Lieber Volker !
Ich halte deine Lösung für denkbar aber unwahrscheinlich!
Mir fiel auf. dass es in den Verlustlisten keinen Ort gibt (Die Verlustlisten WK I sind von der WASt vollkommen verkartet...)
Wenn ein Todesort angegeben ist, kommt die Nachricht sicher von der Einheit (Beileidsbrief des Kompaniechefs, der haette aber auch eine Meldung fuer die Verlustliste abgegeben (da passte der Adjutant auf, und der hatte so eine unangenehme Art des "Hammelbeine langziehens")
Also das Sytem funktionierte etwa so: Soldat wurde verwindet und von seinen Kameraden dem Regimentsarzt als "neukrank" zugeschleppt (Es gab auch Krankentraeger, die das Gefechtsfeld absuchten). Der Arzt nahm die Behandlung auf, amputierte uebertahlige Teile auf seinem Verbandsplatz und verfuegte die Weiterverlegung der transportfaehigen auf den Hauptverbandsplatz, wo es ruhiger war (weil nicht mehr direkt rumgeballert wurde und die Artillerie davor (also naeher an der Front stand.) Hier wurde die erste vollstaendige Untersuchung durchgeführt und Buchfuehrung betrieben: Eingeliefert von..... (da stand dann statt der Einheit des Patienten auch schon mal die Einheit des Transportunternehmens, insbesondere wenn der Patient mangels Bewußtsein die Aussage verweigerte, wozu der Regimentsarzt durch reichlichen Drogeneinsatz (Morphium) beigetragen hatte. Vom Hauptverbandsplatz fuhren dann regelmaessig Zuege, die die transportfaehigen Patienten moeglichst schnell in die Heimat befoerderten (Die 2. bzw 3. Staffel der Lazarette lag im Westen schon hinter dem Rhein!) Hierzu wurden Abgabescheine und "Willkommensanzeigen" des aufnehmenden Lazaretts an das Krankenbuchlager abgesetzt (Nebenabdruck an die Kueche, wegen Ermittlung der auszugebenden Fruehstuecke)
Suwalki lag nun 1915 zwar weit hinter der Front aber noch im Kriegsgebiet und leider nicht im Reichsgebiet, wo man die intakte Infrastruktur fuer Heimatlazarette erwartete und eigentlich lag es auch nicht an einer Eisenbahn, sondern eher an einer Haupt-bimmelbahn sechter Ordnung)....
AUSSERSEM: Ordnung musste bei Preussens sein: Ohne ordnungsgemaesse schriftliche Meldung auch nicht verwundet...
Aber die fehlende Meldung muss sicher einer hoeheren Ordnung unterliegen und damit erklaerbar sein:
1. direkt gefallen------> Verlustliste durch Chef
2. beim Aufruf durch den Spieß------> "Aaaaaackermann!!!!" -> Verlustliste durch den Chef: "Wir suchen weiter"
3. Gefangenschaft-----> siehe 2
bleibt also nur
4. schwere Verwundung und Transport in ein Lazarett........
"Muss man den hier alles selber machen ?" "Schicken wir ihn doch zu den Österreich-Ungarn, die sollen so leckere Nudeln kochen".... Und damit ging das Drama los: Er kam auf einen ungarischen Honved-(Landwehr) Hauptverbandsplatz der in Kroatien aufgestellt worden war..... kein Memsch sprach polnisch!!!. Aber die Meldung wurde abgeschickt an ein k.k. Verlustmeldungsamt im boehmischen Prag. Dort befand sich der zustaendige Aktuar gerade im Sonderurlaub, anlaesslich seiner 3. Eheschliessung und hatte den Dolmetscher als Trauzeugen (und Taufpaten) zu den Feierlichkeiten zugezogen..... Direkt danach (und dreieinhalb Jahre spaeter) kam dann leider die nationale Erhebung der vorschriftsmaessigen Abwicklung der Geschaefte in den Weg...
Woraus Ludwig Thoma dann (leicht verfremdet, er war schließlich in der Pfalz gebohren und daher neutral) sein beruehmtes Machwerk "Ein Muenchner im Himmel" kolportierte: "A Manna! Ah MANNNNNA!"
(;-))))
Ernst