Frage zu "genannt"-Namen

Liebe Kundige,

im 19. Jh. bekamen nichteheliche Kinder in Hannover einen
"genannt"-Namen. Bei einem Vorfahren von mir *1838 war es "Fienemann
genannt Theiler", wobei Fienemann der Name der Mutter war; sie nannte
einen Kollegen als Vater.

Die Nachkommen verwendeten, wann immer es möglich war, nur den Namen
Theiler, und der Enkel des unehelichen Kindes sich mit Antrag an das
Regierungspräsidium im Jahr 1900, im zweiten Anlauf als zweifacher
Vater (vor der Heirat hatte es nicht geklappt) offiziell in Theiler
umbenannte.

Die "genannt"-Namen sind ja mit der Zeit veschwunden, nicht nur bei
Frauen, die ihn "weggeheiratet" haben. Also werden sich wohl auch andere
Männer wie mein Urgroßvater (Enkel der unehlichen Kindes) von diesem
Namen per offzieller Genehmigung befreit haben. Der Name ist doch wie
ein Etikett: ich bin, oder mein Vorfahr war unehelich!

Was ich mich frage: Gab es eine Regel wie man sich benennen durfte? Wer
von euch hatte Vorfahren mit so einem Namen, welchen haben sie verwendet
oder in welchen sich später offiziell umbenannt?

Schöne Grüße,
Renate

Sehr geehrte Frau Ell,

die Variante mit nichtehelicher Geburt und Benennung kannte ich bisher nicht.

In Westfalen wurde dem Familiennamen (laut Geburt) bei Einheirat in einen anderen Hof oder Neubeehnung dieser als "genannt"-Name beigefügt, für einige Zeit, dann nur noch der neue Name.So bei meinen Vorahren: Ein Ostermann wurde ca 1758 mit dem Hof Plattfaut / Westönnenbelehnt. Sei nchster Sohn bekam im Kirchen-/Taufbuc den Zusatz der Vater sei "Pstermnn gennnt Plattaut", später nächste Genration nur noch Plattfaut.

Nach 1815 mit förmlichen staatlichen Registern wurden einige Zeit diese Namenskombinationen als "amtliche" Namen eingetragen und durften nachher ( sog.Versteinerung der Namen ) dann nicht mehr verändert werden.
Sie können zB heute im Internet finden in Bochum "Dr. Andreas Vierhaus gen. Schulte-Vels Rechtsanwalt und Notar".

Mit freundlichen Grüßen
Egon Peus.

Hallo Renate,

auch ich habe so einen Vorfahren:
Johann Friedrich TRAU genannt Hesse.
1859-1935.

In jenem Fall war wurde nur der Name Trau weiter gegeben.

Ich habe mich auch hier schon oft gefragt, warum und weshalb. Ich ging
immer davon aus, dass hier der Vater die Vaterschaft anerkannt hatte. Wer
allerdings jener Herr Hesse ist, konnte ich auch nicht herausfinden.

Interessant ist deine Schilderung, dass hier ein Antrag auf Namensänderung
gestellt wurde.
Vielleicht sollte ich das auch noch überprüfen...

VG Matthias

Hallo Matthias,

wo wurde Dein Vorfahre geboren? Bei meinem war es das Accouchierhaus
(siehe GenWiki) von Hannover, und das hat ein Aufnahmebuch. Dort stand
der Herkunftsort des benannten Vaters, nicht im Kirchenbuch der
Ägidienkirche Hannover.

Außerdem sollte man immer an Gerichtsakten denken bei nichtehelichen
Geburten - das war damals illegal. Diese Akten sind oft nicht erhalten,
aber man sollte es versuchen! Und zwar intensiv, weil sie, wenn
erhalten, mitunter nicht leicht zu finden sind; wir hatten zu dem Thema
mal was in der COMPUTERGENEALOGIE.

