Frage an Preußen-Militärexperten

Liebe Preu�en-Milit�rkenner in der Runde,
wo Wikipedia nicht weiterhilft, gibt es vielleicht Experten, die mehr wissen:
Da fand sich k�rzlich ein Brief, den 1874 mein F�rster-Urgro�vater aus Frankfurt/Oder an seinen damals 19j�hrigen Sohn (meinen sp�teren Gro�vater) schrieb.
Adresse: "J�ger Albert Herrmann, 2. Comp. d. 1st.Ostpreu�ischen J�ger-Bataillons in Braunsberg." - Soweit, so klar.
Was mir nicht klar ist: Ab welchem Alter bestand denn nun Wehrpflicht? Ab 17, wie bei Wikipedia zu lesen ist?
Und f�r wie lange? War es �blich, dass die Rekruten zu weit entfernten Standorten geschickt wurden, oder h�tte mein Gro�vater z. B. auch ins n�her gelegene K�strin gehen k�nnen?
Wie sah es mit Sold und Urlaub aus? (Urgro�vater fordert seinen Sohn auf, mit dem Geld, das er ihm �berwiesen habe, zu haushalten und "das Reisen" sein zu lassen.)
Im Jahre 1886 taucht mein Gro�vater in K�nigsberg/Pr. als "Forstpolizei-Sergeant" auf.

Einen sch�nen Sonntag w�nscht

Barbara

Liebe Frau Trappe,

Ein junger Mann in Preußen wurde mit 17 Jahren "Wehrpflichtig", d.h. aber
damals nur, dass er in den Landsturm eingewiesen wurde und sonst keine
weiteren Auflagen hatte; lediglich bei einem Kriegsausbruch wäre er
verpflichtet gewesen, sich beim Landsturm zu melden.
Mit 20 Jahren wurde er dann "militärpflichtig", d.h. er wurde in der Regel
in der ersten Jahreshälfte des Jahres in dem er 20 Jahre als wurde gemustert
und wenn er tauglich war und die "richtige" Losnummer zog auch im Herbst
dieses Jahres eingezogen.
Junge Männer wurden dort gemustert und eingezogen, wo sie zum Zeitpunkt
ihrer Militärpflicht lebten. Maßgeblich hierfür war der Kreis in dem er
lebte und das für diesen Kreis zuständige Landwehr-Bataillon, da alle Kreise
in Preußen einem Landwehr-Bataillonsbezirk als Aushebungsbezirk zugewiesen
waren.
Lediglich für die Jäger galt eine etwas andere Regelung, da diese in den
Jäger-Bataillonen zu dienen hatten, und da gab es nun einmal nur jeweils
eines in jedem Armeekorps. Wenn er nun in Frankfurt/Oder lebte, hätte er
eigentlich zum Jäger-Bataillon Nr. 3 des III. Armeekorps eingezogen werden
müssen, welches in Lübben (Spreewald)stationiert war.
Wenn Ihr Großvater nun schon mit 19 Jahren Soldat geworden war, war er dies
entweder als "Freiwilliger" oder als "Einjährig Freiwilliger". Als
Freiwilliger konnte er sich auch den Truppenteil aussuchen, bei dem er
dienen wollte. So kam er möglicherweise nach Braunsberg. Vielleicht lebte er
aber auch schon in Ostpreußen und machte dort seine Försterlehre.Die
Tatsache, dass er 1886 als Sergeant bei der Forstpolizei diente, ist ein
weiterer Hinweis darauf, dass er Freiwilliger (und Längerdiener) war, da
solche Stellen im öffentlichen Dienst meistens an ehemalige Unteroffiziere
vergeben wurden.
Das Einkommen eines Rekruten oder eines "Gemeinen" - so wurde der einfache
Soldat damals offiziell noch genannt - war nicht hoch. 1900 bestand das
"Diensteinkommen" aus der Löhnung, dem Brotgeld oder Brot, einem
Beköstigungsgeld sowie der Bekleidung und einer Wohnung mit Heizung,
Beleuchtung etc.(das konnte z.B. die Unterkunft in der Kaserne sein, 10-12
Mann auf einer Stube, 4,5 Quadratmeter/Person). Die Löhnung für Gemeine
betrug 6,60 Mark monatlich, das Beköstigungsgeld für Mannschaften monatlich
9 Mark, dafür musste sich der Soldat in der Kantine oder anderswo ein warmes
Essen kaufen, Brot gab es umsonst. Urlaub war eine ganz rare Ressource.
Einen Rechtsanspruch auf Erholungsurlaub gab es überhaupt nicht.
Mannschaften konnten durch ihren Regimentskommandeur bis zu 8 Wochen
beurlaubt werden, der Bataillonskommandeur durfte nur 4 Wochen, der
Kompaniechef 2 Wochen beurlauben. Die Brotverpflegung fiel im Urlaub weg,
die Löhnung nur in Ausnahmefällen nicht. Diese Urlaubsgewährung galt nur für
besondere Fälle, z.B. der Vater war krank geworden, es war kein anderer da,
der dir Arbeit übernehmen konnte, Sohn musste die Ernte einbringen, da sonst
die Existenz der Familie bedroht war. Ansonsten gab es freie Tage am
Standort, wie z.B. Sonntags, an denen er Soldat Ausgang bis zum
Zapfenstreich hatte.

Sie können zum Preußischen Militär an vielen Stellen nachlesen, z.B. in dem
großen Lexikon von Meyer, Ausgabe 1905, wo es zahlreiche Informationen zum
Militärsystem gibt, das es auch als Studienausgabe in der Digitalen
Bibliothek gibt und das man auch im Internet finden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Hans-Christoph Surkau

HALLO,
LIEBE FRAU
BARBARA TRAPPE !

vielen, herzlich Dank f�r Ihren folgenden Text unten
ich habe mich sehr gefreut !!!

Ihr
alter PETER CONRAD
(Sie wissen vieleicht jetzt 1926 - 2012)
- Erkl�rungen wohl �berfl�ssig -