Généalogie numérique - Mémoire des hommes

Mémoire des hommes ist ein institutionelles Portal, das Militärgeschichte, Genealogie und digitale Technologie verbindet, um an gefallene Franzosen zu erinnern. Es wird vom Verteidigungsministerium verwaltet und nutzt die Sammlungen des französischen Verteidigungshistorischen Dienstes (SHD), um Millionen digitalisierter Archivbestände öffentlich zugänglich zu machen.

Entstehung und Ziele

Die Initiative entstand Ende der 1990er-Jahre aus der Notwendigkeit, die stark verfallenden physischen Dokumente, insbesondere die Archive des Ersten Weltkriegs, zu erhalten. Im Jahr 2000 wurde die Idee geboren, die zentralen Akten der im Ersten Weltkrieg gefallenen Franzosen zu digitalisieren und online zu stellen. Das Portal wurde am 5. November 2003 gestartet. Ursprünglich auf Archivierung und Digitalisierung fokussiert, entwickelte es sich zu einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe: dem vollständigen und freien Zugang zur nationalen Geschichte.

Zielgruppe

Die Plattform richtet sich an eine breite Nutzerbasis:

Familien und Genealogen: Ermöglicht das Schließen von Lücken in der Familiengeschichte, das Ermitteln von Sterbeorten und Regimenten sowie das Verständnis historischer Traumata.
Historiker, Wissenschaftler und Forscher: Bietet die Grundlage für statistische, soziologische und geografische Studien über Opfer von Konflikten.
Lehrer und Schüler: Dient als Lehrmittel, um Geschichte greifbar und menschlich zu machen.
Die Pflicht zum Erinnern

Mémoire des hommes ist die digitale Umsetzung der Pflicht zum Erinnern. Es verleiht den Millionen von Menschen, die in den Statistiken industrieller Konflikte untergehen, ihre Identität und Würde zurück. Die Archive sind ein Akt der Weigerung zu vergessen und tragen zur Stärkung der Resilienz und des sozialen Friedens bei. Die Integration der Namen hingerichteter Soldaten des Ersten Weltkriegs im Jahr 2014 schloss eine schmerzhafte Debatte und ermöglichte deren Aufnahme in das nationale Gedächtnis. Die Weitergabe dieser Archive an neue Generationen dient als Gegenmittel gegen kriegerische Ideologien.

Datenbanken

Das Portal umfasst über 22 Datenbanken mit mehr als 4,5 Millionen Namen und 6 Millionen Bilddateien.

Konflikte und Operationen:

Erster Weltkrieg: „Morts pour la France“.
Zweiter Weltkrieg: Zivile Opfer, FFI, Résistance, Deportierte.
Kriegsgefangene und Konzentrationslager: Gefangene des Achsenmächte, Registrierungen von Konzentrationslagern.
Dekolonisationskriege: Gefallene und zivile Opfer in Indochina, Korea, Algerien, Marokko, Tunesien.
Operationen im Ausland (OPEX): Militärische Opfer im 21. Jahrhundert.
Besonderer Hinweis: Einschluss ausländischer Soldaten, Kolonialtruppen und überseeischer Freiwilliger.

Journaux des Marches et des Opérations (JMO): Handgeschriebene Tagebücher von Regimentern und Einheiten, die tägliche Ereignisse, Bewegungen, Strategien, Logistik und Verluste dokumentieren. Sie ermöglichen ein präzises Verständnis der Umstände des Todes eines Vorfahren.

Marine, Expeditionen und Ancien Régime:

Compagnie des Indes (17./18. Jh.): Besatzungs- und Passagierlisten.
Große wissenschaftliche Expeditionen: Dokumente zu Expeditionen von Kommandant Charcot.
Registres matricules (1683-1815): Physische Beschreibungen von Soldaten des Ancien Régime, der Revolution und des Empire.
Kollaborative Indexierung

Eine bedeutende Innovation ist die kollaborative Indexierung, bei der Freiwillige („Annotatoren“) handgeschriebene Dokumente digitalisieren, indem sie Namen, Geburtsdaten und -orte eingeben. Diese Crowdsourcing-Methode macht Millionen von Datensätzen zugänglich und wandelt Bürger in aktive Akteure der Erhaltung des nationalen Erbes um.

Sources:

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