in letzter Zeit habe ich mir noch einmal meine vorhandenen Quellen angeschaut und dabei auch die Lastenausgleichs-Akten der Familie meiner Frau gesichtet. Außerdem kam hier zuletzt der Hinweis zum Polnischen Institut für nationale Erinnerung.
Mal ganz naiv gefragt: Welche Quellen / Kontakte gibt es bei Fragen zu
- Vertreibung aus Ostpreußen, z.B. zum Leben der Deutschen nach 1945 bis Mitte der 1950er in Ostpreußen und zur Vertreibung/Umsiedlung aus Ostpreußen?
- Flucht / Umsiedlung, z.B. zu Transporten oder individueller Flucht / Ausreise?
- Einbürgerung, z.B. zur Ausstellung von Flüchtlingsausweisen oder zur Einreise ins Bundesgebiet?
Ich hoffe, dass Ihr ein paar Tipps zu diesen Themenkomplexen habt und sich vielleicht eine Sammlung von Anknüpfungspunkten ergibt.
Vielen Dank und eine gute Nacht wünscht
Jan (Melzig)
welche Vorstellungen es um die Ereignisse zum Kriegsende doch alles gibt!
Die Ostprovinzen des Deutschen Reiches waren Teil Deutschlands und die dort lebenden Deutschen waren Deutsche wie die in der Mitte (später Sowjetische Besatzungszone und dann DDR) oder die im Westen (Westzonen, später Bundesrepublik Deutschland), Vertriebene und Flüchtlinge konnten deshalb nicht in ihrer neuen Heimat "eingebürgert" werden, denn sie waren bereits deutsche Bürger! Eine "Einreise ins Bundesgebiet" konnte nicht stattfinden, da die Bundesrepublik erst 1949 gegründet wurde. Zwar wurden für Vertriebene und Flüchtlinge auf Antrag Flüchtlingsausweise ausgestellt, doch dienten die lediglich dazu, den Flüchtlings-/Vertriebenenstatus nachweisen zu können. Sie waren keine Personalausweise (Jargon des Dritten Reiches: Kennkarten).
dann ersetze doch ganz einfach "Einbürgerung" durch Registrierung. Schon
lächerlich, wie im Zusammenhang mit der Vertreibung, Flucht um
Begrifflichkeiten gestritten wird.
Hauptsache ist doch, dass eine Frage so formuliert ist, damit die Intention
verstanden wird.
Guten Tag, Herr Blum,
solange der Wunsch besteht, einander zu verstehen, wird
es auf Begrifflichkeiten ankommen. Es ist deshalb nicht
"lächerlich", wenn um sie "gestritten" (?) wird. Es kann
sogar notwendig werden.
So auch hier. Die Intention ist verstanden, aber das
hilft nicht über den entscheidenden Punkt hinweg, daß es
das Gesuchte gar nicht gibt. Wer am Ende einer Flucht
oder mit einem der Vertreibung dienenden Transport in
einem Ort westlich der Oder ankam, hatte nur der
polizeilichen Meldepflicht nachzukommen, genau wie bei
jedem freiwilligen Umzug innerhalb des Reiches. Deshalb
kann es die von Jan Stefan Melzig gesuchten Quellen zur
Einbürgerung auch dann nicht geben, wenn man den Begriff
der Einbürgerung durch den der Registrierung ersetzt.
Eine Registrierung erfolgte es erst Jahre später für die
Aussiedler, die in Friedland pp. ankamen.
Mit freundlichem Gruß
Christian Keydel.
