüdischer Name war, aber er taucht verhältnismäßig oft bei Juden auf.

Ich habe eine Seite der Leipziger Leipziger Genealogischen Gesellschaft gefunden, in der man sich zu jüdischen Familienamen äußert:

http://www.lgg-leipzig.de/info-juedische-familienforschung.asp

Dort schreibt man u.a.:

Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurden feste Familiennamen bei den Juden üblich.
Häufigste Namen in Deutschland waren Cohn, Kohn, Cohen, Kahn, Cahn. Diesen Namen trug vor 1935 jeder 30. deutsche Jude (30 pro Mille).
Es folgten
Levy (Levi, Lewy) = 23,2 pro Mille
Mayer (in verschiedener Schreibart) = 21
Stern }=11
Wolf (Wolff, Wulf) }=11
Strauss }= 11 Rosenthal = 10
Goldschmidt }= ca. 8
Heymann }= ca. 8 Weil }=ca. 7
Rothschild }"
Hirsch }"
Bär (Behr) }"
Levin }"
Salomon } ca. 6
Adler }"
Katz }"
Rosenberg }"
Marx }"
Simon }"
Kaufmann

Die Reihenfolge der häufigsten Namen galt nicht für Frankreich, Polen oder England, sondern eben nur für Deutschland.
Im Westen waren Tiernamen häufiger (alte Hausbezeichnungen) im Osten (Provinz Posen z.B.) waren Namen auf -sohn, also Patronymika, besonders oft anzutreffen. Hier war der häufigste Name Jakobsohn (4,3).
Auch Ortsnamen, wie Opppenheimer (= 4,4), Schlesinger (3,0), Friedländer (=2,9), Wertheimer (=2,6) gab es häufig.
Namen entstanden ebenfalls aus Eigenschaften (Groß, Klein, Alt, Neu, Schwarz, Weiß...., die oft mit -mann verbunden waren.
Zu finden sind Tiernamen, die im Jakobssegen heiligen Namen entsprechen, wie
Juda= Löwe
Benjamin= Wolf
Naftali = Hirsch

Dann gab es im Dritten Reich ein antisemitisches Bilderbuch für Kinder: "Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid!" "Ein Bilderbuch für Groß und Klein." Die achtzehnjährige Elvira Bauer dichtete und zeichnete es 1936, um ihr Kunststudium zu finanzieren. Die nationalsozialistische Zeitschrift "Der Stürmer" empfahl das Buch für jeden Weihnachtstisch im Reich.
Der Fuchs wird als Sinnbild alles Falschen und der Hinterlist dem jüdischen Menschen gleichgestellt.

Viele Grüße,

Andreas Bischoff, Berlin

"Karla Postrach-Rast" <kapora@web.de> schrieb:

Hallo Andreas,
das interessiert mich besonders, weil ich nach Eva Johannessohn suche;
sie hat ca. 1913 in Reuthau/ Sprottau den Carl Joseph Schlimm
geheiratet.
Beide haben in Berlin am 9.12.1915 eine Tochter Anna-Maria, evang.
bekommen.
Vielleicht ist Dir der Name in Niederschlesien oder Berlin schon mal
untergekommen? Im IGI steht nur eine Johannessohn aus Berlin, aber schon
viele Jahrzehnte früher.
Über eine Antwort freue ich mich.
Viele Grüße, Sabine Grasse

im Osten (Provinz Posen z.B.) waren Namen auf -sohn, also Patronymika,
besonders oft anzutreffen. Hier war der häufigste Name Jakobsohn (4,3).

Viele Grüße,

Andreas Bischoff, Berlin

Hochverehrter Herr Bischoff. Lieber Andy!

Verzeih mir bitte das Eindringen in deinen thread, aber gelegentlich kann ja ein wohlmeinender Widerspruch
wenn er nur laut genug vorgebracht wird, vielleicht doch etwas zur Klaerung beitragen:

1932 veroeffentlichte der Reichsbund juedischer Frontsoldaten eine Gedenkbuch ueber die deutschen juedischen (gezaehlt wurde auf Grund von Meldungen der
Synagogengemeinden) Gefallenen im Weltkrieg I. Es enthält 10600 Namen:

Der Name Fuchs kommt darin 18 mal vor (Karlsruhe, Hamburg, Berlin, Weingarten 2x , Liegnitz 2x, Frankfurt/M, Breslau (2x) Battewiesen, Bay, Elberfeld, Gmünd

Der Name Johannessohn taucht nur in der Form Jonassohn 1x in Neheim auf <Die Schreibweise Johannes fuer einen biblischen Namen ist allerdings auch christlich gepraegt)
Jakobssohn finde ich 26 x, in der Schreibweise Jacobson weitere 6 x plus Jakobsohn 6x

Schoenen Gruss

Ernst

Hallo,

f�r die weltweite Recherche nach j�dischen Familien(-namen) gibt es eine
gro�e Zahl von englischsprachigen Datenbanken im Internet, beispielsweise:

Jewish Gen Databases:
http://www.jewishgen.org/databases/#General

Jewish Records Indexing Poland:
http://www.jewishgen.org/JRI-PL/jriplweb.htm

Shoreshim Databases (Roots in Poland)
http://www.shoreshim.org/sho_databases.asp

JewishGen Family Finder Search
http://www.jewishgen.org/jgff/jgffweb.htm

Avotaynu Consolidated Jewish Surname Index
http://www.avotaynu.com/csi/csi-home.html

Viele Gr�sse
Almut Bruschke-Reimer

-----Urspr�ngliche Nachricht-----

Dann gab es im Dritten Reich ein antisemitisches Bilderbuch f�r Kinder:
"Trau keinem Fuchs auf gr�ner Heid und keinem Jud bei seinem Eid!" "Ein
Bilderbuch f�r Gro� und Klein." Die achtzehnj�hrige Elvira Bauer dichtete
und zeichnete es 1936, um ihr Kunststudium zu finanzieren.

Hallo Andreas,
also "gedichtet" wird es die Elvira wohl nicht haben; zumindest nicht den
Titel. Der stammt von unserem gro�en Reformator, der wohl erhebliche
Probleme mit seinen Mitb�rgern j�discher Abstammung hatte.
Er schrieb in seinem Werk "Wider die J�den und ihren L�gen" :
,Trau keinem Wolf auf wilder Heiden.
Auch keinem Juden auf seine Eiden.
Glaub keinem Papst auf sein Gewissen.
Wirst sonst von allen Drein beschissen.'
                              D. M. Luther
Schon m�glich, dass die Elvira, als opportunistische G�re, die dringend Geld
brauchte, Die Hinterlassenschaft Luthers gepl�ndert hat. Diese Leute trifft
man durchaus auch heute noch an.

Freundlichst
Peter Schian