Hallo Anneke,
Ich wurde im Fr�hjahr von Jos Kaldenbach, einem Holl�ndischen
Familienforscher, auf diese Quelle Hingewiesen. Er schrieb damals:
ARMUTZEUGNISSE IN HOLLAND
Mitgeteilt von Jos Kaldenbach, Holland
Es ist heutzutage nicht einfach, als Ausl�nder eine neue Heimat zu suchen
und ans�ssig zu werden. Fr�her kam dazu nochdas Finanzproblem: eine
Beh�rde konnte sich nicht leisten, viele Fremde aufzunehmen und diese
n�tigenfalls noch zu unterst�tzen. Daher hatte man in Holland bis ins 19.
Jahrhundert von allen Fremden die sich niederlassen m�chten die sog. Acte
van indemniteit verlangt, wobei die st�dtische oder kirchliche Beh�rde
(Armenkasse)des Heimatorts garantierte, dass sie die eventuellen Kosten des
Lebensunterhalts ihrer Aussiedler hinterher verg�ten w�rde. Dazu musste ein
sehr kostspieliger Briefwechsel mit der Heimat gef�hrt werden, der dazu sehr
lange dauerte. Das konnte man umgehen, indem ein Verwandter oder Bekannter
B�rgschaft (borgstelling) oder man selbst Verzicht (renunciatie) leistete
und dies vor einem Notar f�r einen Zeitraum von 10 Jahren beglaubigte. In
der nordholl�ndischen Provinzhauptstadt Haarlem fand ich eine andere,
seltenere L�sung: die Arbeitgeber, die Amsterdamer Glasfabrikbesitzer "Asmus
Jurgens & Coenraad Fredrik Silly, glasfabrijq eigenaars en ge�nteresseerden"
stellten einfach vor dem Notar Gall� f�r ihre neuen Angestellten offiziell
Kaution am 22.4.1795 und liessen diese darauf bei der Haarlemer Beh�rde
eintragen:
[Kopie der Eintragung ? mit �bersetzung]:
"Christiaan Nol, Blaaser, geb�rtig aus dem Amt Sappenburg in Hessen und
Catharina Sanders, von Amersfoort, beide von Lutherischer Religion,
Eheleute, und ihr Kind Catharina Johanna. Randvermerk: Dieser ist allhier
verstorben und begraben". [Tats�chlich fand ich ihn im Haarlemer
Begr�bnisbuch am Nieuwe Begraafplaats am 3.9.1774];
S. 2: "Johan Joost Noll, geb�rtig von ., von Lutherischer Religion".
Ein Rudolf Nol, Blaaser, geb�rtig aus dem Schwalenbergischen in Lipland,
lutherisch, fand sich da ebenfalls, wie dessen Bruder Conrad aus
Hildesheim!
Von diesen Armutszeugnissen (borgbrief, acte van cautie) hat es
Hunderttausende gegeben. Der Einsiedler nahm es jedes Mal wieder mit, wenn
er um- und weiterzog. Sie sollten also im Sterbeort aufbewahrt sein. Aber
leider sind die meisten verloren gegangen.
Quelle: Noordhollands Archief Haarlem NL, Actes van Indemniteit Sign.
13-424.
Gru�
Wolfgang