Guten Tag in Runde,
wie ich bereits geschrieben habe, was wollen Sie mit lächerlichen Akten, wenn es genügend Zeugen für die Ereignisse gibt. Was wollen Sie mit polnischen Quellen? Die sind genauso weit von der Wahrheit entfernt wie politische Aussagen der braunen Diktatoren. Hat jemand von den Diskutierenden überhaupt mal mit denen gesprochen um die es in dieser lächerlichen Wortspielerei geht? Scheinbar nicht, sonst würde solche Fragen gar nicht aufkommen. Ich berichte hier nochmals von meiner Verwandschaft und deren Nachbarn. Die Vertreibung geschah sehr unterschiedlich. Einige Orte mußten Deutsche verlassen, es sei denn sie unterschrieben sofort für die polnische Staatsangehörigkeit. In anderen Orten mußten die Deutschen bleiben, weil sonst die Infrastruktur komplett zusammengebrochen wäre. Beispiel dafür ist Kobulten. Der Ort blieb bis 1958 mehrheitlich von Deutschen bewohnt. Andere Orte mußten die Deutschen schnellstens verlassen ohne wenn und aber. In Willenberg haben die Russen den Deutschen Gewehre gegeben, um sich gemeinsam gegen die polnischen Banden zu wehren, die im Umland für Angst und Schrecken sorgten. Da wurden die Deutschen durch die Fenster erschoßen. Mein Großonkel kanm aus britischer Gefangenschaft zurück als im eine dieser Banden auflauerte. Weil er sich tot stellte hat er überlebt. Die Deutschen aus Glauch wurden in einen Viehwagon gesperrt und dann abtransportiert. Bei einem Aufenthalt in einem Bahnhof kamen die Russen in die Wagons und suchten Frauen. Sie wollten sich eine Frau aus Glauch schnappen und der Mann verteidigte sie, da hat man ihm mit dem Säbel den Arm abgeschlagen. Auch auf diesem Transport wurden die Leichen täglich einfach aus dem Wagon geworfen. Die blieben unbeerdigt dort liegen für die Wölfe und Raben. Meint jemand da wurde etwas registriert? Allenfalls im Gedächnis derer die das erlebt haben und das waren Millionen. Wahrheitsgemäße Statistiken darüber soll es geben? Bis heute ist nicht aufzuklären wieviel Tote es in Dresden gegeben hat! Die Stadt war voller Flüchlinge. Es standen Züge mit Flüchtlingen im Bahnhof. Allein das waren Tausende. Was bleibt bei den Temparaturen von einem Menschen übrig um den in eine Statistik zu kriegen? Wer soll eine Leiche identifizieren, die ein paar Monate draußen gelegen hat? In Haasenberg fanden sich noch vor wenigen Jahren solche Opfer. Die Knochen lagen auf dem Friedhof im Gestrüp. Keiner will wißen wer die Toten sind und wann sie dort entsorgt wurden. In der DDR durfte gar nicht darüber gesprochen werden, sonst gab es Ärger. Die polnischen und russischen Freunde haben nie so etwas getan! Ja, so war das!
Ich habe gefragt und Antworten erhalten von Leuten, die das erlebt haben!
Olaf Göbeler
ich kann das Geschriebene von Ihnen unbedingt bestätigen ! Daher Danke für diese Darstellung !
Von vielen Zeitzeugenberichten aus Hinterpommern kannte ich das bereits, was Sie nun beschrieben haben, alles beschriebene Schreckliche trifft zu. Ich hatte 3 Jahre recherchiert für meine Chronikschreiberei Saulin/Weodtke im ehemaligen Kreis Lauenburg-Pom., da war es auch nicht anders ...
Hallo Herr Schultz,
danke für Ihre Antwort. Leider können die Betroffenen oft nicht mehr selber sprechen. Daher bin ich der Meinung wir sollten es viel öfter machen. Ich verurteile niemanden persönlich dafür. Aber ich verurteile die Staaten, die deutsche Verbrechen anprangern und sich selbst dieser Verbrechen schuldig gemacht haben und immer noch Entschädigung fordern.
in letzter Zeit habe ich mir noch einmal meine vorhandenen Quellen
angeschaut und dabei auch die Lastenausgleichs-Akten der Familie
meiner Frau gesichtet. Außerdem kam hier zuletzt der Hinweis
zum Polnischen Institut für nationale Erinnerung.
Mal ganz naiv gefragt: Welche Quellen / Kontakte gibt es bei Fragen zu
- Vertreibung aus Ostpreußen, z.B. zum Leben der Deutschen nach 1945
bis Mitte der 1950er in Ostpreußen und zur Vertreibung / Umsiedlung
aus Ostpreußen ?
- Flucht / Umsiedlung, z.B. zu Transporten oder individueller Flucht /
Ausreise ?
- Einbürgerung, z.B. zur Ausstellung von Flüchtlingsausweisen
oder zur Einreise ins Bundesgebiet ?
