Garnsammler, Kauderer und Spinner

Guten Abend allerseits,

Ja, sie hatten die Webstühle 1796 (und weit darüber hinaus natürlich zu Hause stehen,
und obwohl 1764 die Spinnmaschine ("Spinning Jenny") erfunden worden war, standen
damals allüberall auch Spinnräder daneben. Um Abwechslung in die eintönige Arbeit zu
bringen wurden dabei die schönsten Geschichten "ersponnen".

Damals wurde nicht nur im eigenen Hause, sondern meistens auch noch auf eigene
Rechnung gewebt und gesponnen. Das Weben war Aufgabe der Männer, das
Spinnen Frauensache - und übrigens war es für einen guten Weber Ehrensache,
dass die Spinnarbeit im eigenen Haushalt verrichtet wurde, da das Garn für ein
gutes, ebenmässiges Webstück von ein und derselben Hand gesponnen werden
musste.
Bevor das Flachs - oder der Hanf, der nur für grobes Zeug Verwendung fand -
aber gesponnen werden konnte, musste das Rohmaterial geschlagen werden und die
Bündel, auch "Kauder", "Kaute" oder "Werg" genannt, geordnet und gekämmt werden.
Dazu zog man Fachleute heran: den Flachsschwinger und den Kauderer.

Der Kauderer, der viel herumzog, entwickelte sich bald zu einem unliebsamen,
wuchernden Zwischenhändler für Garn, nachdem gelegentlich gefahndet wurde. Er
handelte mit dem erst seit dem 13. Jh. über Italien importierten (in Indien beheimateten)
Baumwollgarn, das, weil es haltbarer, strapazierfähiger, elastischer und folglich
angenehmer zu verarbeiten war als Leinen, für die Kettanscherung gefragt, aber sehr
kostspielig war und nahm die Gelegenheit bei Schopfe, den Weberhaushalten das im
eigenen Hause erzeugte "Gespinste" abzunehmen, zu niedrigen Preisen versteht sich.
So nahm das Verb "kaudern" bald die Bedeutung von "wuchern" oder "betrügen" an.

Auch der Garnsammler war ein Garnaufkäufer, ich nehme an, ein ehrenhafter :slight_smile:

Viele Grüsse,
Susanna

Siehe auch:
http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/romantik/mode_und_technik.htm
http://www.erfurt-web.de/Weber&search=yep
http://www.deutsches-rechtswoerterbuch.de/