Schöne Grüße,
Renate

Hallo Herr Peus,

"genannt"-Namen haben unterschiedliche Ursachen je nach Region. Z.T.
hängt es mit Haus- und Hofnamen zusammen, die auch in verschiedenen
Regionen unterschiedlich gestaltet sind.

In meinem Fall waren die Mutter und der angebliche Vater nicht
verheiratet, und bei den anderen Personen im KB oder v.a. in den
Standesamtsakten von Hannover nehme ich das auch an. Zumal das eine
"vorübergehende Mode" gewesen zu sein scheint, vielleicht beschränkt auf
die Stadt Hannover.

Schöne Grüße,
Renate

Hallo in die Runde,

im Ostwestfälischen war der Name an den Hof gebunden.
Wenn jetzt ein Mann auf den Hof der Frau eingeheiratet hat, nannte er sich
xxx gnt.yyy, wobei sein "Geburtsname" im gnt erhalten blieb. Während bei der
Frau, der Name bei der Hochzeit wegfiel und sie als "Geborene" quasi nur
noch geführt wurde.

LG Magdalena

Hallo Renate,

mein Vorfahre wurde in Stemmen bei Scheeßel geboren.

Vielen Dank für den Hinweis auf Gerichtsakten. Ich werde mich da mal
versuchen zu erkundigen.

VG Matthias

Sehr geehrte Frau Huck,

um es noch einmal zu sagen: jedenfalls im Münsterland im 18.Jahrhundert war es umgekehrt: der von den Eltern übernommene Name war der erste, und der nachfolgende "genannt"-Name derjenige, der zB durch Einheirat auf den Hof oder dortige Besitzeinsetzung dazukam und bald als einziger geführt wurde.

Caspar Theodor OSTERMANN, geb. Allen Nov. 1707, get. Rhynern 15.11.1707, +
Westönnen 18.11.1762; er wird ca. 1757/59 von Kloster Himmelpforten belehnt mit dem Hof Plattfaut in Westönnen, nach Geburt des 8. Kindes (1757), vor Geburt des 9. Kindes ( 1759), und seither genannt PLATTFAUT .

Mit freundlichen Grüßen
Egon Peus.

Moin Renate,

das Thema wurde bereits ausreichend diskutiert. Ich selber habe die Erfahrung mit dem Höfenamen und mit den unehelichen in meiner Vorfahrenreihe gemacht. Das mit dem Höfenamen ist extrem kompliziert. Einer meiner Vorfahren tauchte als Schafmeyer auf, seine Frau mit demselben Nachnamen. Aha, Ahnengleichheit, denkste! Dann fand ich heraus das der angenommene Hofname sich bei der zweiten Heirat durch einen weiteren Hofnamen ergänzte.

Bei den unehelichen sah es anders aus. Meine Ururgroßmutter hatte ein uneheliches Kind das den Namen der Mutter und des angegebenen Vater trug mit dem Vermerk "genannt". Diese Namensnennung zog sich dann zwei Generationen weiter um dann zu verschwinden. Meine Oma wurde 1872 geboren und trug den Namen Weyhe genannt Dreyer. So wurde sie bei der Heirat und bei der Geburt ihrer Kinder bis 1915 im Standesamt geführt. Auch ihre Geschwister trugen diese Namen, erst bei ihrem Tod hieß sie nur noch Weyhe. Laut dem Familienbuch von 1940 hieß es dass der Familienname so geführt wird wie er einmal festgeschrieben wurde. Wann und warum das Prinzip des "genannt" abgeschaft wurde konnte ich bisher nicht ermittel. Ich vermute aber das es nach dem ersten Weltkrieg mit der Einführung der (vorsichtigen) Emanzepation abgeschafft wurde. Da Omas Kinder den Namen des Vaters bekamen verlosch dieser "Brauch" in meiner Familie.

Leider keine erschöpfende Erklärung, aber vieleicht ein Hinweiß.

Lieben Gruß aus Norddeutschland

Peter

Wikipedia schreibt dazu:
  Genanntname – Wikipedia (Genanntname – Wikipedia)
Holger
www.holger-schultz.de