Ich hoffe, dass Ihr ein paar Tipps zu diesen Themenkomplexen habt
und sich vielleicht eine Sammlung von Anknüpfungspunkten ergibt.
es handelt sich um ein komplexes Kapitel. Nicht nur, dass die Fluchtbewegung 1944/1945 sehr unterschiedliche Wege ging - zunächst, als es noch möglich war, über Land, dann massenhaft über See, vielfach mit Zwischenstationen - sondern es kamen dann noch die Ausreisen aus den bereits bestzten Gebieten hinzu. Diese erfolgten aus dem nördlichen, sowjetisch besetzten Ostpreußen zwangsweise bis ca. 1947. Ich erinnere, dass ein Lkw-Besitzer aus dem Ostharz, wo wir damals noch wohnten (russische Zone) von der Besatzungsmacht nach Königsberg geschickt wurde, um dort Deutsche abzuholen. In den ehemaligen deutschen Provinzen unter polnischer Verwaltung dauerte es mit der Ausreiseerlaubnis teilweise noch viel länger. Ich erinnere mich noch an Briefe von dort verbliebenen Verwandten, die uns Kinder schon allein wegen der polnischen Briefmarken auf den Umschlägen interessierten.
Der Begriff der "Einbürgerung" ist etwas uneindeutig. Da die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostprovinzen ja deutsche Staatsbürger waren, brauchten sie in den Gebieten, in die sie geflüchtet waren, natürlich im Wortsinn nicht eingebürgert zu werden. Der Vertriebenenausweis, den man zusätzlich zu seinem Personalausweis (im 3. Reich, "Kennkarte") beantzragen konnte (aber nicht musste), diente sowohl zum Nachweis der landsmannschaftlichen Herkunft, wie auch als Berechtigungsausweis für besondere Leistungen an Vertriebene. Er war also ein reiner Zusatzausweis. In dem Zusammenhang ist der Lastenausgleich erwähnenswert, der zunächst einmal in Form einer mehr oder weniger pauschalierten Hausratsentschädigung gezahlt wurde. Diejenigen, die über den Haushalt hinaus weiteren Besitz gehabt hatten, sei es ein Haus, einen Bauernhof, Grundstücke oder verloren gegangene Fahrzeuge (beispielsweise Schiffe), konnten diese ebenfalls geltend machen und bekamen auf deren Wert einen prozentualen Abschlag (Hauptentschädigung). Der Lastenausgleich galt ausdrücklich nicht als vollgültige Entschädigung von Besitztümern sondern war als eine Art Ausgleich für den Nutzungsausfall gedacht. Mit der Akzeptanz der Entschädigung gab also niemand seinen Besitz im Osten auf. Es wurde ja von der Mehrheit der Vertriebenen und Flüchtlinge davon ausgegangen, dass sie nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten. Es gab zu dem Zweck auch Arbeitsgruppen, die die Rückkehr und beispielsweise den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur planten.
Mit dem zunehmenden Wohlstand im Westen und dem Hinsterben der älteren Vertriebenen, nahm dann die Bereitschaft wieder "nach Hause" zurückzukehren deutlich ab. Man hatte sich inzwischen in der neuen Heimat etabliert.
Danke, Dieter, das hast Du gut gemacht, jedenfalls soweit ich das auf die
Schnelle beurteilen kann. Und danke auch an Inge Barfels. Nun habe ich aber
auch ein neues Thema, vielleicht kann jemand auch dazu etwas beitragen.
Fakt ist, dass 1947 aus mindestens einem deutschen Kinderheim in der SBZ -
dem Lager 226 in Brandenburg/Havel - Kindertransporte nach
Kaliningrad/Königsberg gingen, sie wurden nach einem mir vorliegenden
russischen Dokument quasi als repatriierte Kinder bezeichnet. Die Kinder
bekamen in Kaliningrad anstelle ihrer deutschen Identität willkürlich eine
russische, die alten Papiere wurden vernichtet.
Über diese Geschichte hat der Königsberger Express in den Ausgaben 1 und 2
des Jahrgangs 2004 berichtet. Dass die Geschichte authentisch ist, habe ich
inzwischen aus Kaliningrad bestätigt bekommen, ich habe kürzlich sogar mit
einem der Kinder hier in Deutschland sprechen können. Allerdings ist dem
Mann nicht gelungen, seine Verwandtschaft hier wieder zu finden.
Es gibt aber heute dort in und um Kaliningrad noch mehr Betroffene aus einem
der Transporte, die ihre deutschen Wurzeln suchen.- Bis vor wenigen Wochen
gab es dazu auch einen Film im Internet, der ist inzwischen gesperrt, siehe
hier mehr - YouTube .
Mir liegt eine Liste in Russisch über einen Transport von 49 Kindern vor,
jedoch haben da die Kinder schon ihre russische Identität und auch russische
Namen. Meine Suche nach den Listen der Kinder auf Deutsch und auch nach
Spuren zum Kinderheim in Brandenburg war bisher erfolglos. Wer hat eine gute
Idee?